Sonntagspredigten                                

 Hier finden Sie - bis auf Weiteres in Coronazeiten - die Sonntagspredigten von Pastor Günter Loos in schriftlicher Form.

 

 

 

                              „Ich komme mit“                                                1

                              Predigtimpulse zu Rut 1,1-19

                     für den 3. Sonntag nach Epiphanias 2021

 

 

Liebe Lesende,

 

Die Geschichte von Rut, die als Witwe und Flüchtling sich auf den Weg in eine neue Heimat macht, löst Bilder in mir aus:

  • Frauen und Männer haben sich in Honduras zu Fuß auf den Weg gemacht, um im Norden Amerikas Arbeit und Brot zu finden, und werden an der Grenze vom Militär angegriffen;

  • Alte und Junge Menschen sitzen auf der griechischen Insel Lesbos im Regen in ihren überschwemmten Zelten und warten darauf, dass ihre Odyssee auf der Suche nach einer neuen Heimat endlich vorbei ist.

  • Aber auch diese Erinnerung gehört für mich zu dieser Bibelgeschichte: meine Tante erzählte sehr eindrücklich von ihrer Flucht als junges Mädchen aus dem Umland von Berlin Richtung Westen während die russischen Truppen Berlin 1944 vom Osten her angriffen.

Die Geschichte der Rut ist ruhiger erzählt, als die Geschichten, die Sie und ich vielleicht im Kopf haben, wenn wir an Menschen auf der Flucht denken, aber es sind immer Geschichten von Menschen, die alles riskieren für ihre Hoffnung. Und oft bleibt Ihnen nur der Glaube, dass ein Anderer ihnen helfen wird, damit sich Hoffnungen erfüllen.

 

 

Der Bibeltext: Ruth, 1-19a

 

 

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

 

 

3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.

 

7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern:

 

 

Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause!” Und sie küsste sie.”

 

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: “Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.”

11 Aber Noomi sprach: “Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.”

14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.

15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.”

16 Rut antwortete: “Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.”

18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. (Luther 2017)

 

1. „Kehr Doch um“ (V.8)

 

Diesen Satz scheinen zu allen Zeiten die zu hören, die sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft machen: Bleib wo Du bist, geh wieder zurück, such Dein Glück dort, wo Du das Leben kennst und wo Du herkommst.

 

Wenn wir in unserer Wohngemeinschaft in der Detmolder Mühlenstraße vor einigen Jahren miteinander aßen, Probleme besprachen und die deutsche Sprache übten, dachte ich das auch: wie wollt ihr hier in diesem fremden Land eine Zukunft finden? Zuhause seid ihr in eurer Familie verwurzelt, ihr sprecht die Sprache und wisst, wie die Dinge zu regeln sind. Hier in Deutschland ist alles fremd.

Inzwischen haben Baran, Selamawit und Naszreth aus dem eritreischen Hochland angefangen, ihren Platz in diesem fremden Land zu finden. Der älteste Bruder schließt in diesen Wochen seine Ausbildung als Altenpfleger in der Diakonis-Einrichtung ab, seine nächst jüngere Schwester hat einen jungen Mann aus Eritrea geheiratet und ihre Hochzeitsfeier in Lage ausgerichtet. Sie lässt sich als wie ihr Bruder zur Altenpflegerin ausbilden. Aus dem Nesthäkchen, die als 16jährige mit einem Flüchtlingsboot nach Italien kam, ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die sich in Detmold um ihre Ausbildung kümmert und für die die Coronabeschränkungen so ärgerlich für den Lebensalltag sind wie wohl für alle jungen Leute in ihrem Alter.

 

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu sehen ist: in der Regel können viele nicht mehr umkehren, wenn sie sich erst mal auf den Weg gemacht haben. Der Krieg, der in den vergangenen Wochen im äthiopischen Norden geführt wurde, fand unmittelbar in der Nähe der Region statt, in der Baran, Selamawit und Naszreth als Kinder groß geworden sind. Tigray, ihre Heimat, ist eine umkämpfte Region im Osten Afrikas und die autoritäre Politik in Eritrea hat über Jahrzehnte die Konflikte verschärft und das Leben unsicherer gemacht. Woanders liegt die Zukunft, (noch) nicht in der geliebten Heimat im Osten Afrikas für die junge Generation des Landes.

 

Die Schwiegermutter weiß, auf was auf die junge Witwe Rut zukommt, wenn sie als Ausländerin in Israel sesshaft werden will. Sie wird immer die Andere bleiben, die hier nicht geboren ist, die einen fremden Akzent hat und die auch einen anderen Glauben mitgebracht hat.

Die eine Schwiegertochter folgt dem Rat der älteren Naomi und geht zurück, Rut wehrt sich gegen diesen Ratschlag und bleibt bei ihrer Schwiegermutter. Wir kennen nur die eine Geschichte und die hat am Ende durch Gottes Hilfe, viele Wunder und die Liebe von Boas, einem Bauern in Israel, für Rut ein Happy-End gehabt. Die Geschichte von Ophra kennen wir nicht und wir können nur spekulieren, was aus ihr am Ende geworden ist.

 

2. „Wo Du hingehst, will auch ich hingehen.“

 

Mit diesem Satz ist Rut berühmt geworden. Viele Hochzeitspaare haben für ihre Ehe diese Worte Ruts als Orientierung für sich gewählt: „Ich verbinde meinen eigenen Weg mit dem Weg eines anderen Menschen, …und gehe nicht zurück.“

Rut ist mutig und hier zeigt sie, wie viel Mut und Glaube zu ihrer Fluchtgeschichte gehört. Ein Mensch weiß nicht, was ihn erwartet, aber er vertraut dem, der mit ihm unterwegs ist. Es gibt in der Geschichte keine Erklärung, warum Rut dieses Vertrauen in ihre Schwiegermutter Naomi gesetzt hat. Die Geschichte wird einfach erzählt und wir dürfen bis heute diese junge Frau und ihren Mut bewundern.

Der Schritt Ruts löste eine ganz andere Geschichte aus. Die Ausländerin aus Moab wurde zur Ur-ur-ur…Großmutter Davids und auch in den Ahnenreihen Jesu taucht ihr Name in den Evangelien auf. Die Entscheidung Ruts für das Leben in Israel, für ihre neue Familie und den Glauben an den Gott ihrer Schwiegermutter verändert die Geschichte Israels. Nicht der Stammbaum einer lupenreinen Abstammung prägt die Geschichte des berühmtesten Königs Israels, sondern die gelungene Geschichte eines Neuanfangs der Frau aus Moab in Israel.

Die Geschichte Israels ist voll von Fluchtgeschichten und bis heute gehört zum Grundbekenntnis Israels die Erinnerung an den Weg Abrahams quer durch den Vorderen Orient.2 Rut passt gut in diese Tradition des wandernden Gottesvolkes. Doch diese Geschichte des Unterwegs-seins als Volk Gottes ist immer auch die Geschichte von den wunderbaren Freiheits- und Segenserfahrungen, die Menschen auf diesem Weg mit ihrem Gott gemacht haben.

 

Da trifft die alte Geschichte wieder auf unsere aktuelle Gegenwart.

Wir können in den kommenden Wochen nicht einfach auf unserem Weg weitergehen. Monate des Aussetzens des normalen Lebens und viele Tage des Lockdowns liegen hinter uns. Wollen wir einfach irgendwann im Laufe dieses Jahres an dem Tag weitermachen, vor dem Mitte März 2020 unser Land in den Corona-Modus geschaltet wurde? Oder wagen in der Tradition von Rut den Schritt in eine andere Zukunft?

Ich wünschte uns in diesen kommenden Monaten Menschen an unserer Seite, denen wir das sagen können: „Wie Du das nun machen wirst, so will ich es nun auch wagen“:

  • Freunde und Nachbarn, die nun einfach Feste organisieren, Reisen planen und zu Essen einladen, damit man sich wiedersieht;

  • Gemeinde-AufbauerInnen, die einfach sich und ihr Leben wieder der Arbeit Christi in dieser Zeit und Welt zur Verfügung stellen;

  • Lebens-Veränderer, die anders einkaufen, anders unterwegs sind und anders arbeiten, damit damit sich neue Verhaltensweisen im Umgang mit der uns von Gott anvertrauten geschaffenen Welt festsetzen können.

 

Ich habe ein Gebet gefunden, das Gott bittet, uns neu den Glaubensmut der Rut zu geben:

Wo du bist, Gott, zählen Geschlecht, Hautfarbe und Herkunft nicht mehr.

Wo du wirkst, Gott, leben Menschen und Kulturen in aller Verschiedenartigkeit miteinander.

Wo du bleibst, Gott, verlieren Angst, Vorurteile und Hochmut ihre Macht.

Darum lass uns, Gott, immer wieder bei dir sein und mit dir leben. 3

Amen.

 

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:

Mühlenstraße 16 / 32756 Detmold / Tel.: 05231-23297

Mobil: 0176 – 239 236 20 / e-mail: guenter.loos@emk.de / home-office: 05232-9805270

 

1 Marc Chagall hat 1960 das Buch Rut mit fünf Bildern illustriert. Hier sieht man die 1. Grafik „Naemi und ihre Schwiegertöchter“

2 5. Mose 26,5: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk.

3 Sabine Winkler, in „Beten“, hg. vom Landesjugendpfarramt der Ev.-luth. Landeskirche Hanover,2000, Nr.3.13

 

----------------------------------------------------------------------

 

 

                                 Eine Hochzeitsgeschichte                                      

 

                          Predigtimpulse zu Johannes 2, 1-11

 

                      für den 2. Sonntag nach Epiphanias 2021

 

 

Liebe Lesende, lieber Leser

 

Hat Sie in der letzten Zeit eine Geschichte gepackt?

Wenn so etwas passiert, dann muss man den Film bis zum Nachspann ansehen oder man braucht man Zeit für ein nächstes Kapitel und übernächsten Kapitel.

Es liegt bei einer gut erzählten Geschichte oft gar nicht am Genre, in dem sich das Geschehen entwickelt.

Ein gutes Abenteuer muss so lebendig, überraschend und einfühlsam erzählt werden, dass man als Zuhörer mit den Heldinnen und den Helden mitfiebert und am Ende tief ausatmet, wenn alles vorbei ist.

Bis in einer packenden Liebesgeschichte der letzte Satz gelesen ist, gehen wir mit ihm und ihr durch das Wechselbad unserer eigenen Gefühle. Wir verzweifeln an der Tragik im Leben des Anderen, die keinen Raum für Veränderungen oder Offenheit lassen, und freuen uns an dem Wunder der Liebe, die möglich macht, was am Anfang unmöglich schien.

Natürlich ist auch ein Krimi kein Garant für ein sicheres Lesevergnügen, aber wenn man von Szene zu Szene, von Kapitel zu Kapitel innerlich immer mehr Teil des Ermittlerteams wird und bewundernd denkt, auf diesen letzten Winkelzug wäre ich nie gekommen, dann hat die Geschichte funktioniert.

Die Geschichten Jesu brauchen ihre Erzähler, die mit Engagement und Liebe zur Sache Andere packen wollen mit dem, was sie aufgeschrieben haben.

In vielen Kirchen drückt man die Hochachtung für diese Künstler,

Die Evangelisten schließen seit vielen seit Generationen eine Tür zu dem auf, was in der Tiefe vieler Episoden von Jesus zu entdecken ist. In vielen Kirchen drückt man die Hochachtung für diese Künstler in vier Symbolen aus.

Man sieht den Engel oder den Menschen, der an den Evangelisten Matthäus erinnert, den Löwen, der für den Evangelisten Markus steht, den Stier für Lukas und den Adler, der dem Evangelisten Johannes zugeordnet wird.1 Mit ihrem ganz eigenen Blick auf die Berichte, die sie von Jesus kannten, setzen die Evangelisten ihre Akzente und führen ihre Leser an die Stellen, wo für sie selbst die Entscheidung gefallen sind: diesem Jesus will ich glauben und ihm will ich nachfolgen.

Der Evangelist Johannes ist der Prediger unten den Jesusbiographen. Er nimmt sich Zeit für einzelne Episoden und findet klare Worte, wie ein Wunder Jesu zu verstehen ist. Doch er kümmert sich in seinem Erzählen auch darum, dass man gut in eine Geschichte reinkommen kann und Platz für eigene Beobachtungen hat. Ganz am Anfang seines Evangeliums erzählt Johannes von einer Hochzeit…:

 

1 Zwei Tage später wurde in dem Dorf Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dort, 2 und auch Jesus hatte man mit seinen Jüngern eingeladen.

3 Als während des Festes der Wein ausging, sagte seine Mutter zu ihm: »Es ist kein Wein mehr da!« 4 Doch Jesus antwortete ihr: »Es ist nicht deine Sache, mir zu sagen, was ich tun soll! Meine Zeit ist noch nicht gekommen!« 5 Da sagte seine Mutter zu den Dienern: »Was immer er euch befiehlt, das tut!«

6 Nun gab es im Haus sechs steinerne Wasserkrüge. Man benutzte sie für die Waschungen, die das jüdische Gesetz verlangt. Jeder von ihnen fasste 80 bis 120 Liter. 7 Jesus forderte die Diener auf: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie füllten die Gefäße bis zum Rand. 8 Dann ordnete er an: »Nun bringt dem Mann, der für das Festmahl verantwortlich ist, eine Kostprobe davon!« Die Diener befolgten seine Anweisungen.

9 Der Mann probierte das Wasser: Es war zu Wein geworden! Er wusste allerdings nicht, woher der Wein kam. Nur die Diener wussten Bescheid. Da rief er den Bräutigam zu sich 10 und hielt ihm vor: »Jeder bietet doch zuerst den besten Wein an! Und erst später, wenn die Gäste schon betrunken sind, kommt der billigere Wein auf den Tisch. Aber du hast den besten Wein bis jetzt zurückgehalten!«

11 So vollbrachte Jesus in dem Dorf Kana in Galiläa sein erstes Wunder. Er offenbarte damit zum ersten Mal seine göttliche Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

(Johannes 2, 1-11 nach: Hoffnung für Alle)

 

1. Zurückhaltung…

 

Jesus will noch nicht, aber man ahnt, das wird sich noch ändern. Der Evangelist Johannes fängt seine Hochzeitsgeschichte mit einem ernstzunehmenden Streit an: Maria, die hier keinen Namen hat und nur in ihrer Stellung als Mutter Jesu auftaucht, bringt die Geschichte in Gang. Sie stichelt und diskutiert mit ihrem Sohn: „Sieh doch, hier gibt es keinen Wein mehr!“

Doch Jesus weist sie schroff zurück: „Du hast mir hier nichts zu sagen und meine Zeit, hier etwas zu tun, ist noch nicht da.“ Doch, Jesus, so hört man Johannes beim Schreiben im Stillen sagen, hier ist genau der richtige Augenblick, um zu zeigen, wer Du bist.

Maria kennt wohl diesen Konflikt bei Jesus, der sich zurückhalten will mit dem, was ihm von Gott anvertraut ist. Auch sie schaltet einen Gang zurück und ermahnt die Mitarbeiter bei der Feier, einfach zu warten, bis ihr Sohn anfangen wird, etwas zu tun.

So nebenbei bringt unsere Hochzeitsgeschichte ein Thema ans Licht, was viele kennen, die im Glauben ihren Weg gehen:

wann ist der richtige Zeitpunkt, den Glauben ins Spiel zu bringen?

Wird es nun peinlich, wenn ich davon erzähle, wie ich eine Sache sehe, weil ich an Gottes liebende Gnade glaube?

Oder sollte ich warten, bis ich durch Anfassen und Mithelfen zeigen kann, dass mein Glauben nicht nur eine Überzeugung, sondern eine Grundhaltung in meinem ganzen Leben ist?

Jesus hält sich zurück und braucht das mahnende Wort Marias, um sich überhaupt dem offensichtlichen Problem vor Ort zu stellen. Das hätte man so von Jesus nicht erwartet, aber der Evangelist Johannes lässt diese Reaktion Jesu nicht unter den Tisch fallen.

Das lässt bis heute Raum für das eigenes Suchen und Fragen:

Herr, soll ich mich hier engagieren oder gibt es einen anderen Ort, wo Du mich mit meinen Begabungen gebrauchen kannst?

 

2. Aktion…

 

Der erzählende Evangelist hatte es zwischen den Zeilen schon durchschimmern lassen: natürlich wird Jesus hier nicht passiv bleiben und über die für alle sichtbare Not hinweg gehen.

Doch die Reaktion Jesu ist still und unspektakulär.

Ein großer Magier hätte sich für das Wunder eine Bühne gesucht, viele Worte gemacht und die Spannung aufgebaut, ob denn am Ende wirklich neuer Wein in den Krügen zu haben ist.

Jesus nimmt, was da ist. Wasser fand sich noch genug im Brunnen. Nur Wasser, mehr brauchte es nicht.

Wenn Jesus mit seinen Wundern zeigt, dass mitten unter uns Gottes andere Welt sichtbar werden will, dann gibt es nichts, was alltäglich genug wäre, um nicht die Macht Gottes zeigen zu können.

Hier ist es das Wasser, was nicht nur zum Wasser des Lebens wird, sondern am Ende zum köstlichen Festwein. An anderer Stelle weckt Jesus im Namen Gottes Menschen aus dem Schlaf auf, die nach menschlichem Urteil gestorben waren. Ein Blinder bekommt eine Creme mit Sand und Erde vom Wegesrand auf seine Augen gesalbt und kann wieder sehen. Oft ist es nur ein Wort Jesu und Menschen werden gesund.

Jesu Aktion macht Gottes Gegenwart dort sichtbar, wo wir mit den eigenen Augen nur auf unsere Möglichkeiten sehen. Gott will nicht das Fest des Lebens abbrechen und begrenzen, sondern wie bei den tagelangen Hochzeitsfeiern damals in Israel üblich, freut Gott sich mit, wo Menschen das Leben in seiner ganzen Fülle feiern können.

Darum gibt es am Ende nicht nur einige wenige Tropfen guten Weins, sondern bis an den Rand sind die Krüge wieder gefüllt, weil wir mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde immer wieder dieses Leben feiern sollen.

 

3. Überraschung…

 

Zur eindrücklichsten Szene, die Johannes in dieser Geschichte erzählt, gehört sicher das verdatterte Gesicht des Weinexperten, der nicht glauben kann, was er da gerade kostet. „Das ist ein Spitzenwein!“, sagt er in seiner Überraschung, „wo habt Ihr den so lange versteckt!“

Viele Wunder Jesu berichten von überraschten Menschen. Denn Überraschungen gehören zum Mittel der Wahl, wenn Menschen Gott begegnen. Mein anleitender Pastor machte mir vor vielen Jahren Mut, in Gottesdiensten Überraschungen einzuplanen, damit man nicht die Sensibilität dafür verliert, wie Gott uns begegnet.

Begegnungen mit Gottes Möglichkeiten und seiner Liebe sind nicht planbar und in den Terminkalender einzutragen. Sie geschehen und brauchen unsere Offenheit, sie geschehen zu lassen.

Hier ist es das Wasser, was den Sommelier zum Schwärmen bringt. An anderem Ort singt der Chor sein Lied, und von jetzt auf gleich sind alle gepackt von dem, was ihnen da zugesungen wird. Ein Operationsteam tut die Arbeit, der es sich schon unzählige Male gestellt hat, aber nun lernt man den Menschen kennen, der nach der Operation wieder ohne Schmerzen gehen kann oder dessen Herz wieder gleichmäßig schlägt.

Wir übersehen immer wieder nicht nur im Trubel eines Festes, sondern auch im Alltag der Sorgen, Ängste und Fragen die Zeit und den Ort, wo der Himmel seinen Platz hat mitten in meinem Leben. Nicht das Wunder, von dem Johannes erzählt, macht am Ende den Kern der Geschichte aus, sondern die Entdeckung, wie unerwartet nahe uns Gottes helfende Gnade ist.

 

Amen.

