Sonntagspredigten                                

 Hier finden Sie - bis auf Weiteres in Coronazeiten - die Sonntagspredigten von Pastor Günter Loos in schriftlicher Form.

 

 

 

 

   Der König kommt – und?               Predigt zum 1. Advent      

Predigt über Sacharja 9, 9-10

gehalten am 1.Advent 2020 / 29.11.2020

in der EmK-Detmold / Lage

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Adventszeit ist Familienzeit, Zeit der Besinnung und immer auch politische Zeit. Was wir glauben und erwarten, dass Gott zu uns kommt und kommen wird, verändert den Lauf dieser Welt. Die Gedanken und Texte in dieser Zeit rütteln immer wieder an den vertrauten Spielregeln dieser Welt und sind doch ganz in der Welt verwurzelt, die wir im Alltag erleben, die uns in Nachrichten, Bildern und Filmen gezeigt wird.

 

Die Bilder der Einführung des neuen Präsidenten und der Kampf des alten Präsidenten in Washington in diesen Wochen lassen uns ahnen, in welcher Grundstimmung unser Bibelwort aus dem Propheten vor 2 ½ Tausend Jahren zuerst gehört wurde.

  • John Biden übernimmt nun die Symbole der Macht in den USA, er hält Ansprachen vor der amerikanischen Fahne, sein Team zieht in die Regierungsbüros ein und der alte Präsident grummelt über das Unrecht einer demokratischen Wahl und träumt von seiner nächsten Amtszeit. Der neue Präsident übernimmt wie ein König früher nun die Macht und zieht im Palast des weißen Hauses ein.

So klang das, als sich in Jerusalem die Menschen auf den neuen Regierungspräsidenten, den König freuten:

 

Text lesen: Sacharja 9, 9-10

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Luther 2020)

 

1. Haben wir nichts Wichtigeres zu tun, als dem neuen König zu zujubeln?

 

Es stand kein vermutlich kein Regierungswechsel an während Sacharja die Sätze über den neuen König schrieb, aber es ist nach dem, was wir heute aus dieser Zeit noch wissen, möglich, dass alle dringend einen Regierungswechsel im Land ersehnt haben.

Es war die Zeit der Königsherrschaft. Ein König besaß das Land und die Menschen und war verpflichtet, die Menschen zu schützen und für den Wohlstand des Landes zu sorgen. Dafür durfte er von den Untergebenen und den ihm verpflichteten Vasallen Tribut verlangen. Man gab dem König seine Tribute, weil die eigene Sicherheit und das eigene Wohlergehen von der guten Herrschaft des Königs abhing.

  • Wir ahnen nur wenn es um die Abhängigkeit von einem Chef / einer Chefin im Betrieb geht oder um die Entscheidung eines Abteilungsleiter und einer Stadtverwaltung, was es heißt, von dem Wohlwollen und der Gnade eines/er Mächtigen abhängig zu sein.

Doch in diesem Grundbewusstsein der Abhängigkeit von den mächtigen Starken haben die längste Zeit Menschen immer auch in diesem Land gelebt und leben so noch in vielen anderen Ländern und Regionen weltweit.

Sacharja lebte in Israel einer gewalttätigen Zeit im Vorderen Orient. Nach Alexander dem Großen verfiel das Riesenreich und seine Nachfolger bekämpften einander, mordeten einander und sponnen Intrigen gegeneinander. Sie nannten sich dabei „Heilsbringer“ (euergetes) oder „auf Erden erschienener Gott“ (epiphanes) oder „Heiland“ (soter)1. Der Prophet im unbedeutenden Israel sieht da nichts Göttliches in dem, was um ihn her passiert. Aber er glaubt an den, der sein Volk nicht vergisst, Gott selbst.

Was uns mit den Menschen damals verbindet ist, das die Anmaßung einer schlechten Regierung unseren Alltag als Bürger stört. Wenn eine Regierung die Verwaltung nicht beherrscht und in kurzer Zeit immer wieder neue Verordnungen erlassen werden…., das nervt.

Wir sehnen uns nach einer guten, aber ruhigen Politik. Wenn die Zeiten gut sind, dann brauchen wir keinen Königsjubel. Dann stört das.

Gibt es für uns in diesem Jahr einen Grund, im Stile der alten Zeit, dem neuen König zu erwarten und schon jetzt uns zu freuen? Wollen wir Advent feiern?

Oder wollen wir alles lieber Störungsfrei haben in diesen Tagen, in diesem Jahr?

Die Kraft der Pandemie hat so viele Lebensbereiche überall durcheinander gebracht, dass nichts mehr einfach störungsfrei zu laufen scheint.

Wer und was schützt uns nun und schenkt uns neu Frieden?

 

2. Jetzt gibt es nichts Wichtigeres: der neue König kommt!

 

Es gibt gute Gründe, in diesem Jahr zu sagen: Wir brauchen den Advent, die Zeit, in der Neues kommt – der neue König seine Macht zeigt. Aber das ist keine politische Idee, sondern etwas, was mit unserem Glauben zu tun hat. Wir erwarten den, der die Angst nimmt, der Hoffnung mit sich bringt und der Frieden stiftet in den vielen Konflikten dieser Tage.

Zum biblischen König gehört nicht nur bei Sacharja das Reittier des Esels dazu. Dieses Tier setzt einen Punkt im Urteil über den, der da auf ihm reitet. Ein Esel ist nicht dressierbar wie ein Pferd, aber ein dankbarer Helfer für den, der oder die mit ihm zu arbeiten weiss.

David setzt Salomo auf einen Esel und schenkt ihm damit Königswürde (1.Kön.1,33). In alter Zeit wurde dem Königskind in Israel ein Eselfohlen zugeteilt, das mit ihm groß wurde. Der Esel war ein Arbeitstier im Alltag vieler Menschen, aber auch ein hochgeachtetes Tier, was seinen Platz bei den Königen hatte. Dieses Tier verbindet, was alle brauchen: treue Arbeitskraft und auch ein störisches Gemüt, was nicht alles mit sich machen lässt. In die Weihnachtsgeschichte sind Ochs und Esel durch ein Wort von Jesaja eingezogen: Ochs und Esel erkennen ihren Herrn, …auch im Stall in Bethlehem.

Der König reitet auf diesem Tier, was Kooperation braucht und Geduld. Der König schwebt nicht im Hubschrauber über die Köpfe der Leute ins Stadion ein oder reitet auf einem prächtig geschmückten Pferd durch das Stadttor. Diese Reittier setzt einen Punkt… .

 

Was sehen die, die diesen König kommen sehen?

  • Keine Machtdemonstration

  • Ein Beispiel der Begabung, mit anderen wie mit seinem Reittier umgehen zu können.

  • Achtung vor dem Tier und hoffentlich aller Kreatur, für das ihm Verantwortung übergeben werden soll.

  • Geduld auch mit den störischen Geistern, die nicht gleich so wollen, wie sie sollen.

Der Prophet will keinen nächsten Herrscher auf dem Thron dieser Welt und über seinem Leben, der allein sein Wohl im Blick hat und sich anmaßt Gott zu sein.

Die Menschen, die Jesus erlebten, sahen diesen neuen und doch so anderen König vor sich, als Jesus vor seiner Passion und dem Ostermorgen in Jerusalem ankommt. Sacharja hoffte auf diesen Anderen, der da kommen soll. Menschen viele Generationen später erlebten diesen Anderen, der da zu Ihnen kommt.

Es gibt im alten Sacharjawort noch eine Überraschung zu entdecken: Martin Luther hat diesen Satz, der zum Leitvers bis in unsere Tage für den 1. Adventssonntag geworden ist über setzt mit: dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer (Sach. 9,9)

Doch im Hebräischen klingt dies Wort im Original etwas anders: Ein Gerechter und einer, dem geholfen wird. Dieser König hat Gott an seiner Seite. Dieser König, so zeigt es Jesus, ist in engster Beziehung mit dem Vater im Himmel.

Der König, auf den wir in dieser Zeit von Pandemie, Krieg und Angst warten, bringt Gott mit sich. Der Schöpfer des Himmels und der Erde wird auch vor dem nicht verzagen was uns heute die Hoffnung und die Gelassenheit im Glauben verlieren lässt. Darum lohnt es sich auf diesen Anderen zu warten und sein Kommen zu ersehnen.

Wie er kommt, davon werden wir einander in der Weihnachtsgeschichte etwas erzählen.

Wann er kommt, da bleibt uns wie Menschen zu allen Zeiten das Warten.

Aber trotzdem sind da Zeichen, dass der ganz Andere längst schon anfängt bei uns einzuziehen.

  • Ich habe per Internetkonferenz am Freitag von unserem Delegierten für die meth. Afrikanische Universität in Simbabwe gehört, welches Wunder da in den letzten Monaten sichtbar geworden ist: Die Universität hat ihre Studentenzahl verdoppeln und verdreifache können. Trotz wirtschaftlicher Krise im Land konnten durch genügend Spenden der Gemeinden aus den USA die Gebäude erweitert und modernisiert werden und die Uni gehört inzwischen zu den 60 besten Unis in ganz Afrika. Auch in Coronamonaten ging der Unterricht per Internet weiter. Die Uni organisierte Tablets und PC für jeden Studierenden.

  • Auch mit unseren Spenden und dem Segen unseres lebendigen Herrn wächst dort eine Einrichtung, die grundsätzlich etwas in Ländern verändern kann, weil gut ausgebildete Studenten verändert in ihre Heimatländer zurückkommen.

Wo der Friede einzieht oder Menschen Hilfe weitergeben, die sie selbst erfahren haben, kündigt sich dieser andere König in unserem Alltag und in dieser Welt an.        Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

 

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1 Siehe: : A.H.J.Gunneweg, Die Schrift kommt zu Wort, S.88

 

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                      Alles Neu....           Predigt zum Totensonntag              

 

    Predigt über Offb. 21, 1-6

gehalten am 25. Nov. 2012 in der EmK-Velbert

und am 22. Nov.2020 In der EmK-Detmold und EmK-Lage

 

Liebe Gemeinde,

 

Der letzte Sonntag im christlichen Jahreskalender beweint nicht mit uns, was wir in diesem Jahr verloren haben, an lieben und wichtigen Menschen oder an Möglichkeiten oder an lebendiger Kraft.

Die Worte dieses Sonntags blicken nicht zurück, sondern sie erinnern uns daran wo sich unser Blick hinwenden darf und hinwenden wird, wenn wir uns erinnert haben.

Wir sollen uns umdrehen und uns besinnen, wo wir hingehen werden.

 

Wer sich nach dem Schmerz der Trauer umdrehen kann, wer, was ihm lieb und unersetzlich war, innerlich loslässt, sieht nicht ins Nichts. Wir dürfen, wenn wir nach unserem Weinen und traurig sein den Kopf wieder etwas mehr heben können, die andere Zukunft Gottes sehen und verstehen.

Schauen Sie mit, einige Gedanken lang, was Sie und mich erwartet? In der Offenbarung des Johannes werden alte Gedanken der Menschen, die mit Gott leben, zu einem eindrücklichen Bild und einer Verheißung zusammen gebunden:

 

 

Text lesen: Offb. 21, 1-7

1 Danach sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der frühere Himmel und die frühere Erde waren vergangen; auch das Meer gab es nicht mehr. 2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

3 Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: »Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein – ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein.

4 Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.«

5 Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: »Seht, ich mache alles neu.« Und er befahl mir: »Schreibe die Worte auf, die du eben gehört hast! Denn sie sind wahr und zuverlässig.«

6 Dann sagte er zu mir: »Nun ist alles erfüllt. Ich bin das A und das O, der Ursprung und das Ziel aller Dinge. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst von dem Wasser zu trinken geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. (Neue Genfer Übersetzung)

 

1.

Alles wird neu... .

Gott schenkt uns den neuen Himmel und die neue Erde, wenn wir mit ihm ans Ende dieser Zeit kommen. Über dieser anderen Welt, dieser anderen Zeit, steht nicht der Satz: „Weiter so!!!“, sondern „Alles neu...“. Wir werden an der Himmelstür vergeblich das Schild suchen: „Gott hat heute Urlaub – frag später noch mal!“

Dort, wo Gott immer gegenwärtig ist, heißt es: „...Gottes Wohnung ist hier bei uns, mitten in seinem Volk!“

 

Unsere Tempotaschentücher verkaufen sich nicht mehr, denn „Gott wischt selbst alle Tränen ab“ und es gibt auch keinen Grund mehr zum Weinen.

