Sonntagspredigten                                

 Hier finden Sie die Sonntagspredigten von Pastor Günter Loos in schriftlicher  Form.

 

 

                                        Risikoabwägung                                            

                     Predigtimpulse zu Matthäus 25, 14-30

            für den 9. Sonntag nach Trinitatis / 14. August 2022

 

Liebe Lesende,

der Evangelist Matthäus wollte nicht einfach nur Sammler der Worte, Geschichten und Episoden von Jesus sein, sondern er lebte als Christ viele Jahre nach der Himmelfahrt Jesu in einer Gemeinde. Für eine neue Generation von Menschen, die Jesus kennenlernen wollten, ordnete er die Dinge, die man von Jesus wusste. Er wollte erklären, worauf es beim christlichen Glauben ankommt und wie wichtig die Worte Jesu immer noch sind.

Am Ende seiner Jesus-Geschichte geht es um die Zukunft der Welt und was Menschen nach dieser Welt erwartet. In zitiert dafür zwei Gleichnisse, in denen es um Menschen geht, die ihre Zukunft verspielen, weil ihnen der Mut zu mutigen Entscheidungen fehlt.

Die eine Geschichte handelt von den klugen und den törichten Brautjungfern. Die zweite Geschichte, die Matthäus in Hinblick auf Gottes Zukunft wichtig ist, erzählt davon, wie Menschen mit ihren Begabungen und Möglichkeiten umgehen:

 

14»Es ist wie bei einem Mann, der verreisen wollte. Vorher rief er seine Diener zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an. 15Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei Talente und dem dritten ein Talent – jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste der Mann ab. 16Der Diener mit den fünf Talentenfing sofort an, mit dem Geld zu wirtschaften. Dadurch gewann er noch einmal fünf Talente dazu. 17Genauso machte es der mit den zwei Talenten. Er gewann noch einmal zwei Talente dazu. 18Aber der Diener mit dem einen Talentging weg und grub ein Loch in die Erde. Dort versteckte er das Geld seines Herrn.

19Nach langer Zeit kam der Herr der drei Diener zurück und wollte mit ihnen abrechnen. 20Zuerst kam der Diener, der fünf Talente bekommen hatte. Er brachte die zusätzlichen fünf Talente mit und sagte: ›Herr, fünf Talente hast du mir gegeben. Sieh nur, ich habe noch einmal fünf dazugewonnen.‹ 21Sein Herr sagte zu ihm: ›Gut gemacht! Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du hast dich bei dem Wenigen als zuverlässig erwiesen. Darum werde ich dir viel anvertrauen. Komm herein! Du sollst beim Freudenfest deines Herrn dabei sein!‹ 22Dann kam der Diener, der zwei Talente bekommen hatte. Er sagte: ›Herr, zwei Talente hast du mir gegeben. Sieh doch, ich habe noch einmal zwei dazugewonnen.‹ 23Da sagte sein Herr zu ihm: ›Gut gemacht! Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du hast dich bei dem Wenigen als zuverlässig erwiesen. Darum werde ich dir viel anvertrauen. Komm herein! Du sollst beim Freudenfest deines Herrn dabei sein.‹ 24Zum Schluss kam auch der Diener, der ein Talent bekommen hatte, und sagte: ›Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und du sammelst ein, wo du nichts ausgeteilt hast. 25Deshalb hatte ich Angst. Also ging ich mit dem Geld weg und versteckte dein Talent in der Erde. Sieh doch, hier hast du dein Geld zurück!‹ 26Sein Herr antwortete: ›Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nichts ausgeteilt habe. 27Dann hättest du mein Geld zur Bank bringen sollen. So hätte ich es bei meiner Rückkehr wenigstens mit Zinsen zurückbekommen. 28Nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 29Denn wer etwas hat, dem wird noch viel mehr gegeben –er bekommt mehr als genug. Doch wer nichts hat, dem wird auch das noch weggenommen, was er hat. 30Werft diesen nichtsnutzigen Diener hinaus in die Finsternis. Dort gibt es nur Heulen und Zähneklappern!‹« 1

 

Es geht um etwas und man kann alles verlieren.

Dieses Gleichnis Jesu stellt drei Geschäftsleute vor, die sich entscheiden müssen, was sie mit dem Geld machen, das ihnen zu treuen Händen anvertraut wurde. Zwei wagen es zu kaufen und zu verkaufen, zu investieren und ihr Kapital wieder abzuziehen, um es in neue Projekte zu stecken, und sie haben beide auf ihre Weise Erfolg.

Der dritte Händler hatte kein Vertrauen in sein geschäftliches Glück. Er versteckte alles, was ihm gegeben wurde, an einem sicheren Ort. Da ist nichts verloren gegangen, aber der Kapitalgeber hätte an Gewinnmaximierung für sein Kapital wenigstens den Zins erwartet, den eine konservatives Sparkonto bei der Bank erbringt. Dieser dritte Händler wurde in der Übersetzung von Martin Luther als der „faule“ Verwalter verurteilt. Doch das griechische Wort an dieser Stelle betont mehr, dass dieser dritte Händler ein zögerlicher oder ängstlicher Mensch war. Hier traut sich jemand nicht, seine Möglichkeiten zu nutzen. Am Ende wird dieser Mensch zum Verlierer, weil er nichts gewagt hat.

Unsere Geschichte geizt nicht mit dem, was da vom Besitzer an Kapital treuhänderisch weitergeben wird. Ein Talent entsprach 6000 römischen Denaren. Ein Denar wurde als Tageslohn gezahlt. Der Lohn von sechszehn Jahren Arbeit wird auch dem dritten Händler noch anvertraut. Die anvertrauten fünf Talente des ersten Geschäftsmanns sind umgerechnet auf unseren aktuellen Kurs mit vermutlich 2,5 Millionen Euro anzusetzen.

Doch etwas fehlt, so wie Jesus die Geschichte erzählt.

Man wüsste schon gerne, wie unsere mutigen Spekulanten ihr Kapital verdoppelt haben. Waren Grundstückskäufe und Hausbau, wie bei uns heute, das Mittel der Wahl? Konnten Sie erfolgreich eine große Menge von Getreide oder Stoffen kaufen und verkaufen? Steckt möglicherweise hinter dem Gewinn die Ausbeutung von Bauern, die durch die Pacht für ihre Felder immer mehr verarmten? So spannend es hier wäre, ein wenig Nachhilfe in erfolgreicher Wirtschaftspolitik zu biblischen Zeiten zu bekommen, Jesus bleibt sehr sparsam mit konkreten Details zu den ersten beiden Geschäftsleuten.

Doch vom dritten, dem wirtschaftlichen Angsthasen, erfahren wir mehr.

Sein Geschäftsmodell war Sicherheit vor Risiko. Die Angst vor der Strafe seines Chefs, wenn er Kapital verlieren würde, bringt ihn dazu, am Ende das anvertraute Vermögen nicht anzurühren und es einzugraben. Doch bei der Abrechnung mit seinem Chef bringt ihn genau diese Strategie in Bedrängnis und er verliert alles. Sein Chef hätte bei dem Reichtum, den er besitzt, auch einen möglichen Verlust gut verkraftet. Aber die Angst davor, dass etwas verloren geht, ist für den Chef kein Grund, gar nichts zu wagen.

So wie wir diese Geschichte lesen und hören, müssen wir uns über den erfolglosen Händler Gedanken machen.

Jesus gibt den guten Ratschlägen für wirtschaftlichen Erfolg im Leben keinen Raum. Er macht den Verlierer in seiner Verzagtheit zur zentralen Person in diesem Gleichnis.

 

Worum es Jesus geht, überhört man leicht, wenn man sich innerlich von diesem dritten Gesellen abgrenzt. Denn wovon redet Jesus, wenn er denen, die engagiert und mutig die Sache Gottes zu ihrer Sache gemacht haben, dieses Gleichnis erzählt? Gibt er Motivationssätze für seine Jünger und Jüngerinnen weiter ("Seid noch besser!"; "Kein Erbarmen mit den Erfolglosen!"; "Wem hat, dem wird natürlich weiter gegeben werden.")? Jesus propagiert nicht den ungehemmten Wettkampf aller gegen alle, bei dem am Ende die Erfolgreichen überleben werden und die Verlierer verschwinden.

Ganz im Gegenteil: Jesus sind die, die in ihrer Verzagtheit ihre Zukunft verspielen, nicht egal. Auch die, die nichts wagen, will er mit dabeihaben im Reich Gottes. Doch dafür muss man verstehen, warum ein „auf-Nummer-sicher-gehen“ keine Option ist, wenn es um die Dynamik der Liebe Gottes in dieser Welt geht.

 

Die gnädige Güte Gottes, die für das eigene Leben ein nicht berechenbarer Reichtum ist, will uns verändern. Wir sollen zu Bot*innen dieser Liebe Gottes in der Welt werden und Gnade und Güte dort investieren, wo das Leben zu verhungern und zu verdursten droht.

Jesus sagt den sicherheitsverliebten Geschwistern in seiner Gemeinde mit diesem Gleichnis: wenn ihr eurer Angst keine Grenze setzt, wenn ihr es nicht mit dem neuen Gottvertrauen wagt, dann wird Euch die Angst zum Schluss das Vertrauen auf Gottes Liebe nehmen. Die Angst lähmt. Gott aber will Menschen frei und unabhängig machen in seiner neuen Welt.

 

Dabei traut Gott traut diesen ängstlichen Knechten etwas zu. Sie bekommen ihre Talente. Sie werden gerecht beurteilt. Sie sind mit ihrem Leben bei Gott noch lange nicht abgeschrieben. Erst das Vertrauen auf diesen Gott wird die Macht der Angst, die alle Lebenschancen wieder zerstört, brechen.

 

Eine Fabel aus Brasilien hilft, die Konsequenz dessen, was Jesus mit seinem Gleichnis sagen möchte, weiter zu bedenken.

Es war einmal ein großer Fluss, an dessen Ufern sich ein riesiger Wald ausdehnte. In diesem Wald lebten unzählige Tiere: Elefanten, Löwen, Vögel, Affen und noch viele mehr. Doch eines Tages brach im Wald ein Feuer aus. die Tiere hatten Angst, dass ihre Wohnungen und Nistplätze zerstört werden könnten und waren verzweifelt. Nur ein kleiner Kolibri ließ den Kopf nicht hängen, sondern flog zum Fluss, holte einen Schnabel voll Wasser und ließ diesen kleinen Wassertropfen über dem brennenden Wald fallen. Die großen Tiere lachten ihn aus. Was wollte dieser kleine Kerl schon ausrichten? Der Kolibri antwortete nur: ich leiste meinen Teil. Nun seid ihr dran!2

 

Wenn wir uns als Freund*innen Jesu, die innerlich wie der verzagte Verwalter ticken, mit den Augen Gottes ansehen, dann entdecken wir, wieviel unsere kleine Kraft im Reich Gottes wirken kann.

Es müssen in diesen Wochen viele Wassertropfen gegen den Krieg und die Flüchtlingsnot gesammelt werden. Die Wassertropfen sind Zeit, die wir für jemand frei räumen, der uns braucht. Die vergrabenen Talente und die Möglichkeiten, die man lieber versteckt vor andere, helfen niemand. Aber ein mutiges Mitanfassen und ein Einbringen der eigenen Begabungen in der Gemeinde Jesu machen Gottes reiche Liebe zu einer dynamischen Kraft mitten in dieser Welt. Durch die uns anvertrauten Talente erreicht Gottes Gnade andere.

 

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021

2 Quelle: Das Märchen vom Kolibri, nach Adriano Martins, Brasilien, Misseror Fastenkalender 1996, 27.Feb.

 

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       Heute zu wenig, aber doch genug für ein ganzes Leben

                     Predigtimpulse zu Markus 12, 41-44

                       für den 8. Sonntag nach Trinitatis /

                                      07. August 2022

 

 Die Opfergabe der Witwe

41Dann setzte Jesus sich in die Nähe des Opferkastens. Dort beobachtete er, wie die Leute Geld hineinwarfen. Viele wohlhabende Leute gaben viel hinein. 42Da kam auch eine arme Witwe. Sie warf zwei kleine Kupfermünzen hinein – das entspricht den kleinsten römischen Münzen. 43Jesus rief seine Jünger herbei und sagte zu ihnen: »Amen, das sage ich euch: Diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen, die etwas in den Opferkasten geworfen haben. 44Denn alle anderen haben nur etwas von ihrem Überfluss abgegeben. Aber diese Witwe hat alles hergegeben, was sie selbst zum Leben hat – obwohl sie doch arm ist.«

(Der Text aus Markus 12, 41-44 nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Liebe Lesende,

Jesus sitzt irgendwo im Vorhof des Jerusalemer Tempels, achtet auf die Menschen dort und sieht etwas, was andere übersehen. Eine Frau wirft zwei Assarion, die kleinsten römischen Münzen, die ausgegeben wurde, in den Opferstock. Für zwei dieser Münzen konnte man sich genug Brot für einen Tag kaufen. An diesem Tag wird sie vermutlich nicht genug Brot zum Essen gehabt haben, als sie die Münze aus der Hand gab. Doch wer wie Jesus genau auf diese Frau in ihrer einfachen und abgetragenen Kleidung achtet, versteht, was diese Frau gerade getan hat: sie gibt Gott mit ihrer Spende alles, was sie für sich selbst an diesem Tag gebraucht hätte.

 

Gottes Adresse in dieser Welt braucht Menschen, die sich um sein Haus kümmern.

 

Viele von uns gehören zu denen, die, wie es in der neuen Bibelübersetzung heißt, die mit ihrer Spende etwas von ihrem Überfluss abgeben. Ohne die regelmäßigen Beiträge – sei es der Zehnte oder der Betrag, der der aktuellen wirtschaftlichen Situation entspricht - könnte auch die kirchliche Arbeit der Ev.-methodistischen Kirche in Lippe nicht funktionieren.

Die Spenden und Beiträge ermöglichen uns als Kirche eine unabhängige Arbeit für die, die uns brauchen. Die Gelder haben zu allen Zeiten Gebäude, Räume und Orte geschaffen und erhalten diese, wo ein anderer Geist mitten im Lebensalltag spürbar ist. Kirchen laden uns zum Beten und zur Begegnung mit Gott ein. Immer wieder brauchen wir in der Kirche Fantasie und Kreativität, um mit besonderen Aktionen und Aufrufen andere zum Spenden und zum Mithelfen zu bewegen.

Die beschriebene Tempelepisode und der Satz Jesu sind falsch verstanden, wenn man sie so liest, als würde das Opfern und das Abgeben an Gott grundsätzlich in Frage gestellt. Der Tempel damals in Jerusalem und die Kirchen heute in unseren Kommunen brauchen viele, die jeden Monat fest den Beitrag für Gottes Sache mit ins eigene Budget einplanen und abgeben. Wo diese Selbstverständlichkeit bröckelt oder gesellschaftlich in Frage gestellt wird, leidet die Gestaltung öffentlicher religiöser Orte und kirchliche Dienste werden eingestellt.

Doch es stärkt unsere Hoffnung auf Gottes Möglichkeiten, wenn man hört, wie es durch viele kleine und große Spenden möglich wurde, dass nach ihrer Zerstörung 1945 die Frauenkirche in Dresden neu aufgebaut und 2005 wieder eingeweiht werden konnte. Auch zu der Geschichte der Erlöserkirche in Lage und der Immanuelkirche in Detmold gehören die Berichte von Geschwistern, die viele kleine und große Summen für den Bau und den Unterhalt der Gebäude gespendet haben. In den Räumen und in der Gemeinschaft erlebten viele ein zweites Zuhause.

Gott braucht auch in unserer modernen Welt feste Adressen, wo man ihm begegnen kann.

 

Bleibt tatsächlich nicht genug, wenn man großzügig gibt?

Doch so, wie Markus für seine Gemeinde diese Episode mit der Frau, die alles gibt was sie hat, aufgeschrieben hat, kommt eine ganz andere Deutung mit ins Spiel.

70 n.Chr. erobern die römischen Truppen Jerusalem und zerstören den prächtigen Tempel. Die Stadt ist verwüstet, der Tempelbezirk ein Trümmerfeld und die heiligen Leuchter und Truhen werden im Triumphzug durch Rom getragen. Markus schreibt von der Witwe, die alles gab, und stellt sich und seiner Gemeinde in den Jahren nach der Tempelzerstörung die Frage: haben wir mit vielen anderen zusammen zu wenig auf Gott gehört und ihm von unserem Leben abgegeben? Die Zerstörung des Tempels und die Niederlage Jerusalems wurde von vielen als eine Strafe für das fehlende Gottvertrauen und die fehlende Liebe besonders für die Ärmsten vor dem Krieg mit der römischen Weltmacht gedeutet. Weil der Glaube fehlte und der innere Zusammenhalt zwischen Reichen und Armen zerbrochen war, musste dieser Krieg verloren gehen.

Die großen Fragen nach Schuld und Fehlern werden für den Evangelisten an der Episode am Opferkasten im Tempel sichtbar. Wem es schwerfällt, Gott dankbar vom eigenen Reichtum abzugeben und wer nachgerechnet, was einem die Spende an Vorteilen bringt, der steckt mitten drin in einer ernsten Krise. Keine lebendige Beziehung im Glauben und mit anderen hält es über kurz oder lang aus, dass wir einander und Gott nur das allernötigste gönnen, aber was uns wirklich etwas wert ist, nur für uns genießen. In dieser Episode von der großzügigen Witwe im Tempel versteckt sich die Anfrage: Gebe ich gerne und dankbar anderen und Gott, weil ich weiß, wie gut für mich gesorgt wird, oder lähmt mich die Angst, dass es am Ende für mich nicht mehr reichen könnte?

Jesus hat ein Wort gegen diese Angst, zu kurz zu kommen:

Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?“ (Matthäus 6, 28-30)

 

Alles aus Gottes Hand

Jesus steht neben der Frau am Opferstock im Mittelpunkt der Erzählung.

Er entdeckt mit wachem Blick diesen Menschen und macht sie zum Vorbild für andere.

Jesus schaut hin, wenn Menschen mit ihrem Engagement und ihren Opfern Gott Danke sagen für das, was sie von ihm bekommen haben. Die Frau am Opferkasten muss trotz ihrer Bedürftigkeit, mit der sie daherkommt, vieles empfangen haben, was ihr die innere Weite für ihre großzügige Spende gibt. Jesus erinnert die, die mit ihm unterwegs sind, daran, dass man es niemandem so schnell ansieht, was er an bewegenden Erfahrungen mit Gottes Gnade gemacht hat. „Sie gibt alles, was sie zum Leben hat.“ (V.44) Sie kann so viel geben, weil sie viel von Gott bekommen hat. Für Jesus ist nicht die absolute Größe der Spende das Thema, sondern die innere Grundhaltung, die beim Spenden dieser Frau sichtbar wird: Was ich habe - …gebe ich an Gott zurück!

Jesus nimmt uns bis heute mit hinein in diese Seh-Schule für das, was an Spuren der Gnade Gottes in dieser Welt sichtbar ist. Damals weist er seine Jünger und Jüngerinnen auf die Frau hin, weil diese vielleicht mit ihren Augen ganz woanders hingeschaut haben.

Jesus schärft uns den Blick dafür, wo Menschen großzügig sich und ihre Gaben verschenken, weil Gott sie reich gemacht hat. Lassen Sie sich einladen, genauer hinzusehen, wenn Sie Menschen in der Kirche treffen und diese etwas von sich weitergeben

  • Ein Kind aus dem Kindertreff überreichte mir eine große Schachtel, die sie in Geschenkpapier eingewickelt hatte. Ich freute mich in dieser Zeit über die Geburt meines Sohnes. Sie hatte in der Schule aus Ton ein Kind in einer Krippe getöpfert und das schenkte sie mir nun. Sie gehörte zu den Kindern, die wenig Gutes bis dahin erlebt hatte und schon als Kind mit Problemen kämpfen musste, die auch für Erwachsene oft viel zu schwer zu bewältigen sind. Im Kindertreff hatte sie ihren festen Platz. Nun konnte sie mit ihrem Geschenk zeigen, wie sehr sie mit uns, die wir diesen Treff organisierten, verbunden war, und sich mitfreute, wo ich mich freute.

  • Eine der Gäste in der Detmolder OASE brachte eines Abends einen Blumenstrauß mit. Den hatte sie unterwegs gepflückt und nun standen da frische Blumen im Raum. Eigentlich hatte sie gar nichts, was Sie abgeben konnte. An diesem Abend konnte sie allen, die da waren, etwas zurückgeben.

Wo wir die Dankbarkeit eines anderen Menschen über die erfahrene Güte und Liebe entdecken, öffnet sich auch bei uns etwas und wir stehen vielleicht auch mit der Frau am Opferkasten und geben Gott, dem gnädigen Vater im Himmel, von dem zurück, was uns geschenkt wurde.

 

Amen.

 

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Pastor Günter Loos

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                               Gebt Ihr ihnen zu essen                                          

                       Predigtimpulse zu Johannes 6, 1-15

                  für den 7. Sonntag nach Trinitatis / 31. Juli 2022

 

Liebe Lesende,

 

chaotisch sah es aus, als ich zur Vorbereitung unseres Detmolder OASE-Treffs in den Raum kam. Die Tische waren belegt von den Köchinnen, die das Gemüse für den Reissalat schnippelten. Auf den Kochplatten wurde gebraten und bald würden die ersten Gäste kommen. Doch alles klappte auch an diesem Abend. Das Kochteam zog in die Küche um. Die Tische wurden dekoriert und pünktlich, als die ersten Gäste kamen, war der Raum aufgeräumt und bald auch vom guten Geruch des frisch gekochten Abendessens erfüllt.

Seit vielen Jahren wollen diese Donnerstagabende in der Detmolder Immanuelkirche eine Aufforderung Jesu mit Leben füllen, die ganz einfach daherkommt: „Gebt ihr Ihnen zu essen!“ (Markus 14,16)

 

Der Evangelist Johannes erzählt die Geschichte, die zu diesem Wort Jesu gehört, so:

6.1Bald darauf ging Jesus ans andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias genannt wird. 2Eine große Menschenmenge folgte ihm. Denn sie hatten die Zeichen gesehen, die er an den Kranken tat. 3Jesus stieg auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. 4Es war kurz vor dem Passafest, dem großen Fest der Juden.