 

 

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:

Mühlenstraße 16 , 32756 Detmold   Tel.: 05231.23297

od.: 0176 – 239 236 20     e-mail: guenter.loos@emk.de

home-office: 05232.9805270

 

 

1 Die Kanzel findet sich im alten Kloster in Bologna . Bild: B.Braeske 2019

 

 ---------------------------------------------------------------------

 

                                    Gemeinsam…                                                     

                    

                      Predigtimpulse über Römer ,12, 1-8

                  für den 1. Sonntag nach Epiphanias 2021

 

Liebe Lesende,

 

vor 50 Jahren wurde mein Vater als Pastor in die Gemeindearbeit nach Ostfriesland geschickt. Damals prägte die Milchviehwirtschaft noch in vielen Familien den Alltag und es gab in der Neuschooer Gemeinde einen Abendmahlskonflikt, der sich nicht lösen ließ. Die Mitglieder zweier wichtiger Gemeindefamilien kamen schon lange Zeit wegen eines Streits zwischen den benachbarten Höfen nicht zum Abendmahl. Jede Familie besaß eine große Viehweide, die aneinander stießen. Doch zwischen den Feldern gab es nur eine Wasserstelle. Schon über Generationen hinweg war nicht zu klären gewesen, zu welchem Land das Wasser gehörte und für beide Herden reichte es damals noch nicht. Weil dieser Konflikt im Laufe der Zeit auch ganz andere Fragen zwischen den beiden Familien mit beherrschte, sah man in beiden Familien keine Möglichkeit, gemeinsam mit reinem Herzen an der Abendmahlsfeier in der Gemeinde teilzunehmen.

 

Der Bibelabschnitt in Römer 12, 1-8 sucht in seiner Zeit nach geistlichen Antworten, wie menschliche Konflikte und unterschiedliche Überzeugungen überwunden werden können, wenn Menschen im Namen Jesu Christi zusammenkommen:

 

1 Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe. 2 Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.

3 In der Vollmacht, die mir Gott als Apostel gegeben hat, ermahne ich euch: Überschätzt euch nicht, sondern bleibt ehrlich und bescheiden im Urteil über euch selbst. Keiner von euch soll sich etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm geschenkt hat. 4 Unser Körper besteht aus vielen Teilen, die ganz unterschiedliche Aufgaben haben. 5 Ebenso ist es mit uns Christen. Gemeinsam bilden wir alle den Leib von Christus, und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen. 6 Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben geschenkt. Hat jemand die Gabe bekommen, in Gottes Auftrag prophetisch zu reden, dann muss dies mit der Lehre unseres Glaubens übereinstimmen.

7 Wem Gott einen praktischen Dienst übertragen hat, der soll ihn gewissenhaft ausführen. Wer die Gemeinde im Glauben unterweist, soll diesem Auftrag gerecht werden.

8 Wer andere ermahnen und ermutigen kann, der nutze diese Gabe. Wer Bedürftige unterstützt, soll das gerecht und unparteiisch tun. Wer eine Gemeinde zu leiten hat, der setze sich ganz für sie ein. Wer sich um Menschen in Not kümmert, der soll es gerne tun. (Hoffnung für Alle)

 

 

 

1. Gemeinsam Gottesdienst feiern

 

Um einen Weg in die Gedanken von Paulus hinein zu finden, muss man wissen, wie sehr sein Bild vom richtigen Gottesdienst von der Praxis am Tempel und in den jüdischen Synagogen geprägt war. Er ist jüdisch erzogen worden und galt bis zu seiner Bekehrung zu Christus als ein besonders eifriger Verteidiger der jüdischen Tradition. Im Mittelpunkt des Tempelgottesdienstes in Jerusalem stand das Opfern von Tieren. Die altorientalischen Tempelzentren glichen oft mehr Viehmärkten, als Orten der Andacht und der Besinnung. Gottesdienst, so betont Paulus auch in unserem Bibelabschnitt, bedeutet, Gott zurückzugeben und ihm zu opfern, was sein ist und uns nur für eine Zeit anvertraut wird.

 

Im Gottesdienst in den Synagogen hatte das gemeinsame Lesen in den Schriften und das Beten seine zentrale Bedeutung, doch in unserem Text spielt für Paulus der Tempel die wichtigere Rolle.

 

Gemeinschaft entsteht unter Christen dadurch, so argumentiert er, dass jeder und jede für sich sein Leben als ein Geschenk von Gott annimmt und dieses Leben in Konsequenz für den (Gottes-)Dienst nutzt.

 

Dieser Anspruch, dass christliches Leben sich im Engagement für Gottes Sache im Sinne Jesu in gemeinsamer Arbeit und in der diakonischen und begleitenden Liebe für andere zeigt, ist bis heute ein Merkmal christlicher Gemeinde geblieben.

Ich gehe manchmal für mich die einzelnen Geschwister durch, die ich in Gottesdiensten regelmäßig sehe. Ich überlege, wo engagiert sich dieser Mensch für Andere oder für die Sache der Gemeinde. Es sind nur wenige, bei denen ich keine Antwort finde. Wir feiern unsere Gottesdienste, weil wir gemeinsam in einer Dienstgemeinschaft stehen.

 

2. Gemeinsam engagiert mit ganz verschiedenen Gaben

 

Das von Gott geschenkte Leben hat ganz sichtbare Formen für jeden von uns. Die eine entdeckt, wie gut sie Fussball spielen kann und ein anderer ist mit einer wunderbaren Stimme gesegnet. Einigen macht schwere körperliche Arbeit wenig aus, andere sind Expertinnen in der Lösung der filigranen, verzwickten Probleme. Niemand wird alles immer gleich gut können und darum steckt viel Weisheit und Lebenserfahrung darin, wenn Paulus seinen Gemeinden empfiehlt, trotz ganz unterschiedlicher Begabungen ihr Engagement für Christus gemeinsam zu leben.

 

Für die Gemeinden, an die Paulus seinen Brief schrieb, buchstabiert er diese Erkenntnis in Hinblick auf die bekannten kirchlichen Dienste hin durch (siehe V. 6-8): einige haben ein waches prophetisches Gespür und können mit ihren Gedanken andere geistlich stärken; andere haben ihre Aufgaben in der praktischen Arbeit in der Organisation der Gemeindetreffen oder der Verpflegung bei den Treffen; es gab beauftragte Menschen in der Gemeinde, die sich um die Fürsorge für andere kümmerten und auch leitende Ämter brauchten Menschen mit der Begabung, das Wohl aller in der Gemeinde im Blick zu haben und nicht nur parteiisch zu regieren.

 

Nur in dieser Vielfalt an Aufgaben, die gemeinsam angenommen und bearbeitet werden, nur in der Fülle der Beziehungen, die in dieser Gemeinschaft entsteht, zeigt sich der Geist Jesu, der Leib Christi in der Gemeinde.

 

3. Gemeinsam aufeinander angewiesen sein

 

In V.5 gehört zum Gedanken, mit vielen den lebendigen Leib Christi in dieser Welt abzubilden der Zusatz: „…jeder Einzelne ist auf den Anderen angewiesen.“ Martin Luther hat dies so übersetzt: …untereinander ist einer des anderen Glied.

 

Denn immer wenn es um heilige Dinge und Gottes Sache geht, scheint der Spaltpilz unter uns Menschen mitzuwachsen. Die eigenen Auslegungen und Erkenntnisse scheinen die kompromisslose Praxis zu brauchen, um nicht verfälscht zu werden. Da stören die, die auch in der Gemeinde die Dinge anders sehen. Nicht miteinander, sondern füreinander Mitglieder in der Kirche zu sein, bleibt auch heute eine Herausforderung, wenn man engagiert Gemeinde leben will.

 

Uns allen steckt vermutlich noch der Schrecken über die Erstürmung des US-amerikanischen Capitols in Washington durch einen wütenden Mob in dieser Woche in den Knochen. Nach vielen Jahren der neu aufgerissenen Gräben zwischen Ethnien, poltischen Überzeugungen, Arbeitslosen und Gut-Situierten, Akademikern und schlecht ausgebildeten Hilfskräften und … und … und… ist die Saat von Hass und Lügen aufgegangen und das Symbol der USA für Demokratie und Chancengleichheit für alle Menschen ist buchstäblich verwüstet worden.

 

Auch in unserer weltweiten Kirche erleben wir gerade diese Unversöhnlichkeit. Wenn es nicht mehr möglich ist, die unterschiedliche Überzeugungen zur Frage der Homosexualität gemeinsam zu (er-) tragen, zerfällt die Gemeinschaft.

 

Paulus hat keine Illusionen über die Konflikte und das Konfliktpotential in den Gemeinden. Jedoch ist er ist davon überzeugt, dass der Dienst, den von Christus berührte, berufene und veränderte Menschen in dieser Welt als Gemeinde Christi tun, vom füreinander um Christi Willen geprägt ist.

 

Darum gehört für mich zu den Gedanken, wie wir gemeinsam als Gemeinde und Christen in diese Welt leben können, das Wort aus 2. Korinther 5, 20 dazu: …Versöhnt Euch mit Gott!

Denn wer seinen Konflikt mit Gott in Christus überwunden hat, kann auch Versöhnung mit dem Bruder und der Schwester, die die Dinge ganz anders sehen und praktizieren, leben.

 

Beten Sie mit für eine solche Gemeinschaft versöhnter Menschen auch in unseren Gemeinden.

 

Amen.

 

 

 

Lage / Detmold, den 09.Januar 2021

 

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de , home-office: 05232.9805270

 

-----------------------------------------------------------------------

 


                          Predigt über Matthäus 2,1-12 zum Christfest 2020                                 

 

           

                        Reisende folgen dem Stern                                       

 

Lieber Leser, liebe Leserin,

fast überall habe ich es in diesen Tagen gehört oder auch gelesen: wir bleiben in diesem Jahr Zuhause. Es ist nicht die Zeit, um sich in größeren Familiengruppen zu treffen oder das neue Jahr mit einem Urlaub in den Bergen oder im Ferienhaus zu beginnen. Doch zu diesem Sonntag nach Heiligabend gehört die Geschichte von den drei Wissenschaftlern, die sich auf die Reise gemacht haben, um – wie es das nebenstehende Bild unterschreibt – „das (himmliche) Geschenk der Hoffnung“ zu sehen. Am Heiligabend lassen wir uns von der mitmenschlichen, familiären Erzählung des Lukas in der Krippenszene faszinieren, aber zu den Texten der dann beginnenden Weihnachtszeit gehört der Ausblick darauf, wie global und universal diese Szene im Stall in letzter Konsequenz zu deuten ist.

Das Wort wurde Fleisch“, so bringt der Evangelist Johannes die Geburt Jesu für sich auf den Punkt und Matthäus bringt mit den drei Forschern aus der Ferne die große Politik mit hinein in die Weihnachtsgeschichte. Der Regionalherrscher Herodes sieht seine sehr begrenzte Macht durch dieses Kind im Stall bedroht und die Fremden ahnen einen Umbruch in der Geschichte, der nur mit viel Weitblick und ihrem Wissen um die kosmischen Zusammenhänge zu verstehen ist.

In diesen Wochen und Monaten mit einer Pandemie, die alles uns Vertraute persönlich, im Bekanntenkreis und in dieser Welt durcheinanderwirbelt und zur Neuorganisation zwingt, könnte uns der Blick der Weisen auf die Weihnachtsgeschehnisse helfen.

So erzählt Matthäus die Geschichte:

1 Jesus wurde zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem, einer Stadt in Judäa, geboren. Bald darauf kamen Sterndeuter aus ´einem Land im` Osten nach Jerusalem. 2 »Wo ist der König der Juden, der kürzlich geboren wurde?«, fragten sie. »Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm Ehre zu erweisen.« 3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4 Er rief alle führenden Priester und alle Schriftgelehrten des jüdischen Volkes zusammen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden sollte. 5 »In Betlehem in Judäa«, antworteten sie, »denn so ist es in der Schrift durch den Propheten vorausgesagt: 6 ›Und du, Betlehem im Land Juda, du bist keineswegs die unbedeutendste unter den Städten Judas; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der mein Volk Israel führen wird wie ein Hirte seine Herde.‹«

7 Da rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen den genauen Zeitpunkt angeben, an dem der Stern zum ersten Mal erschienen war. 8 Daraufhin schickte er sie nach Betlehem. »Geht und erkundigt euch genau nach dem Kind«, sagte er, »und gebt mir Bescheid, sobald ihr es gefunden habt. Dann kann auch ich hingehen und ihm Ehre erweisen.«

9 Mit diesen Anweisungen des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her, bis er schließlich über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war. 10 Als sie den Stern sahen, waren sie überglücklich.

11 Sie gingen in das Haus und fanden dort das Kind und seine Mutter Maria. Da warfen sie sich vor ihm nieder und erwiesen ihm Ehre. Dann holten sie die Schätze hervor, die sie mitgebracht hatten, und gaben sie ihm: Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 In einem Traum erhielten sie

 

2

daraufhin die Weisung, nicht zu Herodes zurückzukehren. Deshalb reisten sie auf einem anderen Weg wieder in ihr Land. (Neue Genfer Übersetzung)

Fremde kommen und fragen nach

Die Namen der drei Fremden kennen wir nicht, aber wir wissen, dass sie wohl aus der Region kamen, wo heute der Irak und der Iran liegen. Sie haben viel gelernt und waren Lehrer für Weltraumwissenschaft und Sternenkunde. Alle Bücher über Sterne werden sie gelesen haben.

Etwas besonderes passierte in diesem Jahr, als sie sich mit ihren Kamelen, ihren Koffern und ihren Sachen auf den Weg nach Bethlehem machten: am Nachthimmel entdeckten sie mit ihren Ferngläsern eine besondere Sternenkonstellation. Und, so hatten sie es in ihren klugen Büchern gelesen und von ihren Lehrern selbst irgendwann mal gelernt, wenn so etwas passiert, dann muss irgendwo ein mächtiger neuer König geboren sein.

Sie waren vermutlich ganz schön neugierig, ob das stimmte mit dem neuen König. Darum organisierten sie eine Karawane durch die Wüste in Arabien und reisten dem Stern nach. Vielleicht haben sie auch bei sich gedacht: Wir sind mit die ersten, die diesen neuen König kennenlernen und es ist sicher gut, wenn man ihn bald kennenlernt.

Als sie in das fremde Land kamen, kannten sie sich nicht aus. Wer weiß schon, wo man hin muss, wenn man den König sucht. Sie fragten bei der Polizei und bei Leuten, die sich gut auszukennen schienen, und die schickten sie zum König Herodes. Ob das der neue König war? Sie meldeten sich bei ihm an und sagten:

Wo ist der König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen ihn anzubeten.“

Herodes und seine Ratgeber waren überrascht. Es gibt noch einen König in Jerusalem, vielleicht jemand, der ihm heimlich seinen Palast und die Macht wegnehmen will?

Könnte es eine Verschwörung gegen ihn sein, die er bis jetzt nicht bemerkt hat?

Nun, Herodes hatte schnell eine Idee, was er tun könne. Er schickte die drei Sternenleute aus dem Ausland wieder los und sagte ihnen: „Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihrs findet, so sagt mir´s, dass auch ich komme und es anbete.“

Das war gelogen. Herodes wollte nicht anbeten, er wollte das Kind töten. Vorsichtshalber sagte er schon mal den Offizieren seiner Armee Bescheid, dass es bald was zu tun gibt. In eine böse, eine boshafte und doppelzüngige Welt kommt Gottes Sohn.

Die drei Reisenden entdeckten ihren Stern wieder und sahen, dass er gar nicht über Jerusalem und dem Palast von Herodes stand, sondern sie zu einem Kind in einem einfachen Stall führte. Gottes Kompass am Himmel brachte sie zu einer einfachen Behausung, nicht in einen Palast.

Gott kennt keine Grenzen, keine Nationalitäten oder religiöse und ideologische Stammbücher mehr, wenn er Menschen einlädt, das Geheimnis seiner Liebe zu entdecken. Darum erzählt Matthäus von diesen Fremden. Früher als Nachbarn und Freunde der Eltern finden die weitgereisten Gäste den Weg zu Christus.

Die Fremden hatten einen langen Weg zur Krippe

Dass Gott zu uns kommt, mitten in diese Zeit, macht uns zu Reisenden. Wir machen uns auf den Weg, und folgen unserer oft sehr versteckten Sehnsucht, dass in diesen Tagen ein Strahl

 

3

der himmlischen Herrlichkeit auch in unser Leben hineinscheint. Die Reisenden aus der Fremde gingen Umwege, brauchten Zeit und trafen nicht gleich den, den sie suchten.

Der Stern Gottes für die, die unterwegs sind, kann ein Bibelwort sein, oder eine Aufgabe für andere, die uns immer wieder aus der persönlichen Trägheit reißt oder es wird uns ein Mensch einfach zu einem Stern in unserem Leben. Gottes Kompass funktioniert auch in dieser heiligen Nacht, wenn wir ihn zu nutzen wissen.

Einer der Fremden, die in unserer Zeit den Weg zur Krippe fanden, erzählte mir, wie seine Freundin für ihn zu diesem Leitstern Gottes wurde. Sie hatte ihren Ehemann verloren, als dieser während des Streifendienstes als Polizist tödlich verwundet wurde. Für sie brach als junge Mutter das ganze Leben zusammen. Der neue Freund begleitete sie in dieser tiefen Krise. Und sie vertraute auf ihren Glauben an Gottes Liebe auch in dieser Zeit. Nach vielen Monaten voller Klage, Wut und Trauer fand sie die innere Freiheit, dem Mörder ihres Mannes zu verzeihen. Ihr Freund begleitete sie auf diesem langen Weg und wurde mit jedem Schritt selber jemand, der nach Gottes Liebe für das eigene Leben fragte. Nicht im Stall in Bethlehem, aber auf einer persönlichen Pilgerreise durch das Jordantal fand dieser deutsche Ingenieur den Glauben an den Gott, den das Kind in der Krippe später einmal Abba/Vater nennen wird.

Gott hat viel Geduld, wenn er uns in unserem Femd-sein gegenüber seiner Liebe an die Hand nimmt. Gott trägt Lasten mit und geht unsere Wege mit, damit wir etwas von dem Glanz seiner Herrlichkeit mitten in dieser Welt entdecken können.

Die Geschenke der Fremden

Die Geschenke sind für die drei Reisenden nicht das Wichtigste. „Wir sind gekommen, um anzubeten!“, sagten sie. Darum haben sie sich auf den Weg gemacht. Für sie wurde es Weihnachten, als sie sich für den öffneten, an dessen Krippe sie standen.

Gott wartet nicht auf unsere Geschenke. Gott fragt nicht „Wie viel bin ich Dir wert?“ Gottes Liebe lädt uns, wie die fremden Gäste im Stall, zur Anbetung ein. So wenig kann man Gott schenken und so viel geschieht in der Anbetung.

Ein Mann bat mich, die Kirche aufzuschließen, damit er sich einfachmal alleine in die Kirche setzten dürfe. Danach erzählte er mir, wie er mit Gott über sein Leben geredet hatte, über all das Unglück mit dem er nicht fertig werden kann. Gott versteht ihn doch, so wollte er es noch einmal von mir bestätigt haben.

Wer mit Gott redet und betet, öffnet sich dem Blick Gottes auf das eigene Leben und der Gnade Gottes über diesem Leben.

Wer Gott anbetet, glaubt an einen tiefen Frieden für sich und andere und diese Welt, der jetzt anfängt und nicht mehr weggenommen werden kann, weil Gott ihn schenkt. An der Krippe des Menschensohnes hoffen wir mit Recht, dass Gottes Gerechtigkeit sich durchsetzen wird. Denn wo Unrecht regiert, hat die Heilige Nacht der Menschwerdung Gottes noch nicht angefangen.