Am Ende sind wir bei dem, auf dessen Wort hin wir ins Leben gerufen wurden: „Ich bin das Alpha und das Omega“.

Die Geschichte Christi mit uns ist kein Kreislauf, der immer wieder neu startet, sondern ein Weg, der uns wachsen lassen wird. Je länger wir mit Christus unterwegs sind, desto weniger lebt jeder von uns nach eigenen Plänen, sondern für das, was Christus gibt und verheißen hat.

  • Die Menschen, an die wir uns am Ewigkeitssonntag erinnern, waren in ganz unterschiedlicher Weise, Zeugen für dieses: „...nicht mehr ich und mein Alpha und Omega, sondern Christus, der mir mein Ziel setzt.

Am Ende wartet nicht der Mangel und die unfertige, noch nach Wachstum und Reifung sich sehnende Kreatur, sondern die Fülle und Stillung aller unserer menschlichen Sehnsucht.

  • Können wir für uns dieses Bild vom Ende unseres Lebens schon sehen?

  • Bleibt unser Blick am Bild dieser anderen Zeit hängen?

Christus wird nicht müde, uns und seiner ganzen Gemeinde, egal wo sie sich heute trifft, diese Bilder und Verheißungen von dem, was kommt, ins Herz und in den Sinn zu bringen, denn:

nicht nur wir warten auf seine Zeit, sondern auch Christus will uns bei sich haben.

 

2.

Alles, was neu wird zu begreifen, braucht vielleicht für jeden von uns ganz eigene Worte und Visionen.

  • Vielleicht ist Ihnen die Verheißung des neuen Jerusalem unwichtig, weil ich mit dem jetzigen Jerusalem schon wenig anfangen kann.

  • Vielleicht sehne ich mich gar nicht nach einer neuen Erde, weil ich die, auf der ich jetzt lebe, noch gar nicht gut genug kenne.

Aber ich brauche die Perspektive, die in den Sätzen der Offenbarung sich auftut:

nicht hier endet es (...für was ich leben darf), sondern dort – bei Christus.

 

Wie sagte es Hans-Dieter Hüsch:

 

Ich hör das Herz, das tapfer schlägt -

in einem Menschen, den es noch nicht gibt,

doch dessen Ankunft mich schon jetzt bewegt,

weil er erscheint und seine Feinde liebt.

 

Das ist die Zeit, die ich (..so) nicht mehr erlebe.

Das ist die Welt, die nicht von unserer Welt.

Sie ist aus feinst gesponnenem Gewebe

und Freunde, seht und glaubt: Sie hält.

 

Das ist das Land, nach dem ich mich so sehne,

das mir durch Kopf und Körper schwimmt.

Mein Sterbenswort und meine Lebenskantilene (=Lebensmelodie), das jeder jeden in die Arme nimmt.

 

Wir sind unterwegs in diese Zukunft und dürfen uns heute erinnern, denn dann wartet nicht die große Leere auf uns, sondern Christus, der mit offenen Armen uns entgegen kommt.

Amen.

 

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

 

 

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              Mach es besser wie vorher und riskiere etwas!                     

 

                               Predigt über Lukas 16, 1-8                                         

gehalten am 18.09.2016 / 17. n. Trinitatis in der EmK-Detmold

und am 15.11.2020 in der EmK Detmold u. EmK Lage

 

 

0. Quarantäne-Tage

 

Mein Held in diesen Tagen ist der 11jährige Anton aus Mühlheim an der Ruhr. Auf WDR 2 gab es eine öffentliche Talkshow mit Armin Laschet, dem Ministerpräsidenten von NRW. Und dort fragte Anton Herrn Laschet, ob man nicht in diesem Jahr zwei Tage früher in die Ferien gehen könnte. Ab Freitag dem 18. Dezember sind es mind. 6 Tage bis Weihnachten. Wenn man als Schüler dann zu Hause in privater Quarantäne ist und keine Symptome für Corona bekommt, dann ist man wohl gesund und kann mit Oma und Opa Weihnachten feiern.

Der Ministerpräsident versprach, diese Idee zu überlegen und der Vorschlag löste in dieser Woche ein kleines politisches Erdbeben bei den Schulpolitikern in Düsseldorf aus. Aber es könnte klappen, und zu mindestens für die Quarantäne Kids wäre die Familienweihnachten mit Geschenken unterm Baum mit allen aus der Familie gerettet.

 

Anton hat einfach überlegt, gerechnet und sich von Corona nicht „bange“ machen lassen. Ob das alles am Ende gerecht sein wird, steht auf einem anderen Blatt, aber es ist eine Idee in Coronazeiten, die funktionieren kann.

 

Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Betriebsleiter, der auch überlegt hat, und merkt, dass er nur mit einer „fragwürdigen“ Lösung seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann:

(Lukas 16, 1-8) Das Gleichnis vom ungetreuen Verwalter

1 Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen. 2 Da ließ er den Verwalter rufen. ›Was muss ich von dir hören?‹, sagte er zu ihm. ›Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger mein Verwalter sein.‹ 3 Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln. 4 Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.‹ 5 Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹, fragte er den ersten. 6 ›Hundert Fass Olivenöl‹, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: ›Hier, nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib statt dessen fünfzig.‹ 7 Dann fragte er den nächsten: ›Und du, wie viel bist du ihm schuldig?‹ – ›Hundert Sack Weizen‹, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: »Hier, nimm deinen Schuldschein, und schreib statt dessen achtzig.‹ 8 Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihres gleichen klüger als die Menschen des Lichts.«

(Neue Genfer Übersetzung)

  1. Eine Geschichte für Menschen in Krisenzeiten

Dieses Gleichnis Jesu ist keine Geschichte für ruhige Tage. Wir hören hier nichts, was gilt, wenn alles gut läuft.

Jesus nimmt uns mit zu denen, wo gerade nichts mehr normal läuft. Für viele Kinder und Jugendliche läuft in diesem Jahr – wie bei Ihren Eltern und allen anderen – nichts so richtig normal.

Jesus nimmt uns mit dem Gleichnis mit zu Menschen, wo der Dachstuhl in Flammen steht,

wo das Kündigungsschreiben oder die Absage für eine Stelle auf dem Küchentisch liegt,

wo man verdauen muss, was der Arzt / die Ärztin einem an Diagnose zugemutet hat;

...wo uns die bittere Wahrheit sprachlos macht.

 

Haben Sie die Worte aus der Bibellesung für diesen Sonntag noch im Ohr: „Sterben wir, so sind wir des Herrn“ (Röm. 14,7)

Noch können wir nur hoffen.

Für die, die an diese Zukunft in einer ganz anderen Welt glauben können, für die erzählt Jesus das Gleichnis von dem, der längst jenseits von üblicher Moral sein Glück sucht.

 

2. Nutze die Chance, die du nun hast…

 

Gottes Reich fängt mit Menschen an, die auf krumme Lebenswege zurückschauen, die nicht den Kopf vor lauter Erfolg oben tragen, wenn sie das erste Mal beten, sondern die innerlich sprechen: „Gott sei mir armen Sünder / mir armer Sünderin gnädig.“

Christen,“ so sagte mein Pastor, der mich im Zivildienst begleitet und mir entscheidend den Weg ins Predigtamt gezeigt hat, „...sind genauso Schweine, wie andere, die keine Christen sind. Aber,... die Christen wissen das und das macht den Unterschied aus.“

Gottes Reich fängt nicht mit unseren besten Tagen und unseren stolzen Gedanken an, sondern da, wo wir die Lebensbrüche spüren, die alles bei uns durcheinander bringen werden.

  • Ein Kind erzählte mir in einer Kindergruppe, dass es sein Taschenmesser nicht mehr gefunden hat. Dann sah er das Messer bei seinem Freund und der erzählte ihm eine Lügengeschichte davon, dass das sein Messer sei.

Die beiden Freunde waren in einer tiefen Krise mit ihren 9 Jahren. Da ist was passiert, was nie vor kommt sonst: da hat einer den anderen betrogen und kann jetzt nicht dazu stehen. Es gelingt ihm nicht, das Loch zwischen sich und dem Freund zu zuschütten.

Nach über einer Woche gab der Dieb das Messer zurück und der Bestohlene nahm es an, ohne dem Anderen die letzte Blöße zu nehmen und z.B. vor den eigenen Eltern bekennen zu müssen: „Ich bin ein Dieb.“ Der Freund hatte gemerkt, in was er sich da rein manövriert hatte und gab alles zurück. Sonst wäre es zwischen den beiden aus gewesen... .

Nutze die Chance, die du heute hast, sagt das Gleichnis.

Du brauchst Dir um deinen Ruf keine Sorgen mehr machen, aber um das was für dein Leben wichtig ist: Freundschaft mit Gott, Unterstützung von Anderen, Solidarität und Hilfe deiner Familie, des Ehepartners, der Kinder.... .

Wer an der Bruchstelle in seinem Leben steht, und die Augen verschließt, sagt Jesus, der verpasst das Himmelreich.

 

Jetzt muss das gelten, was man sonst nie machen würde:

  • das Visier aufmachen gegenüber Geschäftspartner oder Konkurrenten;

  • keine falsche Loyalität mehr gegenüber denen, die uns nun nicht mehr schützen werden;

  • Betteln um Unterstützung, dort wo sie uns realistisch gewährt wird.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken.“, sagt Jesus.

Nutze die Chance für deine Zukunft, und wage den Schritt.

 

3. Mach es besser, wie vorher und riskier etwas

 

Das Gleichnis Jesu hat die Gemeinden und die Theologen nie ganz glücklich gemacht und immer wieder mehr Fragen als Antworten übrig gelassen.

Und es hat viele zu allen Zeiten mutig gemacht, zu schreiben, wie sie Jesu Worte verstehen. Auch schon den Evangelisten Lukas und der hat an das Gleichnis einige Verse angehängt, wie seiner Meinung nach diese Geschichte zu verstehen ist:

Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tute es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?“ (V.10-11)

 

Mach es besser wie vorher und sei nun zuverlässig, so könnte man die Erklärung des Lukas verstehen.

Gottes Reich fängt bei uns da an, wo unser Leben bricht oder zu brechen droht, und es ist kein „...weiter so...“ gibt.

  • Jemand hat am Wochenende an die Autobahnbrücke ein großes Transparent aufgehängt:

Kerstin ich liebe Dich!“ Was soll den dieser Quatsch!

Doch dieses Transparent hatte eine Geschichte zu erzählen:

Der Täter hatte zwei große Lieben in seinem Leben: seine heutige Frau und seine Arbeit. Er sprach wenig über seine Gefühle und seine Probleme. Bei dem Paar blieb sie zu Hause und er rutschte im Laufe der noch sehr jungen Ehe immer stärker in Überstunden und berufliche Termine hinein. Sie warnte ihn, aber er kriegte das Ruder nicht rum.

Dann war sie eines Freitagabends nicht mehr da, als er nach Hause kam. Er grübelte und suchte und überlegte, was er nun noch machen könne. Er kletterte also Sonntagabend auf die Brücke und hängte das Transparent auf.

Sie kam zurück, man sprach sich aus und er begann eine längere Beratung mit einer therapeutischen Fachkraft. Er machte seit diesem Wochenende keine Überstunden mehr. Die beiden konnten ihre Ehe retten.

 

Mach es besser wie vorher.

Jetzt, als es um sein persönliches Überleben geht, arbeitet der untreue Verwalter genauso, wie man es von einem klugen Manager erwartet. Zwar erst jetzt, aber es ist eben noch rechtzeitig genug, sagt die Geschichte. Wenn Gott nicht nach unseren krummen Dingen und schlechten Angewohnheiten von früher in seinem Reich fragt, dann gibt es noch die Chance etwas z.B. im Charakter eines Menschen zu finden, was jetzt das Leben wachsen lässt und Frieden schenkt.

 

Mach es besser wie vorher…

und trau der Gnade alles zu.

Da erlässt jemand anderen deren Schuld.