5Jesus blickte auf und sah, dass die große Menschenmenge zu ihm kam. Da sagte er zu Philippus: »Wo können wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?« 6Das sagte er aber, um Philippus auf die Probe zu stellen. Er selbst wusste längst, was er tun wollte. 7Philippus antwortete: »Nicht einmal Brot für 200 Silberstücke reicht aus, dass jeder auch nur ein kleines Stück bekommt!« 8Da sagte einer seiner Jünger – Andreas, der Bruder von Simon Petrus: 9»Hier ist ein kleines Kind. Es hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon für so viele Menschen?« 10Jesus sagte: »Sorgt dafür, dass die Menschen sich setzen.« Der Ort war dicht mit Gras bewachsen. Dort ließen sie sich nieder, es waren etwa 5000 Männer.

11Jesus nahm die Brote und dankte Gott. Dann verteilte er sie an die Leute, die dort saßen. Genauso machte er es mit den Fischen. Alle bekamen, so viel sie wollten. 12Als sie satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt.« 13Das taten sie und füllten zwölf Körbe mit den Resten von den fünf Gerstenbroten. So viel war nach dem Essen übriggeblieben. 14Als die Leute sahen, was für ein Zeichen Jesus getan hatte, sagten sie: »Er ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll!« 15Da merkte Jesus, dass sie bald kommen würden, um ihn mit Gewalt zu ihrem König zu machen. Darum zog er sich wieder auf den Berg zurück – er ganz allein.

(Text aus Johannes 6, 1-15 nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Das Wunder ist nicht wichtig. Es passiert.

Der Evangelist Johannes schreibt, mit wenig Pathos garniert, einfach auf, was passiert. Alle Leute, die da sind, werden satt. Auch die anderen biblischen Evangelien sind sich mit Johannes einig, dass es vielleicht einige tausend Menschen gewesen sein könnten, die nach diesem Abend nicht hungrig nach Hause gegangen sind. Doch nicht die technischen Details dieser Nahrungsmittelverteilung sind für die biblischen Erzähler wichtig, sondern das Ergebnis, dass es am Ende für alle gereicht hat. Das Wunder der Brotvermehrung passiert einfach.

Weil bis heute diese Geschichte ohne die Ausschmückungen zum unerklärlichen Wunder lesen oder erzählt bekommen, bleiben Fragen übrig, die gar nicht so viel mit dem Wunder selbst zu tun haben:

  • Wieso diskutieren Philippus und Andreas mit Jesus darüber, ob man selbst etwas machen kann, wenn so viele Menschen hungrig sind?

  • Beim genaueren Nachdenken erinnert sich Andreas an das Kind mit den fünf Broten und den beiden Fischen. Warum werden die übersehen, die vielleicht den Schlüssel für die Nothilfe in der Hand halten?

  • Jesus dankt Gott für die Gaben, die man hat. Ob dieses Gebet vor dem Verteilen und dem gemeinsamen Essen nicht zu oft zu einem gedankenlosen Ritual verflacht?

  • Was übrig bleibt, füllt die Körbe für die nächste Mahlzeit. Warum vertrauen wir nicht darauf, dass Gott auch morgen und übermorgen genug zum Leben gibt?

Wir brauchen den Blick für die großen und kleinen Wunder, die Gott schenkt, damit wir die richtigen Fragen stellen. Denn kein Mensch, der Jesus begegnet und ihm nahekommt, wird hungrig nach Hause gehen. Glaubst Du das – auch für Dich und Dein Leben?

 

Wenn die Glaubensampel von Rot auf grün umspringt…1

Philippus sieht rot, als die Frage nach dem Abendessen für alle auftaucht.

Nüchtern zählt er nach, was eine Volksspeisung für diese Menschenmasse kosten würde und bilanziert: so eine Hilfsaktion können wir mit unseren wenigen Rücklagen nicht bezahlen. Das kann so nicht klappen. Er hört den Auftrag Jesu, aber seine Fragen und Bedenken bringen ihn dazu, stehen zu bleiben, wo er schon vorher stand.

Man müsste doch erst mal…“

Frieden schaffen zwischen Russland und der Ukraine, damit die Weizensilos den Hunger in Afrika stillen können. Aber wie?

die Klimaerwärmung unterbrechen, damit nicht in weiten Teilen der Welt immer weniger fruchtbare Felder bebauen wird. Aber wie?

die Weltwirtschaftsordnung gerechter organisieren, damit die Armen gleichberechtigt an den Ressourcen dieser Welt partizipieren können. Aber wie?

Bis heute stehen engagierte und kluge Menschen mit Philippus da, resignieren vor den schier nicht zu lösenden Problemen und tuen nichts.

Andreas sieht etwas gelb auf seiner inneren Glaubensampel, als er sich an das Kind und seine Fische und Brote erinnert. Immerhin, es gibt jemand hier, der noch teilen könnte. Doch auch seine Skepsis, ob das schon helfen könnte, ist ist groß: Wie soll so wenig so viele satt machen?

Das ist doch nur der Tropfen auf dem heißen Stein,“ hört man immer wieder Leute sagen.

Jesus erzählt an anderer Stelle die Geschichte von dem barmherzigen Samariter, der nicht die Welt verändert, aber der dem einen Menschen hilft. Für diesen Menschen ändert der hilfreiche Nächste alles.

Wir sehen in unserer Gemeindearbeit immer wieder nur die wenigen Menschen, die wir mit unserer Arbeit erreichen können. Viele bleiben am Sonntagmorgen zu Hause oder können mit der Einladung in die Kirche nichts anfangen. Doch einige kommen und lassen sich berühren von dem, was Gottes Liebe und Gnade durch Gottesdienst, Musik und Gespräche anstößt. Für die, die dies erleben, wächst das persönliche Vertrauen auf Gottes Güte und die Zuversicht, dass das Leben für mich und andere gelingen kann.

 

Brot für die Welt ruft in diesen Wochen auf, alles für die Linderung des Hungers z.B. in Somalia zu tun. Unsere Spende für die christlichen Hilfswerke und das gemeinsame Kochen, Essen und Teilen stellen die Glaubensampel auf grün und wir tun, was Jesus seinen Freunden aufgetragen hat.

Keinen Hunger zu habe, ist Friede.

 

Jörg Zink hat mal beschrieben wie das aussehen kann, wenn der Hunger von Menschen gestillt wird:

Wenn wir sagen:

´Unser täglich Brot´ meinen wir alles, was wir brauchen, um in Frieden zu leben.

Brot ist Friede.

 

Essen können, statt zu hungern, ist Friede.

 

Trinken können, statt zu dürsten, es warm zu haben, statt zu frieren, ist Friede.

 

Schutz finden in einem Haus, arbeiten können und seine Kräfte einsetzen dürfen, das ist Friede, ist tägliches Brot.“2

 

Amen.

 

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1 Diese Auslegungsidee hat Cornelia Trick, die viele Jahre in den EmK-Gemeinden im Taunus gearbeitet hat und die vor einigen Monaten verstorben ist, 2006 zu Johannes 6, 1-15 entwickelt.

2 Jörg Zink, Wie wir beten können, Kreuz Verlag, Stuttgart 1970, S. 244

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                                  Du sollst ein Segen sein                                      

                         Predigtimpulse zu 1. Mose 12, 1-4

               für den 5. Sonntag nach Trinitatis / 17. Juli 2021

 

Der Text: 1. Mose 12, 1-4

 

Abrams Berufung und Zug nach Kanaan

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.

 

 

Liebe Lesende,

 

die Bibel öffnet am Anfang in ihren Erzählungen zwei große Themenlinien:

  • Elf Kapitel lang wird beschrieben, was Gott alles gut gemacht hat und warum die Dinge nun überhaupt nicht mehr gut sind - ...ob es um die Schöpfung geht, ob es um die Beziehung zwischen Gott und Mensch, oder zwischen Brüdern oder um Völker untereinander geht. Die Bibel sucht nach Antworten, wie das Leben wieder so erlöst wird, dass alles gut ist.

  • Und dann beginnt die Geschichte einer langen Reise. Gott ist mit Abraham, mit den Kindern, Enkeln und Urenkeln und schließlich seinem Volk unterwegs. Diese Reise des Glaubens erzählt von vielen ganz einfachen und auch sehr ungewöhnlichen Menschen, sie dauert über viele Generationen und mit der Geschichte der Kirche und der Gemeinde Jesu hat sie bis zu uns hin heute noch kein Ende gefunden.

Diese Erzählstränge führen uns als Bibellesende zu Fragen, die man sehr unterschiedlich bewerten kann. Die ersten Kapitel fragen nach unserer Verantwortung für das Leben. Was tue ich, wenn ich an Gott, der Schöpfung und meinem Nächsten schuldig geworden bin?

Jesus nimmt diese Frage später auf und erzählt die Geschichte zweier Brüder. Einer will das ganze Leben gewinnen und landet am Ende bei den Schweinen. Der andere geht „auf Nummer sicher“ und verliert keinen Tag seines Lebens die liebende Gegenwart seines Vaters. Doch als der eine umkehrt, freut sich der Vater und feiert ein Fest. Schuld braucht Umkehr – dass ist das große Thema der jüdisch-christlichen Glaubenstradition.

Doch daneben zieht sich das zweite Thema durch die Texte der Bibel.

Hier lautet die Frage: was ist das Ziel unserer Lebensreise? Warum gehen wir los, warum wagen wir den Weg in das Unbekannte? Eine Antwort auf diese existenziellen Fragen gibt die Geschichte von Abrahm: „Du sollst ein Segen sein.“ (V.2)

 

Man erlebt, dass die Dinge sich verändern. Gewohntes wird einem fremd und man erkennt es nicht wieder. Einige kommen ins Grübeln darüber, was sie an Veränderungen schon erlebt haben und ob sie die nächste Herausforderung, die auf einen wartet, noch schaffen werden. Wer solche Gedanken kennt, der oder die ist dort angekommen, wo Abraham als älterer Mensch von Gott angesprochen wird.

Abraham fragt nicht, was er alles ändern muss, um neu Gottes Gnade und Liebe zu erfahren, er hört den Ruf zum aufbrechen und losgehen, und fragt nur: warum?

 

1. Die Spannung von Verheißung und Segen ordnet unseren Lebensweg

Der christliche Autor Jörg Ahlbrecht schreibt in einem seiner Bücher:

In einem Umfeld, in dem Schmerzvermeidung das höchste Gut ist, hat Veränderung kaum eine Chance. Es sei denn, wir finden etwas, das stärker ist als der Impuls zur Schmerzvermeidung. Wir brauchen etwas, das uns dazu motiviert, zeitlich begrenzte Schmerzen in Kauf zu nehmen, weil etwas Besseres auf uns wartet.1

In diesen Gedanken ist die Antwort auf die Frage versteckt, warum man losgeht:

man erwartet das „Bessere“. Die Bibel nennt die Erwartung dieses „Besseren“ eine Verheißung.

 

Lassen Sie mich ein wenig aus meiner Familiengeschichte erzählen.

Drei meiner Onkels und eine Tante wohnen heute weit weg, weil sie vor 50-60 Jahren etwas getan haben, was ihnen damals nur logisch erschien. Sie lebten als Junge Menschen in Westberlin und litten am Leben in einer eingemauerten Stadt. Es gab Mauern im Norden, im Süden, im Osten, im Westen und die große freie Welt begann nach der Reise hinter der Transitzone irgendwo bei Helmstedt oder in der Lüneburger Heide.

Sie gaben alles auf, stellten die entsprechenden Anträge und wanderten nach Kanada aus, um ihr Glück zu finden. Erst der älteste Bruder, dann die zweitälteste Schwester, kurze Zeit später der jüngste Bruder und schließlich der jüngste Cousin der Geschwister.

In Kanada wartet die Zukunft, glaubten sie. Was sie von diesem Land wussten, klang für sie nach einer Verheißung. Sie bauten sich jede und jeder für sich ein interessantes Leben auf. Meine Tante sagte das einmal: Gott segnete uns bei aller Arbeit, die wir tun mussten.

 

Heute sind meine Onkels und meine Tante alt geworden und fragen sich in Krankheits-Erfahrung oder nach dem Tod des Ehepartners:

  • Hat sich die Lebensreise über zwei Kontinente hinweg „gelohnt“? Haben sich die eigenen Träume erfüllt?

Verheißung ist das Wissen um die gute Zukunft meines Lebens.

Segen ist die Erfahrung, dass ich nicht allein unterwegs bin. Doch Verheißung muss immer wieder neu für das eigene Leben übersetzt werden. Verheißung und empfangener Segen schaffen den Raum, wo die Sehnsucht lebendig bleibt, dass die eigene Lebensreise ein Ziel finden wird.

 

2. ...und wie werde ich zum Segen?

Eine Gemeinde ist ein lebendiger Organismus.

Viele teilen ein langes Leben mit der Gemeinde und Kirche und sind Teil dieses lebenden Gebildes. Man lässt sich gemeinsam auf Aktionen und Projekte ein. Überraschende Wirkungen gehen vom kirchlichen Engagement aus und man spricht dann mit Recht von Wundern. Aus Kinder und jungen Menschen, die in der Kirche geschult wurden, werden qualifizierte und engagierte Mitarbeitende in ganz unterschiedlichen Aufgaben.

Immer wieder kamen und kommen Menschen als Fremde, Aussiedler, Neubürger oder Flüchtlinge in diese Gemeinschaft hinein und finden ihren Platz. Viel Liebe und Arbeit wird für ganz unterschiedliche Persönlichkeiten eingesetzt, damit jemand in der Gemeinde ankommen kann.

In vielfältiger Weise wird Kirche für Menschen zu einem Segen und Menschen werden in der praktischen Arbeit der Gemeinde zu einem Segen für andere.

Wissen Sie schon oder ahnen Sie, wo Sie in diesem Jahr ein Segen für andere sind, privat oder in ihrer Kirchengemeinde?

Segen ist ein leicht verderbliches Gut und lässt sich schlecht in Dosen oder Dateien konservieren und für die Zukunft auf Vorrat hin speichern oder lagern.

Segen brauchen wir zeitnah und konkret.

Segen können wir nur zeitnah und konkret weitergeben.

 

Eine Frau hatte vor einigen Jahren beschlossen, mit allem Schluss zu machen und Abschied zu nehmen. Doch sie ging noch mal in den Gottesdienst, auch wenn sie keine Erwartungen mehr an das hatte, was sie da hören würde.

Nach dem Gottesdienst spricht sie den Pastor an:

Was haben sie da gesagt, am Ende, dieses: Der Herr segne dich, …behüte Dich, …schenke Dir Frieden? Was ist das?“

Diese Worte des Segens öffneten die Tür für ein längeres Gespräch und holten die Frau zurück ins Leben.

 

Gottes Segen schenkt uns die Schlüssel für die Situationen und Erfahrungen, in denen wir am Ziel unserer Lebensreise zweifeln. Im Segenswort hören wir, wer da auf dieser Reise mit uns unterwegs ist: Gott.

 

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage ° Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

 

1 Jörg Ahlbrecht, Dem leben Flügel geben. …, 2017 Witten, S. 52

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                              Es jetzt besser machen…                                     

                     Predigtimpulse zu Johannes 8, 3-11

              für den 4. Sonntag nach Trinitatis / 10. Juli 2022

 

Der Text

 

2Früh am Morgen kehrte er zum Tempel zurück. Das ganze Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte sie.

3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch überrascht worden war. Sie stellten sie in die Mitte 4und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau da wurde auf frischer Tat beim Ehebruch überrascht. 5Im Gesetz schreibt uns Mose vor, solche Frauen zu steinigen. Was sagst nun du dazu?«

6Das fragten sie, um ihn auf die Probe zu stellen und dann anklagen zu können. Aber Jesus beugte sich nur nach vorn und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein auf sie werfen!«

8Dann beugte er sich wieder nach vorn und schrieb auf die Erde.

9Als sie das hörten, ging einer nach dem anderen fort, die Älteren zuerst. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die immer noch dort stand.

10Er richtete sich auf und fragte: »Frau, wo sind sie? Hat dich niemand verurteilt?« 11Sie antwortete: »Niemand, Herr.« Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Geh, und lad von jetzt an keine Schuld mehr auf dich.«

(Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Liebe Lesende,

 

es ist noch kühl, auch im sommerlichen Palästina.

Nur wenige sind schon unterwegs an diesem Morgen. Jesus gehört zu diesen Frühaufstehern. Vielleicht freute er sich auf die Stille und das Gebet, als er sich einen Platz zum Sitzen im Tempelvorhof suchte. Doch einige Männer, die als fromme Eiferer bekannt waren sahen ihn und brachten eine Frau zu ihm. Es ist vorbei mit der andächtigen Stille an diesem Morgen. Der Maler Guercino hat im 17. Jahrhundert diese Episode gemalt und seine Jesusfigur hat nur den Ankläger im Blick. Man sieht den Figuren seines Bildes an, wie sich diese Geschichte als ein Kampf zwischen Jesus und den Anklägern der Frau erzählen ließe.

Doch die Geschichte, die wir lesen, hat eine andere Dynamik.

Jesus bleibt ruhig. Er bleibt sitzen und malt im Sand. Vermutlich schaut er den aufgeregten Männern mit ihren finsteren Mordgedanken gar nicht in die Augen. Die Aufregung und die Spannung verfliegen. Kein Wort von Jesus darüber, was die Frau ohne Namen getan hat. Am Ende gibt es eine kurze Ermahnung an die Frau, die Fehler, die sie gemacht hat, nicht zu wiederholen und es nun besser zu machen.

Die Episode im Tempelvorhof erzählt zwei Geschichten: die von Männern, die für ihr Idealbild von Ehe und Treue mit ihren religiösen Überzeugungen kämpfen, und die von einer Frau, die schuldig geworden ist und nun zu ihrer Schuld stehen muss. Auch wenn die Ankläger eine in der damaligen Rechtsprechung bekannte Position beziehen, so gehört die Pointe der Geschichte der Frau. Die Episode endet bei der Frage, wie es für die Frau einen Ausweg in ihrer Situation geben kann.

Jesus hat kein Interesse an dem Streben der frommen Eiferer nach moralischer Perfektion um jeden Preis. Doch er öffnet die Tür für einen Neuanfang denen, die an den öffentlichen und vermutlich auch an ihren eigenen Maßstäben für ein gutes Leben gescheitert sind.

 

Ohne Schuld?

Die Gemeinde Jesu hat sich erst spät entschieden, die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin im Tempel aufzuschreiben. In vielen sehr frühen Bibelabschriften findet man diese Episode noch nicht. Es könnte Diskussionen darüber gegeben haben, ob das wirklich alles so passiert ist. Doch es ist gut, dass diese Geschichte weitererzählt wurde und wir sie immer noch in unserer Bibel nachlesen können. Denn sie hält jedem Leser und jeder Leserin einen Spiegel vor, in den man allerdings nur ungerne hineinsieht.

 

Man liest in dieser Episode nichts von der konkreten Tat der Frau und darüber, wie sich der Ehebruch entwickelt hat. Warum wird der Ehebrecher nicht erwähnt? Litt die Frau an ihrer Ehe oder wurde sie vom Ehebrecher zu ihrem Vergehen verführt oder gezwungen?

Auch die Personen, die als Ankläger auftreten, bleiben anonym. Waren das gestandene Väter und Ehemänner? Haben hier junge Männer einer Frau nachspioniert, die selbst gerne mal mit dieser Frau etwas angefangen hätten?

Was Jesu da im Sand gemalt oder geschrieben hat, könnte auch interessant sein zu wissen.

Doch diese Details und Erklärungen würden uns als Zuhörer von dem entscheidenden Satz ablenken, den Jesus spricht: „Wer (…von Euch) ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.“

Jesus entlarvt mit diesem Satz die Selbstgerechtigkeit und die Überheblichkeit der Ankläger, die ihm eine moralische Falle stellen wollen. Nur wer sich daran erinnert, wo er selbst einem anderen und einer anderen gegenüber untreu geworden ist, mag ein gerechtes und verantwortliches Urteil über die Angeklagten sprechen. Die Erfahrung zeigt damals und heute: wer sein schuldig-geworden-sein ernst nimmt, eignet sich nicht mehr zum Ankläger, der für jemand anderes eine harte Bestrafung fordert.

Die frühen Christen wollten vorbildlich leben und setzten sich selbst strenge moralische Maßstäbe. Darum musste immer wieder an die Begegnung Jesu mit der Frau im Tempel erinnert werden: niemand kann vor Gott und seinen Mitmenschen treten und behaupten, selbst ohne Schuld und fehlerfrei dazustehen. Wir verteidigen mit Recht die Treue in unseren Lebensbeziehungen und die Wertschätzung für jeden, dem wir begegnen, und wir wissen dabei, wie oft unser eigener Anspruch und das, was wir tun, nicht zusammenpassen.

Jesus verurteilte die Frau damals nicht und hätte auch heute für uns keine andere Antwort, als die, die er der Frau gab: mach es besser und werde anderen gegenüber nicht mehr schuldig.

 

Eine neue Chance…

Die Fehler der Frau werden von Jesus nicht entschuldigt oder zum Bagatelldelikt umgedeutet. Was nicht hätte passieren dürfen, aber passiert ist, bleibt ein Verstoß gegen eine gute und sinnvolle Ordnung. Da lässt Jesus in seiner Reaktion keinen Spielraum für Interpretationen. Doch er stellt das, was als Ordnung gilt, nicht über die Rettung eines Menschen aus der Todeszone.

 

Die gute Nachricht, die sich so eng mit der Person Jesu verbindet, ist der Glaube daran, dass Gottes Liebe auch schlimmes Scheitern im Leben und alles schuldig-werden an anderen überwinden kann. Gott will das Leben und ruft die, die dem inneren gestorben-sein und dem Tod ins Auge schauen, zurück ins Leben.

Wenn wir heute immer noch von der Frau im Tempel reden, dann dürfen wir der Frau unseren eigenen Namen geben:

Ich werde von anderen angeklagt, und sie haben recht mit dem, was sie mir vorwerfen.

Ich bringe mich mit meinen Verhaltensweisen in Distanz zu anderen. Sie haben recht, wenn sie das nicht tolerieren.

Ich werde an jemand anderem schuldig.

 

Doch bei Gott werden wir nicht auf unsere Schuld festgelegt und dürfen uns ändern.