Wir kommen mit vollen Händen an die Krippe und Christus lädt uns ein, alles abzulegen und unsere Hände zu öffnen. Das ist das Geheimnis um die Geschenke der Fremden: sie ließen wertvolle Geschenke in der einfachen Hütte und sie nahmen Wertvolleres mit auf ihren Weg zurück. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott schenkte ihnen mutmachende Hoffnung und tatkräftigen Glauben. Das brachten die Reisenden nicht mit. Diese Schätze für ein Leben nahmen sie mit.

 

4

Dieses himmlische Geschenk, das uns die Botschaft des Christfestes aufschließen will, bringt bis heute die Machtverhältnisse in dieser Welt durcheinander, weil der König der Welt, der die Dinge verändern und neuschaffen kann, sich nur dort offenbart, wo wir uns auf die Begegnung mit Gottes lebendiger Liebe einlassen können.

Amen.

 

Verantwortlich für den Text:

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:  Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold  Tel.: 05231.23297

od.: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de

 

----------------------------------------------------------------------

 

                         Gottes Herrlichkeit lebt im                                            

                         Alltag einer einfachen Frau                                        

                     Predigt über Predigt über Lk. 1, 46-55

                          zum 4. Advent

 

0.

Keine Weihnachtsgeschichte ohne Maria, aber ob die „Marias“ in den Weihnachtsanspielen die Rolle, die sie haben, immer brauchen, darf man ab und zu mal nachfragen.

Die Marias sind zwar die Hauptperson, aber um sie dreht es sich höchstens an der Stelle, wenn man die Schwangere irgendwo warm und sicher hin betten muss. Die Hauptrolle spielt das Kind. Wie bei vielen, die ihr erstes Kind bekommen haben, ist das Kind das Wichtigste.

Es gibt Termine, da müssen wir zwar unbedingt dabei sein und hinkommen, aber im Mittelpunkt stehen andere.

Wir sollen zuhören, eine kleine notwendige Aufgabe wahrnehmen und das Fest zu einem wichtigen Ereignis machen.

Ohne Maria kein Weihnachten, aber vielleicht kommen sich nicht nur in den Krippenspielen einige Marias vor wie auf einer Party, die auch ohne sie trotzdem so gefeiert wird, wie sie nun gefeiert wird.

Den Evangelisten Lukas muss das gestört haben, dass man sich an Maria in den Gemeinden erinnerte, aber was ihr wichtig war und was sie glaubte, dass war nicht mehr allen bekannt. Lukas schreibt auf, was Maria bewegte und fand dafür bis heute bewegende Worte:

 

39 Nicht lange danach machte sich Maria auf den Weg ins Bergland von Juda. So schnell sie konnte, ging sie in die Stadt,

40 in der Zacharias wohnte. Sie betrat sein Haus und begrüßte Elisabeth.

41 Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth mit dem Heiligen Geist erfüllt

42 und rief laut: »Du bist die gesegnetste aller Frauen, und gesegnet ist das Kind in deinem Leib! 43 Doch wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45 Glücklich bist du zu preisen, weil du geglaubt hast; denn was der Herr dir sagen ließ, wird sich erfüllen.«

46 Da sagte Maria: »Von ganzem Herzen preise ich den Herrn,

47 und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.

48 Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen, eine geringe und unbedeutende Frau. Ja, man wird mich glücklich preisen – jetzt und in allen kommenden Generationen. 49 Er, der Mächtige, hat Großes an mir getan. Sein Name ist heilig,

50 und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm unterstellen.

51 Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen; er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.

52 Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Geringen emporgehoben. 53 Den Hungrigen hat er ´die Hände` mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat er mit leeren Händen fortgeschickt.

54 Er hat sich seines Dieners, ´des Volkes` Israel, angenommen, weil er sich an das erinnerte, was er unseren Vorfahren zugesagt hatte: 55 dass er nie aufhören werde, Abraham und seinen Nachkommen Erbarmen zu erweisen.«

56 Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause zurück. (Lukas 1, 46-55)

 

1. Die Probleme und die großen Sorgen der jungen Frau...

Zu dieser Frau will der Heiligenschein nicht so richtig passen. Wenn da nicht ein Bote Gottes die Initiative ergriffen hätte, dann wäre wohl niemand groß ins Jubilieren geraten.

Aus der Provinz Nazareth zu kommen, war kein Grund zu feiern. Alle Welt kannte damals Jerusalem, aber Nazareth? “Was soll schon Gutes aus Nazareth kommen?“, hieß es.

Nein, die Herkunft und die Familienverhältnisse lassen nicht die große Freude ausbrechen. Alles war bei dieser Maria eher bescheiden, provinziell, wenig aufregend.

Aufregend waren vielleicht noch die Familienverhältnisse.

Verlobt wurden Mann und Frau damals sehr früh. Teenager-Schwangerschaften dürften die Regel und nicht die Ausnahme gewesen sein. Aber trotzdem: verlobt sein und schwanger zu werden, dass war der Dorfskandal. Josef wusste was ihm die Stunde geschlagen hatte, als er seiner Maria so ein stilles Arrangement anbietet: „Ich verlaß dich, du guckst bei deiner Verwandtschaft, ob du da unter kommst. Und dann nimmt dich vielleicht ein netter Vetter und keiner merkt was so los ist. . .“

 

Josef kommt nicht weit mit seiner Idee, den Ruf zu retten. Er hört vielmehr ein ganz anderes Rufen. Doch, wie ihm der Engel von dem Leben mit Kind und Frau neu überzeugt, dass ist die Predigt über diesen Zimmermann aus Nazareth.

In der Geschichte, die der Evangelist Lukas erzählt, freut sich die Mutter über ihr Kind. Diese Frau denkt nicht an Skandal und üblen Tratsch im Dorf. Dieses Mädchen läuft und erzählt alles, was da passiert, zuerst einmal ihrer besten Freundin. So von Frau zu Frau.

Aber das ist kein verstecktes Tuscheln, nein das ist fast ein freudiges Singen, was da zwischen den beiden beredet wird. So voll sind sie von dem, das Gott an Wunderbarem in ihr Leben legt. Gottes ganze Herrlichkeit leuchtet in ihren einfachen Verhältnissen plötzlich auf. Nicht mit den Anderen, mit ihr, der Maria, schreibt Gott das neue Kapitel seiner Geschichte mit dieser Welt.

 

2. Keine ruhiges Schicksal - aber ein erfülltes Leben...

Der Heiligenschein passt nicht zu dieser Frau.

Ich möchte darauf weiter bestehen. Denn obwohl die großen Sorgen sich in einem tröstenden Freudenlied aufzulösen scheinen, so sind die Dinge dadurch nicht einfacher geworden.

Was heißt denn dieses „die Niedrigkeit seiner Magd angesehen“ ganz konkret? Wenn man kritisch hinsieht, dann sieht man wie bedroht Maria ist, was für ein Unglück ein Kind jetzt in dieser Zeit für sie ist und man spürt etwas von ihren Sorgen.

  • Würden sie einer Schwangeren als angemessene Vorbereitung auf die Geburt diesen Marsch durchs palästinische Hochland empfehlen, mit allen Risiken, die das in sich birgt? Überfälle, Hitze, gesundheitliche Probleme für die Schwangerschaft.... .

  • Würden Sie es für eine Geburt es als besonders hilfreich empfinden, einige Tage vor der Entbindung an einen Ort zu reisen, ohne über die ärztliche Versorgung am Ziel irgendwie informiert zu sein oder etwas konkret geplant zu haben? Ist es für eine durch die Geburt geschwächte Mutter gut, aus Angst vor einer behördlichen Verfolgung bald wieder auf größere Reise zu gehen. Sechs Wochen Wochenbett - eine utopische Vorstellung für diese Maria der Evangelisten!

Das Kind bringt ihr Leben durcheinander. Neben den wohlbekannten Sorgen, kommen noch ganz neue hinzu.

Das Kind, auf das sich die singende Mutter freut, wird sie mehr bewegen, wie es ihr lieb ist. Dieses Gotteskind verspricht seiner Mutter kein stilles und zurückgezogenes Leben. Revolution, die große Wende, Neuanfang - das steht über dem Leben dieses Kindes:

 

 

Mächtige werden vom Thron gestoßen;

 

 

 

Gott nimmt sich Israel neu an;

 

Gott denkt an sein Erbarmen,

daß er schon den Vätern verheißen hat;

 

Nein, die Unstetigkeit der jungen Mutter ist kein Wunder.

Mit so einem Kind, wird alles anders. Aber, und das ist für Maria wichtiger wie alle Beeinträchtigungen und Beschränkungen: ihr Leben findet in diesem Kind Sinn und Erfüllung. Zuerst sicher einmal ganz menschlich, wie es viele andere Mütter vor ihr und nach ihr erlebt haben.

Aber auch auf einer anderen Ebene kommt da Sinn in ihr Leben: wer Gott in seinem Leben kennenlernt, entdeckt Lebensfülle und Lebenserfüllung. Gott tut Großes in einem Menschenleben (V. 49!).

 

3. Einen Sohn verloren - das Leben entdeckt ....

 

Der Heiligenschein passt nicht zu Maria, weil diese Geburt keine Familiengeschichte mit einem „guten“ Ende werden wird. Maria wird ihren Sohn verlieren.

Was da so begeistert klingt „Gott erbarmt sich ( in diesem Kind) von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ spricht der Evangelist Matthäus deutlicher aus:

Das Kind wird das Volk Gottes und alle, die Glauben, von den Sünden erlösen. „Wie ein Sündenbock trug er unsere Schuld und Sünden...“, so wird später mit den Worten der alten jüdischen Propheten der Tod Jesu gedeutet werden.

Gottes Erbarmen ist für diese Welt eine solche Provokation, daß der Tod und die Gewalt die einzige legitime Antwort zu sein scheinen. Kein gutes Ende für das, was so freudig und hoffnungsvoll begann.

Doch Maria behält Recht mit ihrer Freude.

Gott und Christus kapitulieren nicht vor dem Tod, wie die Brotherren, die Manager des Egoismus und die übersättigten Besitzenden bei Jesus nicht das letzte Wort behalten werden.

Gott schenkt in diesem Kind eine Lebenshoffnung, die dem Tod trotzen kann. Gott schenkt nicht nur der jungen Mutter einen neuen Blick für die Größe seiner Liebe zu aller Kreatur und Schöpfung. Gott stellt sich gegen die Lebensvernichter und macht ernst mit seinem Anspruch auf ein Leben in diesem Kind. Die Geschichte dieses Kindes hat keine leicht verdauliche Pointe, doch am Ende steht nicht das Leiden Jesu, sondern der auferstandene Menschensohn für uns alle.

 

4.

Der Heiligenschein dieser Mutter, angekratzt von Ehekatastrophen, einem bedrohlichen Lebensumfeld und Verfolgung ihres Sohnes, bleibt auch für uns eindrücklich und faszinierend.

Das große Loben und Danken über Gottes Herrlichkeit in der Advents- und Weihnachtszeit gehört Maria in ihrem schlichten und sehr komplizierten Leben. Wer diese Frau übersieht, sie nur als Teil des Krippenensembles wahrnimmt, der übersieht, wo das echte Loben und Danken vor Gottes Herrlichkeit seine Quelle hat und wie man ihm eine Stimme gibt.

Die Geschichte von Maria bleibt, solange Menschen von den Geschichten um den Stall von Bethlehem hören, auch die Geschichte davon, dass erst mit einem angekratzten Heiligenschein wir unser Lied von der Freude über Gottes Liebe und Erbarmen finden.

Amen.

 

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 , 32756 Detmold

Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 , 32791 Lage  Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

-----------------------------------------------------------------------

 

                                Tatsachen ernst nehmen…                                      

                 …und die Kunst der Gelassenheit leben                          

                         Predigt über Predigt über Jak. 5, 7-8

                   gehalten in der EmK Detmold , 2. Advent 2020


Liebe Gemeinde,

 

1. Eine Geschichte von der Geduld...

Der Geschirspüler spülte nicht mehr.

Unser Nachbar war Elektromeister und kam nach Feierabend zum Reparieren vorbei.

Er brachte die große Tasche mit Werkzeug mit und zerlegte den ganzen Abend lang den Apparat. Dann setzte er ihn wieder zusammen. Einige Schrauben hatte er übrig, er konnte nicht genau sagen, was er repariert hatte, aber dann lief die Maschine wieder viele Jahre ohne zu Mucken.

Ich merkte damals beim Zugucken:

Geduld ist vielleicht nicht so meine Sache, aber mit ihr lässt sich was bewegen.

 

Text : Jak. 5, 7-8

7 Haltet nun also geduldig aus, Geschwister, bis der Herr wiederkommt! Denkt an den Bauern, der darauf wartet, dass auf seinem Land die kostbare Ernte heranreift. Ihretwegen fasst er sich in Geduld, bis der Herbstregen und der Frühjahrsregen auf das Land gefallen sind. 8 Fasst auch ihr euch in Geduld und stärkt eure Herzen im Glauben, denn das Kommen des Herrn steht nahe bevor.

 

2. "…Die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“

Das " …die Ankunft des Herrn steht nahe bevor" steht, ist für uns heute als moderne und gut informierte Christen ein eigenartiger Gedanke.

  • In der Nähe von Oldenburg, in der Region, wo ich groß geworden bin, gab es das Freizeitheim MARANATHA – HERR KOMME BALD, …übersetzt ins Deutsche aus dem Griechischen. Ich konnte als Jugendlicher mit dem Namen nichts anfangen.

Von dem kommenden Gott und Herrn zu reden, braucht Menschen, die wissen in welcher Zeit sie leben.

Die ersten Christen erlebten eine Zeit, in der Menschen in einer politisch aufgeladenen Situation mit großen Erwartungen auf Veränderungen warteten:

  • In der römischen Provinz Juda hoffte man, die Unabhängigkeit von den Besatzern zu erreichen und einen eigenen König zu bekommen.

  • Die Christen erlebten in dieser Zeit immer wieder Verfolgung, Terror und Gewalttätigkeiten wegen ihres Glaubens. Die Übergriffe wurden von den jeweiligen röm. Kaisern gezielt angeordnet. Es war keine ruhige, stabile Zeitepoche.

"Herr komme bald“, dass hieß damals für die Gemeinde, an die Jakobus schrieb: Herr, wir brauchen in dieser Zeit endlich eine Erlösung aus dem Chaos.

Wie deuten wir heute die Zeit?

Würde Christus, wenn er an unsere Tür klopft, stören oder mit Freude hereingelassen werden: "Na schön das du da bist! Wir haben lange auf dich gewartet!“?

Oder kämen eher eine Reaktion wie beim gemütlichen Besuch unter Bekannten: "Setz Dich mal da rüber, wir kommen gleich... .“?

Der Briefschreiber Jakobus will mit seiner Gemeinde nicht nur alles im Haus für den, der da kommen soll, vorbereitet wissen, er geht vor die Tür, und schaut nach, wie lange es noch dauern könnte. Seine Deutung von dem, was er sieht:

"Die Ankunft steht nahe bevor...“. Die anderen Dinge sind jetzt nicht mehr so wichtig. So freudig ernst ist die Zeit.

Die freudige Erwartung des Jakobus erwächst aus dem Blick auf die größeren Kreise seine Lebens, auf die Entwicklungen von Ihm als nun glaubender Christ, und auf das, was in der Gemeinde und in der Welt passiert.

 

Worauf gehe ich zu?

  • Kenne ich die tragende Liebe Gottes in meinem Leben?

  • Sehe ich Christus als wartenden Bruder oder Freund vor mir, auf den ich hinlebe.... ?

  • Wo komme ich nicht mehr weiter – bin ich in einer "Sackgasse" persönlich und spirituell / geistlich?

  • Lieben wir den Blick nach gestern so sehr, dass wir den Ausblick nach vorne nur als eine Belastung erleben?

  • Lassen wir uns in unseren Zielen anstecken, von den Zielen die Christus für seine Leute gesteckt hat, - Salz der Welt / Licht auf dem Berge - zu sein?

  • Wie verstehen wir die Bewegungen in unserer größeren Welt?

  • Hoffen wir noch auf Erlösung der sich sehnenden Schöpfung?

  • Ist die Welt nur noch das da draußen, mit dem mein eigenes Leben keinen Kontakt mehr hat

 

Die eine Frage hinter den vielen Fragen ist:

  • Wage ich, wagen wir als Gemeinschaft, Verantwortung für uns und andere übernehmen, weil wir auf die helfende Gegenwart unsres Herrn bei uns vertrauen,

  • oder haben wir uns in ganz verschiedenen Bereichen unseres Lebens damit arrangiert, das Christus nicht da ist und nicht kommen wird?

 

Jakobus wollte sich in seiner Gemeinde und in seiner Zeit nicht arrangieren mit der Verantwortungslosigkeit, weil die Hoffnung verloren gegangen ist. Er schreibt darum:

Jesus kommt wieder, aber bitte keine Hektik nun.

Die Zeichen der Zeit sprechen für Gottes Zeitplan, aber sie lüften nicht einfach das Geheimnis, wie Gott die Zeit einteilt.


3. "Haltet geduldig durch...“

Jakobus stellt sich nicht an die Seite fanatischen Herbei-Hoffer des Chaos. Er ist kein Radikaler, der den Weltuntergang herbei sehnt. Er redet von Geduld.

Das griechische Wort, das er in seinem Brief benutzt, ist magrotumein, d.h. Ausdauer oder Lang-Mut = lange Mut haben. Hier einige Übersetzungen in unsere Zeit:

  • Langmut ist die Tugend, die es braucht beim Üben und Erarbeiten, um am Ende etwas vor anderen gut vorführen zu können.

  • Langmut kann auch heißen, sich immer wieder aufzurappeln, und gegen Angst und schlimme Situationen an zuleben.

  • In der Ausdauer als großer Leidenschaft (makro-thymos) lebt man betroffen, von dem was kommt und reagiert mit seinen Möglichkeiten und Gaben.

  • Ausdauer ist Gelassenheit. Man lässt etwas innerlich los und wird nicht von dem, was da kommt, beherrscht.

Die Tugend des langmütigen und gelassenen Wartens bringt der Bibeltext mit der Grundhaltung eines Landwirtes zusammen. Wie jemand, der das Wachsen und Säen auf seinen Feldern und in seinem Garten im Blick hat, leben wir mit dem Blick auf Christus.

 

4. Das Bild vom Farmer

Bleiben Sie mit mir einen Augenblick bei diesem Profi für das stille Kommen und Wachsen:

  • Seine Arbeit für die Ernte fängt an, bevor irgendetwas aus gesät wird. Auf dem gerodeten Grund wird das Feld vorbereitet; die Unebenheiten werden einebnen - Boden verteilen; Drainage muss gelegt werden, wo zu viel Wasser alles versumpft; die Maschinen werden so präpariert, das sie den Acker schonen.

  • Dann fragt der Landwirt, was gesät werden soll, welche Pflanze passt in diesem Jahr, welche Nährstoffe hat dieser Boden und was wächst wo am Besten.

  • Auch die richtigen Fruchtfolge und die Düngung helfen dem Wachsen.

  • Wenn Erntezeit ist, dann gibt es oft nur ein kleines Zeitfenster, in dem alles eingebracht werden kann. Dann kann man nicht reparieren oder Grundsatz- entscheidungen treffen.

Auf unseren Herrn zu warten, ist ein gemeinsames Aussäen der guten Nachricht in unserer Stadt und in unserer Nachbarschaft. Wissen, Einsatz und Können liegt in unserer Hand, wo wir im Reich Gottes ackern...,

... aber Enttäuschung, Verzweiflung oder Erschöpfung ersparen wir uns, wenn wir lernen zu sagen:

  • mehr geht nicht. Gott nun bist du dran, damit reiche Frucht am Ende der Tage übrig bleiben wird.