Da presst jemand nicht den letzten Cent aus seinem Gläubiger heraus, sondern riskiert etwas zu verschenken, obwohl er selbst nichts mehr hat.

Wie Gott nicht als Schuldeneintreiber beim Urteil über ein Leben in der Bibel gezeichnet wird, sondern als väterlich gnädige Macht für alle Kreatur, so soll unser Handeln diese Gnade spiegeln.

Diese Gnade ist dabei nicht gönnerhaft, sagt Jesus, sondern einfach klug.

Ich kann mir vorstellen, dass Jesus auch von Anton erzählt hätte, wie der mit seinem Nachrechnen am Ende eine Idee hat, die funktioniert, aber die überhaupt nicht in den Streit um Macht und Entscheidungshoheit von Verantwortungsträger passt.

Den Gottes Gnade und liebendes Tragen passt oft nicht in das normale Leben, aber es ist die Erlösung für Alle, die eine Antwort brauchen, die in keinem Lehrbuch nachzulesen ist.

 

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage

abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

 

Pastor Günter Loos

 

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              Lichtleute und Dunkelmänner                                                        

              oder wie das sein wird am Ende der Zeit…                                  

               Predigt über 1.Thessalonicherbrief 5, 1-6

         gehalten am 08. November 2020 (Drittletzer Sonntag)

                      in der EmK-Detmold / Lage

 

0. Der Bibeltext zur Predigt

 

1 Zur Frage nach dem Zeitpunkt und den näheren Umständen dieser Ereignisse braucht man euch nichts zu schreiben, Geschwister.

 

 

 

 

2 Ihr selbst wisst ganz genau, dass jener große Tag, der Tag des Herrn, so unerwartet kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn die Leute meinen, es herrsche Frieden und Sicherheit, wird plötzlich das Unheil über sie hereinbrechen wie Wehen, die eine schwangere Frau überfallen, und es wird kein Entrinnen geben.

 

 

 

 

4 Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen.

 

5 Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt. Weil wir also nicht zur Nacht gehören und nichts mit der Finsternis zu tun haben, 6 dürfen wir auch nicht schlafen wie die anderen, sondern sollen wach und besonnen sein.

(Neue Genfer Übersetzung)

 

1. Der Blick in die weite Zukunft…

 

Wie mit einem besonderen Fernrohr blickt der Briefschreiber Paulus in die Zukunft. Er spekuliert dabei nicht über Zukunftsutopien, die schöne neue Welt, wenn alles gut sein wird, oder den Untergang dieser Welt, wenn nichts gut sein wird und alles so weiter läuft.

Paulus antwortet mit seinem Brief auf Fragen, die ihm aus einer jungen Gemeinde in Thessoloniki gestellt wurden. Paulus hat eine sehr intensive Beziehung zu den Christen dort im Norden Griechenland. Mit vielen Kämpfen konnte sich dort die Gemeinde etablieren und Paulus ist herzlich dankbar, dass Gott dort dieses Wunder geschenkt hat.

Doch nun fragen die neu zur Gemeinde Gekommenen nach, wie das mit dem Sterben und dem was kommt aus sieht für sie als Christen.

Da stellen sie zuerst die Frage, was mit denen ist, die schon längst als Christen gestorben sind. Was passiert mit denen, wenn Jesus wiederkommt?

Paulus antwortet in seinem Brief, dass die Gestorbenen nicht benachteiligt werden, sondern dass sie selbst sogar als erste wieder auferstehen werden und mit dem Herrn zusammen sind.

Doch da liegt noch eine andere Frage aus Thessoloniki auf dem Tisch: Wann ist das soweit, dass Jesus wiederkommt? Und was tuen wir, bis es soweit ist?

 

Darum schaut Paulus mit seinem geistlichen Fernrohr in die Zukunft und erklärt, wie das zu verstehen ist: Jesus wird wiederkommen!

Das ist eine Überzeugung des christlichen Glaubens, die uns nicht jeden Tag beschäftigt. Es ist oft gut, dass wir nicht ständig die ganz großen Fragen wälzen müssen. Den die Antworten sind auf diese Fragen schwer und oft auch nicht leicht verdaulich. Doch wenn die Fragen da sind, dann ist es nicht klug, sie einfach zu übergehen.

Jesus lebt und wird am Ende der Zeit die Dinge in dieser Welt klären, wie sie sein sollen um Gottes Willen. Für die Einen wird das zu einem Tag des Gericht werden, für andere zu einem Tag der Erlösung und Freude.

Menschen werden erleben, dass die Gerechtigkeit und der Friede, den sie ihr Leben lang ersehnt und erhofft haben, nun Wirklichkeit wird. Andere werden erleben, dass ihr Weltbild aus „Alle Macht dem Starken“ und „Das Ich zählt“, krachend zusammen stürzt.

Einige werden weinen, dass die Welt, die sie sich so perfekt und radikal untertan gemacht haben, nun stirbt, andere werden fasziniert sein, wie der Schöpfer des ganzen Kosmos auch diese verletzte und geschundene Schöpfung erneuert und verändert.

Wenn es diesen Tag nicht gibt, das glauben Christen, dann könnte man verzweifeln. Denn überall stößt unsere Hoffnung und unsere Liebe in Christus im Alltag an Grenzen. Es ist spürbar nicht alles so, wie es sein müsste, wenn es gut sein soll.

Es gewinnt der Terror und die Unterdrückung im Alltagsgeschäft dieser Welt und es fehlt denen, die eine andere Welt suchen, an Unterstützung und oft auch Mut. Wenn dieser Tag, an dem alles anders werden wird, nicht kommt bleibt alles so wie es jetzt ist – leider!

Darum hatten die Geschwister in Thessaloniki recht, wenn sie ihre Fragen stellten und besser verstehen wollten, was sie erwartet in der Zukunft mit ihrem Herrn Jesus Christus. Paulus macht Mut mit seinem Brief, sich nicht die Schreckensbilder und blutigen Visionen auszumalen, die praktisch zu dem gehören, worauf die Zukunft zuläuft. „Man braucht euch nichts über die näheren Umstände zu schreiben (V.5,1)“, beginnt Paulus seine Antwort.

Aber es ist wichtig zu wissen, so hört man es dann in seiner Antwort, wie man in der Nachfolge Jesu in dieser Zukunft ankommt.

 

2. Lichtleute und Dunkelmänner

 

Lesen wir noch mal genauer rein in die Antwort des Briefes an die Christen in Thessaloniki. Die Zukunft der Christen rechnet mit dem Unerwarteten. Das überfällt uns wie ein nächtlicher Einbruch und macht uns Angst, aber es hat auch etwas von der Erfahrung von Erlösung, wenn nun das Warten vorbei ist und die Geburt, bei allen Schmerzen, die dazugehören, los geht.

Die Zukunft in der Nähe Christi beginnt überraschend und wenig planbar.

Einige haben bei sich einen kleinen gepackten Koffer stehen, damit sie, wenn sie (wieder?) in Krankenhaus müssen, alles Wichtige dabei haben. So etwas empfiehlt Paulus seinen Leuten nicht.

Wir müssen nicht alles Wichtige im Glauben schon mal einpacken und gut verstauen, damit am Ende nicht alles verloren geht. Wir müssen unsere wichtigen Worte und Gebete nicht gut verstecken, sondern dürfen sie nutzen, hören, beten und mit ihnen aktiv leben.

Paulus zeigt einen anderen Weg auf, wie man mit dem Überraschungsmoment, was zu allen großen Weltereignissen vermutlich immer dazu gehört und gehörte, umgehen kann:

Lebe die neue Existenz, in die Dich Christus schon jetzt hineingeführt hat! Bekenne Dich dazu – „Ich gehöre zu den Lichtleuten“ im Namen Jesu.

Die Dunkelmänner brauchen die Nacht und das Verstecken, um ihr krummes Geschäft voran zubringen.

Die Dunkelmänner mögen keinen investigativen Journalismus, der Licht in ihre Geschäfte bringt.

Die Dunkelmänner schotten sich ab, damit nur ihres gleichen mitbekommt, was gerade läuft.

Den Dunkelmännern ist nicht wirklich zutrauen.

Dieser Erfahrung mit den Kräften, die immer schon so schwer zu entlarven waren, setzt Paulus das Bild von den Lichtleuten entgegen.

Das Tageslicht, in dem man etwas bewegen und arbeiten kann, ist ihre Zeit. Nicht Müdigkeit und dahin Träumen bringt ihr Leben voran, sondern wache Besonnenheit ist ihre Sache. Die Lichtleute erkennt man, weil sie sich aus Überzeugung nicht verstecken wollen. Man kann ihnen trauen, weil man sieht, was man an ihnen hat.

Es ist die Logik der Wahl, die Paulus hier ins Spiel bringt: wer nicht zwischen zwei unterschiedlichen Dingen sich entscheiden kann, entscheidet sich am Ende gar nicht. Aber das Ziel und die Zukunft meines eigenen Lebens sind es wert, nicht einfach im Da-zwischen zu bleiben. Dabei ist es ja keine wirkliche Entscheidung, die Paulus hier provoziert. Wer will schon zu den Mafiosi oder den Betrügern und Kriminellen gehören? Paulus wirbt dafür, mit Mut und Überzeugung den Weg mit Christus weiter zugehen.

Das ist ein Lebensweg, der nicht angstfrei und ohne Mühe und Schmerzen sein wird, aber das ist der Weg, der am Ende uns den neuen Himmel und die neue Erde sehen lässt.

 

3. Lichtleute können anstrengend sein

 

Lichtleute können im Alltag anstrengend sein. Ich erinnere mich an jemand, dem ich die Stadt gezeigt habe. Ich habe ihm die schönen Bauwerke und die netten Ecken in der Stadt gezeigt, und schwärmte von den Restaurants, wo es mir gut schmeckt und dem süffigen lokalen Bier.

Da antwortete mein Gast: „Ich bin alkoholkrank und habe viel zu lange viel zu viel getrunken. Jetzt trinke ich keinen Alkohol mehr.“ Er erzählte, wie gut das für ihn war, dass er zum Glauben gefunden hat und nun viele Dinge von früher nicht mehr macht.

Doch mein Gast war mit diesen Erfahrungen im Gepäck sehr sensibel für Dinge, die mir eher nebensächlich schienen. Er setzte auf Nummer Sicherheit bei den technischen Dingen - …zuviel riskieren gehörte zu seinem alten Leben.

Er erinnerte seine Arbeitgeber bei Kirchens immer wieder daran, dass Datenschutz und Schutz der Privatsphäre Grundrechte sind - …vermutlich hatten ihm zu Viele gezeigt, wie man mit Datenmissbrauch und Übergriffigkeiten einen Anderen verletzen und demütigen kann.

Er fragte immer wieder allesmögliche nach, nicht weil er nerven wollte, sondern weil er Dinge nicht verstand.

Kein leicht zu nehmender Mitbürger, aber ein Mensch, der keinen Zweifel aufkommen ließ, zu wem er gehörte, zu Christus.

Wir christlichen Lichtleute können anstrengend sein und dafür wollen wir uns entschuldigen, aber wir sind gewiss, dass am Ende die Liebe Christi durch uns heller scheinen wird und scheint, wie unsere eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten.

Amen.

 

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold:  Mühlenstraße 16 ,  32756 Detmold

Tel.: 05231.23297      e-mail: guenter.loos@emk.de

 

 

 

 

 

 

Gott wohnt mit Euch in dieser Stadt

Predigt über Jer. 29

Predigt in der EmK Detmold und Lage

und am 01.Nov. 2020

 

Wir bekommen als Pastoren für die Gemeinden in diesen Wochen immer wieder Post mit wichtigen neuen Hinweisen zum Umgang mit den CoronaAuflagen. Ganz oft, wenn die Post aus der Kichenkanzlei von den leitenden Superintendenten kommt, liest man tröstende und mutmachende Worte. Briefe bleiben ein gutes und wichtiges Medium, um einander nicht aus den Augen zu verlieren.

In einer tiefgreifenden Krise waren die Menschen nach der Eroberung von Jerusalem und der Verschleppung von guten Handwerkern, Experten am Königshof, wie den Schreibern, und den Priestern und der Obrigkeit nach Babylon. Wer kann nun die Entscheidungen in der Stadt treffen, was ist dran für die, die nun tausende Kilometer entfernt im Zweistromland gestrandet sind, und, wie es ein berühmtes Psalmwort sagt, ihre Harfen in die Bäume gehängt haben und weinten (Psalm 137).