Darum spricht Jesus seinen zweiten Satz immer noch bis heute Ihnen und mir zu:

»Ich verurteile dich nicht. Geh, und lade von jetzt an keine Schuld mehr auf dich.«

Amen

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

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od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

 

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                             Es jetzt besser machen…                                       

                      Predigtimpulse zu Johannes 8, 3-11

              für den 4. Sonntag nach Trinitatis / 10. Juli 20221

 

Der Text

 

2Früh am Morgen kehrte er zum Tempel zurück. Das ganze Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte sie.

 

3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch überrascht worden war. Sie stellten sie in die Mitte 4und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau da wurde auf frischer Tat beim Ehebruch überrascht. 5Im Gesetz schreibt uns Mose vor, solche Frauen zu steinigen. Was sagst nun du dazu?«

 

6Das fragten sie, um ihn auf die Probe zu stellen und dann anklagen zu können. Aber Jesus beugte sich nur nach vorn und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein auf sie werfen!«

8Dann beugte er sich wieder nach vorn und schrieb auf die Erde.

9Als sie das hörten, ging einer nach dem anderen fort, die Älteren zuerst. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die immer noch dort stand.

10Er richtete sich auf und fragte: »Frau, wo sind sie? Hat dich niemand verurteilt?« 11Sie antwortete: »Niemand, Herr.« Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Geh, und lad von jetzt an keine Schuld mehr auf dich.«

(Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Liebe Lesende,

 

es ist noch kühl, auch im sommerlichen Palästina.

Nur wenige sind schon unterwegs an diesem Morgen. Jesus gehört zu diesen Frühaufstehern. Vielleicht freute er sich auf die Stille und das Gebet, als er sich einen Platz zum Sitzen im Tempelvorhof suchte. Doch einige Männer, die als fromme Eiferer bekannt waren sahen ihn und brachten eine Frau zu ihm. Es ist vorbei mit der andächtigen Stille an diesem Morgen. Der Maler Guercino hat im 17. Jahrhundert diese Episode gemalt und seine Jesusfigur hat nur den Ankläger im Blick. Man sieht den Figuren seines Bildes an, wie sich diese Geschichte als ein Kampf zwischen Jesus und den Anklägern der Frau erzählen ließe.

 

Doch die Geschichte, die wir lesen, hat eine andere Dynamik.

Jesus bleibt ruhig. Er bleibt sitzen und malt im Sand. Vermutlich schaut er den aufgeregten Männern mit ihren finsteren Mordgedanken gar nicht in die Augen. Die Aufregung und die Spannung verfliegen. Kein Wort von Jesus darüber, was die Frau ohne Namen getan hat. Am Ende gibt es eine kurze Ermahnung an die Frau, die Fehler, die sie gemacht hat, nicht zu wiederholen und es nun besser zu machen.

 

Die Episode im Tempelvorhof erzählt zwei Geschichten: die von Männern, die für ihr Idealbild von Ehe und Treue mit ihren religiösen Überzeugungen kämpfen, und die von einer Frau, die schuldig geworden ist und nun zu ihrer Schuld stehen muss. Auch wenn die Ankläger eine in der damaligen Rechtsprechung bekannte Position beziehen, so gehört die Pointe der Geschichte der Frau. Die Episode endet bei der Frage, wie es für die Frau einen Ausweg in ihrer Situation geben kann.

 

Jesus hat kein Interesse an dem Streben der frommen Eiferer nach moralischer Perfektion um jeden Preis. Doch er öffnet die Tür für einen Neuanfang denen, die an den öffentlichen und vermutlich auch an ihren eigenen Maßstäben für ein gutes Leben gescheitert sind.

 

Ohne Schuld?

Die Gemeinde Jesu hat sich erst spät entschieden, die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin im Tempel aufzuschreiben. In vielen sehr frühen Bibelabschriften findet man diese Episode noch nicht. Es könnte Diskussionen darüber gegeben haben, ob das wirklich alles so passiert ist. Doch es ist gut, dass diese Geschichte weitererzählt wurde und wir sie immer noch in unserer Bibel nachlesen können. Denn sie hält jedem Leser und jeder Leserin einen Spiegel vor, in den man allerdings nur ungerne hineinsieht.

 

Man liest in dieser Episode nichts von der konkreten Tat der Frau und darüber, wie sich der Ehebruch entwickelt hat. Warum wird der Ehebrecher nicht erwähnt? Litt die Frau an ihrer Ehe oder wurde sie vom Ehebrecher zu ihrem Vergehen verführt oder gezwungen?

Auch die Personen, die als Ankläger auftreten, bleiben anonym. Waren das gestandene Väter und Ehemänner? Haben hier junge Männer einer Frau nachspioniert, die selbst gerne mal mit dieser Frau etwas angefangen hätten?

Was Jesu da im Sand gemalt oder geschrieben hat, könnte auch interessant sein zu wissen.

 

Doch diese Details und Erklärungen würden uns als Zuhörer von dem entscheidenden Satz ablenken, den Jesus spricht: „Wer (…von Euch) ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.“

 

Jesus entlarvt mit diesem Satz die Selbstgerechtigkeit und die Überheblichkeit der Ankläger, die ihm eine moralische Falle stellen wollen. Nur wer sich daran erinnert, wo er selbst einem anderen und einer anderen gegenüber untreu geworden ist, mag ein gerechtes und verantwortliches Urteil über die Angeklagten sprechen. Die Erfahrung zeigt damals und heute: wer sein schuldig-geworden-sein ernst nimmt, eignet sich nicht mehr zum Ankläger, der für jemand anderes eine harte Bestrafung fordert.

 

Die frühen Christen wollten vorbildlich leben und setzten sich selbst strenge moralische Maßstäbe. Darum musste immer wieder an die Begegnung Jesu mit der Frau im Tempel erinnert werden: niemand kann vor Gott und seinen Mitmenschen treten und behaupten, selbst ohne Schuld und fehlerfrei dazustehen. Wir verteidigen mit Recht die Treue in unseren Lebensbeziehungen und die Wertschätzung für jeden, dem wir begegnen, und wir wissen dabei, wie oft unser eigener Anspruch und das, was wir tun, nicht zusammenpassen.

 

Jesus verurteilte die Frau damals nicht und hätte auch heute für uns keine andere Antwort, als die, die er der Frau gab: mach es besser und werde anderen gegenüber nicht mehr schuldig.

 

Eine neue Chance…

Die Fehler der Frau werden von Jesus nicht entschuldigt oder zum Bagatelldelikt umgedeutet. Was nicht hätte passieren dürfen, aber passiert ist, bleibt ein Verstoß gegen eine gute und sinnvolle Ordnung. Da lässt Jesus in seiner Reaktion keinen Spielraum für Interpretationen. Doch er stellt das, was als Ordnung gilt, nicht über die Rettung eines Menschen aus der Todeszone.

 

Die gute Nachricht, die sich so eng mit der Person Jesu verbindet, ist der Glaube daran, dass Gottes Liebe auch schlimmes Scheitern im Leben und alles schuldig-werden an anderen überwinden kann. Gott will das Leben und ruft die, die dem inneren gestorben-sein und dem Tod ins Auge schauen, zurück ins Leben.

 

Wenn wir heute immer noch von der Frau im Tempel reden, dann dürfen wir der Frau unseren eigenen Namen geben:

Ich werde von anderen angeklagt, und sie haben recht mit dem, was sie mir vorwerfen.

Ich bringe mich mit meinen Verhaltensweisen in Distanz zu anderen. Sie haben recht, wenn sie das nicht tolerieren.

Ich werde an jemand anderem schuldig.

 

Doch bei Gott werden wir nicht auf unsere Schuld festgelegt und dürfen uns ändern.

Darum spricht Jesus seinen zweiten Satz immer noch bis heute Ihnen und mir zu:

»Ich verurteile dich nicht. Geh, und lade von jetzt an keine Schuld mehr auf dich.«

 

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage ° Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

 

1 Bildnachweis: siehe Wikipedia “Jesus und die Sünderin“ (Dt.); 2005-09-01 22:37 Wetman 600×472× (73405 bytes) 'Christ and the Woman taken in adultery" by [[Guercino]], 1621, [[Dulwich Art Gallery]]

 

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                                Lazarus sehen lernen                                            

                       Predigtimpulse zu Lukas 16, 19-31

                  für den 1. Sonntag nach Trinitatis / 19. Juni 2022

 

Der Predigttext: Der Reiche und der arme Lazarus

 

19»Einst lebte ein reicher Mann. Er trug einen Purpurmantel und Kleider aus feinstem Leinen. Tag für Tag genoss er das Leben in vollen Zügen. 20Aber vor dem Tor seines Hauses lag ein armer Mann, der Lazarus hieß. Sein Körper war voller Geschwüre. 21Er wollte seinen Hunger mit den Resten vom Tisch des Reichen stillen. Aber es kamen nur die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.

22Dann starb der arme Mann, und die Engel trugen ihn in Abrahams Schoß. Auch der Reiche starb und wurde begraben. 23Im Totenreich litt er große Qualen. Als er aufblickte, sah er in weiter Ferne Abraham und Lazarus an seiner Seite. 24Da schrie er: ›Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir! Bitte schick Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt. Ich leide schrecklich in diesem Feuer!‹

25Doch Abraham antwortete: ›Kind, erinnere dich: Du hast deinen Anteil an Gutem schon im Leben bekommen –genauso wie Lazarus seinen Anteil an Schlimmem. Dafür findet er jetzt hier Trost, du aber leidest. 26Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Abgrund. Selbst wenn jemand wollte, könnte er von hier nicht zu euch hinübergehen. Genauso kann keiner von dort zu uns herüberkommen.‹

27Da sagte der Reiche: ›So bitte ich dich, Vater: Schick Lazarus doch wenigstens zu meiner Familie.28Ich habe fünf Brüder. Lazarus soll sie warnen, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen!‹ 29Aber Abraham antwortete: ›Sie haben doch Mose und die Propheten: Auf die sollen sie hören!‹ 30Der Reiche erwiderte: ›Nein, Vater Abraham! Nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie ihr Leben ändern.‹

31Doch Abraham antwortete: ›Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören –dann wird es sie auch nicht überzeugen, wenn jemand von den Toten aufersteht.‹« Durch ihn besteht alles und in ihm hat alles sein Ziel. Denn er regiert in Herrlichkeit für immer. Amen.

(Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Liebe Lesende,

 

für viele Jahre hatte ich in Heidi Uffmann eine verlässliche Beraterin, wenn es um Lazarus in dieser Welt ging. Sie ist selbst familiär in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und kannte Kinderheime aus eigener Erfahrung. Sie hatte eine Ausbildung als Krankenschwester und gehört zum Bund der Bethesda-Diakonissen in Wuppertal.

Immer wieder nahm sie sich die Freiheit, bei Planungen von Aktionen und in der praktischen Arbeit mit Kindern deutlich zu sagen, was man so nicht machen darf. Sie redete nicht von Kindern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens groß wurden, sie fühlte mit den Kindern, die so lebten, und versteckte ihre eigenen Erfahrungen nicht.

 

Wenn ich und Sie heute Menschen kennenlernen, die wie Lazarus in der biblischen Legende leben, dann brauchen wir oft Hilfe von denen, die unseren Lazarus besser kennen als wir selbst. Menschen, die heute wie Lazarus unter uns leben, verstecken in der Regel ihre wirtschaftliche und persönliche Lebenssituation. Den niemand will immer wieder nur auf seine wirtschaftliche oder gesundheitliche Not reduziert werden. Ein Leben ist mehr als das, was man äußerlich bei jemandem sieht. Jesus nimmt seine Zuhörerenden mit dieser Legende über Reiche und Arme mit dahin, wo wir selbst üben müssen, mehr zu sehen, als nur die Defizite und die Armut bei anderen.

Gleichzeitig erzählt Jesus mit der Lazarus-Geschichte ein provozierendes Gleichnis für die, die wissen, dass sie etwas ändern müssen, aber dann doch so weitermachen, wie sie es immer gemacht haben.

Was muss passieren, damit Menschen Gottes anbrechendes Himmelreich, seine große Güte und Gnade mit jedem Geschöpf auf dieser Welt, sehen lernen?

 

Der Abraham im Gleichnis behauptet:

Reden wird nichts bringen, denn es ist doch alles schon gesagt!

Mit dem Hinsehen fängt es an

 

Ich habe mich immer wieder über die Lazarus Geschichte geärgert, weil sie kein gutes Ende findet.

Die Pointe der Geschichte lautet ja: Wer heute die gute Nachricht Gottes für die vielen Menschen wie Lazarus in dieser Welt nicht hören will, bekommt keine zweite Chance.

Doch ausgerechnet die zweite Chance spielt bei Jesus in anderen Begegnungen oft eine entscheidende Rolle:

Petrus bekommt seine zweite Chance nachdem er seine innere Schuld erkennt, während er der Predigt Jesu auf seinem Boot zugehört hatte.

Zachäus bekommt seine zweite Chance während Jesus bei ihm zu Gast ist.

Saulus bekommt seine Chance und wird zum Paulus.

 

Warum endet die Geschichte vom reichen Mann, der Lazarus übersehen hatte, bei Jesus anders?

Jesus erzählt diese Geschichte so, wie er sie erzählt, weil wir hier nicht von etwas hören, was am Anfang unseres Weges mit ihm steht. Er prangert eine Ignoranz und Blindheit an, die Christen und Christinnen auch nach einem langen Weg mit ihm befällt:

Man sieht nicht hin, wenn man Lazarus im Alltag begegnet.

 

Für Jesus wird im Leben mit denen, die wenig haben, die im Leben Pech hatten oder die Fehlentscheidungen bitter über viele Jahre ihres Lebens durchleiden müssen, sichtbar, wie viel innere Demut, wie viel Liebe und wie viel Geduld und Gnade uns Gott schenkt.

 

Es geht ihm nicht um mehr organisierte Sozialarbeit unter den Christen. Die Pflicht zur Hilfe für Arme war auch zur Zeit Jesu eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit und kein Zeichen besonderer Frömmigkeit:

Arme wird es immer bei euch geben,...” sagt Jesus.

Doch der Satz geht weiter: “…mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch.”2

 

Wenn Jesus in seiner Gemeinde lebt, dann ist uns nicht die gute Tat wichtig, sondern der Mensch, in dem uns Christus als Bruder und Freund der Armen begegnet.

 

Gemeinsame Regeln und Ordnungen mit denen buchstabieren, die wenig haben

Christen haben immer wieder überlegt, wie man Menschen gut in die Gemeinde aufnehmen kann.

In den frühen Jahren wurde in der methodistischen Bewegung Geld in den Versammlungen gesammelt, nicht um Prediger oder Pastoren zu bezahlen oder Kirchen zu bauen, sondern um denen helfen zu können, die weniger Glück gehabt haben, wie man selbst. Für die Unterstützung der Predigenden und den Bau der Kapellen zahlte man seinen regelmäßigen Mitgliedsbeitrag. Doch die Kollekte in den Versammlungen sollte den Armen helfen.

Gemeinde braucht die, die mit wenig in die Gemeinde kommen, damit man gemeinsam entscheiden kann, wie einem „Lazarus“ gut geholfen werden kann.

In der Mitte von Berlin haben wir vor über 25 Jahren in einer Gemeinde angefangen, Menschen wie den biblischen Lazarus in die Kirche einzuladen. Diese Arbeit leitete Heidi Uffmann über viele Jahre. Die Lazarusse, die in die Kirche kamen, waren Kinder, die im Stadtteil auf der Straße und in sehr armen Familien wohnten. Schwester Heidi erzählte, als die Arbeit erst begonnen hatte, von einem 10-jährigen Mädchen, die noch nie in ihrem Leben in die Schule gegangen war. Sie lebte mit ihren Eltern als Flüchtlingskind aus dem Süden Europas illegal in Berlin. Im Winter kam sie immer ohne Strümpfe in den Kindertreff der Kirche. Das Mädchen trug keine Strümpfe, weil ihre Eltern mitten im reichen Berlin nicht mal das Geld hatten, um warme Sachen für die Kinder zu kaufen.

 

Eine Erfahrung aus der Arbeit in Berlin hat unseren Umgang mit Geld in der Arbeit mit Kindern verändert:

Bei einem großen Gottesdienst für Kindern aus ganz Berlin mussten alle Kinder ihre Geldmünzen, die ihnen die Eltern für diesen Gottesdienst gegeben haben, in die Dose für die Kinderkollekte tun, die gleich am Eingang unseres Raumes stand. Dann kam eine Mitarbeiterin aus einer unserer Kindergruppen in Berlin, die ca. 15 Kinder aus einem Straßenkinder-Projekt mit dabei hatte. Das waren Kinder, die noch nie in so einem Kindergottesdienst vorher mit dabei waren. Keiner und keine hatte eine Münze dabei, weil niemand ihnen was gegeben hatte. Einige Kinder wollten gleich wieder nach Hause gehen, weil sie sich schämten, dass sie nichts geben konnten.

Wir beschlossen als Leitungsteam während die Kinder warteten: die Dose wird weggeräumt! Wenn wir alle Kinder in der Stadt einladen, dann muss niemand etwas bezahlen „müssen“. Jeder durfte gerne etwas für den Gottesdienst spenden, aber es gab seitdem bei unseren großen Kindergottesdiensten keinen Eintritt mehr, wenn man mitmachen wollte.

Damals habe ich mich geschämt, dass wir das nicht vorher überlegt haben, das einige Kinder gar kein Geld dabei haben können, aber heute danke ich diesen Kindern, dass sie mir und anderen geholfen haben, zu verstehen, wie das ist, wenn zu Hause für nichts genug Geld da ist.

 

Es geht Jesus darum, dass wir Lazarus und seine Freunde und Bekannten unter uns wieder ansehen und uns selbst ansehen lassen. Wo wir einander in die Augen sehen, durchbrechen wir die Ignoranz und die Blindheit für die Situation des anderen, die sich auch überall leicht einschleicht.

 

Was wir dann füreinander tun, dient nicht dazu, um am Ende als gute Menschen dazustehen. Wir dienen einander, um voneinander zu lernen, wie wir gemeinsam heute in dieser Welt Gottes Güte und Gnade preisen und loben können.

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

Büro Lage: Im Gerstkamp 2 ° 32791 Lage ° Tel.: 05232.3696

od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

2 Matthäus 26,11

 

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                               Versöhnung unterm Kreuz                                   

        Predigtimpulse 2. Korinther 5, 14-21 und Markus, 15, 20-39

                                       zu Karfreitag 2022

 

Liebe Lesende,

Karfreitag hat etwas Befremdliches.

Eine Situation, die wir uns nicht aussuchen.

Worte, die irgendwie nicht in unseren Alltag passen.

 

1. Mitten hinein in diese Welt

"Versöhnt Euch", schreibt der Apostel Paulus.

Mitten hinein in einen Streit in der Gemeinde in Korinth, in der jeder und jede zuerst einmal an sich denkt. Mitten in den Kampf von Parteien gegen Parteien, in ein Klima, wo verschiedene Interessen hart an einander geraten sind.

Die Gemeinde spiegelt da nur etwas, was bis heute zu unserer Welt gehört:

Trennungen, Brüche, die Früchte von Streit und Hass.

Das ist das Kreuz, das diese Welt trägt:

wir erleben nicht Einheit, sondern immer wieder viele einzelne Teile und Splitter, die irgendwie nicht zueinanderkommen können. Der Präsident der Russischen Föderation träumt von der Wiedererstarkung des Zaristischen Russland und die Menschen in der Ukraine verteidigen in ihrer junge Nation die erkämpfte Freiheit und Demokratie.

Das ist das Kreuz, dass Menschen tragen:

das eigene Leben zerfällt in viele Episoden und Abschnitte, aber es scheint keine in sich schlüssige Lebensgeschichte zu geben. Das spürt bei Freundschaften, die vor Langem mal ganz eng waren, aber inzwischen hat man sich auf den Augen verloren. Woanders sind Ehepaaren einen langen gemeinsamen Weg miteinander gegangen, aber in der Gegenwart gibt es vor allem die Erinnerung an die Dinge, die man miteinander mal erlebt hat.

Das ist das Kreuz auch einer Kirche und einer Gemeinde, die den großen Blick verloren hat, die sich im Trott verbraucht, die keine Aufbrüche erlebt, sondern immer wieder trauert und Abschied nimmt.

Das Kreuz unter dem wir stehen, ist das eines an vielen Stellen und in vielen Facetten zerbrochenen Lebens. Und in jeder zerbrochenen Lebensbeziehung zerbricht auch das Gottvertrauen.

Mitten hinein in diese Welt, die an ihren vielen Wunden, Brüchen, Trennungen, an Hass und Krieg leidet, spricht Paulus sein "Versöhnt euch!"

 

2. Versöhnung hat einen guten Grund

 

Diese Aufforderung an uns - unter dem Kreuz! - hat für Paulus einen guten Grund.

Er sagt es so:

"Einer ist für alle gestorben. Somit sind sie alle gestorben! und er ist für alle gestorben, damit sie, die nun leben, nicht mehr sich leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Somit kennen wir von jetzt an niemanden "nach der Art der Welt". Auch wenn wir Christus auf weltliche Weise erkannt haben, erkennen wir ihn jetzt so nicht mehr.

Denn wenn jemand in Christus ist, da ist neue Schöpfung! Vorbei das Alte; schau: da ist Neues geworden! Das alles von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt hat, und der uns den Auftrag der Versöhnung gegeben hat.

 

Ja Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, der ihnen ihre Verbrechen nicht anrechnete, und er hat durch uns da Wort der Versöhnung errichtet. Wir (ich) vertreten also Christus als Gesandte(r): Gott wirbt durch uns. Für Christus bitten wir: lasst Euch versöhnen - mit Gott! Den, der Sünde nicht kannte, hat er zur Sünde gemacht, für uns, damit wir in ihm zur Gottesgerechtigkeit werden." (2. Korinther 5, 14-21 nach einer Übersetzung von Hans Froer)

 

Versöhnung beginnt am Grab und unterm Kreuz.

Dort kann man nichts mehr beschönigen. An der letzten Grenze des Todes werden alle anderen Abgrenzungen sinnlos. „Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: „Eli, eli, lama asabtani?“, das heißt übersetzt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,33)

Paulus deutet den Tod Jesu so:

"Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, der ihnen ihre Verbrechen nicht anrechnete, und er hat durch uns das Wort der Versöhnung errichtet." (2.Korinther 5,19)

Gott rechnet nicht nach - unterm Kreuz - oder listet auf, wo wir mitverantwortlich waren und sind an Trennung, an Zerbrechen einer Beziehung, an Einsamkeit und Leiden.

Gott schenkt einen Neuanfang.