Hans Dieter Hüsch bringt in einem Text einige TATSACHEN zur Sprache:


 

 

"Wo man auch hin flieht

 

 

 

sagen die Leute

 

 

 

überall wird's nicht anders sein und werden

 


 

 

Wo man auch hinkommt

 

 

 

sagen die Leute

 

 

 

überall Feindschaft auf Erden

 


 

 

Wo man auch hindenkt

 

 

 

Sagen die Leute

 

 

 

Überall keinerlei Ausweg und Licht

 


 

 

Wo man auch hinguckt

 

 

 

Sagen die Leute

 

 

 

Überall Krieg Hunger und Sklaverei

 


 

 

Wo man auch hinhört

 

 

 

Sagen die Leute

 

 

 

Überall List Lug und Giftmischerei

 


 

 

Wo man auch hinsieht

 

 

 

Sagen die Leute

 

 

 

Überall Hass Rohheit und Meuchelmord

 


 

 

Wo man auch hinhorcht

 

 

 

Sagen die Leute

 

 

 

Überall Angst Flucht und kein ehrliches Wort

 


 

 

Wo man auch hinspricht, Sagen die Leute

 

 

 

Man hört uns nicht

 


 

 

Aber es gibt sie noch die es hören

 

 

 

Überall gibt es sie

 

 

 

Dreht Euch nur um

 

 

 

Leise sind sie um nichts zu zerstören

 

 

 

Niemand von ihnen will uns verhören

 

 

 

Keiner ist öffentlich oft zu sehn

 

 

 

Da sind sie hier sind sie überall

 

 

 

Dabei geblieben

 

 

 

Dabeigebliebene

 

 

 

Bleibende

 

 

 

Bleibende bauen das Bleibende

 

 

 

Das Nichtzubeschreibende

 

 

 

Das Nichtzubelehrende

 

 

 

Das Nichtzuerklärende

 

 

 

Die Liebe überall dort und hier

 


 

 

Wir

 

Die Tatsachen sprechen dafür."1

 

Ich wünsche Ihnen und mir Gelassenheit – in allen Aufgaben, Verpflichtungen und Terminen in dieser Woche.

Unser Herr hat sich auf den Weg gemacht zu uns und wir dürfen in diesen adventlich – weihnachtlichen Tagen sehen, wie seine Liebe Pflanzen der Hoffnung wachsen lässt.

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:  Mühlenstraße 16 , 32756 Detmold

Tel.: 05231.23297    od.: 0176 – 239 236 20

Büro Lage:  Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage Tel.: 05232.3696

e-mail: guenter.loos@emk.de

1 Aus: Hans Dieter Hüsch, "Das Schwere Leicht gesagt", Herder, S. 24/25

 

 

----------------------------------------------------------------------

 

 

   Der König kommt – und?               Predigt zum 1. Advent      

 

Predigt über Sacharja 9, 9-10

gehalten am 1.Advent 2020 / 29.11.2020

in der EmK-Detmold / Lage

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Adventszeit ist Familienzeit, Zeit der Besinnung und immer auch politische Zeit. Was wir glauben und erwarten, dass Gott zu uns kommt und kommen wird, verändert den Lauf dieser Welt. Die Gedanken und Texte in dieser Zeit rütteln immer wieder an den vertrauten Spielregeln dieser Welt und sind doch ganz in der Welt verwurzelt, die wir im Alltag erleben, die uns in Nachrichten, Bildern und Filmen gezeigt wird.

 

Die Bilder der Einführung des neuen Präsidenten und der Kampf des alten Präsidenten in Washington in diesen Wochen lassen uns ahnen, in welcher Grundstimmung unser Bibelwort aus dem Propheten vor 2 ½ Tausend Jahren zuerst gehört wurde.

  • John Biden übernimmt nun die Symbole der Macht in den USA, er hält Ansprachen vor der amerikanischen Fahne, sein Team zieht in die Regierungsbüros ein und der alte Präsident grummelt über das Unrecht einer demokratischen Wahl und träumt von seiner nächsten Amtszeit. Der neue Präsident übernimmt wie ein König früher nun die Macht und zieht im Palast des weißen Hauses ein.

So klang das, als sich in Jerusalem die Menschen auf den neuen Regierungspräsidenten, den König freuten:

 

Text lesen: Sacharja 9, 9-10

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Luther 2020)

 

1. Haben wir nichts Wichtigeres zu tun, als dem neuen König zu zujubeln?

 

Es stand kein vermutlich kein Regierungswechsel an während Sacharja die Sätze über den neuen König schrieb, aber es ist nach dem, was wir heute aus dieser Zeit noch wissen, möglich, dass alle dringend einen Regierungswechsel im Land ersehnt haben.

Es war die Zeit der Königsherrschaft. Ein König besaß das Land und die Menschen und war verpflichtet, die Menschen zu schützen und für den Wohlstand des Landes zu sorgen. Dafür durfte er von den Untergebenen und den ihm verpflichteten Vasallen Tribut verlangen. Man gab dem König seine Tribute, weil die eigene Sicherheit und das eigene Wohlergehen von der guten Herrschaft des Königs abhing.

  • Wir ahnen nur wenn es um die Abhängigkeit von einem Chef / einer Chefin im Betrieb geht oder um die Entscheidung eines Abteilungsleiter und einer Stadtverwaltung, was es heißt, von dem Wohlwollen und der Gnade eines/er Mächtigen abhängig zu sein.

Doch in diesem Grundbewusstsein der Abhängigkeit von den mächtigen Starken haben die längste Zeit Menschen immer auch in diesem Land gelebt und leben so noch in vielen anderen Ländern und Regionen weltweit.

Sacharja lebte in Israel einer gewalttätigen Zeit im Vorderen Orient. Nach Alexander dem Großen verfiel das Riesenreich und seine Nachfolger bekämpften einander, mordeten einander und sponnen Intrigen gegeneinander. Sie nannten sich dabei „Heilsbringer“ (euergetes) oder „auf Erden erschienener Gott“ (epiphanes) oder „Heiland“ (soter)1. Der Prophet im unbedeutenden Israel sieht da nichts Göttliches in dem, was um ihn her passiert. Aber er glaubt an den, der sein Volk nicht vergisst, Gott selbst.

Was uns mit den Menschen damals verbindet ist, das die Anmaßung einer schlechten Regierung unseren Alltag als Bürger stört. Wenn eine Regierung die Verwaltung nicht beherrscht und in kurzer Zeit immer wieder neue Verordnungen erlassen werden…., das nervt.

Wir sehnen uns nach einer guten, aber ruhigen Politik. Wenn die Zeiten gut sind, dann brauchen wir keinen Königsjubel. Dann stört das.

Gibt es für uns in diesem Jahr einen Grund, im Stile der alten Zeit, dem neuen König zu erwarten und schon jetzt uns zu freuen? Wollen wir Advent feiern?

Oder wollen wir alles lieber Störungsfrei haben in diesen Tagen, in diesem Jahr?

Die Kraft der Pandemie hat so viele Lebensbereiche überall durcheinander gebracht, dass nichts mehr einfach störungsfrei zu laufen scheint.

Wer und was schützt uns nun und schenkt uns neu Frieden?

 

2. Jetzt gibt es nichts Wichtigeres: der neue König kommt!

 

Es gibt gute Gründe, in diesem Jahr zu sagen: Wir brauchen den Advent, die Zeit, in der Neues kommt – der neue König seine Macht zeigt. Aber das ist keine politische Idee, sondern etwas, was mit unserem Glauben zu tun hat. Wir erwarten den, der die Angst nimmt, der Hoffnung mit sich bringt und der Frieden stiftet in den vielen Konflikten dieser Tage.

Zum biblischen König gehört nicht nur bei Sacharja das Reittier des Esels dazu. Dieses Tier setzt einen Punkt im Urteil über den, der da auf ihm reitet. Ein Esel ist nicht dressierbar wie ein Pferd, aber ein dankbarer Helfer für den, der oder die mit ihm zu arbeiten weiss.

David setzt Salomo auf einen Esel und schenkt ihm damit Königswürde (1.Kön.1,33). In alter Zeit wurde dem Königskind in Israel ein Eselfohlen zugeteilt, das mit ihm groß wurde. Der Esel war ein Arbeitstier im Alltag vieler Menschen, aber auch ein hochgeachtetes Tier, was seinen Platz bei den Königen hatte. Dieses Tier verbindet, was alle brauchen: treue Arbeitskraft und auch ein störisches Gemüt, was nicht alles mit sich machen lässt. In die Weihnachtsgeschichte sind Ochs und Esel durch ein Wort von Jesaja eingezogen: Ochs und Esel erkennen ihren Herrn, …auch im Stall in Bethlehem.

Der König reitet auf diesem Tier, was Kooperation braucht und Geduld. Der König schwebt nicht im Hubschrauber über die Köpfe der Leute ins Stadion ein oder reitet auf einem prächtig geschmückten Pferd durch das Stadttor. Diese Reittier setzt einen Punkt… .

 

Was sehen die, die diesen König kommen sehen?

  • Keine Machtdemonstration

  • Ein Beispiel der Begabung, mit anderen wie mit seinem Reittier umgehen zu können.

  • Achtung vor dem Tier und hoffentlich aller Kreatur, für das ihm Verantwortung übergeben werden soll.

  • Geduld auch mit den störischen Geistern, die nicht gleich so wollen, wie sie sollen.

Der Prophet will keinen nächsten Herrscher auf dem Thron dieser Welt und über seinem Leben, der allein sein Wohl im Blick hat und sich anmaßt Gott zu sein.

Die Menschen, die Jesus erlebten, sahen diesen neuen und doch so anderen König vor sich, als Jesus vor seiner Passion und dem Ostermorgen in Jerusalem ankommt. Sacharja hoffte auf diesen Anderen, der da kommen soll. Menschen viele Generationen später erlebten diesen Anderen, der da zu Ihnen kommt.

Es gibt im alten Sacharjawort noch eine Überraschung zu entdecken: Martin Luther hat diesen Satz, der zum Leitvers bis in unsere Tage für den 1. Adventssonntag geworden ist über setzt mit: dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer (Sach. 9,9)

Doch im Hebräischen klingt dies Wort im Original etwas anders: Ein Gerechter und einer, dem geholfen wird. Dieser König hat Gott an seiner Seite. Dieser König, so zeigt es Jesus, ist in engster Beziehung mit dem Vater im Himmel.

Der König, auf den wir in dieser Zeit von Pandemie, Krieg und Angst warten, bringt Gott mit sich. Der Schöpfer des Himmels und der Erde wird auch vor dem nicht verzagen was uns heute die Hoffnung und die Gelassenheit im Glauben verlieren lässt. Darum lohnt es sich auf diesen Anderen zu warten und sein Kommen zu ersehnen.

Wie er kommt, davon werden wir einander in der Weihnachtsgeschichte etwas erzählen.

Wann er kommt, da bleibt uns wie Menschen zu allen Zeiten das Warten.

Aber trotzdem sind da Zeichen, dass der ganz Andere längst schon anfängt bei uns einzuziehen.

  • Ich habe per Internetkonferenz am Freitag von unserem Delegierten für die meth. Afrikanische Universität in Simbabwe gehört, welches Wunder da in den letzten Monaten sichtbar geworden ist: Die Universität hat ihre Studentenzahl verdoppeln und verdreifache können. Trotz wirtschaftlicher Krise im Land konnten durch genügend Spenden der Gemeinden aus den USA die Gebäude erweitert und modernisiert werden und die Uni gehört inzwischen zu den 60 besten Unis in ganz Afrika. Auch in Coronamonaten ging der Unterricht per Internet weiter. Die Uni organisierte Tablets und PC für jeden Studierenden.

  • Auch mit unseren Spenden und dem Segen unseres lebendigen Herrn wächst dort eine Einrichtung, die grundsätzlich etwas in Ländern verändern kann, weil gut ausgebildete Studenten verändert in ihre Heimatländer zurückkommen.

Wo der Friede einzieht oder Menschen Hilfe weitergeben, die sie selbst erfahren haben, kündigt sich dieser andere König in unserem Alltag und in dieser Welt an.        Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

 

Büro Detmold:

Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold Tel.: 05231.23297

Büro Lage:

Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20 // e-mail: guenter.loos@emk.de

1 Siehe: : A.H.J.Gunneweg, Die Schrift kommt zu Wort, S.88

 

-----------------------------------------------------------------------

 

 

                      Alles Neu....           Predigt zum Totensonntag              

 

    Predigt über Offb. 21, 1-6

gehalten am 25. Nov. 2012 in der EmK-Velbert

und am 22. Nov.2020 In der EmK-Detmold und EmK-Lage

 

Liebe Gemeinde,

 

Der letzte Sonntag im christlichen Jahreskalender beweint nicht mit uns, was wir in diesem Jahr verloren haben, an lieben und wichtigen Menschen oder an Möglichkeiten oder an lebendiger Kraft.

Die Worte dieses Sonntags blicken nicht zurück, sondern sie erinnern uns daran wo sich unser Blick hinwenden darf und hinwenden wird, wenn wir uns erinnert haben.

Wir sollen uns umdrehen und uns besinnen, wo wir hingehen werden.

 

Wer sich nach dem Schmerz der Trauer umdrehen kann, wer, was ihm lieb und unersetzlich war, innerlich loslässt, sieht nicht ins Nichts. Wir dürfen, wenn wir nach unserem Weinen und traurig sein den Kopf wieder etwas mehr heben können, die andere Zukunft Gottes sehen und verstehen.

Schauen Sie mit, einige Gedanken lang, was Sie und mich erwartet? In der Offenbarung des Johannes werden alte Gedanken der Menschen, die mit Gott leben, zu einem eindrücklichen Bild und einer Verheißung zusammen gebunden:

 

 

Text lesen: Offb. 21, 1-7

1 Danach sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der frühere Himmel und die frühere Erde waren vergangen; auch das Meer gab es nicht mehr. 2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

3 Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: »Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein – ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein.

4 Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.«

5 Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: »Seht, ich mache alles neu.« Und er befahl mir: »Schreibe die Worte auf, die du eben gehört hast! Denn sie sind wahr und zuverlässig.«

6 Dann sagte er zu mir: »Nun ist alles erfüllt. Ich bin das A und das O, der Ursprung und das Ziel aller Dinge. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst von dem Wasser zu trinken geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. (Neue Genfer Übersetzung)

 

1.

Alles wird neu... .

Gott schenkt uns den neuen Himmel und die neue Erde, wenn wir mit ihm ans Ende dieser Zeit kommen. Über dieser anderen Welt, dieser anderen Zeit, steht nicht der Satz: „Weiter so!!!“, sondern „Alles neu...“. Wir werden an der Himmelstür vergeblich das Schild suchen: „Gott hat heute Urlaub – frag später noch mal!“

Dort, wo Gott immer gegenwärtig ist, heißt es: „...Gottes Wohnung ist hier bei uns, mitten in seinem Volk!“

 

Unsere Tempotaschentücher verkaufen sich nicht mehr, denn „Gott wischt selbst alle Tränen ab“ und es gibt auch keinen Grund mehr zum Weinen.

Am Ende sind wir bei dem, auf dessen Wort hin wir ins Leben gerufen wurden: „Ich bin das Alpha und das Omega“.

Die Geschichte Christi mit uns ist kein Kreislauf, der immer wieder neu startet, sondern ein Weg, der uns wachsen lassen wird. Je länger wir mit Christus unterwegs sind, desto weniger lebt jeder von uns nach eigenen Plänen, sondern für das, was Christus gibt und verheißen hat.

  • Die Menschen, an die wir uns am Ewigkeitssonntag erinnern, waren in ganz unterschiedlicher Weise, Zeugen für dieses: „...nicht mehr ich und mein Alpha und Omega, sondern Christus, der mir mein Ziel setzt.

Am Ende wartet nicht der Mangel und die unfertige, noch nach Wachstum und Reifung sich sehnende Kreatur, sondern die Fülle und Stillung aller unserer menschlichen Sehnsucht.

  • Können wir für uns dieses Bild vom Ende unseres Lebens schon sehen?

  • Bleibt unser Blick am Bild dieser anderen Zeit hängen?

Christus wird nicht müde, uns und seiner ganzen Gemeinde, egal wo sie sich heute trifft, diese Bilder und Verheißungen von dem, was kommt, ins Herz und in den Sinn zu bringen, denn:

nicht nur wir warten auf seine Zeit, sondern auch Christus will uns bei sich haben.

 

2.

Alles, was neu wird zu begreifen, braucht vielleicht für jeden von uns ganz eigene Worte und Visionen.

  • Vielleicht ist Ihnen die Verheißung des neuen Jerusalem unwichtig, weil ich mit dem jetzigen Jerusalem schon wenig anfangen kann.

  • Vielleicht sehne ich mich gar nicht nach einer neuen Erde, weil ich die, auf der ich jetzt lebe, noch gar nicht gut genug kenne.

Aber ich brauche die Perspektive, die in den Sätzen der Offenbarung sich auftut:

nicht hier endet es (...für was ich leben darf), sondern dort – bei Christus.

 

Wie sagte es Hans-Dieter Hüsch:

 

Ich hör das Herz, das tapfer schlägt -

in einem Menschen, den es noch nicht gibt,

doch dessen Ankunft mich schon jetzt bewegt,

weil er erscheint und seine Feinde liebt.

 

Das ist die Zeit, die ich (..so) nicht mehr erlebe.

Das ist die Welt, die nicht von unserer Welt.

Sie ist aus feinst gesponnenem Gewebe

und Freunde, seht und glaubt: Sie hält.

 

Das ist das Land, nach dem ich mich so sehne,

das mir durch Kopf und Körper schwimmt.

Mein Sterbenswort und meine Lebenskantilene (=Lebensmelodie), das jeder jeden in die Arme nimmt.

 

Wir sind unterwegs in diese Zukunft und dürfen uns heute erinnern, denn dann wartet nicht die große Leere auf uns, sondern Christus, der mit offenen Armen uns entgegen kommt.

Amen.

 

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

 

 

Büro:

Hardenberger Straße 50

42 549 Velbert

Tel.: 02051 – 66 353

od.: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

----------------------------------------------------------------------

 

 

 

              Mach es besser wie vorher und riskiere etwas!                     

 

                               Predigt über Lukas 16, 1-8                                         

gehalten am 18.09.2016 / 17. n. Trinitatis in der EmK-Detmold

und am 15.11.2020 in der EmK Detmold u. EmK Lage

 

 

0. Quarantäne-Tage

 

Mein Held in diesen Tagen ist der 11jährige Anton aus Mühlheim an der Ruhr. Auf WDR 2 gab es eine öffentliche Talkshow mit Armin Laschet, dem Ministerpräsidenten von NRW. Und dort fragte Anton Herrn Laschet, ob man nicht in diesem Jahr zwei Tage früher in die Ferien gehen könnte. Ab Freitag dem 18. Dezember sind es mind. 6 Tage bis Weihnachten. Wenn man als Schüler dann zu Hause in privater Quarantäne ist und keine Symptome für Corona bekommt, dann ist man wohl gesund und kann mit Oma und Opa Weihnachten feiern.

Der Ministerpräsident versprach, diese Idee zu überlegen und der Vorschlag löste in dieser Woche ein kleines politisches Erdbeben bei den Schulpolitikern in Düsseldorf aus. Aber es könnte klappen, und zu mindestens für die Quarantäne Kids wäre die Familienweihnachten mit Geschenken unterm Baum mit allen aus der Familie gerettet.

 

Anton hat einfach überlegt, gerechnet und sich von Corona nicht „bange“ machen lassen. Ob das alles am Ende gerecht sein wird, steht auf einem anderen Blatt, aber es ist eine Idee in Coronazeiten, die funktionieren kann.