Hören wir auf den Brief, den damals die Menschen in Babel aus der Heimat bekommen haben: (Briefumschlag öffnen)

 

An die betrübten Aktiven!

 

Einen Gruß aus der Heimat, ...oder von dem, was von ihr übrig geblieben ist, sende ich Euch. Ja, es ist wahr: so wie ihr das Land noch kennt, so sieht es heute nicht mehr aus.

Die Nachbarn fallen immer wieder mal aus Moab her in unser Land ein und verwüsten, was der Krieg verschont hat. Wir werden zu Spezialisten, wenn es um Klagelieder geht. Kläglich ist es hier und ich kann Euch nur warnen vor einem falschen, beschönigenden Bild der Dinge hier in der alten Heimat.

Allen - egal ob sie es offen sagen oder nur im Stillen bei sich bedenken - sitzt noch der Schock in den Knochen. Niemand wollte es ja vorher glauben, dass auch Jerusalem nicht unbesiegbar ist. Und dann die Tribute der Sieger und diese Wegführung von Euch, die ihr wahrlich mit Eurem Wissen und Euren Begabungen nicht zu ersetzen seid.

Nein, vergessen ist noch nichts, doch jetzt erinnern sich langsam auch einige Andere außer mir an die Geschichte, die so in den Abgrund geführt hat. Hochmut, Selbstgefälligkeit, Hin- und Her lavieren in der Politik, immer wieder mal mit dieser und jener Fraktion an anderen Königshöfen angebandelt haben, weil man sich einen Vorteil versprach... . Doch als es drauf ankam, da war keiner der politischen Freunde im Ausland da, da konnte niemand sich eingestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, dass hier Verantwortliche Menschen falsch gehofft und geplant haben. Jetzt endlich, nach so vielen Jahren, fangen hier die Leute an, nach-zudenken.

Jetzt wird einigen klar, was die Wege Gottes gewesen wären: nicht Sieg über Sieg und Wunder über Wunder, sondern Demut, Vertrauen und Schuldeingeständnis. So buchstabiert sich der Weg mit dem Gott unserer Väter und Mütter.

Doch ich will zu dem Anliegen kommen, weshalb ich Euch schreibe. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es mit dem guten Leben an den Wassern von Babylon nicht weit her ist. Einige hausen jetzt schon Monate lang in ihren Zelten und denken gar nicht daran, mal nach einem Bauplatz Ausschau zu halten. Ihr könnt die Koffer auspacken, es geht heute und morgen nicht wieder zurück nach Hause. Das Leben im neuen Land ist keine vorübergehende Episode, es wird etwas Längeres werden. Denn die Welt ist, wie sie ist. Es gibt eine tiefe Krise bei uns zu Hause und die Verhältnisse blieben hier noch eine ganze Weile, wie sie nun mal sind. Wie können da einige auf die Idee kommen, es ginge bald wieder zurück nach Hause?

Ich will Euch ganz deutlich sagen: Blickt nach vorne und vergesst alles, was nach leichter Lösung aussieht. Das schwierige Leben hört für uns und für Euch nicht einfach auf wie, wenn man einen traurigen Roman liest und nach der letzten Seite einfach wieder in die bessere eigene Alltagswelt eintaucht. Alles nur eine kurze Episode...! Nein, nur durch die Not hindurch gibt es einen Weg zu einem Neuanfang, und da wartet dann neue Hoffnung für uns.

Blickt nach vorne, stellt Euch zu eurem Leben heute. Schuld will erst vergeben sein, bevor die Freiheit für Veränderung und Heilung Raum gewinnen wird. Fangt neu an - mit dem Nächstliegenden - und entdeckt darin Gottes gnädige Gegenwart bei Euch. Oder wenn ich es mit einem anderen Tonfall sagen soll.....

 

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggefährten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen, und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehret euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. (Jer. 29, 4-6)

 

Das war das eine, auf das ich zu sprechen kommen wollte. Das andere ist dieses : Sorgt Euch um Eure Nachbarschaft, fragt nach der Stadt, in der ihr wohnt, und nach ihrem Ergehen....

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohl geht, so geht´s auch euch wohl. (Jer. 29,7)

 

Wisst Ihr schon wer da neben euch wohnt? Wo kommen die Nachbarn her? Was arbeiten sie oder gibt es für sie gar keine richtige Arbeit?

Fragt ruhig ganz konkret: Welche Sorgen, welche Not beschäftigt die Leute dort um Euch her? Vielleicht freut sich jemand schon seit einer ganzen Weile über Eure Anwesenheit, weil nun mal etwas geschieht, was die Alteingesessenen nie wagen würden. Mit Euch Neuen haben sie wieder neue Hoffnung.

Macht die Stadt zu Eurer Stadt und ihr werdet erleben, dass ihr als Fremde ganz allmählich auch diese Euch so fremde Umgebung zu Eurem Zuhause machen könnt.

Gott hat seinen Leuten eine Adresse, meistens sogar mit Straßennamen und Nummer gegeben, nicht damit sie ein Schild an die Tür hängen "Bleiben nur kurz....", sondern dass sie hier ihr Zeugnis leben und durchbuchstabieren. Weil es auch bei Euch diese Adresse Gottes gibt, darum hat der Frieden in friedloser Umgebung eine Chance.....

Euer Jeremia!

 

  1. Falscher Empfänger?

 

Vielleicht geht es Ihnen mit diesem Brief so, dass Sie ihn dreimal umdrehen und schauen, ob die Adresse auch stimmt. Denn ich bin doch nicht gemeint, oder?

Nein ich habe nicht meine Heimat durch einen Krieg verloren, aber wir verlieren doch alle miteinander in diesen Monaten ein vertrautes Leben, Kultur, Musik, Kino, Feste, Urlaubsreisen etc. Und wir fragen nach, was da an tiefer geistlicher Botschaft sich für uns versteckt.

Es lohnt sich, den alten Brief heute noch mal genauer zu lesen. Jeremia schrieb an Leute, die nicht in akuter Not einen Ratschlag brauchten, sondern die innerlich nicht da waren, wo sie jetzt lebten. Die Juden in Babylon hingen mit ihren Gedanken noch in der Vergangenheit fest. Sie lösten sich nicht aus einer Welt, die es so nicht mehr für sie gab. Die träumten so lange von einer besseren Zeit damals, bis die Resignation und Depression sie überwältig hatte. Und dann hingen die Harfen in den Weiden am Fluß und man trauerte vor sich hin (Psalm 137,2!).

Wir leben immer wieder so, als wenn es kein Corona gibt oder alles bald wieder vorbei ist. Aber wir brauchen nun Ausdauer und es ist die Aufgabe, nicht das Leben nach Corona zu planen, sondern nun das Leben mit dieser Pandemie zu organisieren – in allen Lebensbereichen!

Aber so fremd ist vielen von uns das gar nicht, was wir nun als Gesellschaft mit vielen Anderen durchzubuchstabieren haben. Lassen Sie mich eine Episode von einem Kinderwochenende in Meck.-Pom. erzählen

    • Ich kam mit Mitarbeitenden und ca. 20 Kindern für eine Wochenendfreizeit in einem alten mecklenburgischen Pfarrhaus an. Wir sahen uns einer Baustelle gegenüber, die noch nicht richtig geputzt war.

    • Einige überlegten, ob sie gleich wieder abreisen sollten, andere riefen nach den Verantwortlichen für das Haus. Und einige Eltern fingen einfach mit ihren Kindern an, zu putzen, die Zimmer gemütlicher herzurichten und nach drei Stunden waren wir angekommen.

    • Es war ein abenteuerliches Zuhause dort in Kirch-Kogel in der Nähe von Bad Doberan für drei Tage, aber am Ende fiel es uns tatsächlich schwer, wieder abzureisen und Abschied zu nehmen.

Gott bewahrt uns nicht vor solchen ungeputzen, unaufgeräumten Baustellen im Leben oder Zeiten, in denen alles neu geplant werden muss, aber er lässt uns da auch nicht alleine werkeln. Der Gott Isaak, Jakob und Abraham geht mit uns in das neue Zuhause im Altenwohnstift oder in das Studentenzimmer. Dieser Herr unseres Lebens bleibt mit uns da, wo wir heute sind, …auch wenn wir uns selbst ganz woanders hin wünschten!

 

  1. Falscher Zeitpunkt?

Ich habe noch eine andere Idee, was wir mit unserem JeremiaBrief anfangen könnten, wenn er irgendwie jetzt so gar nicht in mein eigenes Erleben hineinpasst:

  • Einen Brief muss man ja nicht gleich wegwerfen, den kann man ja irgendwo einfach ablegen. Und dann lese ich ihn wieder, wenn ich besser annehmen kann, was da steht.

Nehmt Sie das heute mit, was der Prophet Jeremia für Tage, wenn wir uns fremd und auf der Durchreise fühlen, wenn wir auf unseren gepackten Koffern sitzen und sie nicht auspacken, geschrieben hat.

Ich bin nie gerne umgezogen.

Ich habe mit jedem Umzug Freunde und Beziehungen verloren. Ich wusste nach einem Umzug immer wieder nicht, wo ich wichtige Dinge und Einrichtungen finde, die man aber ganz selbstverständlich braucht.

  • Ich bin beim Umzug ins Rheinland in Velbert ins Rathaus gegangen und habe gefragt, wo man hier in der Nähe sein Altpapier und Glas los wird.

  • Die dritte Mitarbeiterin, an die ich verwiesen wurde, wusste zu sagen, dass der nächste Müllplatz gleich um die Ecke ist.

Doch auch das gehört zu den Umzügen dazu:

  • ich habe Neues entdeckt, geschenkt bekommen und Menschen getroffen, wo ich Altes aufgeben musste... .

Den Brief des Jeremia zu lesen ist keine leichte Lektüre, wenn man mit der Einsamkeit hadert und vor Gott über das klagt, was einem mit der neuen Lebenssituation genommen wurde. Doch Gott wohnt auch da, wo ich nur Wüste und Fremde sehe. Gott hat sein Zuhause, wo mich die Trauer über das Aufgegebene erfüllt.

Wenn ich immer noch die gepackte Kisten im Keller stehen habe und einige gepackte Koffer mich im Herzen belasten, dann habe ich die Aufgabe sie auszupacken. Denn wir beherrschen nicht das Morgen, aber wir können jetzt gut für uns sorgen!

 

  1. Der tröstende Blick nach vorne…

Am Ende des Briefes an die Freunde und Bekannte im fernen Land schreibt der Jeremia sein Trostwort, dass uns Gott sagt:

"Ich weiß, was ich für Gedanken über Euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." (Jer. 29,11)

 

Wir sehen, was alles verloren geht, was nicht mehr sein wird, was nun vorbei geht.

Gott sieht, was für uns werden wird.

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text:

Günter Loos

 

 

 

 

 

 

                                  Sonntagsruhe – Ich bin so frei  !                             


                                    Predigt über Markus 2, 22-28                                             

                               gehalten am 25.Okt. 2020 / 20.n.Tri.                                        

                                   in der EmK-Detmold / Lage                                                 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

am freien Tag muss ich nicht, sondern darf ich.

Am freien Tag sagt mir nicht mein Kalender, was dran ist, sondern ich sag meinem Kalender, was ich will und brauche.

Am freien Tag freue ich mich auf die Überraschungen, die der Tag bringt und lasse Platz für Überraschungen.

Am freien Tag darf ich frei sein.

Für mich und Andere, die am Sonntag oft den intensivsten Tag im Engagement für die Gemeinde und Kirche erleben, ist dies in der Regel nicht der freie Tag.

Doch das wir die regelmäßige Sabbatruhe, die Unterbrechung des Arbeits-Rhythmus, für unsere seelische und körperliche Gesundheit brauchen, davon bin ich auch als „Sonntagsarbeiter“ fest überzeugt.