In den Evangelien ist eine kleine Begebenheit in dem nüchternen Bericht vom Tod Jesu auch mit aufgeschrieben worden: „Der Hauptmann aber, der dabei stand, ihm gegenüber, und sah, dass er verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ (Markus 15,39)

Bei diesem Hauptmann zeigt sich der Neuanfang, der zum Kreuz Jesu gehört. Da gewinnt jemand einen neuen Blick und er sieht, hier hängt nicht mehr der politische Gegner am Kreuz, den es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Für diesen Hauptmann stirbt Gott in seinem Sohn am Kreuz.

Wie der Hauptmann müssen wir uns auf das Kreuz Jesu einlassen, die Kreuze dieser Welt ansehen und die die dort sterben, weil wir hier Gott entdecken. In dieser Ohnmacht zeigt sich Gottes Gegenwart und seine Liebe für uns.

 

In der Versöhnung wächst eine neue Gemeinschaft

 

"Unter dem Kreuz stehen..." führt einen Menschen zu Gott und in eine Lebensveränderung hinein.

"Einer ist für alle gestorben. Somit sind sie alle gestorben!", beschreibt Paulus diese Veränderung. Weil Einer für alle sich einsetzt, wächst eine neue Gemeinschaft. Dieser Eine bringt die anderen wieder zusammen. In die Wunden der Brüche und Spaltungen fällt wie ein neuer Keim die Liebe Gottes und lässt auf den Scherben neues Leben wachsen.

 

3. Für uns zum Leben

 

In der Nachdenklichkeit und dem Fragen unter dem Kreuz Jesu und den Kreuzen dieser Welt dürfen wir uns auf das eine fest verlassen:

Gott hat an dem ersten Karfreitag damals vor den Toren Jerusalems Versöhnung für uns möglich gemacht, damit wir mit uns selbst ins Reine kommen;

Gott hat Versöhnung möglich gemacht, damit wir untereinander ins Reine kommen

und Gott hat Versöhnung möglich gemacht, damit wir mit ihm ins Reine kommen.

 

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

 

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                   Ein Glanz, der noch nicht richtig leuchten will                  

                            Predigtimpulse zu Johannes 17, 1-8

                      für den Sonntag Palmarum / 10. April 2021

 

Liebe Lesende,

 

vor zwei Wochen konnte man die ersten warmen Frühlingsstrahlen genießen und in dieser Woche haben uns Hagel, Kälte und Sturm überrascht. Der Frühling und die schönen Ostertage brauchen noch Zeit, bis sie ihre ganze Kraft entfalten können.

Diese Erfahrung passt zu dem Text, der als Gebet Jesu vom Evangelisten Johannes aufgeschrieben wurde. In hoffnungsvollen und hellen Farben redet Jesus von dem, was kommen und sein wird, aber noch will diese Zukunft nicht so richtig in der Gegenwart ihren Glanz entfalten. Jesus weiß um den Weg, der vor ihm liegt. Doch es ist sein Kreuzweg, der erst am Ostermorgen im Licht des leeren Grabes die dunklen Farben und das Schwarz des Todes verlieren wird.

 

1Jesus beendete seine Rede. Danach blickte er zum Himmel auf und sagte: »Vater, die Stunde ist jetzt da! Lass die Herrlichkeit deines Sohnes sichtbar werden, damit der Sohn deine Herrlichkeit sichtbar machen kann. 2Du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben. So kann er allen, die ihm anvertraut sind, das ewige Leben schenken. 3Darin aber besteht das ewige Leben: dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus. 4Ich habe auf der Erde deine Herrlichkeit sichtbar gemacht. Denn ich habe das Werk vollendet, das du mir aufgetragen hast. 5Lass nun an mir die Herrlichkeit wieder sichtbar werden, die ich hatte, als ich bei dir war – bevor die Welt geschaffen wurde.

6»Ich habe dich bei den Menschen bekannt gemacht, die du mir in dieser Welt anvertraut hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir anvertraut. Sie haben sich nach deinem Wort gerichtet. 7Jetzt wissen sie: Alles, was du mir aufgetragen hast, kommt wirklich von dir. 8Denn ich habe ihnen die Worte weitergegeben, die du mir aufgetragen hast, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir gekommen bin. Und sie glauben nun, dass du mich gesandt hast.« (Johannes 17, 1-8 nach der Basisbibel 2021)

 

Der Glanz der Zukunft leuchtet nicht ohne die Bodenhaftung im Jetzt

Jetzt und hier fängt die Zukunft an, für die Jesus einsteht. Diese Zeitansage – „Die Stunde ist jetzt da“ (V.1) zerstört die Träumereien, die sich mit dem Nachdenken über die Zukunft verbinden könnten. Jesus lässt keinen Zweifel in seinem Beten aufkommen, dass da Gutes und Glanzvolles auf die wartet, die mit ihm unterwegs sind, aber davon kann man heute vieles nur ahnen.

Die Geschichte vom fröhlichen Einzug Jesu in die Stadt Jerusalem, der für alle, die mit dabei waren, ein Fest gewesen sein muss, lesen wir am Anfang der Adventszeit und am Sonntag vor der Karwoche, dem Sonntag der Palmenzweige. In der Woche nach diesem Sonntag vor Ostern erinnern sich Christen und Christinnen an den Weg Jesu vom Passa-Essen bis hin zum Sterben auf dem Hinrichtungshügel Golgatha. Am Ende hört man von der Überraschung der Freundinnen und Freunde Jesu am leeren Grab des 1.Ostermorgen. Von großer Begeisterung, über Freude am gemeinsamen Essen hin zu Wut, Angst und Trauer und dem überraschten Osterjubel gehört die Bandbreite menschlicher Emotionen zu dieser Woche. Da ist nichts einfach nur hell oder dunkel, gut oder böse, hoffnungsvoll oder hoffnungslos. Der Glanz der Zukunft, wo Jesus als Gottes Sohn und Sieger über alle Todesmächte dieser Welt sichtbar ist, muss aushalten, dass Jesus vorher in einer langen Nacht mit Gott ringt, ob es für ihn keinen anderen Weg geben kann.

Wenn in dem Gebet, das Jesus betet, die Zeitansage vom „Jetzt“ unterstrichen wird, dann ahnt man, dass die Zukunft bei Jesus keine Vertröstung auf ein irgendwann-mal verträgt. Dabei war die Zeit, in die Jesus hinein betete, für seine Leute keine leichte Zeit. Christen erlebten die Gewalt und die Kämpfe um Unabhängigkeit im Palästina des 1. Jahrhunderts. Immer wieder wurden sie von Fürsten und Kaisern verfolgt, weil sie nicht bereit waren, ihren Christusglauben der Anbetung weltlicher Obrigkeit unterzuordnen. Geschwister in der Gemeinde starben und die Entrückung in himmlische Sphären hatte noch nicht stattgefunden.

Doch darin versteckt sich bis heute die besondere Herausforderung des Glaubens für die, die mit diesem Jesus unterwegs sind: auch wenn Jesus vom Glanz der Zukunft erfüllt ist, dann leuchtet diese Zukunft in einer Welt auf, die mit ihrem Hass und ihrer Brutalität und Ungerechtigkeit von Gott nicht abgeschrieben wird.

Die sozialen Autoritäten, die den Rahmen für das Zusammenleben organisieren, entschieden sich damals und oft auch heute noch, dass Ruhe und Sicherheit vor Nächstenliebe und Gerechtigkeit für die Armen zu stehen hat. Jesus und seine Leute störten diese Ruhe und ließen sich ihren Glauben an Gottes andere Gerechtigkeit für die Welt nicht wegnehmen.

Wenn man es heute erlebt, wie schwer Präsidenten es nur ertragen können, wenn sie ihre Macht teilen müssen und diese Welt nicht so funktioniert, wie sie es gerne hätten, dann ahnt man, wie gefährlich auch damals die Situation war, in der Jesus betete: „Du (Vater) hast mir Macht über alle Menschen gegeben. So kann ich allen, die mir anvertraut sind, das ewige Leben schenken.“

Jesus ist sich bewusst, wie gefährlich der Alltag und das Leben für seine Freunde ist, wenn sie immer wieder alles auf die Karte ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit, das heute beginnt, setzen. Er wird im weiteren Beten Gott darum bitten, dass seine Freunde mit ihren vielen Meinungen und den Prägungen, die sie ausmachen, die Einheit des gemeinsamen Glaubens in dieser Vielfalt immer wieder finden.

Jesus bittet seinen Vater im Himmel, sich zu denen zu stellen, die in dieser gefährlichen Welt nicht den Glanz der Zukunft in Gottes Gegenwart und Liebe aus den Augen verlieren wollen.

 

Wo glänzt schon heute die himmlische Zukunft des Lebens?

Das christliche Glänzen der Zukunft, die Herrlichkeit Gottes, von der die Menschen in der Bibel reden, sieht immer wieder anders aus.

Jesus betont im Gebet, dass seine Freunde und Freundinnen nun wissen, auf was sie sich mit ihm einlassen: „Jetzt wissen sie: Alles, was du mir aufgetragen hast, kommt wirklich von dir.“ In der Manipulation der russischen Propaganda und der Wirkung, die diese verdrehten Berichte und mit Lügen gespickten Texte in Russland haben, merken wir, wie wichtig es ist, dass die Quelle ehrlich ist, die etwas berichtet. Auf Jesus kann man sich verlassen. Er hat sein Ohr ganz nahe bei Gott, wenn er etwas weitersagt. Das, was wir hoffen und wofür wir uns im Namen Jesu engagieren, hat so eine himmlische Dimension.

Was da an Zukunft glänzt, hat das Leben und andere im Blick. Jesus sieht, wie es Menschen geht, wenn er sie anspricht. Jesus achtet auf die Kinder, auch wenn die Erwachsenen meinen, ihm die Kids lieber ersparen müssen. Das eingeschränkte und verletzte Leben stößt ihn nicht ab, sondern er berührt den bettelnden Bartimäus und geht den Aussätzigen mit ihrem Wunsch auf Heilung nicht aus dem Weg. Wer auch immer die Leute sind, die uns Mühe machen oder zur Herausforderung werden, Jesus ist vermutlich längst schon da, und geht an ihrer Seite.

Der Glanz der Herrlichkeit braucht immer wieder viel Arbeit. Damit Kinder im MiniClub in der EmK in Lage oder in vielen anderen Kindergärten und Kitas einen sicheren und guten Platz für sich finden können, lassen sich andere viele Jahre ausbilden. Die Leiterin des Lagenser Jugendamtes ist immer wieder am Telefon und fragt, ob wir mit unseren Möglichkeiten in der Kirche diesem Kind oder jener Familie helfen können. Wir können uns mit unseren begrenzten Kräften nicht immer engagieren, aber vieles klappt doch. In ausgelassenen spielenden und lauten Kindergruppen bekommt der Himmel viele ganz besondere Gesichter.

Der Frieden glänzt in den großen Nachrichten nicht. Doch da ist vieles Bewegende und Gute zu sehen, wo einzelne ganz praktische hilfreiche Lösungen finden, damit ihre neuen Nachbarn und Gäste hier zurechtkommen.

Eine Lehrerin ist in Kiew geblieben und macht nun im Krieg damit weiter, was man im Lockdown von Corona gelernt hat: Unterricht über Videokonferenzen. Sie sitzt in ihrem Klassenzimmer und jeder sieht die Tafel oder den Sitzplatz, wo man in guten Zeiten selbst gesessen hat. Doch die Schüler und Schülerinnen ihrer Klassen sind in der Mehrheit nicht mehr in Kiew, sondern über ganz Europa verteilt. Doch wenn die Lehrerin per Computer den Schultag anfängt, dann freuen sich da zwei Schülerinnen im schwäbischen Böblingen, dass sie einige Zeit auf dem Tablet oder Handyscreen ihre alten Freundinnen wiedersehen können. Es gibt etwas, was sich wie früher anfühlt, und der Himmel auf Erden ist auch mitten in der Kriegszeit wieder ein wenig greifbarer geworden.

 

Jetzt ist die Zeit zu beten“

Jesus weiß, wie sein Weg in dieser Welt aussehen wird.

Jesus spürt im Rücken auch seine Jünger, die sich, einmal ängstlich verkrochen, wieder »ans Licht« trauen werden. Sie werden seine Nachfolge antreten, allen voran Simon, der ihn zunächst dreimal verleugnen, dann aber zum Petrus, das heiß zum Fels, erstarken wird.

Ja, die Menschheit wird gerettet werden durch diesen hellen Lichtkranz, den Gott durch seinen Sohn bereits entfacht und zum Leuchten gebracht hat und den er nun, »zu dieser, seiner, Stunde« zum unüberbietbaren Strahlen hervorbringen wird.

Jesus hebt die Hände zum Gebet und beginnt laut zu sprechen – mit Worten, die uns der Evangelist Johannes überliefert hat: „Vater, die Stunde ist jetzt da! Lass die Herrlichkeit deines Sohnes sichtbar werden, damit der Sohn deine Herrlichkeit sichtbar machen kann.“

 

Amen.

 

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Pastor Günter Loos

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                                …nicht herrschen!                                           

Predigtimpulse zu Markus 10, 35-42

für den Sonntag Judica / 03. April 2022

 

Liebe Lesende,

ich lerne mit Ihnen in diesen Tagen dazu, dass Lügen aus dem Mund weltweit bekannter Persönlichkeiten in Russland Teil der Kriegsführung sind. Es zählt nicht, wie hoch die Kosten an Leid, Zerstörung und Verlust an Vertrauen sind, wenn man am Ende als Gewinner und erfolgreicher Kriegsherr dastehen kann. In einem riesigen Stadion, und medial in alle Welt übertragen, zitiert Wladimir Putin das Wort Jesu vom Opfern des eigenen Lebens für die Anderen und deutet dies schamlos als Auftrag für russische Soldaten sich an der Front für das Land zu opfern.

Die Frage der beiden Brüder an Jesus, wer im Himmel vor allen anderen sitzen wird, und die Antwort Jesu darauf, schneiden mitten hinein in dieses mediale Dickicht von Lüge, Ignoranz und bewusster Falschinterpretation. Es geht bei Jesus nicht darum, wer am Ende mit seiner Deutung richtigliegt oder den Ruhm der Ewigkeit erntet. Jesus fragt danach, wer bereit ist, diakonisch und ohne manipulative Machtabsichten sich jetzt zu engagieren.

 

35 Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus und sagten zu ihm: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.« 36Jesus fragte sie: »Was möchtet ihr denn? Was soll ich für euch tun?« 37Sie antworteten: »Lass uns neben dir sitzen, wenn du in deiner Herrlichkeit regieren wirst –einen rechts von dir, den anderen links.« 38Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet! Könnt ihr den Becher austrinken, den ich austrinke? Oder könnt ihr die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?« 39Sie erwiderten: »Das können wir!« Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr werdet tatsächlich den Becher austrinken, den ich austrinke. Und ihr werdet die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde. 40 Aber ich habe nicht zu entscheiden, wer rechts und links von mir sitzt. Dort werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.«

(Markus 10, 35-40 nach dem Text der Basisbibel 2021)

 

Eine einfache Frage, die es in sich hat

Die Jünger Jakobus und Johannes, die Jesus nach den Logenplätzen im Himmelreich fragen, waren in der späteren christlichen Gemeinde sehr geschätzt. Der Text im Markusevangelium wurde in einer Zeit aufgeschrieben, in der Jakobus durch den König Herodes Agrippa um 44 n.Chr. für seinen christlichen Glauben hingerichtet worden war.

So hat die Geschichte etwas Tröstliches für die gehabt, die Jakobus noch kennengelernt hatten. Sie lesen hier, dass Jesus wusste, wie ernst es ihm und seinem Bruder in ihrem Engagement für den Glauben war: „Ihr werdet den Becher austrinken, den ich austrinke“ (V.39) Der Weg, den Jesus ging, ist, wo wusste man, auch zum Weg von Jakobus und Johannes geworden.

Doch die so alltägliche Frage der beiden Brüder löst bis heftige Diskussionen aus. Gibt es unter den Freunden und Freundinnen Jesu und unter denen, die Jesus besonders ausgewählt hat, eine interne Rangfolge? Muss man sich die ersten Plätze verdienen oder reicht es, nur hartnäckig genug Jesus anzugehen um hier erfolgreich zu sein?

Die anderen, die diese Szene mit beobachteten, wurden sehr ärgerlich über die Frage von Jakobus und Johannes. Jesus war immer eindeutig in der Frage, was Menschen für die Nachfolge und den Weg mit ihm besonders auszeichnet. Er betont an anderer Stelle, dass unter seinen Leuten der Dienst für andere das Zeichen eines engagierten Glaubens ist1.

Doch könnte man nicht auch daraus eine Rangordnung entwickeln im Sinne von: „Ich habe mehr Leuten Gutes getan als du!“? Jesus zeigt in seiner Antwort, dass das Ziel in seiner Gemeinde nicht die Macht über andere ist, wenn man in seinem Sinne handeln will. Er lässt es offen, wie Gott am Ende die himmlische Tischordnung organisieren wird und ob es überhaupt den Platz zur Linken und zur Rechten geben wird.

Doch die Gemeinschaft der Menschen, die in seinem Namen unterwegs ist, soll man daran erkennen, dass der Dienst und die Sorge füreinander und für andere an erster Stelle steht.

 

Jesu weitet den Horizont, indem seine Leute ihn fragen

Jesus schiebt die Bitte von Jakobus und Johannes fast zur Seite. Ihm ist es wichtig, den Brüdern den Horizont aufzuspannen, in den man diese Bitte an Gott und an Jesus stellt.

Ihr wisst nicht, was ihr bittet,“ sagt Jesus, denn es ist nicht das Rampenlicht der großen Bühne, das auf die wartet, die im Namen Jesu unterwegs sind. Wird man auf diesem Weg die Kraft haben, auch gegen Widerstände, Angriffe und Ignoranz anderer seinen Glauben zu leben?

Ihr wisst nicht, was ihr bittet,“ hieß für Jesus, dass bei seiner Hinrichtung rechts und links verurteilte Kriminelle mit ihm sterben. Jesus verzichtet auf alle Zeichen weltlicher Macht. Noch am Kreuz erlöst er einen anderen von seiner Schuld und seiner Angst und verspricht ihm ein Widersehen im Himmelreich.

Ihr wisst nicht, was ihr bittet,“ legt offen, wie oft auch unter den frommen Menschen und in kirchlichen Kreisen Dinge im Mittelpunkt stehen, die da nicht hingehören. Kirchliche Organisation und Leitung kopiert Leitungsmodelle, die auch sonst in der Gesellschaft praktiziert werden. So hierarchisch, wie sich ein Königreich organisiert, so wurden Kirchen aufgebaut und geleitet.

Wir haben in der christlichen und jüdischen Tradition viele Bilder, die Gott als König und Herrscher darstellen. Diese Bilder erinnern uns daran, warum wir uns dagegen wehren, dass Menschen sich anmaßen, absolute Macht über andere ausüben zu dürfen. Die Herrschaft und die Macht über Leben und Tod gehört allein Gott.

Doch die Bilder, die wir für unseren Lebensalltag brauchen, sind die Bilder von Fürsorge und Hilfe in der Not anderer und die Bilder, wie liebende Wertschätzung im miteinander gelingt.

 

Es ist nicht einfach!

Stefan Kettner arbeitet als Superintendent auf dem Distrikt der EmK in Heidelberg und hat mit wenigen Sätzen unser Bibelwort in die zerrissene Welt, die wir in diesen Tagen erleben, übersetzt2:

In der Ukraine herrscht Krieg. ukrainische und russische Nachbarn sterben. Furchtbares Leid unter den Menschen – einfach sinnlos!
Im Zeichen der Coronapandemie entzweit sich die Gesellschaft in Impfbefürworter und Impfgegner. Bis in Familien hinein – einfach sinnlos! 
Unsere Kirche spaltet sich an der Frage nach verschiedenen Liebens- und Lebensweisen. Verletzungen an vielen Stellen – einfach sinnlos!
Die bedrohliche Frage des Klimawandels ist fast vergessen. Kopf in den Sand – einfach sinnlos.
Arm und Reich driften immer weiter auseinander, ohne dass es uns zu kümmern scheint. Meins, nicht deins – einfach sinnlos!

Ich schaue in den Spiegel und erkenne mein eigenes Streben und Handeln, das oft auch nur von meinem Ich geprägt ist – einfach sinnlos! 
Die Jünger Jesu streiten darum, wer in der Ewigkeit neben ihm sitzen darf. Näher als nah – einfach sinnlos!

 

Mich überzeugen die Gedanken von Stefan Kettner. Die Jünger Jakobus und Johannes stellen keine einfache Frage, sondern sie stellen eine Frage, die sinnlos ist, wenn man etwas Gutes erreichen will. Mit der Frage nach dem „Erster-sein“ zerspalten Menschen die Gemeinschaft untereinander und mit Gott.

Doch Stefan Kettner ergänzt seine Gedanken noch mit einem weiteren Satz:

Das Wunder geschieht.

Jesus kommt.

Er erbarmt sich. Er dient. Konsequent. Bis zum Tod.

Um der Gerechtigkeit willen. Damit wir leben.

 

In seiner Antwort auf die Frage entlarvt Jesus das System, das hinter dem Streben nach den Plätzen ganz vorne und auf den Siegerpodesten steht. Tragbare Gemeinschaft braucht die Entscheidung dafür, füreinander einzustehen und die Herrschaft gegen den Dienst einzutauschen. Wo das einander dienen und damit die Wertschätzung für einander verloren geht, stirbt unser Zusammenleben.

In seiner Nachfolge stellt uns Jesus mit hinein in die Reihe von Frauen und Männern, die mit ihrem Engagement die Systeme, an denen lebendige Gemeinschaften zerbrechen, überwinden. Wir schaffen mit unserer Zuwendung und unserer Fürsorge für andere den Raum, in dem Gemeinschaft wächst.

 

Amen.

 

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1 Siehe Markus 9, 35: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. (Einheitsübersetzung 2016)

2 Stefan Kettner, Heidelberg; in: EmK-Info vom 01.04.2022

 

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                                                   kraftlos                                               

                       Predigtimpulse zu 1. Könige 19, 1-8

                           für den Sonntag Lätare / 27. März 2022

 

Liebe Lesende,

 

die Kraftquelle hatte keine Kraft mehr.