 

Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Betriebsleiter, der auch überlegt hat, und merkt, dass er nur mit einer „fragwürdigen“ Lösung seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann:

(Lukas 16, 1-8) Das Gleichnis vom ungetreuen Verwalter

1 Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen. 2 Da ließ er den Verwalter rufen. ›Was muss ich von dir hören?‹, sagte er zu ihm. ›Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger mein Verwalter sein.‹ 3 Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln. 4 Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.‹ 5 Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹, fragte er den ersten. 6 ›Hundert Fass Olivenöl‹, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: ›Hier, nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib statt dessen fünfzig.‹ 7 Dann fragte er den nächsten: ›Und du, wie viel bist du ihm schuldig?‹ – ›Hundert Sack Weizen‹, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: »Hier, nimm deinen Schuldschein, und schreib statt dessen achtzig.‹ 8 Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihres gleichen klüger als die Menschen des Lichts.«

(Neue Genfer Übersetzung)

  1. Eine Geschichte für Menschen in Krisenzeiten

Dieses Gleichnis Jesu ist keine Geschichte für ruhige Tage. Wir hören hier nichts, was gilt, wenn alles gut läuft.

Jesus nimmt uns mit zu denen, wo gerade nichts mehr normal läuft. Für viele Kinder und Jugendliche läuft in diesem Jahr – wie bei Ihren Eltern und allen anderen – nichts so richtig normal.

Jesus nimmt uns mit dem Gleichnis mit zu Menschen, wo der Dachstuhl in Flammen steht,

wo das Kündigungsschreiben oder die Absage für eine Stelle auf dem Küchentisch liegt,

wo man verdauen muss, was der Arzt / die Ärztin einem an Diagnose zugemutet hat;

...wo uns die bittere Wahrheit sprachlos macht.

 

Haben Sie die Worte aus der Bibellesung für diesen Sonntag noch im Ohr: „Sterben wir, so sind wir des Herrn“ (Röm. 14,7)

Noch können wir nur hoffen.

Für die, die an diese Zukunft in einer ganz anderen Welt glauben können, für die erzählt Jesus das Gleichnis von dem, der längst jenseits von üblicher Moral sein Glück sucht.

 

2. Nutze die Chance, die du nun hast…

 

Gottes Reich fängt mit Menschen an, die auf krumme Lebenswege zurückschauen, die nicht den Kopf vor lauter Erfolg oben tragen, wenn sie das erste Mal beten, sondern die innerlich sprechen: „Gott sei mir armen Sünder / mir armer Sünderin gnädig.“

Christen,“ so sagte mein Pastor, der mich im Zivildienst begleitet und mir entscheidend den Weg ins Predigtamt gezeigt hat, „...sind genauso Schweine, wie andere, die keine Christen sind. Aber,... die Christen wissen das und das macht den Unterschied aus.“

Gottes Reich fängt nicht mit unseren besten Tagen und unseren stolzen Gedanken an, sondern da, wo wir die Lebensbrüche spüren, die alles bei uns durcheinander bringen werden.

  • Ein Kind erzählte mir in einer Kindergruppe, dass es sein Taschenmesser nicht mehr gefunden hat. Dann sah er das Messer bei seinem Freund und der erzählte ihm eine Lügengeschichte davon, dass das sein Messer sei.

Die beiden Freunde waren in einer tiefen Krise mit ihren 9 Jahren. Da ist was passiert, was nie vor kommt sonst: da hat einer den anderen betrogen und kann jetzt nicht dazu stehen. Es gelingt ihm nicht, das Loch zwischen sich und dem Freund zu zuschütten.

Nach über einer Woche gab der Dieb das Messer zurück und der Bestohlene nahm es an, ohne dem Anderen die letzte Blöße zu nehmen und z.B. vor den eigenen Eltern bekennen zu müssen: „Ich bin ein Dieb.“ Der Freund hatte gemerkt, in was er sich da rein manövriert hatte und gab alles zurück. Sonst wäre es zwischen den beiden aus gewesen... .

Nutze die Chance, die du heute hast, sagt das Gleichnis.

Du brauchst Dir um deinen Ruf keine Sorgen mehr machen, aber um das was für dein Leben wichtig ist: Freundschaft mit Gott, Unterstützung von Anderen, Solidarität und Hilfe deiner Familie, des Ehepartners, der Kinder.... .

Wer an der Bruchstelle in seinem Leben steht, und die Augen verschließt, sagt Jesus, der verpasst das Himmelreich.

 

Jetzt muss das gelten, was man sonst nie machen würde:

  • das Visier aufmachen gegenüber Geschäftspartner oder Konkurrenten;

  • keine falsche Loyalität mehr gegenüber denen, die uns nun nicht mehr schützen werden;

  • Betteln um Unterstützung, dort wo sie uns realistisch gewährt wird.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken.“, sagt Jesus.

Nutze die Chance für deine Zukunft, und wage den Schritt.

 

3. Mach es besser, wie vorher und riskier etwas

 

Das Gleichnis Jesu hat die Gemeinden und die Theologen nie ganz glücklich gemacht und immer wieder mehr Fragen als Antworten übrig gelassen.

Und es hat viele zu allen Zeiten mutig gemacht, zu schreiben, wie sie Jesu Worte verstehen. Auch schon den Evangelisten Lukas und der hat an das Gleichnis einige Verse angehängt, wie seiner Meinung nach diese Geschichte zu verstehen ist:

Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tute es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?“ (V.10-11)

 

Mach es besser wie vorher und sei nun zuverlässig, so könnte man die Erklärung des Lukas verstehen.

Gottes Reich fängt bei uns da an, wo unser Leben bricht oder zu brechen droht, und es ist kein „...weiter so...“ gibt.

  • Jemand hat am Wochenende an die Autobahnbrücke ein großes Transparent aufgehängt:

Kerstin ich liebe Dich!“ Was soll den dieser Quatsch!

Doch dieses Transparent hatte eine Geschichte zu erzählen:

Der Täter hatte zwei große Lieben in seinem Leben: seine heutige Frau und seine Arbeit. Er sprach wenig über seine Gefühle und seine Probleme. Bei dem Paar blieb sie zu Hause und er rutschte im Laufe der noch sehr jungen Ehe immer stärker in Überstunden und berufliche Termine hinein. Sie warnte ihn, aber er kriegte das Ruder nicht rum.

Dann war sie eines Freitagabends nicht mehr da, als er nach Hause kam. Er grübelte und suchte und überlegte, was er nun noch machen könne. Er kletterte also Sonntagabend auf die Brücke und hängte das Transparent auf.

Sie kam zurück, man sprach sich aus und er begann eine längere Beratung mit einer therapeutischen Fachkraft. Er machte seit diesem Wochenende keine Überstunden mehr. Die beiden konnten ihre Ehe retten.

 

Mach es besser wie vorher.

Jetzt, als es um sein persönliches Überleben geht, arbeitet der untreue Verwalter genauso, wie man es von einem klugen Manager erwartet. Zwar erst jetzt, aber es ist eben noch rechtzeitig genug, sagt die Geschichte. Wenn Gott nicht nach unseren krummen Dingen und schlechten Angewohnheiten von früher in seinem Reich fragt, dann gibt es noch die Chance etwas z.B. im Charakter eines Menschen zu finden, was jetzt das Leben wachsen lässt und Frieden schenkt.

 

Mach es besser wie vorher…

und trau der Gnade alles zu.

Da erlässt jemand anderen deren Schuld.

Da presst jemand nicht den letzten Cent aus seinem Gläubiger heraus, sondern riskiert etwas zu verschenken, obwohl er selbst nichts mehr hat.

Wie Gott nicht als Schuldeneintreiber beim Urteil über ein Leben in der Bibel gezeichnet wird, sondern als väterlich gnädige Macht für alle Kreatur, so soll unser Handeln diese Gnade spiegeln.

Diese Gnade ist dabei nicht gönnerhaft, sagt Jesus, sondern einfach klug.

Ich kann mir vorstellen, dass Jesus auch von Anton erzählt hätte, wie der mit seinem Nachrechnen am Ende eine Idee hat, die funktioniert, aber die überhaupt nicht in den Streit um Macht und Entscheidungshoheit von Verantwortungsträger passt.

Den Gottes Gnade und liebendes Tragen passt oft nicht in das normale Leben, aber es ist die Erlösung für Alle, die eine Antwort brauchen, die in keinem Lehrbuch nachzulesen ist.

 

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage

abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

 

Pastor Günter Loos

 

Büro:

Hardenberger Straße 50

42 549 Velbert

Tel.: 02051 – 66 353

od.: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

-----------------------------------------------------------------------

 

 

 

              Lichtleute und Dunkelmänner                                                        

              oder wie das sein wird am Ende der Zeit…                                  

               Predigt über 1.Thessalonicherbrief 5, 1-6

         gehalten am 08. November 2020 (Drittletzer Sonntag)

                      in der EmK-Detmold / Lage

 

0. Der Bibeltext zur Predigt

 

1 Zur Frage nach dem Zeitpunkt und den näheren Umständen dieser Ereignisse braucht man euch nichts zu schreiben, Geschwister.

 

 

 

 

2 Ihr selbst wisst ganz genau, dass jener große Tag, der Tag des Herrn, so unerwartet kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn die Leute meinen, es herrsche Frieden und Sicherheit, wird plötzlich das Unheil über sie hereinbrechen wie Wehen, die eine schwangere Frau überfallen, und es wird kein Entrinnen geben.

 

 

 

 

4 Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen.

 

5 Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt. Weil wir also nicht zur Nacht gehören und nichts mit der Finsternis zu tun haben, 6 dürfen wir auch nicht schlafen wie die anderen, sondern sollen wach und besonnen sein.

(Neue Genfer Übersetzung)

 

1. Der Blick in die weite Zukunft…

 

Wie mit einem besonderen Fernrohr blickt der Briefschreiber Paulus in die Zukunft. Er spekuliert dabei nicht über Zukunftsutopien, die schöne neue Welt, wenn alles gut sein wird, oder den Untergang dieser Welt, wenn nichts gut sein wird und alles so weiter läuft.

Paulus antwortet mit seinem Brief auf Fragen, die ihm aus einer jungen Gemeinde in Thessoloniki gestellt wurden. Paulus hat eine sehr intensive Beziehung zu den Christen dort im Norden Griechenland. Mit vielen Kämpfen konnte sich dort die Gemeinde etablieren und Paulus ist herzlich dankbar, dass Gott dort dieses Wunder geschenkt hat.

Doch nun fragen die neu zur Gemeinde Gekommenen nach, wie das mit dem Sterben und dem was kommt aus sieht für sie als Christen.

Da stellen sie zuerst die Frage, was mit denen ist, die schon längst als Christen gestorben sind. Was passiert mit denen, wenn Jesus wiederkommt?

Paulus antwortet in seinem Brief, dass die Gestorbenen nicht benachteiligt werden, sondern dass sie selbst sogar als erste wieder auferstehen werden und mit dem Herrn zusammen sind.

Doch da liegt noch eine andere Frage aus Thessoloniki auf dem Tisch: Wann ist das soweit, dass Jesus wiederkommt? Und was tuen wir, bis es soweit ist?

 

Darum schaut Paulus mit seinem geistlichen Fernrohr in die Zukunft und erklärt, wie das zu verstehen ist: Jesus wird wiederkommen!

Das ist eine Überzeugung des christlichen Glaubens, die uns nicht jeden Tag beschäftigt. Es ist oft gut, dass wir nicht ständig die ganz großen Fragen wälzen müssen. Den die Antworten sind auf diese Fragen schwer und oft auch nicht leicht verdaulich. Doch wenn die Fragen da sind, dann ist es nicht klug, sie einfach zu übergehen.

Jesus lebt und wird am Ende der Zeit die Dinge in dieser Welt klären, wie sie sein sollen um Gottes Willen. Für die Einen wird das zu einem Tag des Gericht werden, für andere zu einem Tag der Erlösung und Freude.

Menschen werden erleben, dass die Gerechtigkeit und der Friede, den sie ihr Leben lang ersehnt und erhofft haben, nun Wirklichkeit wird. Andere werden erleben, dass ihr Weltbild aus „Alle Macht dem Starken“ und „Das Ich zählt“, krachend zusammen stürzt.

Einige werden weinen, dass die Welt, die sie sich so perfekt und radikal untertan gemacht haben, nun stirbt, andere werden fasziniert sein, wie der Schöpfer des ganzen Kosmos auch diese verletzte und geschundene Schöpfung erneuert und verändert.

Wenn es diesen Tag nicht gibt, das glauben Christen, dann könnte man verzweifeln. Denn überall stößt unsere Hoffnung und unsere Liebe in Christus im Alltag an Grenzen. Es ist spürbar nicht alles so, wie es sein müsste, wenn es gut sein soll.

Es gewinnt der Terror und die Unterdrückung im Alltagsgeschäft dieser Welt und es fehlt denen, die eine andere Welt suchen, an Unterstützung und oft auch Mut. Wenn dieser Tag, an dem alles anders werden wird, nicht kommt bleibt alles so wie es jetzt ist – leider!

Darum hatten die Geschwister in Thessaloniki recht, wenn sie ihre Fragen stellten und besser verstehen wollten, was sie erwartet in der Zukunft mit ihrem Herrn Jesus Christus. Paulus macht Mut mit seinem Brief, sich nicht die Schreckensbilder und blutigen Visionen auszumalen, die praktisch zu dem gehören, worauf die Zukunft zuläuft. „Man braucht euch nichts über die näheren Umstände zu schreiben (V.5,1)“, beginnt Paulus seine Antwort.

Aber es ist wichtig zu wissen, so hört man es dann in seiner Antwort, wie man in der Nachfolge Jesu in dieser Zukunft ankommt.

 

2. Lichtleute und Dunkelmänner

 

Lesen wir noch mal genauer rein in die Antwort des Briefes an die Christen in Thessaloniki. Die Zukunft der Christen rechnet mit dem Unerwarteten. Das überfällt uns wie ein nächtlicher Einbruch und macht uns Angst, aber es hat auch etwas von der Erfahrung von Erlösung, wenn nun das Warten vorbei ist und die Geburt, bei allen Schmerzen, die dazugehören, los geht.

Die Zukunft in der Nähe Christi beginnt überraschend und wenig planbar.

Einige haben bei sich einen kleinen gepackten Koffer stehen, damit sie, wenn sie (wieder?) in Krankenhaus müssen, alles Wichtige dabei haben. So etwas empfiehlt Paulus seinen Leuten nicht.

Wir müssen nicht alles Wichtige im Glauben schon mal einpacken und gut verstauen, damit am Ende nicht alles verloren geht. Wir müssen unsere wichtigen Worte und Gebete nicht gut verstecken, sondern dürfen sie nutzen, hören, beten und mit ihnen aktiv leben.

Paulus zeigt einen anderen Weg auf, wie man mit dem Überraschungsmoment, was zu allen großen Weltereignissen vermutlich immer dazu gehört und gehörte, umgehen kann:

Lebe die neue Existenz, in die Dich Christus schon jetzt hineingeführt hat! Bekenne Dich dazu – „Ich gehöre zu den Lichtleuten“ im Namen Jesu.

Die Dunkelmänner brauchen die Nacht und das Verstecken, um ihr krummes Geschäft voran zubringen.

Die Dunkelmänner mögen keinen investigativen Journalismus, der Licht in ihre Geschäfte bringt.

Die Dunkelmänner schotten sich ab, damit nur ihres gleichen mitbekommt, was gerade läuft.

Den Dunkelmännern ist nicht wirklich zutrauen.

Dieser Erfahrung mit den Kräften, die immer schon so schwer zu entlarven waren, setzt Paulus das Bild von den Lichtleuten entgegen.

Das Tageslicht, in dem man etwas bewegen und arbeiten kann, ist ihre Zeit. Nicht Müdigkeit und dahin Träumen bringt ihr Leben voran, sondern wache Besonnenheit ist ihre Sache. Die Lichtleute erkennt man, weil sie sich aus Überzeugung nicht verstecken wollen. Man kann ihnen trauen, weil man sieht, was man an ihnen hat.

Es ist die Logik der Wahl, die Paulus hier ins Spiel bringt: wer nicht zwischen zwei unterschiedlichen Dingen sich entscheiden kann, entscheidet sich am Ende gar nicht. Aber das Ziel und die Zukunft meines eigenen Lebens sind es wert, nicht einfach im Da-zwischen zu bleiben. Dabei ist es ja keine wirkliche Entscheidung, die Paulus hier provoziert. Wer will schon zu den Mafiosi oder den Betrügern und Kriminellen gehören? Paulus wirbt dafür, mit Mut und Überzeugung den Weg mit Christus weiter zugehen.

Das ist ein Lebensweg, der nicht angstfrei und ohne Mühe und Schmerzen sein wird, aber das ist der Weg, der am Ende uns den neuen Himmel und die neue Erde sehen lässt.

 

3. Lichtleute können anstrengend sein

 

Lichtleute können im Alltag anstrengend sein. Ich erinnere mich an jemand, dem ich die Stadt gezeigt habe. Ich habe ihm die schönen Bauwerke und die netten Ecken in der Stadt gezeigt, und schwärmte von den Restaurants, wo es mir gut schmeckt und dem süffigen lokalen Bier.

Da antwortete mein Gast: „Ich bin alkoholkrank und habe viel zu lange viel zu viel getrunken. Jetzt trinke ich keinen Alkohol mehr.“ Er erzählte, wie gut das für ihn war, dass er zum Glauben gefunden hat und nun viele Dinge von früher nicht mehr macht.

Doch mein Gast war mit diesen Erfahrungen im Gepäck sehr sensibel für Dinge, die mir eher nebensächlich schienen. Er setzte auf Nummer Sicherheit bei den technischen Dingen - …zuviel riskieren gehörte zu seinem alten Leben.

Er erinnerte seine Arbeitgeber bei Kirchens immer wieder daran, dass Datenschutz und Schutz der Privatsphäre Grundrechte sind - …vermutlich hatten ihm zu Viele gezeigt, wie man mit Datenmissbrauch und Übergriffigkeiten einen Anderen verletzen und demütigen kann.

Er fragte immer wieder allesmögliche nach, nicht weil er nerven wollte, sondern weil er Dinge nicht verstand.

Kein leicht zu nehmender Mitbürger, aber ein Mensch, der keinen Zweifel aufkommen ließ, zu wem er gehörte, zu Christus.

Wir christlichen Lichtleute können anstrengend sein und dafür wollen wir uns entschuldigen, aber wir sind gewiss, dass am Ende die Liebe Christi durch uns heller scheinen wird und scheint, wie unsere eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten.

Amen.

 

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:  Mühlenstraße 16 ,  32756 Detmold

Tel.: 05231.23297      e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

 

 

 

 

Gott wohnt mit Euch in dieser Stadt

Predigt über Jer. 29

Predigt in der EmK Detmold und Lage

und am 01.Nov. 2020

 

Wir bekommen als Pastoren für die Gemeinden in diesen Wochen immer wieder Post mit wichtigen neuen Hinweisen zum Umgang mit den CoronaAuflagen. Ganz oft, wenn die Post aus der Kichenkanzlei von den leitenden Superintendenten kommt, liest man tröstende und mutmachende Worte. Briefe bleiben ein gutes und wichtiges Medium, um einander nicht aus den Augen zu verlieren.

In einer tiefgreifenden Krise waren die Menschen nach der Eroberung von Jerusalem und der Verschleppung von guten Handwerkern, Experten am Königshof, wie den Schreibern, und den Priestern und der Obrigkeit nach Babylon. Wer kann nun die Entscheidungen in der Stadt treffen, was ist dran für die, die nun tausende Kilometer entfernt im Zweistromland gestrandet sind, und, wie es ein berühmtes Psalmwort sagt, ihre Harfen in die Bäume gehängt haben und weinten (Psalm 137).

Hören wir auf den Brief, den damals die Menschen in Babel aus der Heimat bekommen haben: (Briefumschlag öffnen)

 

An die betrübten Aktiven!

 

Einen Gruß aus der Heimat, ...oder von dem, was von ihr übrig geblieben ist, sende ich Euch. Ja, es ist wahr: so wie ihr das Land noch kennt, so sieht es heute nicht mehr aus.

Die Nachbarn fallen immer wieder mal aus Moab her in unser Land ein und verwüsten, was der Krieg verschont hat. Wir werden zu Spezialisten, wenn es um Klagelieder geht. Kläglich ist es hier und ich kann Euch nur warnen vor einem falschen, beschönigenden Bild der Dinge hier in der alten Heimat.