 

Lassen Sie uns das gleich an dieser Stelle ansprechen:

Schon vor 15 Jahren war statistisch bei uns im Land für 36% aller Erwerbstätigen die Arbeit am Sonntag wohl vertraut und die Zahl derer, die privat am Sonntag die Arbeit der Woche nachholen, lag noch über diesen fast 40 %. In diesem Jahr ist durch Kurzarbeit und Corona vieles anders, aber die Zahl der Sonntagsarbeitenden ist seitdem vermutlich eher noch gestiegen. Fast die Hälfte von uns hört nun gleich eine Episode aus einer Welt, die wir nicht mehr sofort verstehen: die Jünger Jesu bekommen eine Rüge, weil sie am Sabbat einige Ähren abreißen, vermutlich um sie zu verspeisen!

 

1. Sabbat feiern

Der jüddische Sabbat wird nach unserem Kalender am Samstag gefeiert und die christliche Tradition nimmt als Festtag der Woche den Sonntag. Doch die jüdische Bedeutung dieses Tages ist bei den Christen nicht verändert worden, sondern mit der Erinnerung an Jesu Auferstehung noch erweitert worden. Am Sonntag feiern wir Gottes Geschenk der Ruhe und die Verheißung des neuen Lebens in der Auferstehung Christi. Weil Gott neu Leben schafft, dürfen wir dankbar an diesem Tag das von ihm geschenkte feiern.

Die Freunde Jesu scheinen diesen Tag zu genießen.

Sie wandern durch die Felder, haben Zeit, die Hügel und die Aussicht zu genießen, und müssen nicht ihr Tagwerk schaffen. Es war altes Gesetz in Israel und Judäa, dass die Armen ohne eigenes Land um nicht zu hungern, am Feldrand sich Ähren suchen oder abrupfen durften. Mundraub war rechtlich und kulturell erlaubt (5. Mo. 23,26). Wie sagt es Jesus: „Sehr die Lilien auf dem Felde. Sie sähen nicht und sie ernten nicht und doch macht sie Gott zu Augenweiden auf dem Felde.“ Die Jesusfreunde sorgen sich nicht um diesen Tag und sind da ganz nah bei dem, wie Jesus ihnen das Leben in Gottes Gegenwart beschrieben und vorgelebt hat.

 

Doch genauso berechtigt, gibt es auch zu dieser Zeit die, die den Sabbat mit guten Ordnungen und Regeln frei halten wollen vom Arbeits-Modus. Denn die Arbeit und die Sorge darum, ob ich heute und über den Tag hinaus genug habe, ist eine starke Kraft bei uns allen. Da braucht es nicht nur guten Willen, sondern da helfen auch klare Absprachen, um die Sorge einfangen zu können.

Die Pharisäer waren die Experten für diese Fragen, welche Ordnungen und Regeln was bewirken und wie sie angewandt werden müssen. Je nachdem, wie ich die Kornähren abreiße, welche Menge ich pflücke und was ich dann damit mache, ist das nichts anderes wie die Erntearbeit, die auch am nächsten Tag wieder mit vollem Einsatz passieren kann, oder eben die Tagesration zum Essen, die auch am Sabbat brauche.

Jesus verteidigt mit weitreichenden Argumenten, was seine Leute tun: auch von David wusste man, dass er mit dem Essen der dem Tempel gespendeten Schaubrote die

strengen Tempelgesetze nicht eingehalten hat, aber trotzdem sein Tun gut zu verstehen ist.

Er unterstreicht: die Regel und Ordnungen einzuhalten helfen uns, das das geschützt bleibt, was uns bei Gott hält und zu unserem Gottesdienst dazugehören muss. Jesus ist frei genug, nicht die Regeln an die 1.Stelle zu setzen, sondern mit dem Ziel, warum es die Regeln gibt, den Alltag zu organisieren.

Jesus macht sich frei, so mit seinen Freunden Sabbat zu feiern, dass da Platz für die Begegnung mit Gott bleibt, und er wiederspricht den kontrollierenden Stimmen der Pharisäer, die ihm vorschreiben wollen, wie dies praktisch aussehen muss.

 

2. Frei bleiben, um Gott zu begegnen

Diese Sabbat und Sonntagsgeschichte bleibt in ihrer Grundfrage bis heute spannend: haben wir das noch raus, wie man Gott am freien Tag Raum gibt oder bauen uns da Verpflichtungen, Aufgaben und Regeln den Sabbat so zu, dass er nur noch formal der Tag des Herrn ist?

Für uns übersetzt:

*  „Bin ich wirklich Herr / Frau über meine Zeit an diesem Tag?

* Nehme ich mir Zeit zum leben, für Gespräche, die Kinder, Partnerin/Partner, das Buch, das ich lange schon lesen wollte?“

 

Ich habe mir immer wieder mal persönliche Sonntagsregeln gegeben, um den Sonntag in seinem Wert nicht zu verlieren:

* Es gab eine Zeit, da habe ich mit geistlicher klassischer Musik den Tag angefangen. In de Ruhe am Morgen setzen die Melodien den besonderen Ton des Tages.

* Z.Zt. gehört für mich zum Sonntag vor dem Predigen und den Gottesdienstvorbereitungen dazu, einige Minuten in meiner „Andachtsecke“ nur Zeit zum Hören und Reden mit Christus zu haben. Vor allem anderen.

* Wir decken am Sonntag den Tisch besonders für das Essen und versuchen damit immer auch ein kleines Fest am Sonntag zu feiern.

* Ich verteidige – nicht am Sonntag, aber an meinem persönlichen wöchentlichen Sabbattagen – die Zeit für mich und meine Dinge, mal ein Hobby, mal eine Aufgabe, ganz oft die ausgiebige Zeitungslektüre.

 

Ich mache die Erfahrung, dass es gut ist, immer wieder mal zu überlegen, ob meine „Sonntagspraxis“ noch funktioniert oder ob der Sonntag zum „normalen“ Tag geworden ist.

Und: ist da Platz für Gott an diesem Tag, dass ich hören, beten und loben kann?

 

3. Das Geschenk für die Welt…

Der Baden-Württembergische Ministerpräsident hat einen bemerkenswerten Kommentar zum Sonntag abgegeben:

Der Sonntag ist Geschenk der Gläubigen an die gesamte Gesellschaft.“

Es gab zur Zeit Jesu in der Nähe des toten Meeres eine jüdische Sekte. Die rechnete die Tage nach ihrer Schriftauslegung etwas anders und hatte bald einen ganz anderen Wochenkalender, wie die jüdischen Nachbarn. Wenn alle Sabbat hielten, wurde in Qumran gearbeitet, wenn in Qumran Sabbat war, war woanders Arbeitstag.

Dieser unterschiedliche Lebensrythmus entfremdete die Sekte in Qumran und die jüdischen Synagogengemeinden immer mehr voneinander und irgendwann lebten da zwei ganz unterschiedlichen Kulturen nur noch räumlich verbunden nebeneinander her.

Das ist für unsere moderne Welt immer noch das Geschenk der engagierten Christen für ihre Kultur:

 * es gibt einen Lebensrythmus in der Öffentlichkeit, der nicht nur die Arbeit betont, sondern auch einen Ort zum Treffen, Spielen, Feiern oder Relaxen anbietet.

 

Und Feiern klappt nur, wenn auch alle etwa zur gleichen Zeit ihren freien Tag haben. Der Ministerpräsiden betont da tatsächlich ein Fundament für unser öffentliches Zusammenleben. Nur wenn es vergleichbare Rhythmen von Arbeit und Freizeit gibt, lässt sich Kultur und Erholung organisieren - …für alle!

Damit wir dieses Geschenk anderen, die mit dem christlichen Sonntag wenig anfangen können, wirklich anbieten können, müssen wir den Sonntag selbst pflegen und gestalten. Anders wäre dieser Tag für andere nicht überzeugend.

 

Jesus zeigt die Freiheit für den Sabbat

und unsere Welt zeigt uns, wie schwierig es wird, wenn es keine Sonntagsruhe mehr gibt und alles zu Handel, zum Geschäft oder zur Arbeit wird.

Ich wünsche uns darum heute Zeit und gutes Wetter, dass wir auch durch die Felder und die Herbstlandschaft wandern können, und entdecken, wie nahe uns Gott ist.

Amen.

 

Das gesprochene Wort kann von der schriftlichen Vorlage abweichen. Verantwortlich für den Text: Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold Tel.: 05231.23297

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      Hier finden Sie Andachten unseres Gemeindepastors 

 

 

            ...   angedacht    ...   angedacht     .....    angedacht .....             

 

   Februar               

 

 

                                           Was bin ich wert?                                                        

Ich las im Wirtschaftsteil einer überregionalen Zeitung von der aktuellen Diskussion unter Versicherungsunternehmen, welchen Wert man in die Schadenskalkulation einsetzen sollte, wenn z.B. durch Konstruktionsfehler Menschen beim Autounfall oder Flugzeugabsturz zu Schaden kommen. Die Versicherungsleistung benennt dann in exakten Euro-Werten, wie viel ein Mensch wert ist.

Paulus macht in seiner Zeit eine ganz andere Rechnung auf, wenn er an die Gemeinde in Korinth schreibt: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knecht.“ (1.Korinther 7,23)  Auf den Sklavenmärkten damals wurde sehr genau um den Preis eines Menschen geschachert, und die Idee, dass Menschen nie zur Ware werden dürfen, ist erst in unserem Zeitalter gesellschaftlicher Konsens geworden. Der Theologe Paulus benutzt das Bild des Menschenhandels auf dem Sklavenmarkt, um von dem zu reden, was Gott durch Jesu Tod am Kreuz für jeden Menschen in die Beziehung zu uns investiert hat. Etwas, was mit dem eigenen Tod bezahlt wird, kann durch keine andere Investition und keinen Geldbetrag überboten werden. Gott, so sagt Paulus, investiert alles, um die Brücke aus seiner Wirklichkeit in unsere Welt neu zu bauen. Nicht wir bezahlen durch gute Taten und eigene Frömmigkeit den Preis für eine lebendige und uns wohlschätzende Beziehung zu Gott, sondern Gott selbst opfert sich in Jesus Christus für diese Welt. In diesem Sinne kann man Paulus nur zustimmen: „Ja, wir sind Gott viel wert!“

Aber die Szene auf dem orientalischen Sklavenmarkt wird noch einen Schritt weitergedacht: Wenn der Freikauf eines Menschen so viel gekostet hat, dann darf diese Investition nicht leichtfertig wieder aufs Spiel gesetzt werden. Hier trifft der Gedanke aus dem Brief von vor zweitausend Jahren einen empfindlichen Nerv unserer Zeit. Nur 30 Jahre nach dem Ende von ausbeutenden und Menschen kontrollierenden Systemen und Parteien in vielen europäischen Ländern gibt es eine neue Sehnsucht bei vielen, wieder in sicheren Verhältnissen, die mit weniger persönlicher Freiheit bezahlt wird, leben zu können. Wer diese Sicherheit verspricht, findet viele Wählerstimmen.

Die Freiheit, die uns Christus schenkt, ist es auch heute nicht wert, den neuen Abhängigkeiten in der großen Politik oder im Privaten geopfert zu werden. Wer davon erzählt, wie viel Freiheit man erlebt, weil man nicht mehr das nächste Glas Bier trinken muss oder die nächste Flasche Wein öffnen wird, übersetzt etwas von dieser teuer erkauften Freiheit, die auch für den christlichen Glauben gilt, in unseren Alltag.

Ihr Günter Loos!

 

 

 

Dezember

 

 

Das Wunder im Stall…

kommt uns in den Symbolen und Bildern der Advents-und Weihnachtszeit vertraut und unspektakulär vor. Seit den Kindertagen werden die Krippenszenen immer wieder anders aufgebaut, aber die Figuren von Josef, Maria, den Hirten und der Krippe, egal in welcher Variante, gehören einfach dazu. Das Bild des Pastors und Künstlers Volker Kempf/ Kaiserlautern will nicht einfach das Vertraute

neu in Erinnerung rufen, sondern dazu einladen, heute das „Wunderbare“ dieser Geschichte wieder zu entdecken. In der Christvesper 2019 wird Ihnen dieses

Bild begegnen. Mit diesem Bild möchte ich den Wunsch verbinden, dass in vielen ganz regelmäßigen und vertrauten Diensten in der Gemeinde und Kirche Ihnen immer wieder etwas von dem „Wunderbaren“ des Lebens mit Christus aufgeschlossen wird. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Jahresbeginn 2020.