Der Mensch, der in der Gemeinde dafür gebucht war, die Zukunftsgedanken in überzeugende Worte zu bringen, schaffte gerade noch die privaten Pläne für die kommende Woche. Die Persönlichkeit, die andere mitzog, ermutigte und immer zeigte, dass das Glas halb voll ist, dachte nur noch darüber nach, wie leer das eigene Lebensglas dastand.

Als Zivildienstleistender war ich Gast in einer kleinen Gemeinde im Frankfurter Osten und konnte nicht verstehen, was mit diesem von mir so bewunderten Menschen passiert war. Viele Monate war er als leitender Ingenieur eines bundesweit bekannten Frankfurter Industriebetriebes krankgeschrieben und kämpfte sich durch sein Burn-out.

Diese Erkrankung wird inzwischen so oft diagnostiziert, dass Betroffene sich nicht mehr überall für ihre Kraftlosigkeit und Schwäche erklären müssen. Es wird ihnen die Zeit für die eigene Heilung und Genesung der Seele und des Körpers zugestanden und Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen haben gelernt zu akzeptieren, dass wichtige Mitarbeitende mit dieser Krankheit nicht arbeitsfähig sind.

 

Von Elija, dem Propheten im 9. Jahrhundert vor dem Beginn unserer christlichen Zeitrechnung wird erzählt, wie es ihm in der Zeit, wo ihm nichts mehr möglich war, erging:

 

1Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan hatte – auch, dass Elija alle Propheten des Baals getötet hatte. 2Daraufhin schickte Isebel einen Boten zu Elija und drohte ihm: »Die Götter sollen mir antun, was immer sie wollen, wenn ich deinem Leben nicht ein Ende setze! Morgen um diese Zeit soll es dir ergehen wie den Propheten, die du getötet hast!« 3Da geriet Elija in große Angst. Er sprang auf und lief um sein Leben. So kam er nach Beerscheba an die Grenze von Juda. Dort ließ er seinen Diener zurück. 4Er selbst ging noch einen Tag lang weiter – tiefer in die Wüste hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. »Es ist genug!«, sagte er. »Herr, nimm mir doch das Leben! Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« 5Schließlich legte er sich hin und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.

Plötzlich berührte ihn ein Engel und forderte ihn auf: »Steh auf und iss!« 6Als Elija um sich blickte, fand er etwas neben seinem Kopf: frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank, dann legte er sich wieder schlafen. 7Doch der Engel des Herrn erschien ein zweites Mal. Wieder berührte er ihn und sprach: »Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!«

8Da stand Elija auf, aß und trank und ging los. Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen. 40 Tage und 40 Nächte war er unterwegs, bis er den Horeb, den Berg Gottes, erreichte. (Text nach der Basisbibel 2021)

 

Der Kampf, der Elija immer wieder einholt…

Die Bibel erzählt ausführlich aus dem Leben Elijas. Er wurde als Prophet zum Gegenpol von König Ahab und seiner Frau Isebel in Israel. Er trat für die Tradition und die Glaubenstreue gegenüber Jahwe, dem Gott Israels ein, und stand damit gegen die Königin, die als Priesterin dem alten kanaanäischen Baalskult diente. In diesem Kampf zwischen Elija und dem gewalttätigen und mächtigen Königspaar waren die Waffen immer ungleich verteilt. Der Prophet konnte nur mit seinem Gottvertrauen überzeugen. Kein Heer stand ihm zur Verfügung, um der Sache des Glaubens an den Gott Abrahams, Isaak und Jakobs Gehör zu verschaffen.

Dabei gehörte Gewalt auf beiden Seiten der streitenden Parteien zum legitimen Mittel des Kampfes um die prägende Religion im Land. Elija zerstörte mit einem eindrücklichen öffentlichen Wunder den Glauben an die Kraft der Priester des Baals im Königreich. Das Opferfeuer wurde nicht von der Überzahl der Baalspriester mit ihren innigen Gesängen und Zeremonien angefacht, sondern während des stillen Gebets Elijas fing das Holz auf dem Altar an zu brennen. Nach diesem Beweis für die Macht seines Gottes tötete Elija die Priester des anderen Glaubens, die er gefangen setzen konnte.

Die Reaktion der Königin Isebel erfolgte umgehend, und sie drohte Elia die Todesstrafe an, wen sie des Propheten Elija habhaft werden sollte. Der Kampf um die Anerkennung des Glaubens an Jahwe, der sein Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit hat und es nach der langen Zeit in der Wüste ins gelobte Land gebracht hat, war kein Kampf allein der Worte, sondern wurde auf beiden Seiten existenziell mit allen Mitteln geführt.

Elija muss immer wieder fliehen, wenn der König und seine Frau ihn verfolgen lassen, und wir kennen zwei Episoden, wie er während seiner Flucht erlebt, dass Gott ihn versorgt und er neue Kraft findet. Mal bringen ihm an einem Bach Raben Brot, damit er überlebt, oder, siehe oben, ein Bote Gottes versorgt Elija mit Nahrung und Wasser. Elija wird bis zum Tod des König Ahabs und der Königin Isebel immer neu den Kampf für seinen Gott führen. Dabei erzählt seine Geschichte gleichzeitig davon, wie dieser Gott, dem sein ganzes Engagement gilt, ihm dann ganz nahe ist und hilft, wenn er menschlich in seiner Schwäche aufgeben will.

 

Wüstenzeiten verändern Menschen

Im Mittelpunkt des Textes, den Sie eben gelesen haben, steht die Wüstenzeit von Elija. Der Kampf mit dem König kommt noch mit einem Satz zur Sprache, aber dann gehört die Szene ganz dem einsamen Menschen irgendwo in der Einöde. Die Geschichte erwähnt noch, dass ein Diener bewusst vom Propheten zurückgelassen wird. Dort, wo Elija sich versteckt, will er alleine sein. Seine Todessehnsucht kann keinen Zuschauer oder guten Bekannten ertragen. So bringt er sein ganzes Elend vor Gott und hofft auf die Erlösung, vielleicht durch einen schnellen Tod im Schlaf.

Doch nicht der Tod übernimmt das Leben Elijas in dieser Situation, sondern die Fürsorge und Hilfe des Boten Gottes drehen die Geschichte. Elija stirbt keinen einsamen Tod. Er wird aufgeweckt und mit Essen versorgt. Ein Engel ohne Namen und besondere Gestalt kümmert sich um den verzweifelten und seelisch erschöpften Menschen in der Wüste. Der Bote gibt ihm Zeit, pflegt ihn und schickt ihn dann weiter zum Berg Horeb, der in der jüdischen Überlieferung für die Begegnung mit Gott stand. Dort hat Mose die Gebotstafel erhalten und später die Wasserquelle aus dem Felsen geschlagen. Doch die Begegnung Elijas mit Gott am Horeb ist in dieser Episode in der Wüste noch Zukunftsmusik.

Elija teilt die Erfahrungen, die man in Wüstenzeiten macht, mit vielen anderen in der biblischen Überlieferung und auch Jesus zieht sich in die Wüste zurück. Wer sich auf den Weg in die Wüste macht, geht seinen Weg nur auf den ersten Blick allein. Die bewusst gewählte Einsamkeit vor Gott öffnet bis heute in verschiedenste Gebets- und Meditationsübungen hinein unsere Seelen für Gottes Nähe. Wo scheinbar nichts ist, ist Gott dem Menschen nahe und bringt uns in den Dialog mit ihm. Die Wege in die Wüste können Spaziergänge sein oder Tage, die wir bewusst ohne den Kontakt mit anderen planen und gestalten.

In diesen Wochen praktizieren einige bewusst den Verzicht auf Alltagsgewohnheiten, den Genuss von Alkohol und von z.B. Klima-belastenden Gütern. Diese Fastenübungen sind Zeiten, in denen man auf etwas verzichtet, um neu sensibel zu werden für das, was oft verborgen auch da ist. Nicht das Klima wird gerettet, wenn wir sechs Wochen bewusst weniger Auto fahren, aber persönlich entdeckt man in Bus, Bahn, zu Fuß und auf dem Fahrrad Dinge, die beim Blick aus dem Autofenster bis dahin immer nur vorbeigerauscht sind.

Elija erfährt in der Wüste durch die Fürsorge des Boten Heilung und findet neue Kraft. Diese alte Geschichte ermutigt bis heute dazu, in der Not und in Zeiten, wo keine Kraft mehr da ist, bewusst Wüstenorte zu suchen, wo ein anderer uns mit Brot und Wasser für unseren Leib und unsere Seele versorgt.

 

Neue Kraft finden und sich versorgen lassen

In den beiden Geschichten von Elija in der Wüste, der mal von Vögeln und dann von dem unbekannten Boten gepflegt wird, klingt der Widerstand an, sich überhaupt auf diese Fürsorge einzulassen. Was sollten die Vögel schon für ihn tun können und wer hilft mir den mitten irgendwo im Niemandsland, wird Elija gedacht haben. Jesus fragt den Kranken, der an den heilenden Teichen in Bethesda schon lange sein Zuhause hat, ob er denn gesund werden will. Man braucht Hilfe, wie Elija in seiner Einsamkeit, und traut Gott doch nicht zu, dass er Wege und Mittel der Hilfe und Heilung für die eigene Situation kennt. Die Situation änderte sich für Elija und viele andere, die Heilung erlebt haben, als man Hilfe zuließ und denen vertraute, der sich um einen kümmerten.

 

Der Engel serviert Elija Essen.

Menschen haben sich vor einigen Tagen mit ihren Laptops an den Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge hingesetzt und digitale Registrierungsformulare und Anträge für andere ausgefüllt.

Eine Pflegerin schmückt das Zimmer eines Bewohners mit den Bildern der verstorbenen Ehefrau und einigen schönen frischen Blumen.

An den dankbaren Augen oder der warmherzigen Umarmung ist zu sehen, dass die Hilfe angenommen wurde. Doch das größere Wunder bleibt dabei eher verborgen. Dieses Wunder hat etwas damit zu tun, dass eine Seele wieder Gefühle empfindet, Freude zulässt und neue Kraft entsteht, wo vorher einfach nichts mehr war.

Elija lässt sich versorgen und kommt wieder auf die Beine.

Gott kommt zu ihm in der Hilfe durch andere und sein Glaubensmut wächst wieder.

Wir gehören nicht immer zu denen, die Essen servieren können, mit unserer Erfahrung bei Ämtergängen helfen oder es den Älteren in ihrem Zimmer schönmachen. In Tagen, wo wir mit unserer Erschöpfung und Kraftlosigkeit selbst zu Elija in der Wüste werden, schenke uns Gott sein Wort und seine Boten und Botinnen, die uns mit ihrer Pflege neu aufrichten. Bis wir das Wort vom Aufbruch wieder hören können, will uns Gottes heilsamer Geist durch sie die Seele stärken mit dem, was uns neu stark macht.

Amen.

 

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                Wie als Friedensstiftende unterwegs sein?                      

                  Predigtimpulse zu Lukas 9, 57-62 für den

                            Sonntag Okuli am 20. März 2022

 

 

Liebe Lesende,

 

in den vergangenen Tagen wurde bei vielen von uns ein Schalter umgelegt. Wir leben nicht in der neuen Zeit, die keinen Krieg mehr kennt und in der mit Verhandlung und gutem Willen Konflikte gelöst werden. Die grauenvollen Bilder von Zerstörung und Sterben nur einige hundert Kilometer von Deutschland entfernt gehören zur aktuellen Realität. Familien verlieren alles und kommen mit einigen Taschen auf unseren Bahnhöfen an auf der Suche nach einem sicheren Ort für ihr Leben. Wir gaben die Illusion auf, längst in einer besseren Welt zu leben.

 

Am Sonntag Okuli geht es traditionell um die Frage, wie der praktische Alltag als Christ aussieht. Die großen Ideale und Hoffnungen, die am Anfang des Lebens mit Christus stehen, werden in die kleinen Münzen gewechselt, die man braucht, um Praxisprobleme zu lösen. Nun liegt die Frage wieder auf dem Tisch, wie man Frieden schaffen kann. Ob wir eine Antwort finden, wie wir unserem Weg mit Christus treu bleiben können und doch mithelfen, den Terror des russischen Angriffskriegs zu brechen?

Der Evangelist Lukas erzählt nacheinander drei Episoden, wie der Lebensalltag mit Jesus für die Jüngerinnen und Jünger damals aussah. Es geht nicht um die Frage des konkreten Friedensdienstes als Christen an dieser Stelle, aber diese Episoden zeigen, welche Grundhaltung wichtig ist, um mit Christus einen eigenen Weg zu finden.

 

57Unterwegs sagte jemand zu Jesus: »Ich will dir folgen, wohin du auch gehst!« 58Jesus antwortete: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.«

59Einen anderen forderte Jesus auf: »Folge mir!« Aber der sagte: »Herr, erlaube mir, zuerst noch einmal nach Hause zu gehen und meinen Vater zu begraben.« 60Aber Jesus antwortete: »Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du aber geh los und verkünde das Reich Gottes!«

61Wieder ein anderer sagte zu Jesus: »Ich will dir folgen, Herr! Doch erlaube mir, zuerst von meiner Familie Abschied zu nehmen.« 62Aber Jesus antwortete: »Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes.« (Text von Lukas 9, 57-62 nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

Mittendrin

Mittendrin im Alltag klärt Jesus, worauf es ihm ankommt. Man musste mit ihm unterwegs sein, um seinen ganz anderen Blick auf Gott und sein Dienst für diese Welt zu verstehen.

Bis heute lernen wir oft am gründlichsten etwas Neues zu beherrschen, wenn wir lange genug zugesehen habe, wie jemand anderes etwas macht und wie die Technik funktioniert. Dann probiert man es selbst mal aus und schaut ob es klappt.

Das ist bis heute auch den Ausbildungsweg für ein Leben als Christ oder Christin Es geht nicht um die Theorie, wie sich Kirche idealerweise engagiert, es geht um das Mittuen wenn wir etwas von Gott lernen wollen. Mit Jesus und denen unterwegs zu sein, die schon einen langen Weg mit ihm gegangen sind, schult uns, wach und sensibel zu sein für Gottes Liebe in Aktion. Wir entdecken Gottes Gnade in einer harten und egoistischen Zeit. Unser Blick wird geschult für Gottes Erbarmen dort, wo keiner mehr hinsehen mag.

Sehen. Hören. Spüren.

Wer mitgeht, ist mittendrin, wo Gottes Wirklichkeit sich für unsere Augen öffnet.

Nur so werden wir auch heute wieder zu Friedensstiftern und Friedensstifterinnen.

 

Nicht jeder und jede ist am Ende mit dabei

Der Evangelist Lukas schont uns nicht, in dem er drei so unterschiedliche Szenen einfach zusammen erzählt. Er räumt gründlich mit der Idee auf: jeder und jede ist bei denen mit dabei, die mit Jesus unterwegs sind.

 

Jeder und jede ist von der Seite Jesu her ganz herzlich willkommen. Wie sagt es die Jahreslosung: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“ (Joh. 6,37) Doch die Probleme zeigen sich bei denen, die sich einladen lassen, wenn es auf die Langstrecke des Glaubens geht.

 

Ich bin dabei, Ich komme mit“, sagt der Schnellentschlossene.

Doch dann muss ein Lehrling sein erstes Gewinde schneiden. Und es wird krumm und läuft aus der Spur und keine Mutter passt auf das Gewinde und keine Schraube in das Gewindeloch. Bleibt man als Schnellentschlossener dabei, wenn die Fehler passieren und der Frustpegel steigt?

Nur dabei sein zu wollen, um etwas „nicht zu verpassen“ reicht bei Christus nicht. Glauben und ein Leben mit Christus hat als Qualitätsmerkmal nicht die Schnelligkeit beim 1. Schritt, sondern die Ausdauer und die Geduld in schweren Zeiten.

 

Ich bin dabei, ich komme gleich mit“, sagt die Aktive.

Bei meinem Betriebspraktikum 1981 in der NAXOS-Schleifmaschinenfabrik in Frankfurt a.M. wurde die neue digitale Steuerung der Maschinen eingeführt. Die erfahrenen Techniker, die damals die Maschinen einrichteten, haben sich auf ihr Augenmaß, das Gefühl und ihre Erfahrung verlassen, wenn es um die Maschinensteuerung ging. Nun standen sie wie Schulkinder vor den Computerkästen. Es war für sie fast nicht möglich, aus dem „alten“ Stil, den sie gewohnt waren, die Maschinen einzurichten, auszusteigen und das „Neue“ zu lernen.

Jesu Antwort an den Trauernden verurteilt nicht die Tränen und die Traurigkeit, aber er legt offen, wie sehr uns bei jedem neuen Schritt im Leben das Alte und das Vergangene festlegen und binden. Wir sind oft nicht frei, jetzt und an dieser Stelle einen Dienst zu übernehmen. Das „Alte“ muss abgeschlossen werden, damit wir den Platz und den Mut für neue Entscheidungen und neue Wege unterwegs mit Christus finden.

 

Ich bin dabei und würde ja mitkommen,“ sagen anspruchsvolle Mitbürger.

Regeln, Ziele und Grundsätze, die man für sich festlegt, helfen uns im Alltag. Jesus forderte damals auf, gegen die ganz richtige Regel, sich voneinander angemessen zu verabschieden, zu verstoßen. Für ihn sind die zwischenmenschlichen Regeln so lange wichtig und anerkennenswert, wie sie uns nicht den Blick auf Gottes Sache verstellen. Je ausgefeilter unsere Lebenskulturen sind, desto weniger Platz bleibt da, sich auf Gottes schützende Hilfe im Alltag einzulassen und nicht gleich eine Antwort auf jede Lebensfrage zu haben.

Ein Fahrrad fahrender Mensch versteht gut, auf welche Alltagserfahrung Jesus hier anspielt. Es geht darum, dass der Blick zurück grundsätzlich nicht falsch ist. Doch wenn man in Bewegung ist, muss für den Fahrradfahrenden und den, der den Acker pflügt, der Blick nach vorne gerichtet sein. Sonst kommt man vom Weg ab. Die Ackerfurche wird krumm. Wer eine Pause macht, darf ohne Sorgen zurückschauen, doch wer unterwegs ist, hat genug damit zu tun, nicht die richtige Route zu verlieren.

Für unseren Friedensdienst brauchen wir nach Jesu Empfehlung ein Training, um Frust und Enttäuschung wegstecken zu können. Er empfiehlt uns, mutig das Neue anzunehmen. Schließlich braucht es die ganze Konzentration auf den Weg, der vor uns liegt, wenn wir aufgebrochen sind.

 

Friedensdienst ist einander kennen lernen

Unser eigener Friedensdienst in der Nachfolge Jesu beginnt in der Begegnung mit anderen Menschen. Eine Mutter mit ihrer Tochter oder die Teenies mit ihren Handys, die als Flüchtlinge zu uns kommen, geben dem Krieg ein konkretes Bild. Doch auch der Friede bekommt eine realistische Vision durch die, die wir in diesen Tagen kennenlernen.

Friede braucht ein sicheres Zuhause, wo keine Gewalt im Alltag immer neue Alarmzustände auslöst. Friede braucht das Recht, das nicht gebrochen wird. Wer erlebt, wie sein Recht immer wieder missachtet und gebrochen wird, findet keinen Frieden. Friede braucht die Freiheit, ein Leben leben zu dürfen und es in die eigene Hand zu nehmen.

Darum fängt der Friede mit denen an, die wir als Fremde bei uns willkommen heißen und die wir zu Nachbarn machen.

Als Zacharias als Flüchtling vor dem Terror des Präsidenten in Togo nach Deutschland floh, wusste er nur, dass sein Großvater aus diesem Land stammte. Er ging in unsere methodistische Gemeinde in Velbert, weil seine Familie schon immer zu den Methodisten gehörte und er von Jugend an sich in dieser Kirche engagiert hatte. Zacharias Schuppuis war für die Kirche in Westafrika vor seiner Flucht in führende Gremien gewählt worden und leitete die methodistsiche Schule in Lomé. Nun war er in einem Land, dessen Sprache er bis heute nur fast gut beherrscht und sucht als traditionell geprägter Afrikaner seinen Weg bei uns.

Ich habe ihn sehr schätzen gelernt über die Jahre, die wir uns kennen, und ich freue mich, dass er als Laienprediger seinen Weg in unseren Gemeinden gefunden hat. Inzwischen hat er seine Tochter zu sich nach Deutschland geholt und die junge Frau geht ihren ganz eigenen Weg zwischen den Kulturen in Westafrika und bei uns.

 

So könnte es sein, wenn wir uns als Friedensstifter in dieser Welt engagieren.

Wir helfen einander, neu Heimat zu finden.

Wir stärken einander im Glauben.

Wir erwarten von Gott, dass er immer noch mehr in dieser Welt in Bewegung bringen kann, als wir es mit unseren Möglichkeiten können.

 

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

od.: 0176 – 239 236 20 ° e-mail: guenter.loos@emk.de ° home-office: 05232.9805270

 

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                                   Wach sein und beten                                            

  Predigtimpulse zu Matthäus 26, 36-46 für den Sonntag Reminiszere

                                         12. März 2022

 

Liebe Lesende,

 

die Geschichte, die an diesem Sonntag im Mittelpunkt der Gottesdienste steht, redet nicht von der großen Weltpolitik und bedenkt keine tiefen geistlichen oder philosophischen Grundsatzfragen. Es geht um ein Zwiegespräch zwischen Jesus und Gott und um die Enttäuschung über Freunde, die es nicht geschafft haben, einem in schwieriger Situation beizustehen:

 

36Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Garten, der Getsemani hieß. Dort sagte er zu seinen Jüngern: »Bleibt hier sitzen. Ich gehe dort hinüber und bete.«37Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit. Plötzlich wurde er sehr traurig, und Angst überfiel ihn.38Da sagte er zu ihnen: »Ich bin verzweifelt und voller Todesangst. Wartet hier und wacht mit mir.«39Jesus selbst ging noch ein paar Schritte weiter. Dort warf er sich zu Boden und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, dann erspare es mir, diesen Becher auszutrinken! Aber nicht das, was ich will, soll geschehen – sondern das, was du willst!«

40Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Könnt ihr nicht diese eine Stunde mit mir wach bleiben?41Bleibt wach und betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach.«

42Dann ging er ein zweites Mal einige Schritte weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders möglich ist, dann trinke ich diesen Becher. Es soll geschehen, was du willst.«43Als er zurückkam, sah er, dass seine Jünger wieder eingeschlafen waren. Die Augen waren ihnen zugefallen.44Jesus ließ sie schlafen. Wieder ging er weg und betete ein drittes Mal mit den gleichen Worten wie vorher.45Dann ging er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: »Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Seht: Die Stunde ist da! Jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert.46Steht auf, wir wollen gehen. Seht: Der mich verrät, ist schon da!«

(Der Text von Matthäus 26, 36-46 nach der Basisbibel 2021)

 

Jesus ist verzweifelt

Am Abend feierte man miteinander das Passamahl. Da wurde viel geredet, es gab Wein und die traditionellen Speisen. Einige Bemerkungen Jesu ließen die Freunde ahnen, dass dies kein Passafest wie immer werden wird.