Allen - egal ob sie es offen sagen oder nur im Stillen bei sich bedenken - sitzt noch der Schock in den Knochen. Niemand wollte es ja vorher glauben, dass auch Jerusalem nicht unbesiegbar ist. Und dann die Tribute der Sieger und diese Wegführung von Euch, die ihr wahrlich mit Eurem Wissen und Euren Begabungen nicht zu ersetzen seid.

Nein, vergessen ist noch nichts, doch jetzt erinnern sich langsam auch einige Andere außer mir an die Geschichte, die so in den Abgrund geführt hat. Hochmut, Selbstgefälligkeit, Hin- und Her lavieren in der Politik, immer wieder mal mit dieser und jener Fraktion an anderen Königshöfen angebandelt haben, weil man sich einen Vorteil versprach... . Doch als es drauf ankam, da war keiner der politischen Freunde im Ausland da, da konnte niemand sich eingestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, dass hier Verantwortliche Menschen falsch gehofft und geplant haben. Jetzt endlich, nach so vielen Jahren, fangen hier die Leute an, nach-zudenken.

Jetzt wird einigen klar, was die Wege Gottes gewesen wären: nicht Sieg über Sieg und Wunder über Wunder, sondern Demut, Vertrauen und Schuldeingeständnis. So buchstabiert sich der Weg mit dem Gott unserer Väter und Mütter.

Doch ich will zu dem Anliegen kommen, weshalb ich Euch schreibe. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es mit dem guten Leben an den Wassern von Babylon nicht weit her ist. Einige hausen jetzt schon Monate lang in ihren Zelten und denken gar nicht daran, mal nach einem Bauplatz Ausschau zu halten. Ihr könnt die Koffer auspacken, es geht heute und morgen nicht wieder zurück nach Hause. Das Leben im neuen Land ist keine vorübergehende Episode, es wird etwas Längeres werden. Denn die Welt ist, wie sie ist. Es gibt eine tiefe Krise bei uns zu Hause und die Verhältnisse blieben hier noch eine ganze Weile, wie sie nun mal sind. Wie können da einige auf die Idee kommen, es ginge bald wieder zurück nach Hause?

Ich will Euch ganz deutlich sagen: Blickt nach vorne und vergesst alles, was nach leichter Lösung aussieht. Das schwierige Leben hört für uns und für Euch nicht einfach auf wie, wenn man einen traurigen Roman liest und nach der letzten Seite einfach wieder in die bessere eigene Alltagswelt eintaucht. Alles nur eine kurze Episode...! Nein, nur durch die Not hindurch gibt es einen Weg zu einem Neuanfang, und da wartet dann neue Hoffnung für uns.

Blickt nach vorne, stellt Euch zu eurem Leben heute. Schuld will erst vergeben sein, bevor die Freiheit für Veränderung und Heilung Raum gewinnen wird. Fangt neu an - mit dem Nächstliegenden - und entdeckt darin Gottes gnädige Gegenwart bei Euch. Oder wenn ich es mit einem anderen Tonfall sagen soll.....

 

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggefährten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen, und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehret euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. (Jer. 29, 4-6)

 

Das war das eine, auf das ich zu sprechen kommen wollte. Das andere ist dieses : Sorgt Euch um Eure Nachbarschaft, fragt nach der Stadt, in der ihr wohnt, und nach ihrem Ergehen....

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohl geht, so geht´s auch euch wohl. (Jer. 29,7)

 

Wisst Ihr schon wer da neben euch wohnt? Wo kommen die Nachbarn her? Was arbeiten sie oder gibt es für sie gar keine richtige Arbeit?

Fragt ruhig ganz konkret: Welche Sorgen, welche Not beschäftigt die Leute dort um Euch her? Vielleicht freut sich jemand schon seit einer ganzen Weile über Eure Anwesenheit, weil nun mal etwas geschieht, was die Alteingesessenen nie wagen würden. Mit Euch Neuen haben sie wieder neue Hoffnung.

Macht die Stadt zu Eurer Stadt und ihr werdet erleben, dass ihr als Fremde ganz allmählich auch diese Euch so fremde Umgebung zu Eurem Zuhause machen könnt.

Gott hat seinen Leuten eine Adresse, meistens sogar mit Straßennamen und Nummer gegeben, nicht damit sie ein Schild an die Tür hängen "Bleiben nur kurz....", sondern dass sie hier ihr Zeugnis leben und durchbuchstabieren. Weil es auch bei Euch diese Adresse Gottes gibt, darum hat der Frieden in friedloser Umgebung eine Chance.....

Euer Jeremia!

 

  1. Falscher Empfänger?

 

Vielleicht geht es Ihnen mit diesem Brief so, dass Sie ihn dreimal umdrehen und schauen, ob die Adresse auch stimmt. Denn ich bin doch nicht gemeint, oder?

Nein ich habe nicht meine Heimat durch einen Krieg verloren, aber wir verlieren doch alle miteinander in diesen Monaten ein vertrautes Leben, Kultur, Musik, Kino, Feste, Urlaubsreisen etc. Und wir fragen nach, was da an tiefer geistlicher Botschaft sich für uns versteckt.

Es lohnt sich, den alten Brief heute noch mal genauer zu lesen. Jeremia schrieb an Leute, die nicht in akuter Not einen Ratschlag brauchten, sondern die innerlich nicht da waren, wo sie jetzt lebten. Die Juden in Babylon hingen mit ihren Gedanken noch in der Vergangenheit fest. Sie lösten sich nicht aus einer Welt, die es so nicht mehr für sie gab. Die träumten so lange von einer besseren Zeit damals, bis die Resignation und Depression sie überwältig hatte. Und dann hingen die Harfen in den Weiden am Fluß und man trauerte vor sich hin (Psalm 137,2!).

Wir leben immer wieder so, als wenn es kein Corona gibt oder alles bald wieder vorbei ist. Aber wir brauchen nun Ausdauer und es ist die Aufgabe, nicht das Leben nach Corona zu planen, sondern nun das Leben mit dieser Pandemie zu organisieren – in allen Lebensbereichen!

Aber so fremd ist vielen von uns das gar nicht, was wir nun als Gesellschaft mit vielen Anderen durchzubuchstabieren haben. Lassen Sie mich eine Episode von einem Kinderwochenende in Meck.-Pom. erzählen

    • Ich kam mit Mitarbeitenden und ca. 20 Kindern für eine Wochenendfreizeit in einem alten mecklenburgischen Pfarrhaus an. Wir sahen uns einer Baustelle gegenüber, die noch nicht richtig geputzt war.

    • Einige überlegten, ob sie gleich wieder abreisen sollten, andere riefen nach den Verantwortlichen für das Haus. Und einige Eltern fingen einfach mit ihren Kindern an, zu putzen, die Zimmer gemütlicher herzurichten und nach drei Stunden waren wir angekommen.

    • Es war ein abenteuerliches Zuhause dort in Kirch-Kogel in der Nähe von Bad Doberan für drei Tage, aber am Ende fiel es uns tatsächlich schwer, wieder abzureisen und Abschied zu nehmen.

Gott bewahrt uns nicht vor solchen ungeputzen, unaufgeräumten Baustellen im Leben oder Zeiten, in denen alles neu geplant werden muss, aber er lässt uns da auch nicht alleine werkeln. Der Gott Isaak, Jakob und Abraham geht mit uns in das neue Zuhause im Altenwohnstift oder in das Studentenzimmer. Dieser Herr unseres Lebens bleibt mit uns da, wo wir heute sind, …auch wenn wir uns selbst ganz woanders hin wünschten!

 

  1. Falscher Zeitpunkt?

Ich habe noch eine andere Idee, was wir mit unserem JeremiaBrief anfangen könnten, wenn er irgendwie jetzt so gar nicht in mein eigenes Erleben hineinpasst:

  • Einen Brief muss man ja nicht gleich wegwerfen, den kann man ja irgendwo einfach ablegen. Und dann lese ich ihn wieder, wenn ich besser annehmen kann, was da steht.

Nehmt Sie das heute mit, was der Prophet Jeremia für Tage, wenn wir uns fremd und auf der Durchreise fühlen, wenn wir auf unseren gepackten Koffern sitzen und sie nicht auspacken, geschrieben hat.

Ich bin nie gerne umgezogen.

Ich habe mit jedem Umzug Freunde und Beziehungen verloren. Ich wusste nach einem Umzug immer wieder nicht, wo ich wichtige Dinge und Einrichtungen finde, die man aber ganz selbstverständlich braucht.

  • Ich bin beim Umzug ins Rheinland in Velbert ins Rathaus gegangen und habe gefragt, wo man hier in der Nähe sein Altpapier und Glas los wird.

  • Die dritte Mitarbeiterin, an die ich verwiesen wurde, wusste zu sagen, dass der nächste Müllplatz gleich um die Ecke ist.

Doch auch das gehört zu den Umzügen dazu:

  • ich habe Neues entdeckt, geschenkt bekommen und Menschen getroffen, wo ich Altes aufgeben musste... .

Den Brief des Jeremia zu lesen ist keine leichte Lektüre, wenn man mit der Einsamkeit hadert und vor Gott über das klagt, was einem mit der neuen Lebenssituation genommen wurde. Doch Gott wohnt auch da, wo ich nur Wüste und Fremde sehe. Gott hat sein Zuhause, wo mich die Trauer über das Aufgegebene erfüllt.

Wenn ich immer noch die gepackte Kisten im Keller stehen habe und einige gepackte Koffer mich im Herzen belasten, dann habe ich die Aufgabe sie auszupacken. Denn wir beherrschen nicht das Morgen, aber wir können jetzt gut für uns sorgen!

 

  1. Der tröstende Blick nach vorne…

Am Ende des Briefes an die Freunde und Bekannte im fernen Land schreibt der Jeremia sein Trostwort, dass uns Gott sagt:

"Ich weiß, was ich für Gedanken über Euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." (Jer. 29,11)

 

Wir sehen, was alles verloren geht, was nicht mehr sein wird, was nun vorbei geht.

Gott sieht, was für uns werden wird.

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

Günter Loos

 

 

 

 

 

 

                                  Sonntagsruhe – Ich bin so frei  !                             


                                    Predigt über Markus 2, 22-28                                             

                               gehalten am 25.Okt. 2020 / 20.n.Tri.                                        

                                   in der EmK-Detmold / Lage                                                 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

am freien Tag muss ich nicht, sondern darf ich.

Am freien Tag sagt mir nicht mein Kalender, was dran ist, sondern ich sag meinem Kalender, was ich will und brauche.

Am freien Tag freue ich mich auf die Überraschungen, die der Tag bringt und lasse Platz für Überraschungen.

Am freien Tag darf ich frei sein.

Für mich und Andere, die am Sonntag oft den intensivsten Tag im Engagement für die Gemeinde und Kirche erleben, ist dies in der Regel nicht der freie Tag.

Doch das wir die regelmäßige Sabbatruhe, die Unterbrechung des Arbeits-Rhythmus, für unsere seelische und körperliche Gesundheit brauchen, davon bin ich auch als „Sonntagsarbeiter“ fest überzeugt.

 

Lassen Sie uns das gleich an dieser Stelle ansprechen:

Schon vor 15 Jahren war statistisch bei uns im Land für 36% aller Erwerbstätigen die Arbeit am Sonntag wohl vertraut und die Zahl derer, die privat am Sonntag die Arbeit der Woche nachholen, lag noch über diesen fast 40 %. In diesem Jahr ist durch Kurzarbeit und Corona vieles anders, aber die Zahl der Sonntagsarbeitenden ist seitdem vermutlich eher noch gestiegen. Fast die Hälfte von uns hört nun gleich eine Episode aus einer Welt, die wir nicht mehr sofort verstehen: die Jünger Jesu bekommen eine Rüge, weil sie am Sabbat einige Ähren abreißen, vermutlich um sie zu verspeisen!

 

1. Sabbat feiern

Der jüddische Sabbat wird nach unserem Kalender am Samstag gefeiert und die christliche Tradition nimmt als Festtag der Woche den Sonntag. Doch die jüdische Bedeutung dieses Tages ist bei den Christen nicht verändert worden, sondern mit der Erinnerung an Jesu Auferstehung noch erweitert worden. Am Sonntag feiern wir Gottes Geschenk der Ruhe und die Verheißung des neuen Lebens in der Auferstehung Christi. Weil Gott neu Leben schafft, dürfen wir dankbar an diesem Tag das von ihm geschenkte feiern.

Die Freunde Jesu scheinen diesen Tag zu genießen.

Sie wandern durch die Felder, haben Zeit, die Hügel und die Aussicht zu genießen, und müssen nicht ihr Tagwerk schaffen. Es war altes Gesetz in Israel und Judäa, dass die Armen ohne eigenes Land um nicht zu hungern, am Feldrand sich Ähren suchen oder abrupfen durften. Mundraub war rechtlich und kulturell erlaubt (5. Mo. 23,26). Wie sagt es Jesus: „Sehr die Lilien auf dem Felde. Sie sähen nicht und sie ernten nicht und doch macht sie Gott zu Augenweiden auf dem Felde.“ Die Jesusfreunde sorgen sich nicht um diesen Tag und sind da ganz nah bei dem, wie Jesus ihnen das Leben in Gottes Gegenwart beschrieben und vorgelebt hat.

 

Doch genauso berechtigt, gibt es auch zu dieser Zeit die, die den Sabbat mit guten Ordnungen und Regeln frei halten wollen vom Arbeits-Modus. Denn die Arbeit und die Sorge darum, ob ich heute und über den Tag hinaus genug habe, ist eine starke Kraft bei uns allen. Da braucht es nicht nur guten Willen, sondern da helfen auch klare Absprachen, um die Sorge einfangen zu können.

Die Pharisäer waren die Experten für diese Fragen, welche Ordnungen und Regeln was bewirken und wie sie angewandt werden müssen. Je nachdem, wie ich die Kornähren abreiße, welche Menge ich pflücke und was ich dann damit mache, ist das nichts anderes wie die Erntearbeit, die auch am nächsten Tag wieder mit vollem Einsatz passieren kann, oder eben die Tagesration zum Essen, die auch am Sabbat brauche.

Jesus verteidigt mit weitreichenden Argumenten, was seine Leute tun: auch von David wusste man, dass er mit dem Essen der dem Tempel gespendeten Schaubrote die

strengen Tempelgesetze nicht eingehalten hat, aber trotzdem sein Tun gut zu verstehen ist.

Er unterstreicht: die Regel und Ordnungen einzuhalten helfen uns, das das geschützt bleibt, was uns bei Gott hält und zu unserem Gottesdienst dazugehören muss. Jesus ist frei genug, nicht die Regeln an die 1.Stelle zu setzen, sondern mit dem Ziel, warum es die Regeln gibt, den Alltag zu organisieren.

Jesus macht sich frei, so mit seinen Freunden Sabbat zu feiern, dass da Platz für die Begegnung mit Gott bleibt, und er wiederspricht den kontrollierenden Stimmen der Pharisäer, die ihm vorschreiben wollen, wie dies praktisch aussehen muss.

 

2. Frei bleiben, um Gott zu begegnen

Diese Sabbat und Sonntagsgeschichte bleibt in ihrer Grundfrage bis heute spannend: haben wir das noch raus, wie man Gott am freien Tag Raum gibt oder bauen uns da Verpflichtungen, Aufgaben und Regeln den Sabbat so zu, dass er nur noch formal der Tag des Herrn ist?

Für uns übersetzt:

*  „Bin ich wirklich Herr / Frau über meine Zeit an diesem Tag?

* Nehme ich mir Zeit zum leben, für Gespräche, die Kinder, Partnerin/Partner, das Buch, das ich lange schon lesen wollte?“

 

Ich habe mir immer wieder mal persönliche Sonntagsregeln gegeben, um den Sonntag in seinem Wert nicht zu verlieren:

* Es gab eine Zeit, da habe ich mit geistlicher klassischer Musik den Tag angefangen. In de Ruhe am Morgen setzen die Melodien den besonderen Ton des Tages.

* Z.Zt. gehört für mich zum Sonntag vor dem Predigen und den Gottesdienstvorbereitungen dazu, einige Minuten in meiner „Andachtsecke“ nur Zeit zum Hören und Reden mit Christus zu haben. Vor allem anderen.

* Wir decken am Sonntag den Tisch besonders für das Essen und versuchen damit immer auch ein kleines Fest am Sonntag zu feiern.

* Ich verteidige – nicht am Sonntag, aber an meinem persönlichen wöchentlichen Sabbattagen – die Zeit für mich und meine Dinge, mal ein Hobby, mal eine Aufgabe, ganz oft die ausgiebige Zeitungslektüre.

 

Ich mache die Erfahrung, dass es gut ist, immer wieder mal zu überlegen, ob meine „Sonntagspraxis“ noch funktioniert oder ob der Sonntag zum „normalen“ Tag geworden ist.

Und: ist da Platz für Gott an diesem Tag, dass ich hören, beten und loben kann?

 

3. Das Geschenk für die Welt…

Der Baden-Württembergische Ministerpräsident hat einen bemerkenswerten Kommentar zum Sonntag abgegeben:

Der Sonntag ist Geschenk der Gläubigen an die gesamte Gesellschaft.“

Es gab zur Zeit Jesu in der Nähe des toten Meeres eine jüdische Sekte. Die rechnete die Tage nach ihrer Schriftauslegung etwas anders und hatte bald einen ganz anderen Wochenkalender, wie die jüdischen Nachbarn. Wenn alle Sabbat hielten, wurde in Qumran gearbeitet, wenn in Qumran Sabbat war, war woanders Arbeitstag.

Dieser unterschiedliche Lebensrythmus entfremdete die Sekte in Qumran und die jüdischen Synagogengemeinden immer mehr voneinander und irgendwann lebten da zwei ganz unterschiedlichen Kulturen nur noch räumlich verbunden nebeneinander her.

Das ist für unsere moderne Welt immer noch das Geschenk der engagierten Christen für ihre Kultur:

 * es gibt einen Lebensrythmus in der Öffentlichkeit, der nicht nur die Arbeit betont, sondern auch einen Ort zum Treffen, Spielen, Feiern oder Relaxen anbietet.

 

Und Feiern klappt nur, wenn auch alle etwa zur gleichen Zeit ihren freien Tag haben. Der Ministerpräsiden betont da tatsächlich ein Fundament für unser öffentliches Zusammenleben. Nur wenn es vergleichbare Rhythmen von Arbeit und Freizeit gibt, lässt sich Kultur und Erholung organisieren - …für alle!

Damit wir dieses Geschenk anderen, die mit dem christlichen Sonntag wenig anfangen können, wirklich anbieten können, müssen wir den Sonntag selbst pflegen und gestalten. Anders wäre dieser Tag für andere nicht überzeugend.

 

Jesus zeigt die Freiheit für den Sabbat

und unsere Welt zeigt uns, wie schwierig es wird, wenn es keine Sonntagsruhe mehr gibt und alles zu Handel, zum Geschäft oder zur Arbeit wird.

Ich wünsche uns darum heute Zeit und gutes Wetter, dass wir auch durch die Felder und die Herbstlandschaft wandern können, und entdecken, wie nahe uns Gott ist.

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text: Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage Tel.: 05232.3696

oder mobil: 0176 – 239 236 20

e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

 

-----------------------------------------------------------------------

 

 

      Hier finden Sie Andachten unseres Gemeindepastors 

 

 

            ...   angedacht    ...   angedacht     .....    angedacht .....             

 

   Februar               

 

 

                                           Was bin ich wert?                                                        

Ich las im Wirtschaftsteil einer überregionalen Zeitung von der aktuellen Diskussion unter Versicherungsunternehmen, welchen Wert man in die Schadenskalkulation einsetzen sollte, wenn z.B. durch Konstruktionsfehler Menschen beim Autounfall oder Flugzeugabsturz zu Schaden kommen. Die Versicherungsleistung benennt dann in exakten Euro-Werten, wie viel ein Mensch wert ist.