Ihr Günter Loos!

 

 

Glaubensfrage

In den kommenden Monaten begleitet uns ein Bibelvers, der entdeckt werden will:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24)

Ein Vater will nur das Beste für seinen an Epilepsie erkrankten Sohn und setzt alles

auf die heilenden Kräfte, die Jesus wachrufen kann. Zuerst erfährt man in der Bibel, wie dramatisch diese Krankheit den jungen Menschen einschränkt, und dann wird mit einem Satz der Glaube des Vaters zum Thema dieser Szene. Der Vater scheint wenig Hoffnung zu haben, dass eine Heilung möglich ist, aber vielleicht unterschätzt er ja diesen Jesus….

Wir brauchen nicht lange, um etwas von diesem zweifelnden Bitten des Vaters auch bei uns zu entdecken.

Unser Glaube kommt oft nur halbherzig daher. Auch ohne Gottes Hilfe gibt es genug Lösungen, die uns regelmäßig z.B. Krankheiten überwinden lassen. Doch bei allen Chancen der modernen Medizin und eines funktionierenden Sozialsystems stellt sich die Frage: Geht es am Ende ohne ein tiefes Gottvertrauen, wenn unser Leben zerbrechlich wird und wir der Unberechenbarkeit in unserem Alltag begegnen?

Dieses Bibelwort leuchtet da hinein, wo jemand das Fadenende eines Lebens mit Gott ergriffen hat, aber das, was dann kommt, nicht ins eigene Leben „hineingewickelt“ hat und sich nicht davon tragen lässt. Hier geht es um die Dinge, die uns hindern, dem Weg mit Gott und der Liebe Gottes etwas zuzutrauen. Unglaube ist der fehlende Mut, diese Wege zu gehen und die Zuwendung Gottes anzunehmen.

Der Jahreskreis in der Gemeinde endet mit der Begegnung des zweifelnden Josefs in den Advents- und Weihnachtstexten. Er ist die schwankende Persönlichkeit, der die Gottes-Geschichte im Bethlehem-Stall nur schwer glauben kann. Der Vater des kranken Jungen stellt uns die Frage, ob unser Glaubensmut reicht, um auf Heilung in einer kranken Welt zu hoffen.

Dabei hat das Treffen Jesu mit dem kranken Kind in einem erstaunlichen Wunder geendet: Jesus macht seinen Widerstand gegen die unheilsamen und zerstörerischen Kräfte, die sich in den epileptischen Anfällen Bahn brechen, nicht vom Glauben des Vaters abhängig. Er bricht die Macht der Krankmacher zu allen Zeiten und schenkt neue Lebensmöglichkeit, auch wenn unser eigener Glaube sich gerade im Zweifeln verliert. Unser fehlender Glaube kann nicht Gottes Hilfe für hilflose Menschen verhindern. Doch wo unserem blockierten Glauben neuer Schwung und Mut geschenkt wird, da öffnet sich der Blick dafür, wie tief Gottes Liebe sich in diese Welt hinein verströmt. Darum: „…hilf meinem Unglauben“.

Ihr Günter Loos

 

 

September

 

 

                                        Die Seele pflegen                                               

 

Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seine Seele krank wird. Was nützt dann dieser Gewinn?“, so fragt Jesus die Freunde, die mit ihm unterwegs sind (Matthäus 16, 26). Die Antwort versteckt er in seiner Frage gleich mit: “So ein Leben nützt niemandem etwas.”

Im Spätsommer und Herbst will uns dieser Monatsspruch für September auf die Spur setzen, selbst Bilanz zu ziehen, ob die persönliche Pflege unserer Seele in einem passablen Zustand ist oder ob wir da einen besonderen Pflegebedarf haben. Im Denken der Bibel und auch von Jesus ist die Seele kein geheimnisvolles Etwas, das sich irgendwo in unserem Körper versteckt. Vielmehr versteht sich alle Lebensäußerung eines Menschen als Ausdruck der Seele.

So sind der permanente Kopfschmerz oder der kaputte Rücken ein Ausdruck für eine organische Erkrankung oder Schwäche, aber sie sind auch Faktoren dafür, wie es uns seelisch geht. Viele Erkrankungen werden inzwischen als Folge einer bestimmten beruflichen Tätigkeit anerkannt. Wer nach kräftezehrender Tätigkeit irgendwann nicht mehr kann, bekommt neben der Krankschreibung und der möglichen Verrentung besondere Kuren und Therapien verschrieben, damit Arbeit und die körperlichen Kräfte wieder in ein gesundes Gleichgewicht kommen können. Die Frage nach der eigenen Seelenpflege ist im Sinne Jesu die Frage nach unsere grundsätzlichen Lebenssituation: Stehen die Zeiten der Erholung mit Zeiten der Arbeit und Anspannung im gesunden Verhältnis zueinander? Kreisen die Gedanken immer nur um die beruflichen Probleme oder bleibt auch genug Raum für Familie, persönliche Hobbys und Engagement z.B. in der Kirche? Steigen in uns die Freude und das Loben auf oder ersticken Alltag und viele Probleme alle Leichtigkeit?

Was gewinnen wir - egal bei welcher Aktivität -, wenn unsere Seele keine Luft zum Atmen hat? So übersetzt sich die alte Frage Jesu in unsere Gegenwart. Wenn seine Freunde sich fragen, wie man das eigene Leben auf ein solides Fundament stellen kann, hören sie von Jesus oft die Antwort: Folge mir nach! Die Pflege der Seele ist bei Jesus keine Technik, die erlernt werden muss, oder eine philosophische Herausforderung, sondern eine Beziehungsfrage. Menschen, die betend mit Jesus im Gespräch sind, die ihre ethischen Entscheidungen mit den Sätzen der Bergpredigt im Kopf treffen und die die Gemeinschaft mit denen suchen, die selbst auf diesem Weg mit Jesus unterwegs sind, tun etwas für ihre Seele. Denn die christliche Seelenpflege lädt ein, die eigene Perspektive zu verändern und mit dem Anderen neu zu sich selbst zu finden.

Ihr Günter Loos!

 

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Sommer 2019

 

                                Langsam sein beim Zürnen !                                                   

 

Der Bibelvers in dieser Immanuelpost gibt ganz praktische Verhaltenstipps:

 

„Ein jeder Mensch sei schnell im Hören, langsam im Reden und langsam beim Zürnen.“ (aus dem Jakobusbrief, 1,19) Anders gesagt: Halte dich zurück, bevor dir der Kamm schwillt oder dein Blut in Wallung kommt!

 

Brauchen wir so einen allgemeinen Ratschlag aktuell?

Denn grundsätzlich pflegt man in lippischen Landen ja so oder so eine gewisse Zurückhaltung, bevor sich jemand ins Gespräch bringt oder gar einen Streit vom Zaun bricht. Es bewährt sich eben immer wieder erstmal hinzuhören, bevor wir „unseren eigenen Senf“ zu einem Thema dazugeben und am Ende durch unsere eigene unausgereifte Meinung selbst blamiert dastehen.

Doch seit längerer Zeit verändert sich etwas im öffentlichen Umgangston. Donald Trump hat die Politik weltweit mit seinen mal schnell dahingetippten Kurznachrichten verändert, und immer öfter finden kernige Sprüche auch in der öffentlichen Diskussion mehr Beachtung als wohlüberlegte Gedanken, die nicht immer mit 140 Zeichen (= Twitternachricht) formuliert werden können. Gegen die

Kultur der oberflächlichen Meinungsäußerung, die andere provozieren will, setzt die Bibel das Lob der Bedächtigkeit und der Fürsorglichkeit im Umgang

miteinander.

Wir müssen diesen Weg der Deeskalation in der methodistischen Welt z.Z. neu buchstabieren. Die Ablehnung der Segnung von homosexuellen Partnerschaften in der Kirche durch unser höchstes kirchliches Entscheidungsgremium, der Generalkonferenz, hat die Differenzen in diesem Themenfeld unter uns deutlich ans Tageslicht gebracht. Für einige ist dies Trennende in der Diskussion

nun wichtiger geworden als die vielen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen in Glaubensfragen, die uns zusammengebracht haben. Das Miteinander in der Kirche und Gemeinde steht in Gefahr, durch diese Polarisierung, den Kampf um Richtig und Falsch, vergiftet zur werden. Wo immer wir mit anderen reden, brauchen wir die heilsame Medizin des Bibelwortes, um gesprächsfähig zu

bleiben: Zuerst höre ich, frage nach, ob ich es richtig verstanden habe, und nehme mir viel Zeit zum Zuhören.

Dann nehme ich mir noch mehr Zeit, bevor ich antworte, und am meisten Zeit braucht es, bis ich es zu einem handfesten Streit kommen lasse. Der Psalmbeter wusste schon in grauer Vorzeit, dass Zeit am Ende uns von Gott geschenkt wird, aber wir entscheiden, wie wir unsere Zeit zum Segen für uns und andere richtig verteilen.

 

Ihr Günter Loos

 

 

April/Mai

 

 

                                            Unvergleichlich …..                                                     

 

Vielleicht geht es heute nur um die Chipstüte im Regal: zwar stimmt die Marke und auch die Verpackung macht etwas her, aber leider fehlen 50g Chips in dieser Tüte im Vergleich mit der Tüte, die daneben steht und das gleiche Geld kostet. An anderen Tagen bringt uns etwas Wichtigeres dazu, die Dinge genau zu vergleichen: Nehme ich die Wohnung mit dem hübschen Wohnzimmerausblick oder lieber das etwas größere Objekt ohne Panoramafenster, aber mit mehr Platz für alle Möbel?

Von David liest man in der Bibel von einer inneren Diskussion, die dieser mit Gott führt. Es geht ihm dabei um die Frage, ob sich Gottes Güte und Gottes gute Gaben, die ihm und seinem Volk Israel von Gott anvertraut sind, mit irgendetwas vergleichen lässt, was es sonst auf dieser Welt gibt. Seine Überlegungen kommen schnell an ein Ende und er sagt: „Es ist kein Gott wie Du, und es ist kein Gott außer Dir.“ (2. Samuel 7,22) Gottes Zuwendung in den kleinen und großen Dingen im Leben ist für David mit Nichts ihm Bekannten vergleichbar. So ganz selbstverständlich pflichtet man heute der Erkenntnis des berühmten jüdischen Königs Davids nicht mehr bei. Es sind die kleinen Dinge, die uns verführen, das Vergleichsportal auch in religiösen Fragen aufzumachen:

Fühle ich mich wohl, wenn ich dort in die Kirche gehe? Kann ich damit leben, wenn die Musik zwar überhaupt nicht meinen Geschmack trifft, aber dafür im Kirchengebäude alles schön aufgeräumt ist und die Gemeinde mich freundlich begrüßt? Macht es mir Mühe, engstirnige Glaubenspositionen auszuhalten, oder sind sie für mich sogar hilfreich, weil sie genau das aussprechen, was ich auch für richtig halte?

Bevor David von der Einmaligkeit Gottes schwärmen kann, macht er sich Gedanken darüber, ob man für Gott nicht einen neuen Tempel bauen sollte oder wie man sonst Gottes Größe im Land sichtbar werden kann. Die Antwort, die er auf seine Fragen erhält, fällt sehr nüchtern aus: Gott braucht keine Paläste oder Schätze, um sich mit seiner Liebe und Zuwendung zu zeigen. Um Gott zu begegnen, war in Israels Frühzeit ein Zelt als Heiligtum groß genug, und am Anfang der christlichen Gemeindegeschichte erzählen wir vom leeren Ostergrab als dem wichtigsten Wunder für unseren Glauben.

Wo Nebensächlichkeiten zur Hauptsache in Glaubensfragen werden, da muss viel abgewogen und verglichen werden. Doch wenn Gott uns nahe kommt in einem Augenblick der Stille oder wenn man in bedrängender Not von der Angst befreit wird, dann verstummt das Vergleichen und wir sind ganz nahe bei den Worten Davids. Gott bleibt auch heute unvergleichlich,

 

Ihr Günter Loos

 

 

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Februar/ März

 

Die Hoffnung lebendig halten ...