 

Mit einigen aus dem Kreis ging Jesus danach aus der Stadt heraus in die Hügel zum Garten unterhalb vom Olivenberg. Nicht alle, die bei ihm waren gingen mit in den Olivenhain hinein. Nur Petrus, Johannes und Jakobus gehen mit Jesus mit. Wenn Jesus sonst betete, dann blieb er eher allein und niemand war bei ihm. Petrus, Johannes und Jakobus werden sich in diesem Augenblick daran erinnert haben, als Jesus sie mit auf einen Berghügel nahm und sie das wunderbare Licht und Mose und Elia sahen. Ob nun wieder so etwas passiert?

Diesmal wird es ganz anders sein. Jesus bittet die drei: „Wartet hier, ich will beten.“ Jesus ist nicht weit weg von ihnen und sie hören einige der Sätze, die er sagt. Jesus ist verzweifelt und man sieht es ihm an. Doch Jesus ist ganz im Gebet versunken, teilt seine Angst nicht mit den Freunden und schien nicht mehr auf die zu achten, die bei ihm waren. Petrus, Johannes und Jakobus schliefen irgendwann ein.

Jesus kehrt hier im Garten von Getsemani sein Innerstes nach außen. Es geht nicht mehr um Andeutungen über die öffentliche Verurteilung und das Leid, das auf ihn wartet. Jesus hat Angst, er ist verzweifelt und bittet Gott, für ihn einen anderen Weg zu suchen. Jesus sieht, was vor ihm liegt, aber er will diesen Weg nicht einfach weitergehen. „Lass diesen Kelch an mir vor rübergehen!“

Diese Verzweiflung Jesu ist verstörend. Jesus wird an so vielen Stellen in den Evangelien als der Messias beschrieben, der mit Gottes Hilfe Leiden in neues Leben verwandelt. Nun öffnet sich keine Tür und Jesus kämpft damit, dass es keinen Ausweg für ihn gibt. Er weiß um die Verhaftung, die ihm droht, und den Prozess, der am Ende mit dem Tod enden wird. „Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass mich einen anderen Weg gehen!“

In der Kirche hat man nicht gerne über diese Verzweiflung Jesu vor seinem Martyrium gepredigt. Die Angst und die Schwachheit Jesu passen nicht zum Bild des Gottessohnes, der immer schon die Erlösung dorthin mitbringt, wo immer er auftritt. Doch Jesus erlöst uns in unserer eigenen Verzweiflung über Leiden, dem wir ins Auge sehen, und Sterben, was uns Angst macht, nicht mit der Vertröstung auf eine Zeit, in der alles besser sein wird. Jesus verzweifelt und ist ängstlich, wie Menschen immer verzweifeln, wenn sich keine Tür mehr zu öffnen scheint und alles auf ein schweres Ende zuläuft.

Da versteckt sich der Trost, den wir brauchen, wenn wir keine Antworten mehr wissen. Jesus hat auch keine Antworten mehr gewusst und musste die Verzweiflung aushalten. Jesus kennt und versteht uns in unserer Verzweiflung, weil er selbst solche Erfahrungen durchlitten hat.

 

Die Jünger schlafen

Der Schlaf von Petrus, Johannes und Jakobus weckt unsere Entrüstung. Wie konnten die drei Jesus so im Stich lassen? Zeit zum Schlafen haben sie ein anderes Mal mehr als genug. Oder ist ihnen wirklich nicht aufgefallen, wie schwer Jesus dieses Gebet fällt?

Eine Auslegungstradition dieser Geschichte nimmt den Satz „…Jesus sagte zu Petrus“ so auf, dass hier mit Petrus und den beiden anderen die Kirche einen Spiegel vorgehalten bekommt. Jesus braucht seine Jünger und Jüngerinnen in dieser Welt, aber die Kirche schläft.

Selbstkritisch müssen Christen und Christinnen sich immer wieder sagen lassen, dass ihre Sensibilität und ihre Wachheit für die Nöte von anderen oft zu wünschen übriglässt. Doch da, wo Kirchen und Gemeinden wach auf die Not in der Welt reagiert haben, zeigt sich, wie Glaube noch engagierter in dieser Welt gelebt werden kann. Wo man sich engagiert, zeigt sich, wo man etwas auch besser und noch mutiger hätte angehen können.

Die farbige Rosa Parks blieb in Montgomery/Alabama im Bus auf dem Platz sitzen, der nur für Menschen weißer Hautfarbe reserviert war. Damit brachte sie eine Gesetzesveränderung ins Rollen. Sie wurde von der Polizei verhaftet und unter der Leitung von Dr. Martin Luther King wurde ein Busstreik durch farbige Menschen organisiert, bis die gesetzliche Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Hautfarbe in allen öffentlichen Bussen in den USA abgeschafft wurde.

Rosa Parks war Methodistin und hat immer wieder mit ihrem Engagement daran erinnert, nicht nachzulassen und sich überall für gleiche Rechte für alle zu engagieren. Sie hat viele auch in unserer Kirche aufgeweckt, wo man Rassismus mit seinen brutalen und menschenverachtenden Konsequenzen nicht ernstgenommen hat.

Doch schon in unserem Bibeltext mischt sich die Klage Jesu über die schlafenden Freunde mit Verständnis für ihren Schlaf. „…Die menschliche Natur ist schwach“, so entschuldigt Jesus die Schwäche der drei Jünger. Nicht das Schlafen macht er zum Thema, sondern dass sie die aktuelle Situation in ihrer Dramatik nicht erkennen: „Ihr schlaft? Seht Ihr nicht, was nun passiert?“

John Wesley hat diese Sätze so übersetzt: „Jetzt schlaft ihr und erholt euch. Aber dann sollt ihr in eurem Dienst ganz bei Ihm, Christus selbst, sein.“1 Wir brauchen einander um diesen Dienst und die Aufgabe zu erkennen, wo Jesus seine Freunde an seiner Seite braucht, wo er sich den Todeskräften und dem Leid in dieser Welt stellt.

 

In der Versuchung die Stunde der Prüfung bestehen

Der Evangelist Matthäus bindet so, wie er die Geschichte aufgeschrieben hat, das Beten Jesu ganz eng an die Worte Jesu im Vaterunser. Das gleiche Wort, was bei Luther mit Versuchung im Vaterunser übersetzt wird, steht im griechischen Text auch dort, wo Jesus Petrus auf die Prüfung – so die Übersetzung der Basisbibel – anspricht.

Doch die Rede von der Prüfung gibt wenig Sinn, wenn nicht deutlich wird, wo sich der Konflikt auftuen könnte. Jesus bittet Gott in seinem Beten, aber er verpflichtet sich gleichzeitig, den Willen Gottes zu tun. „Dein Wille geschehe… .“

Gott, so beten wir es mit den bekannten Worten des Vaterunsers, steht mit seiner Größe über dem, was wir für uns mit unseren begrenzten Möglichkeiten wissen können. Gott hält das Leben in der Hand und nur im Vertrauen darauf, dass dieser Schöpfer des Lebens auch in dunklen Stunden und im Leid der bleibt, der in Liebe unser Leben trägt, können wir immer neu beten: dein Wille geschehe.

Die Versuchung, die sich auftun könnte, besteht darin, den eigenen Willen zum Maßstab für die Entscheidungen in schwierigen Zeiten zu machen. Bei Matthäus beginnt das Auftreten des erwachsenen Jesus mit den verlockenden Angeboten des Versuchers in der Wüste (siehe Matth.4!). Doch alle diese Angebote schenken nur auf den 1. Blick ein besseres Leben. Am Ende drohen Macht, Wohlstand und Wunderkräfte, die der Versucher anbietet, sich gegen uns selbst zu richten und ein Leben zu zerstören. Wo uns die Versuchung begegnet, werden wir geprüft, ob wir uns mit dem schnellen Erfolg zufriedengeben oder Gott zutrauen, ganz andere Gedanken des Friedens und der Fürsorge für unser Leben zu haben.

Damit die Stunde der Prüfung unseres Gottvertrauens nicht zu einer Stunde des Scheiterns wird, bleiben diese einfachen Aufforderungen Jesu damals im Garten Getsemani bis heute aktuell: Seid wach und betet!

Eine ca. 10jährige Teilnehmerin in einem der Camps, in denen ich mitgearbeitet habe, hat mir geholfen, dies Bibelwort neu zu verstehen.

Sie war erkrankt, musste sich, um wieder zu Kräften zu kommen, allein in ihrem Zelt ausruhen und hörte draußen die anderen toben und spielen. Sie konnte nicht dabei sein und spürte gleichzeitig die eigene Schwäche. Sie erzählte uns später, was sie in dieser Situation getan hat: „Ich wusste nicht mehr, wie ich das aushalten soll. Da habe ich dann gebetet und dann ging es mir besser.“ Beten und mit Gott reden ist immer noch ein gutes Medikament, wo uns die Krankheit an Seele und Körper alle Kraft nehmen will.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Siehe Wesley´s Notes on New Testament zu Matth. 26,44

 

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                                 Anders leben und handeln                                   


                         Predigtimpulse zu 2. Korinther 6, 1-10

                      für den Sonntag Invokavit / 06. März 2022

Liebe Lesende,
die Frauen, die gestern in Detmold, Lage und an vielen anderen Orten den Weltgebetstag gestaltet haben, stellten sich einer Herausforderung.
Hinter vielen liegen Tage, wo man bei den Nachrichten vom Krieg in der Ukraine Ohnmacht und Wut spürte oder Angst bekam, ob der Krieg soweit eskaliert, dass er uns direkt betreffen wird. Dann kamen sie in den Gebetsgottesdienst, der unter dem Motto gefeiert wurde: „Zukunftsplan: Hoffnung“. Niemand von denen, die auf den englischen Inseln und vor Ort diesen Gottesdienst vorbereitet haben, werden geahnt haben, wie provozierend dieser Weltgebetstag in die Gefühlswelt vieler hineinkommt. Es tat gut, nun die Hoffnungsgeschichten zu hören und den Trostzuspruch aus dem Jeremiabuch gegen alle deprimierenden Nachrichten.
Die Theologen Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky veröffentlichten 1995 ein Buch, das die Grundhaltung, die beim Feiern des Weltgebetstags in diesem Jahr gefragt war, auf den Punkt brachte:
Wider den Luxus der Resignation und Hoffnungslosigkeit. Christen in der Gemeinde Jesu können es sich nicht leisten, in das resignierende Lamentieren einzustimmen, wenn sie die Geschichten der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung gehört haben und am leeren Ostergrab ihren Glauben an die Auferstehung und das Leben bekennen.
Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther von dieser Grundhaltung in der Nachfolge Christi, die immer wieder überraschende Alternativen zu dem aufschließt, was doch auf den ersten Blick ganz selbstverständlich zu sein scheint:


1Wir als Gottes Mitarbeiter bitten euch auch: Nehmt die Gnade Gottes so an, dass sie nicht ohne Wirkung bleibt. 2Denn Gott spricht: »Ich habe dich zur rechten Zeit erhört und dir am Tag der Rettung geholfen. Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit. Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung.«
3Wir wollen auf gar keinen Fall Anstoß erregen. Denn unser Dienst soll nicht in Verruf geraten. 4Vielmehr beweisen wir in jeder Lage, dass wir Gottes Diener sind: Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung. 5Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, wir schlafen nicht und essen nicht. 6Zu unserem Dienst gehören ein einwandfreier
Lebenswandel, Erkenntnis, Geduld und Güte, der Heilige Geist und aufrichtige Liebe. 7Zu unserem Dienst gehören außerdem die Wahrheit unserer Verkündigung und die Kraft, die von Gott kommt. Wir kämpfen mit den Waffen der Gerechtigkeit, in der rechten und in der linken Hand. 8Wir erfüllen unseren Auftrag, ob wir dadurch Ehre gewinnen oder Schande, ob wir verleumdet werden oder gelobt. Wir gelten als Betrüger und sagen doch die Wahrheit. 9Wir werden verkannt und sind doch anerkannt. Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben! Wir werden ausgepeitscht und kommen doch nicht um. 10Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles! (Text nach der Basisbibel 2021)


Paulus spricht für sich und die, die mit Christus unterwegs sind
Bevor man sich genauer in diese Sätze hineinliest, muss ein Vorwurf gegen Paulus aus dem Weg geräumt werden. Das Bekenntnis, was wir hier hören, kann auch als Selbstbeweihräucherung und Eigenlob des Autors gehört werden.
Doch so war Paulus nicht, was man an verschiedenen Stellen seiner immer wieder sehr persönlich gehaltenen Briefe spürt. Er redet von sich, wenn es ihm geboten zu sein scheint, um die Kraft und die Möglichkeiten Christi durch eigene Erfahrungen zu bezeugen. Er will keinen eigenen Ruhm, sondern wirbt in immer anderen Bildern und Worten um den Glauben an Jesus Christus, dem aller Ruhm gebührt.
Gleichzeitig übertreibt er im Brief an die Korinther nicht, wenn er von seinem Alltag in der Mission für Christus erzählt. Er kämpfte mit dem Brief um seine Autorität, und für das, was er zu sagen hatte. Die Gemeinde in der berühmten und quirligen Hafenstadt war noch sehr jung und viele unterschiedliche Menschen brachten Ideen und Lebensentwürfe aus ihren nichtchristlich geprägten Biographien mit in die Gemeinde. Der Glaube an Christus musste in vielen konkreten Alltagsfragen durchbuchstabiert werden und immer wieder mal scheint nicht mehr klar gewesen zu sein, warum man sich im Namen Jesu traf.
Paulus hatte persönliche Karrierepläne als junger engagierter Pharisäer in Jerusalem aufgegeben und nutzte auch nicht die möglichen Vorteile seines römischen Bürgerrechts, um seine gesellschaftliche Stellung zu verteidigen. Er zog als Wanderprediger durch das Gebiet Syriens und der heutigen inneren Türkei bis nach Griechenland, um Gemeinden zu gründen und bestehende Gemeinden in ihrer Arbeit für Christus zu unterstützen. Er erlebt Verfolgung, Haft und Folter und stirbt vermutlich durch das Urteil des Gerichts in Rom. „Ich habe nichts“, konnte Paulus ohne Übertreibung über seine Arbeit als Missionar sagen und deutet damit nur an, mit welchen Widerständen er in seinem Engagement konfrontiert war.

Doch in der Rede von Paulus wird nicht nur als rhetorisches Mittel aus dem „Ich“ ein „Wir“. Sein Engagement für die Sache Jesu steht für das Engagement vieler anderer in der Gemeinde, die sich auf den Weg mit ihrem Herrn in dieser Welt gemacht haben.
Christen sind in der Nachfolge Jesu kritische Mitbürger, die nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen. Durch die radikale Liebe Jesu zu denen, die verloren in ihrer Gesellschaft leben und auf Gottes Rettung hoffen dürfen, ecken sie an. Das Beten für Frieden und die Ablehnung von Gewalt, Krieg und Terror als legitime Mittel der Machtausübung brachten Christen in allen Zeiten immer wieder buchstäblich zwischen die Fronten der Politik. Wie es auch Paulus erlebt hat, sind dies keine Positionen, mit denen man am Ende gut dasteht, sondern Ausdruck der Überzeugung, dass Christus im Leben und im Sterben Herr dieser Welt ist.
Der römisch-katholische Theologe Gerhard Lohfink redet von der Kirche als einer Kontrastgesellschaft in ihrer Umgebung. Die Menschen in der Gemeinde halten in ihrem Blick und in ihrem Vertrauen auf Christus anderen einen Spiegel vor und zeigen, wie die Dinge sind, wenn die Christusnachfolge keine Rolle spielt. Leben mit Christus ändert etwas in der eigenen Grundhaltung und prägt die Grundhaltung derer, die gemeinsam als Christen öffentlich ihren Glauben bezeugen.
Das eine und das andere – in Christus lösen sich Widersprüche auf
Das Überraschende in unserem Text ist die Liste der Dinge, die in ihrer Widersprüchlichkeit, als Teil des Glaubens genannt werden:
Wir gelten als Betrüger und sagen doch die Wahrheit. 9Wir werden verkannt und sind doch anerkannt. Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben! Wir werden ausgepeitscht und kommen doch nicht um. 10Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!


In der Regel würden wir bei jemandem eine krankhafte Selbstwahrnehmung vermuten, wenn er oder sie uns erzählt, dass man, obwohl man nichts hat, viele reich macht. Auch Betrug und das Sagen von Wahrheit kommen nur schwer zusammen. Die Widersprüche lösen sich auf, wenn man im Blick hat, warum Paulus so reden kann:
Ein am Kreuz nach damaligem Recht Hingerichteter konnte doch nicht den Punkt zu neuer
Gotteserkenntnis setzen. Doch der Christusglaube, für den Paulus und die Gemeinde warben, tat genau das.

Amen

 

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              Das Wort wirkt ,Predigtimpulse zu Hebräer 4, 12+13               

            für den Sonntag Sexagesimae 2022 / 20. Februar 2022

 

Liebe Lesende,

 

vor gut einem Jahr trat bei der Einführung von Jo Biden als Präsident der USA die damals 22jährige Amanda Gorman an das Mikrophon und sprach als Poetin von dem Hügel, den nun eine ganze Nation erklimmen muss:

Der Hügel, den wir erklimmen,

wenn wir es nur wagen, …

es ist die Vergangenheit, in die wir treten,

und die Art, wie wir sie reparieren.1

 

Sie brachte mit ihrer bildreichen Poesie auf den Punkt, woran die wohl mächtigste Nation der Welt heute leidet: man stellt sich nicht den Verbrechen und dem Unrecht, die in der Vergangenheit passiert sind, und steckt darum fest in tiefem Streit miteinander. Um der gemeinsamen Zukunft willen muss man diese Talfahrt als Amerikaner überwinden und über dem, was geschehen ist, neu Versöhnung wagen: …Vergangenheit reparieren.

Amanda Gorman ist groß geworden in der Glaubenstradition der afroamerikanischen Christen. Wenn dort Wort Gottes ausgelegt wird, dann kommt die Gemeinde in Bewegung. Man steht auf, bekräftigt das, was gesagt wird mit einem lauten Amen und lässt den eigenen Gefühlen viel Platz im Gottesdienst. Das Wort bringt Gottes lebendige Kraft sichtbar in den Gottesdienst. Das ehrliche und tief empfundene poetische Wort der jungen Frau gab der Hoffnung am Anfang der neuen Präsidentschaft einen zentralen Platz mitten in den vielen anderen Worten, die gesprochen wurden.

Diesen Worten, die die Dinge verändern, weil sie zum Werkzeug einer himmlischen Kraft mitten in unserer Zeit werden, setzen die Verse im Hebräerbrief ein Denkmal:

 

12 Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch und durch. Es durchdringt Seele und Geist, Mark und Bein. Es urteilt über die Gedanken und die Einstellung des Herzens.13 Kein Geschöpf bleibt vor Gott verborgen. Nackt und bloß liegt alles offen vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schuldig sind.

(Hebräer 4,12+13. Text nach der Basisbibel 2021)

 

Schwert-Worte

Schwerter gehören in Ritterfilme und auf Ritterburgen, wo die Angesehenen einer alten Zeit sich mit Schwert und Rüstung Respekt verschafften. Doch Schwerter faszinieren uns auch heute noch. Der Regisseur der „Herr der Ringe“-Filme Peter Jackson ließ für das Filmprojekt tausende Schwerter nach alten Vorlagen schmieden und engagierte dafür die besten noch arbeitenden Schwertschmiede Englands. Die Filme wurden zu einem Meilenstein in der Filmgeschichte.

Auch moderne Menschen brauchen die Symbole und die Mythen längst vergangener Zeiten, um sich zurecht zu finden. Was man in den „Herr der Ringe“-Filmen zu sehen bekommt ist alles andere als leichte Unterhaltung.

Da geht es um die Frage, was die Ursache des Bösen in der Welt ist, wie man das Böse – in Form eines Ringes – besiegen kann und wer dazu auserkoren ist. Macht und Boshaftigkeit zerstören die gute Welt und auch die stärksten Ritter mit ihren Schwertern müssen vor der Macht des Bösen immer wieder kapitulieren, wenn grässliche Heere von hässlichen menschenähnlichen Monstern alles Leben zu vernichten und zu zerstören versuchen.

Die Geschichte endet gut. Das Böse wird fast mit Stumpf und Stiel vernichtet. Diese Botschaft scheint bis heute wichtig zu sein. Wohl darum, weil viele den Eindruck haben, dass das Böse und die Ungerechtigkeit am Ende den Sieg über unser Leben und diese Welt davon tragen könnten. Globale Mächte scheinen so schwer in ihre Schranken gewiesen zu werden. Wer vernichtet das neue Böse?

Das Bild vom Gottes Wort, das wie ein Schwert wirkt, nimmt eine biblische Geschichte auf, die nicht von Rittern und großartigen Siegen redet, sondern von einem wandern Volk in der Wüste. Israel zieht am Anfang seiner Geschichte aus dem Land des Leiden und der Unterdrückung in Ägypten aus und wandert durch die Wüste der Gegenwart Gottes in einer Wolke hinterher. Man will das neue Land erreichen, wo Recht wieder Recht ist, wo das Leben wertvoll ist und die eigene Persönlichkeit geachtet wird. In diesem Land fließen Milch und Honig für alle.