Paulus macht in seiner Zeit eine ganz andere Rechnung auf, wenn er an die Gemeinde in Korinth schreibt: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knecht.“ (1.Korinther 7,23)  Auf den Sklavenmärkten damals wurde sehr genau um den Preis eines Menschen geschachert, und die Idee, dass Menschen nie zur Ware werden dürfen, ist erst in unserem Zeitalter gesellschaftlicher Konsens geworden. Der Theologe Paulus benutzt das Bild des Menschenhandels auf dem Sklavenmarkt, um von dem zu reden, was Gott durch Jesu Tod am Kreuz für jeden Menschen in die Beziehung zu uns investiert hat. Etwas, was mit dem eigenen Tod bezahlt wird, kann durch keine andere Investition und keinen Geldbetrag überboten werden. Gott, so sagt Paulus, investiert alles, um die Brücke aus seiner Wirklichkeit in unsere Welt neu zu bauen. Nicht wir bezahlen durch gute Taten und eigene Frömmigkeit den Preis für eine lebendige und uns wohlschätzende Beziehung zu Gott, sondern Gott selbst opfert sich in Jesus Christus für diese Welt. In diesem Sinne kann man Paulus nur zustimmen: „Ja, wir sind Gott viel wert!“

Aber die Szene auf dem orientalischen Sklavenmarkt wird noch einen Schritt weitergedacht: Wenn der Freikauf eines Menschen so viel gekostet hat, dann darf diese Investition nicht leichtfertig wieder aufs Spiel gesetzt werden. Hier trifft der Gedanke aus dem Brief von vor zweitausend Jahren einen empfindlichen Nerv unserer Zeit. Nur 30 Jahre nach dem Ende von ausbeutenden und Menschen kontrollierenden Systemen und Parteien in vielen europäischen Ländern gibt es eine neue Sehnsucht bei vielen, wieder in sicheren Verhältnissen, die mit weniger persönlicher Freiheit bezahlt wird, leben zu können. Wer diese Sicherheit verspricht, findet viele Wählerstimmen.

Die Freiheit, die uns Christus schenkt, ist es auch heute nicht wert, den neuen Abhängigkeiten in der großen Politik oder im Privaten geopfert zu werden. Wer davon erzählt, wie viel Freiheit man erlebt, weil man nicht mehr das nächste Glas Bier trinken muss oder die nächste Flasche Wein öffnen wird, übersetzt etwas von dieser teuer erkauften Freiheit, die auch für den christlichen Glauben gilt, in unseren Alltag.

Ihr Günter Loos!

 

 

 

Dezember

 

 

Das Wunder im Stall…

kommt uns in den Symbolen und Bildern der Advents-und Weihnachtszeit vertraut und unspektakulär vor. Seit den Kindertagen werden die Krippenszenen immer wieder anders aufgebaut, aber die Figuren von Josef, Maria, den Hirten und der Krippe, egal in welcher Variante, gehören einfach dazu. Das Bild des Pastors und Künstlers Volker Kempf/ Kaiserlautern will nicht einfach das Vertraute

neu in Erinnerung rufen, sondern dazu einladen, heute das „Wunderbare“ dieser Geschichte wieder zu entdecken. In der Christvesper 2019 wird Ihnen dieses

Bild begegnen. Mit diesem Bild möchte ich den Wunsch verbinden, dass in vielen ganz regelmäßigen und vertrauten Diensten in der Gemeinde und Kirche Ihnen immer wieder etwas von dem „Wunderbaren“ des Lebens mit Christus aufgeschlossen wird. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Jahresbeginn 2020.

Ihr Günter Loos!

 

 

Glaubensfrage

In den kommenden Monaten begleitet uns ein Bibelvers, der entdeckt werden will:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24)

Ein Vater will nur das Beste für seinen an Epilepsie erkrankten Sohn und setzt alles

auf die heilenden Kräfte, die Jesus wachrufen kann. Zuerst erfährt man in der Bibel, wie dramatisch diese Krankheit den jungen Menschen einschränkt, und dann wird mit einem Satz der Glaube des Vaters zum Thema dieser Szene. Der Vater scheint wenig Hoffnung zu haben, dass eine Heilung möglich ist, aber vielleicht unterschätzt er ja diesen Jesus….

Wir brauchen nicht lange, um etwas von diesem zweifelnden Bitten des Vaters auch bei uns zu entdecken.

Unser Glaube kommt oft nur halbherzig daher. Auch ohne Gottes Hilfe gibt es genug Lösungen, die uns regelmäßig z.B. Krankheiten überwinden lassen. Doch bei allen Chancen der modernen Medizin und eines funktionierenden Sozialsystems stellt sich die Frage: Geht es am Ende ohne ein tiefes Gottvertrauen, wenn unser Leben zerbrechlich wird und wir der Unberechenbarkeit in unserem Alltag begegnen?

Dieses Bibelwort leuchtet da hinein, wo jemand das Fadenende eines Lebens mit Gott ergriffen hat, aber das, was dann kommt, nicht ins eigene Leben „hineingewickelt“ hat und sich nicht davon tragen lässt. Hier geht es um die Dinge, die uns hindern, dem Weg mit Gott und der Liebe Gottes etwas zuzutrauen. Unglaube ist der fehlende Mut, diese Wege zu gehen und die Zuwendung Gottes anzunehmen.

Der Jahreskreis in der Gemeinde endet mit der Begegnung des zweifelnden Josefs in den Advents- und Weihnachtstexten. Er ist die schwankende Persönlichkeit, der die Gottes-Geschichte im Bethlehem-Stall nur schwer glauben kann. Der Vater des kranken Jungen stellt uns die Frage, ob unser Glaubensmut reicht, um auf Heilung in einer kranken Welt zu hoffen.

Dabei hat das Treffen Jesu mit dem kranken Kind in einem erstaunlichen Wunder geendet: Jesus macht seinen Widerstand gegen die unheilsamen und zerstörerischen Kräfte, die sich in den epileptischen Anfällen Bahn brechen, nicht vom Glauben des Vaters abhängig. Er bricht die Macht der Krankmacher zu allen Zeiten und schenkt neue Lebensmöglichkeit, auch wenn unser eigener Glaube sich gerade im Zweifeln verliert. Unser fehlender Glaube kann nicht Gottes Hilfe für hilflose Menschen verhindern. Doch wo unserem blockierten Glauben neuer Schwung und Mut geschenkt wird, da öffnet sich der Blick dafür, wie tief Gottes Liebe sich in diese Welt hinein verströmt. Darum: „…hilf meinem Unglauben“.

Ihr Günter Loos

 

 

September

 

 

                                        Die Seele pflegen                                               

 

Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seine Seele krank wird. Was nützt dann dieser Gewinn?“, so fragt Jesus die Freunde, die mit ihm unterwegs sind (Matthäus 16, 26). Die Antwort versteckt er in seiner Frage gleich mit: “So ein Leben nützt niemandem etwas.”

Im Spätsommer und Herbst will uns dieser Monatsspruch für September auf die Spur setzen, selbst Bilanz zu ziehen, ob die persönliche Pflege unserer Seele in einem passablen Zustand ist oder ob wir da einen besonderen Pflegebedarf haben. Im Denken der Bibel und auch von Jesus ist die Seele kein geheimnisvolles Etwas, das sich irgendwo in unserem Körper versteckt. Vielmehr versteht sich alle Lebensäußerung eines Menschen als Ausdruck der Seele.

So sind der permanente Kopfschmerz oder der kaputte Rücken ein Ausdruck für eine organische Erkrankung oder Schwäche, aber sie sind auch Faktoren dafür, wie es uns seelisch geht. Viele Erkrankungen werden inzwischen als Folge einer bestimmten beruflichen Tätigkeit anerkannt. Wer nach kräftezehrender Tätigkeit irgendwann nicht mehr kann, bekommt neben der Krankschreibung und der möglichen Verrentung besondere Kuren und Therapien verschrieben, damit Arbeit und die körperlichen Kräfte wieder in ein gesundes Gleichgewicht kommen können. Die Frage nach der eigenen Seelenpflege ist im Sinne Jesu die Frage nach unsere grundsätzlichen Lebenssituation: Stehen die Zeiten der Erholung mit Zeiten der Arbeit und Anspannung im gesunden Verhältnis zueinander? Kreisen die Gedanken immer nur um die beruflichen Probleme oder bleibt auch genug Raum für Familie, persönliche Hobbys und Engagement z.B. in der Kirche? Steigen in uns die Freude und das Loben auf oder ersticken Alltag und viele Probleme alle Leichtigkeit?

Was gewinnen wir - egal bei welcher Aktivität -, wenn unsere Seele keine Luft zum Atmen hat? So übersetzt sich die alte Frage Jesu in unsere Gegenwart. Wenn seine Freunde sich fragen, wie man das eigene Leben auf ein solides Fundament stellen kann, hören sie von Jesus oft die Antwort: Folge mir nach! Die Pflege der Seele ist bei Jesus keine Technik, die erlernt werden muss, oder eine philosophische Herausforderung, sondern eine Beziehungsfrage. Menschen, die betend mit Jesus im Gespräch sind, die ihre ethischen Entscheidungen mit den Sätzen der Bergpredigt im Kopf treffen und die die Gemeinschaft mit denen suchen, die selbst auf diesem Weg mit Jesus unterwegs sind, tun etwas für ihre Seele. Denn die christliche Seelenpflege lädt ein, die eigene Perspektive zu verändern und mit dem Anderen neu zu sich selbst zu finden.

Ihr Günter Loos!

 

---------------------------------------------------------------------

Sommer 2019

 

                                Langsam sein beim Zürnen !                                                   

 

Der Bibelvers in dieser Immanuelpost gibt ganz praktische Verhaltenstipps:

 

„Ein jeder Mensch sei schnell im Hören, langsam im Reden und langsam beim Zürnen.“ (aus dem Jakobusbrief, 1,19) Anders gesagt: Halte dich zurück, bevor dir der Kamm schwillt oder dein Blut in Wallung kommt!

 

Brauchen wir so einen allgemeinen Ratschlag aktuell?

Denn grundsätzlich pflegt man in lippischen Landen ja so oder so eine gewisse Zurückhaltung, bevor sich jemand ins Gespräch bringt oder gar einen Streit vom Zaun bricht. Es bewährt sich eben immer wieder erstmal hinzuhören, bevor wir „unseren eigenen Senf“ zu einem Thema dazugeben und am Ende durch unsere eigene unausgereifte Meinung selbst blamiert dastehen.

Doch seit längerer Zeit verändert sich etwas im öffentlichen Umgangston. Donald Trump hat die Politik weltweit mit seinen mal schnell dahingetippten Kurznachrichten verändert, und immer öfter finden kernige Sprüche auch in der öffentlichen Diskussion mehr Beachtung als wohlüberlegte Gedanken, die nicht immer mit 140 Zeichen (= Twitternachricht) formuliert werden können. Gegen die

Kultur der oberflächlichen Meinungsäußerung, die andere provozieren will, setzt die Bibel das Lob der Bedächtigkeit und der Fürsorglichkeit im Umgang

miteinander.

Wir müssen diesen Weg der Deeskalation in der methodistischen Welt z.Z. neu buchstabieren. Die Ablehnung der Segnung von homosexuellen Partnerschaften in der Kirche durch unser höchstes kirchliches Entscheidungsgremium, der Generalkonferenz, hat die Differenzen in diesem Themenfeld unter uns deutlich ans Tageslicht gebracht. Für einige ist dies Trennende in der Diskussion

nun wichtiger geworden als die vielen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen in Glaubensfragen, die uns zusammengebracht haben. Das Miteinander in der Kirche und Gemeinde steht in Gefahr, durch diese Polarisierung, den Kampf um Richtig und Falsch, vergiftet zur werden. Wo immer wir mit anderen reden, brauchen wir die heilsame Medizin des Bibelwortes, um gesprächsfähig zu

bleiben: Zuerst höre ich, frage nach, ob ich es richtig verstanden habe, und nehme mir viel Zeit zum Zuhören.

Dann nehme ich mir noch mehr Zeit, bevor ich antworte, und am meisten Zeit braucht es, bis ich es zu einem handfesten Streit kommen lasse. Der Psalmbeter wusste schon in grauer Vorzeit, dass Zeit am Ende uns von Gott geschenkt wird, aber wir entscheiden, wie wir unsere Zeit zum Segen für uns und andere richtig verteilen.

 

Ihr Günter Loos

 

 

April/Mai

 

 

                                            Unvergleichlich …..                                                     

 

Vielleicht geht es heute nur um die Chipstüte im Regal: zwar stimmt die Marke und auch die Verpackung macht etwas her, aber leider fehlen 50g Chips in dieser Tüte im Vergleich mit der Tüte, die daneben steht und das gleiche Geld kostet. An anderen Tagen bringt uns etwas Wichtigeres dazu, die Dinge genau zu vergleichen: Nehme ich die Wohnung mit dem hübschen Wohnzimmerausblick oder lieber das etwas größere Objekt ohne Panoramafenster, aber mit mehr Platz für alle Möbel?

Von David liest man in der Bibel von einer inneren Diskussion, die dieser mit Gott führt. Es geht ihm dabei um die Frage, ob sich Gottes Güte und Gottes gute Gaben, die ihm und seinem Volk Israel von Gott anvertraut sind, mit irgendetwas vergleichen lässt, was es sonst auf dieser Welt gibt. Seine Überlegungen kommen schnell an ein Ende und er sagt: „Es ist kein Gott wie Du, und es ist kein Gott außer Dir.“ (2. Samuel 7,22) Gottes Zuwendung in den kleinen und großen Dingen im Leben ist für David mit Nichts ihm Bekannten vergleichbar. So ganz selbstverständlich pflichtet man heute der Erkenntnis des berühmten jüdischen Königs Davids nicht mehr bei. Es sind die kleinen Dinge, die uns verführen, das Vergleichsportal auch in religiösen Fragen aufzumachen:

Fühle ich mich wohl, wenn ich dort in die Kirche gehe? Kann ich damit leben, wenn die Musik zwar überhaupt nicht meinen Geschmack trifft, aber dafür im Kirchengebäude alles schön aufgeräumt ist und die Gemeinde mich freundlich begrüßt? Macht es mir Mühe, engstirnige Glaubenspositionen auszuhalten, oder sind sie für mich sogar hilfreich, weil sie genau das aussprechen, was ich auch für richtig halte?

Bevor David von der Einmaligkeit Gottes schwärmen kann, macht er sich Gedanken darüber, ob man für Gott nicht einen neuen Tempel bauen sollte oder wie man sonst Gottes Größe im Land sichtbar werden kann. Die Antwort, die er auf seine Fragen erhält, fällt sehr nüchtern aus: Gott braucht keine Paläste oder Schätze, um sich mit seiner Liebe und Zuwendung zu zeigen. Um Gott zu begegnen, war in Israels Frühzeit ein Zelt als Heiligtum groß genug, und am Anfang der christlichen Gemeindegeschichte erzählen wir vom leeren Ostergrab als dem wichtigsten Wunder für unseren Glauben.

Wo Nebensächlichkeiten zur Hauptsache in Glaubensfragen werden, da muss viel abgewogen und verglichen werden. Doch wenn Gott uns nahe kommt in einem Augenblick der Stille oder wenn man in bedrängender Not von der Angst befreit wird, dann verstummt das Vergleichen und wir sind ganz nahe bei den Worten Davids. Gott bleibt auch heute unvergleichlich,

 

Ihr Günter Loos

 

 

---------------------------------------------------------------------

 

Februar/ März

 

Die Hoffnung lebendig halten ...

 

Ich gehöre zu den Menschen, die wehmütig an die Arbeit des pensionierten US-Präsidenten Barak Obama zurückdenken. Er hat mit einem Wort benannt, wie die globalen Sorgenkinder unserer Zeit gebändigt werden können: Change / Umkehr oder Veränderung. Paulus schrieb in einer anderen Zeit an Christen in Rom und verschwieg dabei nicht, wie schwierig das Leben für ihn und andere Christen in dieser Zeit war: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Römer 8, 18)

Zugegeben, in der Bibel steht nicht der Begriff „Change“, sondern von Offenbarung ist die Rede. In der Konsequenz geht beides aber in die gleiche Richtung: Wer umkehrt und die Veränderung wagt, wird hoffentlich sehen, auf was er mit Recht hoffen kann. Wenn die Zeiten gut sind und Menschen Segen und Frieden erfahren, dann spielt das zitierte Bibelwort keine große Rolle. Doch wenn der Alltag immer mehr als eine Serie von Leid und Unglück erlebt wird, stirbt die Hoffnung. Denen, die Leiden durchleben und ihre Lebensrichtung verlieren, wird mit diesem Wort Mut gemacht: Schau nicht auf das Chaos, sondern schau dorthin, wo es sich wieder leben lässt, weil die Dinge sich verändert haben. Veränderung ist möglich!

Seit einigen Monaten lebt die 16jährige Greta Thunberg diese Hoffnung auf Veränderung und Erneuerung. Jeden Freitag steht sie vor dem schwedischen Parlament und hält ein Schild mit dem Slogan: „Schulstreik für das Klima“. Sie will so lange weiter dort protestieren, bis in Schweden eine Klimaschutzpolitik umgesetzt ist, die ihr und ihrer Generation eine lebenswerte Zukunft eröffnet.

Viele Kinder und Jugendliche haben weltweit sich von Greta Thunberg begeistern lassen und demonstrieren nun in ihrem Land für eine nachhaltige Klimapolitik. Diese jungen Menschen sind nicht bereit, vor Klimaveränderungen zu resignieren oder die Trägheit bei der Umsetzung eines anderen Lebensstils einfach als ganz normal zu akzeptieren.

Am Ende, so würde Paulus vielleicht heute schreiben, wird unsere Hoffnung auf eine andere Welt, in der Christus die Maßstäbe für das Leben in dieser Schöpfung und miteinander setzt, erfüllt werden, weil wir heute nur ahnen können, wie groß Gottes Möglichkeiten sind.“ Ich hoffe, wir lassen uns von den demonstrierenden jungen Menschen anstecken, dort zu hoffen, wo andere den Glauben verloren haben, …weil auch Gott in seiner Liebe für jede Kreatur und diese Schöpfung nicht aufgibt.

 

Ihr Günter Loos

 

--------------------------------------------------------------------

 

 

                                               Ein Zeichen des Himmels

 

Am Ende des Jahres kommen die vertrauten Symbol wieder an ihre Plätze zurück. Ich mag das, wenn Kerzen, Handwerksschmuck und schöne Bilder für einige Zeit unseren privaten und öffentlichen Räumen eine ganz andere Atmosphäre schenken. Doch damit unsere Schmuckstücke nicht nur Dekoration für die kühle Jahreszeit sind, müssen wir auf die Geschichten achten, die zu den Sternen, Kerzen, Nikolausstiefeln und Krippenszenen gehören.

Der Evangelist Matthäus erzählt die Weihnachtsgeschichte etwas weniger idyllisch als Lukas und verschweigt nicht die Familienkonflikte von Maria und Josef, die zu ihrer Weihnachtsgeschichte gehört haben. Der Vater Josef ist ärgerlich, als ihm seine junge Frau ihre Schwangerschaft gesteht, und er plant ernsthaft die Trennung von ihr. Doch Matthäus schreibt in seine Geschichte die himmlischen Interventionen, die eintreten, wenn alles zu scheitern droht, mit hinein. Ein Engel überzeugt Josef, Gottes Wirken in dieser unglaublichen Geschichte zu sehen. Gelehrte Forscher, die jeden sichtbaren Planeten und die andere astronomische Phänomene ihrer Zeit untersuchten, nahmen eine besondere Sternkonstellation als ein übernatürliches Zeichen und machten sich auf die Reise vermutlich aus dem heutigen Irak in die israelische Gebirgs- und Hügellandschaft, um nach einem Königskind zu suchen. Ihre großen Zukunftspläne, die verbunden waren mit der Hoffnung auf eine bessere politische Ordnung und Frieden für alle durch den neuen König, drohten zu scheitern, bis sie ihr himmlisches Zeichen wiederfanden. Da sie den Stern sahen, waren sie überglücklich.“ (Matthäus 2,10) Ein Zeichen des Himmels, so deuteten sie diese Himmelserscheinung, leitet sie zum neugeborenen Königskind und zeigt den Menschen dortam ärmlichen Geburtsort, welches weltverändernde Ereignis sie miterlebt haben.