 

Ich gehöre zu den Menschen, die wehmütig an die Arbeit des pensionierten US-Präsidenten Barak Obama zurückdenken. Er hat mit einem Wort benannt, wie die globalen Sorgenkinder unserer Zeit gebändigt werden können: Change / Umkehr oder Veränderung. Paulus schrieb in einer anderen Zeit an Christen in Rom und verschwieg dabei nicht, wie schwierig das Leben für ihn und andere Christen in dieser Zeit war: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Römer 8, 18)

Zugegeben, in der Bibel steht nicht der Begriff „Change“, sondern von Offenbarung ist die Rede. In der Konsequenz geht beides aber in die gleiche Richtung: Wer umkehrt und die Veränderung wagt, wird hoffentlich sehen, auf was er mit Recht hoffen kann. Wenn die Zeiten gut sind und Menschen Segen und Frieden erfahren, dann spielt das zitierte Bibelwort keine große Rolle. Doch wenn der Alltag immer mehr als eine Serie von Leid und Unglück erlebt wird, stirbt die Hoffnung. Denen, die Leiden durchleben und ihre Lebensrichtung verlieren, wird mit diesem Wort Mut gemacht: Schau nicht auf das Chaos, sondern schau dorthin, wo es sich wieder leben lässt, weil die Dinge sich verändert haben. Veränderung ist möglich!

Seit einigen Monaten lebt die 16jährige Greta Thunberg diese Hoffnung auf Veränderung und Erneuerung. Jeden Freitag steht sie vor dem schwedischen Parlament und hält ein Schild mit dem Slogan: „Schulstreik für das Klima“. Sie will so lange weiter dort protestieren, bis in Schweden eine Klimaschutzpolitik umgesetzt ist, die ihr und ihrer Generation eine lebenswerte Zukunft eröffnet.

Viele Kinder und Jugendliche haben weltweit sich von Greta Thunberg begeistern lassen und demonstrieren nun in ihrem Land für eine nachhaltige Klimapolitik. Diese jungen Menschen sind nicht bereit, vor Klimaveränderungen zu resignieren oder die Trägheit bei der Umsetzung eines anderen Lebensstils einfach als ganz normal zu akzeptieren.

Am Ende, so würde Paulus vielleicht heute schreiben, wird unsere Hoffnung auf eine andere Welt, in der Christus die Maßstäbe für das Leben in dieser Schöpfung und miteinander setzt, erfüllt werden, weil wir heute nur ahnen können, wie groß Gottes Möglichkeiten sind.“ Ich hoffe, wir lassen uns von den demonstrierenden jungen Menschen anstecken, dort zu hoffen, wo andere den Glauben verloren haben, …weil auch Gott in seiner Liebe für jede Kreatur und diese Schöpfung nicht aufgibt.

 

Ihr Günter Loos

 

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                                               Ein Zeichen des Himmels

 

Am Ende des Jahres kommen die vertrauten Symbol wieder an ihre Plätze zurück. Ich mag das, wenn Kerzen, Handwerksschmuck und schöne Bilder für einige Zeit unseren privaten und öffentlichen Räumen eine ganz andere Atmosphäre schenken. Doch damit unsere Schmuckstücke nicht nur Dekoration für die kühle Jahreszeit sind, müssen wir auf die Geschichten achten, die zu den Sternen, Kerzen, Nikolausstiefeln und Krippenszenen gehören.

Der Evangelist Matthäus erzählt die Weihnachtsgeschichte etwas weniger idyllisch als Lukas und verschweigt nicht die Familienkonflikte von Maria und Josef, die zu ihrer Weihnachtsgeschichte gehört haben. Der Vater Josef ist ärgerlich, als ihm seine junge Frau ihre Schwangerschaft gesteht, und er plant ernsthaft die Trennung von ihr. Doch Matthäus schreibt in seine Geschichte die himmlischen Interventionen, die eintreten, wenn alles zu scheitern droht, mit hinein. Ein Engel überzeugt Josef, Gottes Wirken in dieser unglaublichen Geschichte zu sehen. Gelehrte Forscher, die jeden sichtbaren Planeten und die andere astronomische Phänomene ihrer Zeit untersuchten, nahmen eine besondere Sternkonstellation als ein übernatürliches Zeichen und machten sich auf die Reise vermutlich aus dem heutigen Irak in die israelische Gebirgs- und Hügellandschaft, um nach einem Königskind zu suchen. Ihre großen Zukunftspläne, die verbunden waren mit der Hoffnung auf eine bessere politische Ordnung und Frieden für alle durch den neuen König, drohten zu scheitern, bis sie ihr himmlisches Zeichen wiederfanden. Da sie den Stern sahen, waren sie überglücklich.“ (Matthäus 2,10) Ein Zeichen des Himmels, so deuteten sie diese Himmelserscheinung, leitet sie zum neugeborenen Königskind und zeigt den Menschen dortam ärmlichen Geburtsort, welches weltverändernde Ereignis sie miterlebt haben.

Die vielen trockenen Monate in der Region haben in uns eine Ahnung wach werden lassen, was die Klimaveränderung für uns heißen könnte. Die politisch neu angeheizten Konflikte um die Macht einzelner Nationen in Russland, den USA und in China lösen Ratlosigkeit und Ängste aus. An vielen Stellen holpern die wohlvertrauten Prozesse in unserer Welt, und die Sehnsucht nach einer besseren Ordnung verbindet uns mit den Sterndeutern aus dem Morgenland. Die Weihnachtssymbole begleiten uns wieder in den kommenden Wochen, aber finden wir auch die Botschaft, die zu diesen Zeichen gehört? In Situationen hinein, wo wir und andere uns in Streit und Konflikten unversöhnlich gegenüberstehen, erinnern uns Sterne und Kerzen daran, dass mit Jesus das alles überstrahlende Licht Gottes unsere Welt mit Frieden durchdringen will.

 

Ihr Günter Loos

 

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                          Sehnsucht haben

 

Gott, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen“ (Psalm38,10)

Ja, bei Gott darf man die ganz persönlichen Dinge offen machen. Unsere Sehnsüchte und Träume verstecken viele Ideen, die oft nicht mal mein bester Freund / meine beste Freundin oder mein/e Ehepartner/ in kennt. Für mich war Udo Jürgens einer der großen Künstler unserer Zeit, der die Sehnsüchte von vielen in wunderbare eingängliche Melodien und Texte gegossen hat. Erinnern Sie sich an „Ich war noch niemals in New York..“ und spüren Sie, wie da ein wenig die eigene Sehnsucht wachgerufen wird?

Ein Liedermacher vor über 2000 Jahren hat im Psalm 38 offengelegt, wie genau Gott weiß, was diesen Dichter im tiefen Inneren umtreibt. „Alle Sehnsüchte meiner Seele,“ so schreibt er in unsere Bildwelt übersetzt, „liegen wie ein offenes Buch vor Dir, Gott.“ Dabei kämpft dieser Mensch mit dramatischen Schicksalsschlägen, Krankheiten und steckt tief in Konflikten mit anderen. Wer in solch ein raues Fahrwasser im Leben gerät, verliert leicht alle Hoffnung. Das Sehnsuchtslied in der Bibel ist auch ein bis heute nur schwer zu ertragendes Klagelied. „Es fehlt nicht mehr viel, und ich stürze“, so endet diese Litanei.

Vielleicht brauchen wir tatsächlich die Grenzerfahrungen, um von unseren tiefen Lebenssehnsüchten offen reden zu können. Was wir ersehnen, zerbricht das, was uns heute die Luft zum Atmen abschnürt. Für einige ist dies der Streit mit jemandem, mit dem man mal eng zusammen war und wo im Miteinander Hass und Gewalt immer mehr Raum einnehmen. Anderen schnürt es die Lebensluft ab, dass nichts mehr normal funktioniert. Der eigene Lebensunterhalt ist nicht gesichert, Schulden und Sorgen nehmen jeden Entscheidungsspielraum und eine Krankheit raubt vielleicht noch die letzten Energien.

Doch wir tragen weiter die Sehnsucht in uns und können ihr Namen geben: Frieden mit anderen, Sicherheit im Lebensalltag, Hilfe und Heilung in Krankheit. Danach sehnen wir uns.

Eine Liederdichterin unserer Zeit hat die Quelle der Sehnsucht ihres Lebens bei Gott entdeckt: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“ (Anne Quigly 1992) Das Bibelwort stößt trotz des dunklen Hintergrunds, in dem es aufgeschrieben wurde, eine Tür in die Zukunft auf: wenn wir unsere tiefe Sehnsucht spüren können, wächst darin auch die Kraft, mit Gottes Hilfe die Dinge zu tun, die uns am Ende wieder frei und erfrischt atmen lassen. Sehnen Sie sich mit danach.

Ihr Günter Loos

 

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Gott ist die Liebe ….“.

singen die Seniorinnen und Senioren - und plötzlich sieht man Bewegung in den Gesichtern. Die Menschen sind ganz bei der Sache. Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht: Das Lied von der Liebe Gottes ist bei Andachten mit Menschen, die an Demenz leiden, oft ein Türöffner in eine innere Welt, in die Worte allein nicht mehr vordringen können.

Das Bekenntnis, das Gott mit dem Wort Liebe beschreibt, hat seinen Ursprung im 1. Johannesbrief: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh. 4,16)

Dieses alte Wort ist heute noch genau so modern wie unter den ersten Christen-gemeinden.

Der Gott, den Jesus liebevoll Abba (Väterchen) genannt hat, steht nicht für Strafe, Angst und Rache, mit denen viele andere Religionen ihr Gottesbild ausmalen. Der Gott der Bibel reagiert auf die menschliche Lust an Zerstörung und Chaos mit „himmlischer“ Gnade, die von der Liebe durchdrungen ist. So öffnet Gott die Möglichkeit eines Neuanfangs für unsere Beziehung zu ihm und untereinander.

Liebe wird heute oft mit vielen Erwartungen und Träumen überfrachtet und auch erdrückt. Aber noch nie haben sich alle Probleme dadurch lösen lassen, dass man die Liebe fürs Leben findet oder sich noch mal richtig liebevoll im Miteinander anstrengt, damit alles wieder gut wird. Doch die modernen Romeo-und-Julia Geschichten, wo der Sturm der Liebe so richtig tobt, machen Mut, die Möglichkeiten dieser Mischung aus Gefühlen, Überlegungen und Entscheidungen mit dem Namen Liebe nicht klein zu rechnen. Weil wir unsere Beziehungen verantwortlicher und oft auch kreativer leben können, wenn die Liebe das Gemeinsame trägt, so sieht diese Welt anders aus, wenn Gott mit seiner Liebe in ihr sichtbar wird.

Bei den Besuchen in den Seniorenresidenzen treffen Sie Mitarbeitende, die den Bewohnerinnen und Bewohnern bei allen Tätigkeiten am Tag zur Hand gehen. Von morgens beim Aufstehen bis abends zur Schlafenszeit ist jemand da, führt den Löffel oder hilft bei der Körperhygiene.

Von denen, die diese Arbeit tun, habe ich immer wieder gehört, dass dieser Beruf als eine Berufung gelebt werden muss. Die Fachkräfte buchstabieren jeden Tag in ihrer Arbeit neu durch, wie viel Kraft und Geduld die Liebe uns abverlangt. Doch damit verbindet sich eine andere Erfahrung: Gottes Liebe wird spürbar, wo wir – ohne selbst viel zurückgeben zu können – annehmen, dass Gott im Anderen und in seinem Wort für mich da ist.

Ihr Günter Loos!

 

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Engel zu Besuch zu haben, ist schön!

Für die Sommerwochen begleitet Sie und mich ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief:

Vergesst nicht gastfrei zu sein, denn dadurch haben viele schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Heb. 13,2)

Gestern habe ich meine Cousine Ute und ihre alte Freundin Sherry zum Zug gebracht. Die beiden haben einen lange gehegten Traum in die Tat umgesetzt und reisten

als Kanadierinnen für drei Wochen kreuz und quer durch Europa. In den wenigen Stunden, die sie bei uns zu Gast waren, habe ich mich gefreut, Neuigkeiten von den Familienangehörigen in Kanada zu erfahren, und mit Sherry lernte ich jemand kennen, die auf ihrer Reise für sich erstaunliche Entdeckungen gemacht hatte. Vieles, was sie bis dahin gelesen und gehört hat, war vor Ort doch ganz anders, als sie erwartet hat. Immer wieder fragte sie: „Warum ist das so und warum macht ihr das so?“ Die Engel, die wir als Gäste empfangen, haben einen überraschend anderen Blick auf unseren Alltag und öffnen uns neue Perspektiven.