 

Die Gemeinde, die zuerst den Brief an die Hebräer gelesen hat, sah sich wieder als wanderndes Gottesvolk auf seinem langen Wüstenweg. Die Menschen, die Christus noch gesehen und erlebt haben, waren inzwischen gestorben. Die nächste und die übernächste Generation hatte inzwischen ihre Berufung in den Dienst für Christus gehört und vieles war etabliert in der Gemeinde. Einige Verse vor denen, die Sie eben lasen, heißt es: „So lasst uns nun mit Furcht darauf achten, dass keiner von euch zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, dass wir zur Ruhe kommen.“ (Heb. 4,1)

Zur Ruhe kommen in Gottes Gegenwart – da liegt das neue verheißene Land für die Leute Jesu. Auf dem langen, anstrengenden Weg dorthin schenkt Gott sein Wort – wie ein Schwert! – das dabei hilft, durchzukommen, Klarheit zu finden und Entscheidungen zu treffen. Das Wort Gottes leitet seine Gemeinde damals – und sie und mich heute – dahin, wo wir Ruhe finden werden. Der Sabbat des Herrn wartet am Ende des Weges auf alle Kreatur. Heute ist das wandernde Gottesvolk ist noch nicht am Ziel angekommen.

 

Das Wort wirkt

Die Geschichte von der Einsetzung der großen Sabbatruhe, die alles Leben erneuert, beginnt mit den Worten, die diese Welt erschaffen haben.

Gott spricht: „Es werde Licht“ …und es war Licht.

Gott spricht: „Das Grün auf der Erde soll wachsen“ … und das Leben sprießt.

Gott spricht: „Das Meer und die Himmel sollen sich mit Lebendigem füllen“ … und Fisch schwammen im Meer und Bussarde zogen ihre Bahnen am Himmel.

Die Wirkung des Wortes Gottes ist zuerst ein schöpferischer und kreativer Prozess. Dieses Wort zerstört nicht, sondern schafft das Leben in einer lebensfeindlichen Umgebung.

Die Sätze im Hebräerbrief haben im Blick, was dann kommt, wo dieses Wort wirkt.

Das Leben braucht Unterscheidung, Abgrenzung und Klärung, damit es sich weiter entwickeln kann. Das Wort beurteilt auch und wird zum Gerichtswort, das Menschen verteidigt und Situationen klärt.

Jesus spricht immer wieder dieses verteidigende und klärende Wort. Eine Frau soll gesteinigt werden und er fragt die selbsternannten Richter, mit welchem Recht sie meinen, besser dazustehen mit ihrem Leben als diese Frau.

Ein Mensch ist ans Bett gefesselt und träumt davon, irgendwann mal geheilt zu werden. Jesus fragt ihn, ob er nur von einer Heilung träumt, oder wirklich gesund werden will. Dann spricht Jesus das Wort, das diesen Menschen wieder auf die Beine stellt und alles verändert.

Die Worte Jesu sind keine Waffe, die vernichten will, sondern helfen, dem Platz zu verschaffen, der im Alltag der vielen Worte nicht mehr gehört wird.

Eine andere Wirkung des besonderen Wortes klingt an, wenn betont wird, wie verletzlich und nackt Menschen vor dem Gott stehen, der sein Wort spricht. Gott sorgt für den Menschen in seiner Verletzlichkeit. Als der Mensch anfängt, sich zu sorgen, ob er wirklich von Gott beschützt wird und alles zum Leben notwendige bekommt, endet die Geschichte vom Paradiesgarten.

Wir brauchen in unserer Verletzlichkeit keine Angst vor dem Gotteswort zu haben. Denn es ist immer noch der schaffende und das Leben bewahrende Schöpfer, der dieses Wort spricht.

 

Dieses Wort lässt uns nicht mehr allein

Kein Geschöpft bleibt vor Gott verborgen.“ (V.13)

Gott, der in das Verborgene sieht, ist auch der, der uns nicht im Stich lässt, wenn wir mit dem, was da ans Licht kommt, fertig werden müssen.

Amanda Gorman endet ihr Gedicht nicht mit dem Blick auf amerikanische Sklavenbiographien oder der Gewalt in einer hochgerüsteten Zivilgesellschaft, sondern mit dem Bild des Volkes, das gemeinsam wagt auf den Hügel zu steigen, um zu sehen, wie eine bessere Zukunft aussehen könnte.

Da klingt der Hoffnungsglaube der Leute Jesu an.

Wir sind gemeinsam unterwegs. Christus, der Herr der Kirche, hat uns nicht allein gelassen, wenn der nächste Ungeist seine Blüten treibt. Wir müssen nicht allein das Leiden besiegen oder daran zerbrechen. Gott ist in seinem Wort mit uns unterwegs. Durch die andere Kraft, die sein Wort schenkt, können wir engagiert in dieser Zeit leben.

Wir sind nicht allein unterwegs, aber wir müssen es einem anderen überlassen, die Wegstrecken, die auf uns warten, für uns vorzubereiten. John Wesley hat einmal gesagt:

Ich bin zufrieden, dass ich außerordentlich wenig verstehe, während ich auf Erden lebe. Was Gott tut, weiß ist jetzt nicht; es genügt, dass ich es nachher wissen werde. Jetzt sollen wir lieben und gehorchen. Das Wissen ist für die Ewigkeit reserviert.“2

 

Wir gehen den Weg nicht allein.

Der Herr der Kirche ist durch Kreuz und Auferstehung mit uns unterwegs.

Gott sei Dank.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Amanda Gorman, The Hill we climb. Übersetzung in: Redaktionsnetzwerk Deutschland zur Amtseinführung Jo Biden, Feb. 2021/ siehe: www.rnd.de

2 Wesley Brevier, zum 10. November / S. 382; in: Edition Ruprecht, Ausgabe 2000

 

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                         Gerechtigkeit lernen                                               

                   Predigtimpulse zu Jeremia 9, 22-23

         für den Sonntag Septugesimä / 13. Februar 2022

 

Liebe Lesende,

 

der Deutsche Gewerkschaftsbund warb 2019 mit dem Bild der Waage dafür, allen Mitgliedern in der Gesellschaft gerechte Bedingungen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Wenn Sie mit mir den Text aus dem Jeremiabuch bedenken, dann landet man bei dieser Kampagne der Gewerkschaften, aber auch bei Fragen der persönlichen Lebenswerte oder des guten Miteinanders zwischen Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Geschlechtern oder Prägungen. Es geht im alten Prophetenwort um die Frage, ob wir selbst das Recht haben, die Spielregeln für das Zusammenleben mit anderen festzulegen, oder ob Gott nicht längst die Regeln für ein gelingendes Zusammenleben gesetzt hat.

 

22 So spricht der Herr: Der Weise sei nicht stolz auf seine Weisheit. Der Starke sei nicht stolz auf seine Stärke und der Reiche nicht auf seinen Reichtum! 23 Wer sich rühmen will, soll sich nur deswegen rühmen: dass er wirklich klug ist und mich kennt. Dass er weiß, dass ich der Herr bin, der auf Erden Güte, Recht und Gerechtigkeit schafft. Denn diese machen mir Freude.– So lautet der Ausspruch des Herrn. (Jeremia 9, 22+23.Text nach der Basisbibel 2021)

 

Wo Gerechtigkeit fehlt, brechen Gemeinschaften auseinander

Vor drei Jahren hat ein Spielfilm bei uns mit Recht Diskussionen ausgelöst. Im Film Systemsprenger reagiert die neunjährige Bernadette auf Enttäuschungen und Konflikte, die sie nicht verarbeiten kann, mit außergewöhnlicher Wut und Gewalt. Weder in ihrer Familie noch in der Klasse oder im Heim findet sie einen Platz für sich. Dem Therapeuten Micha von der Jugendpflege gelingt es über das Boxtraining zu dem Kind eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, doch als das Mädchen ihn bittet, sie in seiner Familie aufzunehmen, lehnt Micha ab und grenzt sein Privatleben von seiner professionellen Tätigkeit ab. Bernadette erlebt wieder, dass für sie und ihre Persönlichkeit in der Beziehung mit Anderen kein Platz ist.

Viele kennen dieses Phänomen extremer Gewaltausbrüche bei Kindern aus ihrer eigenen Familie oder aus ihrer Arbeit mit Heranwachsenden. Mein Systemsprenger beteiligte sich in der Jungschargruppe nur solange am gemeinsamen Spiel, bis er den Punkt gefunden hatte, wo ein Spiel seiner Meinung nach nicht gerecht gespielt wurde, oder wo er eine Rolle in der Gruppe einnehmen sollte, in der er nicht sicher gewinnen konnte. Ich bin dankbar, dass wir uns bei Gruppentreffen, Zeltlagern und besonderen Kindertagen so gut kennengelernt haben, dass ich seine Gewaltausbrüche gegen sich und andere irgendwann einordnen konnte und es trotzdem gelang, dass er sich in der Gruppe angenommen fühlte.

Der Bibeltext grenzt zwei Möglichkeiten gegeneinander ab, wie Menschen sich selbst und anderen gegenüber gerecht handeln.

Vielen erscheint es als ganz natürlich, die eigene Klugheit, die eigenen Stärken und den eigenen erreichten Wohlstand immer mit Stolz vor sich herzutragen. Nicht die Frage nach dem, was andere brauchen, bestimmt das Denken, sondern die Sorge darüber, ob man selbst gut dasteht.

Die Alternative zu dieser nur auf das eigene fixierten Grundhaltung ist die Wahrnehmung des eigenen Lebens als Teil einer größeren Gemeinschaft. In dieses Beziehungsnetzwerk mit anderen bin ich hineingestellt und Gott zieht die Linien, mit denen aus einer menschlichen Gruppe eine Gemeinschaft wird, die für Individualisten, traumatisierte Kids, selbstbewusste Einzelgänger oder Senioren mit besonderen Bedürfnissen Platz hat.

Wo Menschen in einer Gemeinschaft nicht erleben, dass man ihre Fragen hört und ihre Bedürfnisse verstanden werden, erleben sie sich als von den anderen ungerecht behandelt. Gerechtigkeit ist in der biblischen Tradition kein statischer Begriff im Sinne von „Vor-dem-Gesetz-ist-jeder-gleich“, sondern muss in der Gemeinschaft mit anderen lebendig gestaltet werden. Wo diese Gerechtigkeit für alle, auch die, die „schwierig“ sind, nicht mehr gesucht wird, entstehen Spaltungen und Fraktionen und am Ende steht die Trennung.

Darum ist der Film der neunjährigen Systemsprengerin Bernadette ein guter Schlüssel zum Verständnis von biblischer Gerechtigkeit: weil die Welt, in der Bernadette lebt, keinen Platz für ihre ganz besondere Persönlichkeit hat, kann sie sich entweder in sich selbst verkriechen und sich eine innere Traumwelt aufbauen, oder mit der Kraft, die sie hat, das System zerbrechen, damit für ihr Leben endlich Platz da ist. Vermutlich hätte Jesus für ein Kind wie Bernadette viel Sympathie gehabt.

 

Güte, Recht und Gerechtigkeit setzen ein tragfähiges Fundament

Die inneren Bausteine für eine Gemeinschaft, die uns mit unseren Sehnsüchten, unseren Möglichkeiten und Belastungen gerecht wird, sind Schöpfungswerke. Gott schafft auf Erden Güte, Recht und Gerechtigkeit. Diese Erklärung wird ergänzt mit der Begründung: Denn diese machen mir Freude.– So lautet der Ausspruch des Herrn (V.23).

Die eine Lebensperspektive betont Weisheit-Stärke-Reichtum als Werte für ein gutes Leben, der geistliche Blick setzt Güte-Recht-Gerechtigkeit als Leitwerte für gelingendes Leben in Zeit und Ewigkeit ein.

Das eine Wort-Dreigestirn lobt eine Welt, die immer wieder brutal Systemsprenger aussortiert und regelmäßig an ihren internen Spaltungen und Abgrenzungen innerlich zerbricht.

Das andere Wort-Dreigestirn baut die Fundamente für ewiges Leben schon mal mit hinein in einen ganz unspektakulären Alltag, der vielleicht auf Sie und auf mich in der nächsten Woche wartet. Den ein anderer schafft die Dinge, die man für das eigene Leben adaptieren kann und übernehmen soll.

Mein Systemsprenger, von dem ich oben schrieb, war mit an Bord, als wir in Mecklenburg auf dem wunderschönen Wiesenfluss der Tollense in eine gefährliche Situation geraten sind. Die Gruppe und die Mitarbeitenden mussten mit ihren Kanus ein etwa 1m hohes Wehr überwinden, um wieder an den Startpunkt der Tour zurückzukommen. Die Boote mussten durch einen Wald von Brennnesseln um das Wehr herumgezogen werden. Doch die Jüngsten fürchteten sich vor den piekenden Pflanzen. Das Boot, in dem mein Systemsprenger saß, drehte sich plötzlich in die Strömung und kenterte. Der 11Jährige sprang ins Wasser, zog alle seine Mitpaddelnden an Land und sicherte Boot und Paddel. Er war der Bootsretter und genoss an diesem Tag die Anerkennung und das Lob der anderen für seine nasse Heldentat.

Zum Grundverständnis biblischer Gerechtigkeit gehört die Erfahrung des offenen Endes dazu.

Weil wir nur Anteil-nehmen können an etwas, was Gott schenkt, ist nicht absehbar, was z.B. diese andere Gerechtigkeit bewirken wird. In ihr steckt eine Kraft, die Lebenswege verändert, die neuen Lebensmut und Selbstbewusstsein weckt oder mit ihrer Güte Menschen tröstet und heilt.

Unser Engagement als Gemeinde und Gemeinschaft braucht dieses Wissen um ein offenes Ende. Unsere Kraft wäre regelmäßig am Ende, wenn wir nur ein Programm für soziale Hilfe und geistliche Angebote organisieren würden. Doch die kreative Energie der von Gott geschenkten der Güte, des Rechts und der Gerechtigkeit verändert in der Praxis unserer Arbeit Menschen und unsere Welt.

 

Weil wir nicht alle gleich sind, gehört die Frage nach Gerechtigkeit zum Tagesgeschäft

Das Jeremia Wort gehört denen, die andere so annehmen, wie sie sind.

Das klingt trivial, aber eine Reportage ging vor einigen Tagen der Frage nach, für wen eigentlich Autos in Deutschland konstruiert werden und wer die Standards bei der Behandlung von bestimmten Krankheiten setzt.

Bis in jüngste Vergangenheit galt für viele in Kliniken, Arztpraxen und Rettungsstationen der Herzinfarkt als eine Krankheit, um die sich vor allem Männer Sorgen machen müssen. Neuere Forschungen, die von Ärztinnen angestoßen wurden, haben gezeigt, dass der Herzinfarkt genauso regelmäßig Frauen trifft, aber diese Infarkte, weil sie mit anderen Symptomen verbunden sind, oft zu spät erkannt werden und dann auch oft falsch behandelt werden. Frauen haben so statistisch gesehen ein deutlich höheres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben als Männer.

Bis heute werden in der Sicherheitsforschung bei Crashtest auf den Fahrersitzen nur männliche Dummies benutzt. Untersuchungen haben ergeben, dass durch ihre Anatomie Frauen andere Verletzungen bei Unfällen davontragen, als Männer. Schädelhirntraumata sind für Frauen darum viel gefährlicher als für Männer.

Wir sind weder in unseren Veranlagungen als Männer und Frauen gleich, noch in den Biographien, die wir mitbringen, noch in der Farbe unserer Haut oder den Begabungen, die uns prägen.

 

Das Bibelwort könnte für uns ein Spiegel sein.

Wir stehen mit Stolz vor dem was, wir da sehen.

Aber dann ist es wichtig, einige Schritte zurückzutreten und zu sehen, wer da noch mit uns vor diesem Spiegel steht.

Und am Ende sollten wir so viel Abstand haben, dass wir sehen, dass dieser biblische Spiegel die Form eines Kreuzes hat. Im Kreuz wird sichtbar, dass Gottes Güte, sein Recht und seine Gerechtigkeit sich nicht festnageln lassen, sondern in der Auferstehung zum Leben am Ostermorgen an ihr Ziel kommen.

 

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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                                        Über Wasser gehen                                           

                         Predigtimpulse zu Matthäus 14, 22-33

       für den 4. Sonntag vor der Passionszeit / 06. Februar 2022

 

Liebe Lesende,

 

im Sommer 2016 realisierte der Verpackungskünstler Christo auf dem Iseosee in Norditalien das Projekt der schwimmenden Landungsbrücken („Floating Piers“). Er baute quer über den See aus Pontonelementen verschiedene Stege und hüllte diese in gelben Stoff. Hundertausende nutzen den Spaziergang über den See und waren begeistert von dieser Aktion. Man konnte auf dem See laufen wie auf festem Land und das Wasser trug einen.

 

Hinter dieser Kunstaktion steht im christlichen Abendland die Erinnerung an die Episode von Jesus, der auf Wasser gehen kann. Der Evangelist Matthäus erzählt diese Geschichte so:

 

22 Sofort danach drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen. Sie sollten an die andere Seite des Sees vorausfahren. Er selbst wollte zuerst noch die Volksmenge verabschieden.23Als die Volksmenge weggegangen war, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Es war schon Abend geworden, und Jesus war immer noch allein dort.

24 Das Boot war schon weit vom Land entfernt. Die Wellen machten ihm schwer zu schaffen, denn der Wind blies direkt von vorn.25Um die vierte Nachtwache kam Jesus zu den Jüngern. Er lief über den See.26Als die Jünger ihn über den See laufen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. Sie riefen: »Das ist ein Gespenst! «Vor Angst schrien sie laut auf.27Aber sofort sagte Jesus zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Ich bin es. Ihr braucht keine Angst zu haben.«

28 Petrus sagte zu Jesus: »Herr, wenn du es bist, befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.«29Jesus sagte: »Komm!« Da stieg Petrus aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus.30Aber auf einmal merkte er, wie stark der Wind war. Da bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Herr, rette mich!«31Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen und hielt ihn fest. Er sagte zu Petrus: »Du hast zu wenig Vertrauen. Warum hast du gezweifelt?«32Dann stiegen sie ins Boot und der Wind legte sich.33Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder. Sie sagten: »Du bist wirklich der Sohn Gottes!«

(Text nach der Basisbibel 2021)

 

Wenn das Chaos in das Leben einbricht

Auch diese Fahrt im kleinen Fischboot über den See beginnt unspektakulär.

Viele der Freunde Jesu sind in der Region am See Genezareth groß geworden und kannten als Fischer ihren See. Viele Nächte waren sie immer wieder draußen auf dem See gewesen und suchten mit ihren Netzen die Fischschwärme. Jeder lebte dort am See mit dem nötigen Respekt vor dem Gewässer, weil alle schon mal die Kraft und die Gewalt der plötzlich von den Bergen herabfallenden Winde kannte. Von jetzt auf gleich konnten Wind und Sturm über dem friedlich plätschernden Wasser chaotische Wellenberge auftürmen, die auch den erfahrensten unter den Fischern alles abverlangte.

Bei der anderen Fahrt auf dem See, die das Boot mit den Freunden Jesu direkt in das Sturmchaos gebracht hatte, fuhr Jesus schlafend mit. Als er aufgeweckt wurde sprach er ein Wort und die Naturgewalten beruhigten sich. Diesmal ist Jesus nicht an Bord, aber wieder dreht ein Wort von ihm die ganze bedrohende und beängstigende Situation. Nach einer unruhigen Nacht mit viel Wind und Sturm auf dem See sehen die Jünger Jesus in der Morgendämmerung über das Wasser und die Wellen hinweg auf sich zukommen. Sie zweifeln mit Recht an dem, was sie sehen und fürchten sich, es auch noch mit einem Gespenst oder anderen bösen Geistern mitten auf dem See zu tun zu bekommen.

Fürchtet Euch nicht, habt keine Angst, ich bin es,“ sagt Jesus.

Wer wie die Freunde Jesu im Boot den Mächten und Kräften der Natur ausgeliefert war, braucht die Erfahrung, dass jemand, der stärker ist als man selbst, einem beisteht. Die Ängste und die Sorgen beherrschten in dieser chaotischen Nacht längst das Denken. Ohne Hilfe findet man keinen Ausweg aus der Not.

Mit Jesus kommt der zu Ihnen, der im Namen des anderen „Ich bin es“ spricht. Mose hatte am brennenden Dornbusch diese Stimme des „Ich bin es“ gehört. Bei der anderen Fahrt hinein in den Sturm hatte man es schon einmal erlebt, dass mit Jesus Gottes Macht selbst da ist und die Chaoskräfte brechen kann. Es passiert wieder. Diesmal verwandelt sich der scharfe Wind nicht in ein laues Lüftchen, aber man findet wieder Mut und schafft es, ans sichere Ufer zu kommen.

 

Die Jünger Jesu und die Gemeinde der Christen haben diese Geschichten anderen weitererzählt, weil es nicht nur auf dem See Genezareth passiert, dass mitten in das hinein, was man routiniert und alltäglich kennt und tut, plötzlich das Chaos einbricht. Man erlebt, wie hilflos und schwach man ist und man braucht jemanden, der stärker ist als die Angst und die Furcht, die alles beherrschen.

Das Chaos klingelt sich an der Haustür oder mit dem Telefon ins Leben hinein und ich erfahre vom Tod eines Menschen, der zu meinem Leben gehört. Immer wieder bringen Notfallseelsorger und Polizisten dieses Chaos in Häuser und Leben hinein, wenn sie berichten müssen, was geschehen ist.

Das Chaos meldete sich per Newsfeed und Fernsehen bei uns, wie im März vor fast zwei Jahren, und von jetzt auf gleich organisiert sich unser privater und öffentlicher Alltag unter den Bedingungen eines Lockdowns, dem niemand entgehen konnte.

Das Chaos übernimmt das Leben, wenn die alte Wohnung aufgegeben wird, ein neuer Anfang gemacht wird und nichts mehr da ist, wo es immer hingehört hat.

 

Wir erzählen einander als Glaubende diese Geschichte von der Chaosnacht der Jünger im Boot weiter, weil wir der Macht des Chaos immer wieder mal ins Auge schauen. Doch wir hören auch heute besonders da, wo wir im Chaos zu versinken drohen, immer noch die Stimme, die uns zuspricht: „Fürchte Dich nicht. Hab keine Angst. Ich bin da.“

 

Petrus wagt es

Für den Evangelisten Matthäus gehört diese Geschichte dem Petrus.

Die Anderen sind noch mit der Arbeit und dem Kampf gegen starken Wind beschäftigt, da wagt Petrus einen mutigen Schritt. Er wirft seine Ängste und Sorgen über Bord und geht über das Wasser hinweg auf den zu, der ihm da entgegenkommt.