Die vielen trockenen Monate in der Region haben in uns eine Ahnung wach werden lassen, was die Klimaveränderung für uns heißen könnte. Die politisch neu angeheizten Konflikte um die Macht einzelner Nationen in Russland, den USA und in China lösen Ratlosigkeit und Ängste aus. An vielen Stellen holpern die wohlvertrauten Prozesse in unserer Welt, und die Sehnsucht nach einer besseren Ordnung verbindet uns mit den Sterndeutern aus dem Morgenland. Die Weihnachtssymbole begleiten uns wieder in den kommenden Wochen, aber finden wir auch die Botschaft, die zu diesen Zeichen gehört? In Situationen hinein, wo wir und andere uns in Streit und Konflikten unversöhnlich gegenüberstehen, erinnern uns Sterne und Kerzen daran, dass mit Jesus das alles überstrahlende Licht Gottes unsere Welt mit Frieden durchdringen will.

 

Ihr Günter Loos

 

---------------------------------------------------------------------

                          Sehnsucht haben

 

Gott, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen“ (Psalm38,10)

Ja, bei Gott darf man die ganz persönlichen Dinge offen machen. Unsere Sehnsüchte und Träume verstecken viele Ideen, die oft nicht mal mein bester Freund / meine beste Freundin oder mein/e Ehepartner/ in kennt. Für mich war Udo Jürgens einer der großen Künstler unserer Zeit, der die Sehnsüchte von vielen in wunderbare eingängliche Melodien und Texte gegossen hat. Erinnern Sie sich an „Ich war noch niemals in New York..“ und spüren Sie, wie da ein wenig die eigene Sehnsucht wachgerufen wird?

Ein Liedermacher vor über 2000 Jahren hat im Psalm 38 offengelegt, wie genau Gott weiß, was diesen Dichter im tiefen Inneren umtreibt. „Alle Sehnsüchte meiner Seele,“ so schreibt er in unsere Bildwelt übersetzt, „liegen wie ein offenes Buch vor Dir, Gott.“ Dabei kämpft dieser Mensch mit dramatischen Schicksalsschlägen, Krankheiten und steckt tief in Konflikten mit anderen. Wer in solch ein raues Fahrwasser im Leben gerät, verliert leicht alle Hoffnung. Das Sehnsuchtslied in der Bibel ist auch ein bis heute nur schwer zu ertragendes Klagelied. „Es fehlt nicht mehr viel, und ich stürze“, so endet diese Litanei.

Vielleicht brauchen wir tatsächlich die Grenzerfahrungen, um von unseren tiefen Lebenssehnsüchten offen reden zu können. Was wir ersehnen, zerbricht das, was uns heute die Luft zum Atmen abschnürt. Für einige ist dies der Streit mit jemandem, mit dem man mal eng zusammen war und wo im Miteinander Hass und Gewalt immer mehr Raum einnehmen. Anderen schnürt es die Lebensluft ab, dass nichts mehr normal funktioniert. Der eigene Lebensunterhalt ist nicht gesichert, Schulden und Sorgen nehmen jeden Entscheidungsspielraum und eine Krankheit raubt vielleicht noch die letzten Energien.

Doch wir tragen weiter die Sehnsucht in uns und können ihr Namen geben: Frieden mit anderen, Sicherheit im Lebensalltag, Hilfe und Heilung in Krankheit. Danach sehnen wir uns.

Eine Liederdichterin unserer Zeit hat die Quelle der Sehnsucht ihres Lebens bei Gott entdeckt: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“ (Anne Quigly 1992) Das Bibelwort stößt trotz des dunklen Hintergrunds, in dem es aufgeschrieben wurde, eine Tür in die Zukunft auf: wenn wir unsere tiefe Sehnsucht spüren können, wächst darin auch die Kraft, mit Gottes Hilfe die Dinge zu tun, die uns am Ende wieder frei und erfrischt atmen lassen. Sehnen Sie sich mit danach.

Ihr Günter Loos

 

----------------------------------------------------------------------

 

Gott ist die Liebe ….“.

singen die Seniorinnen und Senioren - und plötzlich sieht man Bewegung in den Gesichtern. Die Menschen sind ganz bei der Sache. Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht: Das Lied von der Liebe Gottes ist bei Andachten mit Menschen, die an Demenz leiden, oft ein Türöffner in eine innere Welt, in die Worte allein nicht mehr vordringen können.

Das Bekenntnis, das Gott mit dem Wort Liebe beschreibt, hat seinen Ursprung im 1. Johannesbrief: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh. 4,16)

Dieses alte Wort ist heute noch genau so modern wie unter den ersten Christen-gemeinden.

Der Gott, den Jesus liebevoll Abba (Väterchen) genannt hat, steht nicht für Strafe, Angst und Rache, mit denen viele andere Religionen ihr Gottesbild ausmalen. Der Gott der Bibel reagiert auf die menschliche Lust an Zerstörung und Chaos mit „himmlischer“ Gnade, die von der Liebe durchdrungen ist. So öffnet Gott die Möglichkeit eines Neuanfangs für unsere Beziehung zu ihm und untereinander.

Liebe wird heute oft mit vielen Erwartungen und Träumen überfrachtet und auch erdrückt. Aber noch nie haben sich alle Probleme dadurch lösen lassen, dass man die Liebe fürs Leben findet oder sich noch mal richtig liebevoll im Miteinander anstrengt, damit alles wieder gut wird. Doch die modernen Romeo-und-Julia Geschichten, wo der Sturm der Liebe so richtig tobt, machen Mut, die Möglichkeiten dieser Mischung aus Gefühlen, Überlegungen und Entscheidungen mit dem Namen Liebe nicht klein zu rechnen. Weil wir unsere Beziehungen verantwortlicher und oft auch kreativer leben können, wenn die Liebe das Gemeinsame trägt, so sieht diese Welt anders aus, wenn Gott mit seiner Liebe in ihr sichtbar wird.

Bei den Besuchen in den Seniorenresidenzen treffen Sie Mitarbeitende, die den Bewohnerinnen und Bewohnern bei allen Tätigkeiten am Tag zur Hand gehen. Von morgens beim Aufstehen bis abends zur Schlafenszeit ist jemand da, führt den Löffel oder hilft bei der Körperhygiene.

Von denen, die diese Arbeit tun, habe ich immer wieder gehört, dass dieser Beruf als eine Berufung gelebt werden muss. Die Fachkräfte buchstabieren jeden Tag in ihrer Arbeit neu durch, wie viel Kraft und Geduld die Liebe uns abverlangt. Doch damit verbindet sich eine andere Erfahrung: Gottes Liebe wird spürbar, wo wir – ohne selbst viel zurückgeben zu können – annehmen, dass Gott im Anderen und in seinem Wort für mich da ist.

Ihr Günter Loos!

 

-------------------------------------------------------------------

Engel zu Besuch zu haben, ist schön!

Für die Sommerwochen begleitet Sie und mich ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief:

Vergesst nicht gastfrei zu sein, denn dadurch haben viele schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Heb. 13,2)

Gestern habe ich meine Cousine Ute und ihre alte Freundin Sherry zum Zug gebracht. Die beiden haben einen lange gehegten Traum in die Tat umgesetzt und reisten

als Kanadierinnen für drei Wochen kreuz und quer durch Europa. In den wenigen Stunden, die sie bei uns zu Gast waren, habe ich mich gefreut, Neuigkeiten von den Familienangehörigen in Kanada zu erfahren, und mit Sherry lernte ich jemand kennen, die auf ihrer Reise für sich erstaunliche Entdeckungen gemacht hatte. Vieles, was sie bis dahin gelesen und gehört hat, war vor Ort doch ganz anders, als sie erwartet hat. Immer wieder fragte sie: „Warum ist das so und warum macht ihr das so?“ Die Engel, die wir als Gäste empfangen, haben einen überraschend anderen Blick auf unseren Alltag und öffnen uns neue Perspektiven.

In der Bibel wird spannend erzählt, wie der Nomade Abraham drei Boten als Gäste in seinem Zelt empfängt, und diese sind Boten Gottes, die seine ganze Lebensplanung

verändern. Ihm und seiner Frau wird trotz ihres hohen Alters die Geburt eines Kindes angekündigt. Gott nutzt Engel, wie die Boten Gottes in der griechischen

Welt genannt werden, um zu zeigen, wie nahe er uns im Alltag sein will und wie anders sich mit Gottes Hilfe ein Leben entwickeln kann. Egal, ob Sie mit Ihren Gästen entdecken, wie viele Gemeinsamkeiten durch den Glauben und die inneren

Überzeugungen Sie verbinden, oder ob die Gespräche bei den Ausflügen oder den Mahlzeiten Ihnen selbst wichtige neue Erkenntnisse schenken, es bleibt spannend, wen

Gott uns als Bote des Lebens ins Haus schickt.

Ihr Günter Loos!

 

 

 

Voll Zuversicht

Zuversicht steckt an. Es regnete und der Blick durchs Fenster ließ nichts Gutes erwarten. Aber die Ansage an alle war: heute Nachmittag wird das Wetter aufklaren und wir können draußen einen Spaziergang machen.

Alle kamen aus der Kaffeepause mit festem Schuhzeug und warmer Jacke zurück und freuten sich auf den Spaziergang. Es hatte dann zwar immer noch geregnet, aber durch die Offenheit und das fürsorgliche Miteinander in der Gruppe fiel dies am Ende niemandem mehr auf.

Zuversicht hilft bei der Erklärung, was christlicher Glaube ist: „Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.“ (Hebräerbrief 11,1)

Die Widersprüche, die im Alltag des Glaubens aufbrechen, werden nicht geleugnet, sondern durch die Zuversicht auf etwas viel Umfassenderes ins richtige Licht gerückt. Die öffentliche Diskussion nach vielen Monaten der Neuorganisation der Regierung in unserem Land hätte mehr Zuversicht gebrauchen können. Keine verantwortliche Politik kommt ohne die Hoffnung aus, dass Probleme gelöst werden können und dass es heute genug Möglichkeiten gibt, um die Dinge zu verändern. Ohne Zuversicht und Glaube wird verwaltet, betreut, und Menschen verschwinden hinter Aktenzeichen und Bearbeitungsnummern.

Wagen wir im privaten und übersichtlichen Rahmen, der Zuversicht Platz einzuräumen, und vielleicht zieht das dann größere Kreise. In den Wochen der (Nach-)Osterfreude darf man mit gutem Grund Gott für den weiten Horizont danken, in den er unser Leben stellt. Nicht die oft immer gleichen Versuche, mit eigener Kraft das Glück zu fassen, sind das Thema der zuversichtlich Glaubenden, sondern es geht um ein neugieriges Suchen und Ausprobieren, wie Gottes Gegenwart diesen Tag und diese Woche verändert. Die Transformation des kaputten und heillosen in erlöstes neues Leben gelingt immer noch, weil hoffnungsvolle Zuversicht die Liebe Gottes als dynamische Kraft mitten unter uns ernst nimmt.

 

Ihr Günter Loos

 

 

 

                                      .. zur Passionszeit                                        

 

                                              Voll und ganz

  

So habe ich dieses Bibelwort noch nie gehört, aber es ist eine gute Übersetzung:

 Jesus Christus spricht: Es ist getan. Voll und ganz. Bis zum Ende.“ (Johannes-Evangelium 19,30)

Jesus sagt im Urtext der Bibel bei seinem Sterben ein Wort, das sich auch übersetzen lässt mit „am Ziel“ oder „es ist vollbracht“. Sein Leben endet in der Hinrichtung als politischer Aufwiegler am Kreuzauf dem Golgatha-Hügel. Die Zuschauer dieser Hinrichtung riefen lauthals ihren Spott und ihr inneres Bewegt-sein in die Menge und die Frauen mit der Mutter Jesu weinten ihren Schmerz heraus. „Es ist vollbracht“, singen die Frauen in der Johannespassion von Joh. Seb. Bach. Jesus lebt konsequent bis zum Ende das, was er predigt. Sein Thema war, wie Menschen neu der Kraft Gottes als dem liebenden Schöpfer ihres Leben vertrauen lernen und wie sie aus den Abhängigkeiten von lebenszerstörenden Mächten befreit werden. Nur wer eine neue Beziehung mit Gott findet, wird die Bindung an ausbeutende Ideen und versklavende Hoffnungen auflösen können. Jesus stirbt, weil Menschen mit ihren Ideologien keinen Raum für Gottes gnädige und versöhnende Macht gelassen haben. Gott will nicht mit Gewalt oder Rache diese Welt verändern. Wer über dieses schreckliche Bild des verblutenden Christus nachdenkt, merkt, wie die Liebe Gottes zu jedem Geschöpf eben nicht mit dem Vertrauen von Menschen in diese Liebe beantwortet wird.

Es ist getan“ heißt bis heute: der falsche Glaube, mit Gewalt und Terror auf Gottes Seite stehen zu können, ist entlarvt. Gott ist bei Christus, der Opfer dieser Gewalt wird. Das Mittel, mit Schmerzen andere zwingen und strafen zu wollen, ist in Jesu Tod und dem Tod aller derer, die zum Opfer von Gewalt werden, an seine Grenze gekommen. Mehr als den Tod zu erleben geht nicht. Doch die Liebe Gottes stirbt nicht an Karfreitag.

Ich wünsche uns, dass wir in der Passionszeit hinter diese radikale Überzeugung nicht zurückgehen,

 Ihr Günter Loos!

 


                                      Zum Neuen Jahr                                                  

                          

                         Lebendiges Wasser“  

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6)

Mit diesem Wort werden wir mitten in der kirchlichen Weihnachtszeit am Anfang des Jahres 2018 begrüßt.

Ich freue mich über dieses biblische Mottowort für das neue Jahr, denn es hat in der methodistischen Geschichte einen besonderen Platz bekommen. Als John Wesley am 9. April 1739 in der verrufenen Bergleutekolonie in Kingswood bei Bristol seine erste Predigt auf der Straße hielt, redete er über dieses Bibelwort. Wer Not litt und wen der ganz normale Alltag viel Kraft kostete, der hörte damals in Kingswood und hört heute in Lippe diese Zusage Gottes als eine Chance für sein eigenes Leben.

Wasser ermöglicht überall auf diesem Planeten das Leben. 2014 konnte ich im Hinterland von Recife/Brasilien sehen, was den Unterschied zwischen genügend Wasser und Wassermangel ausmacht. Durch die kurze und oft auch unregelmäßige Regenzeit muss dort Wasser in Zisternen gesammelt werden, um in der Trockenzeit nicht dursten zu müssen. Unsere Kirche vor Ort hat mit Habitat, einer weltweit tätigen Hilfsorganisation, und der Kinder-helfen-Kindern Sammlung den Bau von Zisternen organisiert und das Leben im Dorf verändert. Nun ziehen wieder Menschen in diese Region, weil sie auch mit wenig Besitz in der trockenen Landschaft überleben können. An dem Brunnen vor der Kirche in Varjada, wo jeder Dorfbewohner umsonst sich Wasser zapfen kann, hängt eine Tafel mit dem Bibelwort: „Jesus, das Wasser des Lebens!“ Denn darum geht es: Wenn der innere Lebensdurst gestillt wird, verändert sich ein Mensch. Ich wünsch Ihnen und mir viel lebendiges Wasser in der Adventszeit und im neuen Jahr für unseren eigenen Lebensdurst.


Ihr Günter Loos!


-------------------------------------------------------------------------------------------------


Das Bibelwort für den November nimmt uns mit auf eine Zeitreise, ca. in das Jahr 540 vor unserer Zeitrechnung. Menschen lebten als geduldete Ausländer nach ihrer Zwangsumsiedlung aus Jerusalem im heutigen Irak, wo Babylon seine ganze Pracht und Herrlichkeit zur Schau stellt. Das zentrale Bauwerk in der Hauptstadt war ein riesiger Tempelbau, der wie ein Pyramidenturm sich in den Himmel schraubte. Die Götter der Babylonier waren mächtig, großartig und unberechenbar. Nur wenige auserwählte Priester besaßen das Privileg, Kontakt mit den Göttern aufnehmen zu dürfen. Die Religion und die absolute Regierung der Könige in diesem Land erwarteten vor allem anderen Unterordnung und Tribut von den normalen Bürgern im Land.

Der Prophet Hesekiel erzählte von einem anderen Gott und fand bewegende Bilder vom Leben in diesem Gottesglauben. Dieser Gott, von dem wir bei Hesekiel in der Bibel lesen, spricht: „… Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Hesekiel 37,27)

Da gibt es keinen hohen Turm, von dem Gott über entrückte Priester Anweisungen an das Volk weitergibt, oder einen König, der gottgleich über andere richtet. Hesekiel sieht Gott als den, der Mitbürger ist und angesprochen werden kann von jedem, der Gottes Nähe sucht. Gott hört zu und kennt seine Leute.

Für viele war das versteckte Thema in diesem Wahlkampfjahr, ob die da oben“ noch wissen, wie es einfachen Leuten im Alltag ergeht. Die Bibel setzt einen klaren Punkt in dieser Diskussion: nur wo Mächtige und Einflussreiche sich dazu bekennen, selbst Mitbürger ohne besondere Privilegien in einem Volk zu sein, wird ein gerechtes Miteinander in einer Gesellschaft wachsen können. Denn Gott selbst wohnt schon lange bei seinen Leuten und wird uns in Christus Bruder, Mitbürger und Mitmensch.

Ihr Günter Loos




... für OKTOBER


Einige Gefühle kann man nur schwer beschreiben. Versuchen Sie mal Freude zu erklären! Eine Erzählung erleichtert die Erklärung.

Darum erzählt wohl auch Jesus einige Beispielgeschichten als Antwort auf die Frage, wie sehr sich Gott über Menschen und ihre Neuanfänge freut. Diese Freude, erzählt Jesus, ist wie die Freude eines Hirten, der nach langem Suchen sein Schaf lebendig und unverletzt wiederfindet. Aber es ist auch die Freude einer fast mittellosen Frau, die einen größeren Geldschein verlegt und ihn dann nach langem Suchen irgendwo vielleicht zwischen zwei Büchern wiederentdeckt.

Schließlich erzählt Jesus von der Freude eines Vaters, der lange darauf gewartet hat, dass sein Sohn zurückkommt, und nun ist der Sohn wieder da. Alle drei Geschichten stehen unter dem Motto: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“. (Lukas 15,10)

Überraschend häufig freuen sich Andere nicht mit, wenn jemand eine Lebensänderung erlebt. Man bricht mit seinen alten Verhaltensweisen und Freunde oder engste Bekannte nehmen das nicht richtig ernst. Sie warten

z.B. erst mal ab, ob die neuen Ideen die nächsten Tage überstehen. Was man sich da vorgenommen hat, muss ja nicht gleich funktionieren, sagen sie. Andere lassen ihren Freund oder ihre Freundin einfach nicht aus der alten Rolle aussteigen. Neuanfänge sind in sich schon große persönliche Projekte, aber die fehlende Unterstützung von außen überfordert viele mit ihrer „Umkehr“.

Gott ist auf unserer Seite, wenn wir etwas im Zentrum unseres Lebens anders machen wollen. Im Himmel herrscht Freude, weil Gott selbst mit unseren Sackgassen und den Entscheidungen, die uns in diese Sackgassen bringen, leidet. Freuen wir uns doch einfach mit, wenn sich sogar der Himmel freut!

                                                                                         Ihr Günter Loos

Jahreslosung 2021 - Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. | . Lukas 6, 36