In der Bibel wird spannend erzählt, wie der Nomade Abraham drei Boten als Gäste in seinem Zelt empfängt, und diese sind Boten Gottes, die seine ganze Lebensplanung

verändern. Ihm und seiner Frau wird trotz ihres hohen Alters die Geburt eines Kindes angekündigt. Gott nutzt Engel, wie die Boten Gottes in der griechischen

Welt genannt werden, um zu zeigen, wie nahe er uns im Alltag sein will und wie anders sich mit Gottes Hilfe ein Leben entwickeln kann. Egal, ob Sie mit Ihren Gästen entdecken, wie viele Gemeinsamkeiten durch den Glauben und die inneren

Überzeugungen Sie verbinden, oder ob die Gespräche bei den Ausflügen oder den Mahlzeiten Ihnen selbst wichtige neue Erkenntnisse schenken, es bleibt spannend, wen

Gott uns als Bote des Lebens ins Haus schickt.

Ihr Günter Loos!

 

 

 

Voll Zuversicht

Zuversicht steckt an. Es regnete und der Blick durchs Fenster ließ nichts Gutes erwarten. Aber die Ansage an alle war: heute Nachmittag wird das Wetter aufklaren und wir können draußen einen Spaziergang machen.

Alle kamen aus der Kaffeepause mit festem Schuhzeug und warmer Jacke zurück und freuten sich auf den Spaziergang. Es hatte dann zwar immer noch geregnet, aber durch die Offenheit und das fürsorgliche Miteinander in der Gruppe fiel dies am Ende niemandem mehr auf.

Zuversicht hilft bei der Erklärung, was christlicher Glaube ist: „Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.“ (Hebräerbrief 11,1)

Die Widersprüche, die im Alltag des Glaubens aufbrechen, werden nicht geleugnet, sondern durch die Zuversicht auf etwas viel Umfassenderes ins richtige Licht gerückt. Die öffentliche Diskussion nach vielen Monaten der Neuorganisation der Regierung in unserem Land hätte mehr Zuversicht gebrauchen können. Keine verantwortliche Politik kommt ohne die Hoffnung aus, dass Probleme gelöst werden können und dass es heute genug Möglichkeiten gibt, um die Dinge zu verändern. Ohne Zuversicht und Glaube wird verwaltet, betreut, und Menschen verschwinden hinter Aktenzeichen und Bearbeitungsnummern.

Wagen wir im privaten und übersichtlichen Rahmen, der Zuversicht Platz einzuräumen, und vielleicht zieht das dann größere Kreise. In den Wochen der (Nach-)Osterfreude darf man mit gutem Grund Gott für den weiten Horizont danken, in den er unser Leben stellt. Nicht die oft immer gleichen Versuche, mit eigener Kraft das Glück zu fassen, sind das Thema der zuversichtlich Glaubenden, sondern es geht um ein neugieriges Suchen und Ausprobieren, wie Gottes Gegenwart diesen Tag und diese Woche verändert. Die Transformation des kaputten und heillosen in erlöstes neues Leben gelingt immer noch, weil hoffnungsvolle Zuversicht die Liebe Gottes als dynamische Kraft mitten unter uns ernst nimmt.

 

Ihr Günter Loos

 

 

 

                                      .. zur Passionszeit                                        

 

                                              Voll und ganz

  

So habe ich dieses Bibelwort noch nie gehört, aber es ist eine gute Übersetzung:

 Jesus Christus spricht: Es ist getan. Voll und ganz. Bis zum Ende.“ (Johannes-Evangelium 19,30)

Jesus sagt im Urtext der Bibel bei seinem Sterben ein Wort, das sich auch übersetzen lässt mit „am Ziel“ oder „es ist vollbracht“. Sein Leben endet in der Hinrichtung als politischer Aufwiegler am Kreuzauf dem Golgatha-Hügel. Die Zuschauer dieser Hinrichtung riefen lauthals ihren Spott und ihr inneres Bewegt-sein in die Menge und die Frauen mit der Mutter Jesu weinten ihren Schmerz heraus. „Es ist vollbracht“, singen die Frauen in der Johannespassion von Joh. Seb. Bach. Jesus lebt konsequent bis zum Ende das, was er predigt. Sein Thema war, wie Menschen neu der Kraft Gottes als dem liebenden Schöpfer ihres Leben vertrauen lernen und wie sie aus den Abhängigkeiten von lebenszerstörenden Mächten befreit werden. Nur wer eine neue Beziehung mit Gott findet, wird die Bindung an ausbeutende Ideen und versklavende Hoffnungen auflösen können. Jesus stirbt, weil Menschen mit ihren Ideologien keinen Raum für Gottes gnädige und versöhnende Macht gelassen haben. Gott will nicht mit Gewalt oder Rache diese Welt verändern. Wer über dieses schreckliche Bild des verblutenden Christus nachdenkt, merkt, wie die Liebe Gottes zu jedem Geschöpf eben nicht mit dem Vertrauen von Menschen in diese Liebe beantwortet wird.

Es ist getan“ heißt bis heute: der falsche Glaube, mit Gewalt und Terror auf Gottes Seite stehen zu können, ist entlarvt. Gott ist bei Christus, der Opfer dieser Gewalt wird. Das Mittel, mit Schmerzen andere zwingen und strafen zu wollen, ist in Jesu Tod und dem Tod aller derer, die zum Opfer von Gewalt werden, an seine Grenze gekommen. Mehr als den Tod zu erleben geht nicht. Doch die Liebe Gottes stirbt nicht an Karfreitag.

Ich wünsche uns, dass wir in der Passionszeit hinter diese radikale Überzeugung nicht zurückgehen,

 Ihr Günter Loos!

 


                                      Zum Neuen Jahr                                                  

                          

                         Lebendiges Wasser“  

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6)

Mit diesem Wort werden wir mitten in der kirchlichen Weihnachtszeit am Anfang des Jahres 2018 begrüßt.

Ich freue mich über dieses biblische Mottowort für das neue Jahr, denn es hat in der methodistischen Geschichte einen besonderen Platz bekommen. Als John Wesley am 9. April 1739 in der verrufenen Bergleutekolonie in Kingswood bei Bristol seine erste Predigt auf der Straße hielt, redete er über dieses Bibelwort. Wer Not litt und wen der ganz normale Alltag viel Kraft kostete, der hörte damals in Kingswood und hört heute in Lippe diese Zusage Gottes als eine Chance für sein eigenes Leben.

Wasser ermöglicht überall auf diesem Planeten das Leben. 2014 konnte ich im Hinterland von Recife/Brasilien sehen, was den Unterschied zwischen genügend Wasser und Wassermangel ausmacht. Durch die kurze und oft auch unregelmäßige Regenzeit muss dort Wasser in Zisternen gesammelt werden, um in der Trockenzeit nicht dursten zu müssen. Unsere Kirche vor Ort hat mit Habitat, einer weltweit tätigen Hilfsorganisation, und der Kinder-helfen-Kindern Sammlung den Bau von Zisternen organisiert und das Leben im Dorf verändert. Nun ziehen wieder Menschen in diese Region, weil sie auch mit wenig Besitz in der trockenen Landschaft überleben können. An dem Brunnen vor der Kirche in Varjada, wo jeder Dorfbewohner umsonst sich Wasser zapfen kann, hängt eine Tafel mit dem Bibelwort: „Jesus, das Wasser des Lebens!“ Denn darum geht es: Wenn der innere Lebensdurst gestillt wird, verändert sich ein Mensch. Ich wünsch Ihnen und mir viel lebendiges Wasser in der Adventszeit und im neuen Jahr für unseren eigenen Lebensdurst.


Ihr Günter Loos!


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Das Bibelwort für den November nimmt uns mit auf eine Zeitreise, ca. in das Jahr 540 vor unserer Zeitrechnung. Menschen lebten als geduldete Ausländer nach ihrer Zwangsumsiedlung aus Jerusalem im heutigen Irak, wo Babylon seine ganze Pracht und Herrlichkeit zur Schau stellt. Das zentrale Bauwerk in der Hauptstadt war ein riesiger Tempelbau, der wie ein Pyramidenturm sich in den Himmel schraubte. Die Götter der Babylonier waren mächtig, großartig und unberechenbar. Nur wenige auserwählte Priester besaßen das Privileg, Kontakt mit den Göttern aufnehmen zu dürfen. Die Religion und die absolute Regierung der Könige in diesem Land erwarteten vor allem anderen Unterordnung und Tribut von den normalen Bürgern im Land.

Der Prophet Hesekiel erzählte von einem anderen Gott und fand bewegende Bilder vom Leben in diesem Gottesglauben. Dieser Gott, von dem wir bei Hesekiel in der Bibel lesen, spricht: „… Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Hesekiel 37,27)

Da gibt es keinen hohen Turm, von dem Gott über entrückte Priester Anweisungen an das Volk weitergibt, oder einen König, der gottgleich über andere richtet. Hesekiel sieht Gott als den, der Mitbürger ist und angesprochen werden kann von jedem, der Gottes Nähe sucht. Gott hört zu und kennt seine Leute.

Für viele war das versteckte Thema in diesem Wahlkampfjahr, ob die da oben“ noch wissen, wie es einfachen Leuten im Alltag ergeht. Die Bibel setzt einen klaren Punkt in dieser Diskussion: nur wo Mächtige und Einflussreiche sich dazu bekennen, selbst Mitbürger ohne besondere Privilegien in einem Volk zu sein, wird ein gerechtes Miteinander in einer Gesellschaft wachsen können. Denn Gott selbst wohnt schon lange bei seinen Leuten und wird uns in Christus Bruder, Mitbürger und Mitmensch.

Ihr Günter Loos




... für OKTOBER


Einige Gefühle kann man nur schwer beschreiben. Versuchen Sie mal Freude zu erklären! Eine Erzählung erleichtert die Erklärung.

Darum erzählt wohl auch Jesus einige Beispielgeschichten als Antwort auf die Frage, wie sehr sich Gott über Menschen und ihre Neuanfänge freut. Diese Freude, erzählt Jesus, ist wie die Freude eines Hirten, der nach langem Suchen sein Schaf lebendig und unverletzt wiederfindet. Aber es ist auch die Freude einer fast mittellosen Frau, die einen größeren Geldschein verlegt und ihn dann nach langem Suchen irgendwo vielleicht zwischen zwei Büchern wiederentdeckt.

Schließlich erzählt Jesus von der Freude eines Vaters, der lange darauf gewartet hat, dass sein Sohn zurückkommt, und nun ist der Sohn wieder da. Alle drei Geschichten stehen unter dem Motto: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“. (Lukas 15,10)

Überraschend häufig freuen sich Andere nicht mit, wenn jemand eine Lebensänderung erlebt. Man bricht mit seinen alten Verhaltensweisen und Freunde oder engste Bekannte nehmen das nicht richtig ernst. Sie warten

z.B. erst mal ab, ob die neuen Ideen die nächsten Tage überstehen. Was man sich da vorgenommen hat, muss ja nicht gleich funktionieren, sagen sie. Andere lassen ihren Freund oder ihre Freundin einfach nicht aus der alten Rolle aussteigen. Neuanfänge sind in sich schon große persönliche Projekte, aber die fehlende Unterstützung von außen überfordert viele mit ihrer „Umkehr“.

Gott ist auf unserer Seite, wenn wir etwas im Zentrum unseres Lebens anders machen wollen. Im Himmel herrscht Freude, weil Gott selbst mit unseren Sackgassen und den Entscheidungen, die uns in diese Sackgassen bringen, leidet. Freuen wir uns doch einfach mit, wenn sich sogar der Himmel freut!

                                                                                         Ihr Günter Loos

Jahreslosung 2020 - Ich glaube; hilf meinem Unglauben ! | . Markus 9, 24