Auf Wasser kann man nicht spazieren gehen, aber wir dürfen daran glauben, dass uns mit Gottes Hilfe das Chaos nicht besiegen wird und wir am Ende wieder festen Boden unter den Füßen haben werden. Petrus vertraut auf diese Kraft, die ihm helfen wird, nicht unterzugehen. Er wagt die ersten Schritte, und der Glaube trägt.

Diese Geschichte vom Mut ist auch die Geschichte von Zweifel und Bedenken, die unseren Mut kaputt machen. Petrus sieht die Wellen und den Wind. Die ängstlichen Sorgen, die an ihm schon im Boot genagt haben, sind wieder da. Der Zweifel hebt nicht nur bei Petrus oft genau dann den kleinen Finger, wenn der Glaube fragil und das Vertrauen brüchig werden. Leiden, Schmerzen, Ungerechtigkeit, Gewalt und Tod fassen uns an und nehmen uns den Mut zu nächsten Schritten.

 

Darum gehört Petrus diese Glaubensgeschichte.

Die Gründe, die uns den Mut für nächste Schritte nehmen, sind offensichtlich. Jesus gibt Petrus nicht den Rat, „…Mach doch die Augen zu und geh einfach weiter“, sondern er streckt seine Hand aus und hilft ihm, als der Zweifel Petrus runterzieht. Petrus besiegt mit seinem starken Glauben nicht die Zweifel, sondern er lässt sich helfen.

Dorothea Wüst wurde als Präsidentin der Ev. Kirche in der Pfalz mitten in der Corona Pandemie 2020 in ihr Amt eingeführt und sie wirbt dafür, heute diese Geschichte des Petrus und seinem Zweifel im Glauben weiter zu erzählen. Sie sagt: „Im Zweifel liegt kein Versagen des Glaubens (vor)“.1

John Wesley meditierte darüber, dass es zur Erfahrung der Gnade Gottes dazugehört, dass der erfahrene Fischer und Seemann Petrus dort in Not gerät, wo er sich besonders sicher fühlte.

Menschen wagen im Glauben auf ein Wort hin mutige Schritte. Doch wer die Geschichte von Petrus und dem Zweifeln, der zum Glauben dazugehört, nicht kennt, wird vielleicht Mühe haben, die rettende Hand zu ergreifen, wo er oder sie Hilfe braucht.

 

Der Angst ins Auge sehen

Ich wäre gerne damals mit den vielen anderen über den Iseosee gelaufen, um selbst zu erleben, dass Wasser tragen kann. Gleichzeit wird den meisten Spaziergängern auf den „Floating Piers“ klargewesen sein, wie gefährlich der See sein kann und man hier auch ertrinken kann.

Die Kunstaktion von Christo erinnert daran, dort wo wir leben und uns engagieren, den Schritt auf das Wasser hinaus zu wagen, auch wenn einem der Gegenwind zusetzt und Schlimmes den Mut nimmt,.

Gott kann noch immer schwimmende Brücken über das Lebenschaos hinweg bauen, damit am Ende des Weges die Füße wieder auf festem Boden stehen.

 

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Siehe Dorothea Wüst, S. 146, in: Predigtpraxis, 4. Reihe, Bd.1, Gütersloh 2021

 

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                         Das Wort überspringt Grenzen                                      

                       Predigtimpulse zu Matthäus 8, 5-13

          für den 3.Sonntag nach Epiphanias / 23. Januar 2022

 

Liebe Lesende,

erinnern Sie sich noch an unsere Kinder-helfen-Kindern Sammlung 2012, wo wir für die Flüchtlingsprojekte der methodistischen Kirche in Italien informiert und geworben haben? Das Bild der beiden Jungs ist in der Gemeinde in Vicenza entstanden. Beide Jungen mit ihren ganz verschiedenen Kulturen und familiären Hintergründen spielten in der Kirche und lernten sich in der Kindergruppe kennen.

 

Ich bin sehr froh, dass wir diese kirchliche Gemeinschaft von Menschen, in der die Kulturen, die persönlichen Prägungen oder der Geburtsort keine entscheidende Rolle mehr spielen, auch bei uns in den Gemeinden immer selbstverständlicher erleben können.

Der Predigttext für diesen Sonntag liefert die Blaupause dafür, warum die gute Nachricht, das Evangelium, immer schon Grenzen-überwindend gelebt wurde:

5Jesus ging nach Kapernaum. Da kam ihm ein römischer Hauptmann entgegen. Er sagte zu Jesus: 6»Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause. Er hat furchtbare Schmerzen!« 7Jesus antwortete: »Ich will kommen und ihn gesundmachen.« 8Der Hauptmann erwiderte: »Herr! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst! Aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund! 9Denn auch bei mir ist es so, dass ich Befehlen gehorchen muss. Und ich selbst habe Soldaten, die mir unterstehen. Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹, dann geht er. Und wenn ich zu einem anderen sage: ›Komm!‹, dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das!‹, dann tut er es.«

10Als Jesus das hörte, staunte er. Er sagte zu den Leuten, die ihm gefolgt waren: »Amen, das sage ich euch: Bei niemandem in Israel habe ich so einen Glauben gefunden! 11Ich sage euch: Viele werden aus Ost und West kommen. Sie werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch liegen. 12Aber die Erben des Reiches werden hinausgeworfen in die völlige Finsternis. Da draußen gibt es nur Heulen und Zähneklappern.« 13Dann sagte Jesus zum Hauptmann: »Geh! So wie du geglaubt hast, soll es geschehen!« In derselben Stunde wurde sein Diener gesund. (Matthäus 8, 5-13,Text nach der Basisbibel 2021)

 

 

Das Treffen Jesu mit dem römischen Hauptmann in Kapernaum, so wie der Evangelist Matthäus davon schreibt, hat etwas Anstößiges. Der heidnische Hauptmann wird von Jesus als Glaubensvorbild gelobt. Doch bei Matthäus ist dieser Satz kein Ausrutscher, sondern gehört zu seinem Bild dazu, wie Jesus in dieser Welt wirkt:

"Viele werden kommen von Osten und Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich am Tisch sitzen; ...." (Matth. 8,11)

Der Soldat in Kapernaum war keine Ausnahme.

Die Nichtreligiösen sind für Jesus schon heute im Blick. Die Gemeinde der Zukunft Gottes braucht viel Platz, weil viele dazu kommen werden. Gott hat keinen exklusiven Kreis vor Augen, wenn er Menschen in seine Gegenwart ruft.

Die Mischung derer, die seine Liebe erreicht, fordert uns allen viel ab. Da sind die dabei, die für uns natürlich mit dabei sein müssen – die Frommen in den Gemeinden –. Da sind aber auch welche mit in der Gemeinde, die hätten wir vermutlich nicht so einfach mit an Bord geholt. Von überall her kommen Leute dazu, wo Jesu in dieser Welt unterwegs ist.

 

Von überall her…

Offizielle Angaben über die Gläubigkeit der Menschen sind oft nur bedingt zu gebrauchen, aber eine Nachfrage sind sie schon wert. Der Zensus für Detmold gibt 2011 folgende Zahlen an:

  • 45,7 % der Einwohner evangelisch,

  • 13,3 % römisch-katholisch

  • und 41,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.1

In Lage sind die Zahlen mit neueren Angaben ergänzt worden und dort bietet sich für die 37.542 Einwohner 2016 folgendes Bild:

  • 16.638 Einwohnende (44,4 %) evangelisch,

  • 3.281 Einwohnende (8,7 %) römisch-katholisch,

  • und 17.623 Einwohnende (46,9 %) gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos.

Am Ende von 2019 halten die Statistiker fest, dass knapp die Hälfte der Bürger weder evangelisch noch katholisch waren.

 

Was glauben die, die sich nicht zu einer der großen Konfessionsfamilien zählen?

Ich vermute, der Hauptmann in Kapernaum wäre in Detmold oder in Lage entweder unter „andere Glaubensgemeinschaft“ oder bei den Konfessionslosen gezählt worden.

Doch die Frage nach der Gläubigkeit ist schon lange für kirchliche Statistiken eine Herausforderung. Die einen zählen die Menschen als Christen, die sich haben taufen lassen.

In unserer Tradition muss man sich als Glied der Kirche zur engagierten Mitarbeit bekennen. Wieder andere Zählungen rechnen die zusammen, die sich bei Evangelisationen für den christlichen Glauben entschieden haben. So gibt es sehr unterschiedliche Zahlen über die Zahl derer, die zur Gemeinde Jesu lokal und weltweit gehören.

 

Doch mit dem Hauptmann in Kapernaum bekommen die ein Gesicht, die den Schritt zur Taufe, zur engagierten Mitarbeit oder zu einem öffentlichen Bekenntnis nicht (…noch nicht?) gehen können. Überall gibt es Persönlichkeiten, die nach dem Gott der Bibel fragen. Keine kulturelle Barriere, keine Weltvorstellung und keine Ideologie haben es bis jetzt geschafft, das Wort von Gottes Liebe in dieser Welt zu ersticken oder nachhaltig mundtot zu machen.

Wir erleben auch mitten in der weltweiten Pandemie, wie sich Kirche und Gemeinde verändert. Glaube wird digitaler und Kirche trifft sich in ZOOM-Meetings. Doch wir erleben nicht, dass die Gemeinde Jesu ausstirbt und Kirche ein "Auslaufmodell" ist. Die dogmatischen Festlegungen und Machtstrukturen in Kirchen und Gemeinden werden mit Recht in Frage gestellt und überwunden. Aber immer noch wird man davon überrascht, dass Menschen die Gemeinschaft mit Gott und mit Christus suchen.

 

Überraschender Glaube

Der Hauptmann überrascht uns, weil er sich den Glauben anders erklärt, als man es in christlichen Kreisen gewohnt ist.

Glaube ist keine Medizin. Die hätte er bei den Ärzten bekommen.

Glauben ist einfach und wird sehr kompliziert, wenn man ihn erklären will.

Darum hält es dieser leitende Offizier mit einer für ihn vertrauten Sache:

Ich habe die Macht anderen zu befehlen. Sprich Du nur ein Wort, dann wird mein kranker Diener gesund.“ Jesus ist für ihn der Hauptmann, dem die geistlichen Kräfte und Mächte dieser Welt gehorchen.

Der römische Offizier sagt kein Wort von Gott. Er betet nicht, aber er glaubt so, wie er es verstehen kann und wie es aus seinem Herzen kommt. Das erinnert mich an eine Erfahrung in einem Gottesdienst:

Ein Mitarbeiter aus der Gemeinde sagte öffentlich: „Ich habe gehört `Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!´ So hatte ich das von meinen sozialistischen Vorbilder und Autoritäten in der DDR beigebracht bekommen. Aber dann habe ich das einfach ernst genommen. Ich habe mein Leben in die Hand genommen und gemerkt: es gibt da einen, der dir hilft, der bei mir ist und der mein Leben trägt." Dieses öffentliche Zeugnis löste einige Kritik aus. So kann ein wirklicher Christ das doch nicht glauben, sagten einige nach dem Gottesdienst.

Dieser Mann hat seine Christus- und Gottesbeziehung nicht so buchstabiert, wie man das in der Gemeinde gewohnt war. Doch ich lernte ihn als jemand kennen, der Christus sehr nahe war. Er wollte den Glauben der Bibel verstehen und bei Christus sein. Er sprach vom Glauben in Bildern und Gedanken, die ihn geprägt hatten. Und er buchstabierte mit seinen Alltagserfahrungen, wie ihm Gott und Christus begegnen.

 

Wunderbares unter uns

Dem Hauptmann scheint die Heilung nicht so wichtig zu sein.

Er schildert die Not seines Dieners, aber die meisten Worte braucht er, um Jesus zu zeigen: „Ich glaube, dass du helfen kannst.“ Das ist ihm wichtig. Die wunderbare Heilung passiert, aber sie spielt am Ende keine große Rolle für ihn.

Diese Erfahrung machen viele bis heute: das Wunderbare geschieht in ihrem Leben, aber entscheidender war und ist für sie, dass sie Gott vertraut und geglaubt haben.

 

Wunder haben ganz unterschiedliche Gesichter.

Bei dem einen sieht man irgendwann wieder ein Lachen im Gesicht nach langen Wochen und Monaten der Trauer. Ein Ehepaar, die viele Jahre gemeinsames Leben geteilt hat, weiß um den Abschied durch den nahen Tod und entdeckt in dieser Zeit noch einmal eine ganz neue Tiefe in ihrer Liebe füreinander. Eine junge Familie fing mit viel Sorgen und Ängsten ihren Weg zusammen an und wird immer selbstbewusster und mutiger, umso mehr das Kind wächst und die gemeinsamen Projekte klappen. Jemand erzählt mir, wie er trotz seines kleinen Einkommens wieder genug hat, um alle Schulden zu bezahlen und auch seinen Beitrag für die Kirche treu weiter bezahlen zu können.

 

Wunder geschehen.

Doch spannend wird es, wenn wir entdecken, wie der Glaube uns den Blick dafür öffnet, was möglich wird, wo wir Gott die Hilfe für unser Leben zutrauen.

 

Ein Friedhof als Symbol der Gemeinde Jesu

Auf der Nordseeinsel Amrum haben die Menschen einen besonderen Friedhof angelegt.

Am Rande des Dorfes Amrum, auf einer leichten Anhöhe, liegt der Friedhof der namenlosen Opfer der See. Kein Name und keine persönlichen Daten sind vermerkt. Nur die Tage, an denen man die Ertrunkenen am Strand fand, stehen auf den Grabkreuzen. Für jeden ein Kreuz auf dem Grabhügel.

Niemand kennt die Geschichten der dort Beigesetzten. Und nicht einmal kann man sich ganz sicher sein, wie viel oder wie wenig jeder mit dem Kreuz unter dem sein nun ruht, tatsächlich anfangen konnte.

Glaubten die Verstorbenen an Christus?

Schrien sie verzweifelt in einer stürmischen See ihre Angst heraus?

Riefen sie Jesus als Notanker an?

Fluchten einige während sie starben?

Hofften andere auf ein Wunder?

 

Sie ruhen dort, weil sie dazugehören sollten, zur Gemeinde Jesu, ganz gleich wer sie waren und was mit ihnen war.

Amen.

 

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1 Siehe Statistisches Bundesamt zum Zensus 2011. In 2022 werden neue Daten erhoben und es bleibt abzuwarten, wie sich die Religionszugehörigkeit dann in Detmold abbildet. Die Zahlen aus Lage basieren auch auf dem Zensus von 2011, sind aber mit Daten aus den Behörden ergänzt worden.

 

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                   Ganz schön klug und ganz schön dumm.                        

                                  Von der Weisheit Gottes                                      

                 Predigtimpulse zu 1. Korinther 2, 1-10 für den

                 2. Sonntag nach Epiphanias / 16. Januar 2022

 

Liebe Lesende,

 

was wirklich dumm ist und wo man mit welcher klugen Idee glänzen kann, hängt immer wieder davon ab, wie was wo verstanden wird. Ich habe von Kindern viel darüber gelernt, wie klug oft die Dinge sind, die beim ersten Hören einfältig und unüberlegt zu sein scheinen. Ich schreibe Ihnen einige dieser Antworten aus Kindermund auf:

  • Eine Kollegin aus England erzählte von einem Kind, das gefragt wurde, wie alt es ist. Das Kind antwortete, „…das kannst Du doch in meinem Pullover lesen.“ In England wird in der Regel in die Kinderkleidung ein kleines Schild eingenäht, für welche Altersgruppe dieses gute Stück passend ist. Also einfach auf den Aufnäher geschaut!

  • Meine Nichte stellte mit ihren drei Jahren beim Tod des Opas die Überlegung an: „Wenn Opa nun im Himmel ist, dann braucht er doch nur ein Kissen und dann kann er auf einem Regenbogen wieder zurück auf die Erde rutschen.“

  • Beim Erzählen von Gleichnissen nach der Methode von GODLY-Play, die wir im Kindergottesdienstbereich seit einigen Jahren entdecken und praktizieren, ist es Teil des Konzepts, nicht gleich zu sagen, wer die Gleichnisse erzählt hat. Eine befreundete Pfarrerin berichtete: „Meine Tochter saß hinten in ihrem Kindersitz im Auto und man sah ihr an, wie intensiv im Kopf die Gedanken kreisten. Dann leuchteten ihre Augen und sie sagte: `Jetzt weiß ich, wer das ist, der immer diese Geschichte vom Himmelreich erzählt. Das ist Jesus!´

Ich bitte Sie, diese drei Geschichten nicht aus dem Blick zu verlieren, aber ich will erst weiter unten etwas zu ihnen schreiben.

Was klug ist und wo wir der Dummheit ins Auge sehen, diese Frage taucht immer wieder im Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth auf. Einen Einstieg in die Diskussion darüber, was bei Gott klug und weise ist, finden Sie gleich im 2. Briefkapitel:

 

1Brüder und Schwestern, ich bin damals zu euch gekommen, um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden. Ich bin aber nicht mit großartigen Worten oder mit Weisheit aufgetreten. 2Denn ich hatte beschlossen, bei euch nur über eines zu reden: Ich verkünde euch Jesus Christus, der am Kreuz gestorben ist. 3Als schwacher Mensch trat ich vor euch und zitterte innerlich vor Angst. 4Meine Rede und meine Verkündigung sollten euch nicht durch ihre Weisheit überreden. Vielmehr sollte in ihnen Gottes Geist und Kraft zur Geltung kommen. 5Denn euer Glaube sollte nicht aus menschlicher Weisheit kommen, sondern aus der Kraft Gottes.

6Und doch verkünden wir eine Weisheit – und zwar denen, die dafür bereit sind. Es ist eine Weisheit, die nicht aus dieser Welt stammt. Sie kommt auch nicht von den Herrschern unserer Welt, die ja zum Untergang bestimmt sind. 7Nein, wir verkünden die geheimnisvolle Weisheit Gottes, die bis jetzt verborgen war: Schon vor aller Zeit hatte Gott bestimmt, uns Anteil an seiner Herrlichkeit zu geben. 8Keiner von den Herrschern unserer Zeit hat diese Weisheit erkannt. Sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9In der Heiligen Schrift heißt es dazu: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, worauf kein Mensch jemals gekommen ist – all das hält Gott für die bereit, die ihn lieben.«

10Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch den Heiligen Geist enthüllt. Denn der Heilige Geist erforscht alles, selbst die unergründlichen Geheimnisse Gottes.1

 

Dumm wird es, wo keine Liebe mit im Spiel ist

Paulus spricht in seinem Brief an die Korinther viele Probleme des Gemeindealltags an. Mal bekommen die einen in ihrer Position von ihm Recht, dann wieder auch Vertreter anderer Positionen. Doch im 12. Kapitel bringt er im Vergleich des Gemeindelebens mit einem menschlichen Körper seine Grundüberzeugung in den verschiedenen Konflikten auf den Punkt: alle gehören mit dazu und der Organismus einer lebendigen Gemeinde kann nicht überleben, wenn einzelne Teile und Glieder in diesem Organismus einfach abgeschnitten oder übersehen werden. Der Körper der Kirche und Gemeinde lebt im Zusammenspiel aller mit ihren verschiedenen Erkenntnissen, ihren Gaben und ihren Überzeugungen. Doch die Schaltzentrale und die Orientierung in diesem Gebilde kommt von Christus her, der wie ein Kopf dieses Gebilde leitet und prägt.

 

Nachdem klargesetzt wird, wie die Beziehung zwischen Glaube und praktischem Leben in der Gemeinde funktionieren sollen, wird in bewegenden Sätzen die Bedeutung der Liebe von Paulus in diesem Beziehungsnetzwerk beschrieben. Er schließt seine Gedanken mit dem Satz: Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe. (1. Kor. 13,13)

 

In dieser Erklärung, warum die Liebe die entscheidende DNA für Menschen in der Nachfolge Christi ist, taucht aber auch eine Antwort auf die Frage auf, woran man als Christ erkennt, wenn etwas dumm und überflüssig ist:

 

1Stellt euch vor: Ich kann die Sprachen der Menschen sprechen und sogar die Sprachen der Engel. Wenn ich keine Liebe habe, bin ich wie ein dröhnender Gong oder ein schepperndes Becken.2Oder stellt euch vor: Ich kann reden wie ein Prophet, kenne alle Geheimnisse und habe jede Erkenntnis. Oder sogar: Ich besitze den stärksten Glauben –sodass ich Berge versetzen kann. Wenn ich keine Liebe habe, bin ich nichts.3Stellt euch vor: Ich verteile meinen gesamten Besitz. Oder ich bin sogar bereit, mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen. Wenn ich keine Liebe habe, nützt mir das gar nichts. (1. Kor. 13, 1-3)

 

Wo die Liebe mitschwingt und prägt, da klingen unsere Worte wie himmlische Musik. Wo die Liebe mit im Spiel ist, werden geistliche Dinge und der Glaube zu einer Kraft, die Berge ersetzen kann. Wenn uns die sorgende Liebe für Andere antreibt, dann lässt sich die ungerechte Armut in dieser Welt überwinden. Doch ohne Liebe bleibt von großen Gedanken nur dummes Geschwätz übrig, die geistlichen Dinge lösen sich in Schall und Rauch auf und die eigenen Taten bewirken gar nichts.

 

Kluges Leben erkennt die Liebe Gottes in Jesu Weg in dieser Welt

Paulus lässt keinen Zweifel daran, wie Reden, Tun und Glauben in eine Sackgasse laufen, wenn unser Beziehungsnetzwerk untereinander und mit Gott meint, ohne Liebe und den heiligen Geist auskommen zu können. Doch genauso deutlich redet er davon, was uns auf eine nachhaltige Lebensspur bringt: der Weg Jesu in dieser Welt.

Paulus wird davon reden, dass Jesu Weg in die Anklage und Hinrichtung vor den Toren Jerusalems auf dem Schädelberg Golgatha einfach nur eine Dummheit und Torheit war. Doch für ihn zeigt sich hier die tiefere Weisheit und Klugheit Gottes, die nur mit Liebe und Zuwendung zu erklären ist. Gott lässt seine Schöpfung und diese Welt nicht gegen die Wand laufen und an ihrer immanenten Gewalt und Lieblosigkeit zerbrechen. Gott geht dahin, wo das Schlimme und Böse nicht mehr übersehen werden können, und überwindet und besiegt in der Auferstehung Jesu - nach dem Foltertod und den Demütigungen am Kreuz - diese Geschichte des Unheils.

In den Sätzen aus dem 2. Kapitel des Briefs geht eine Tür auf. Jesu Tod und Auferstehung nimmt Paulus als eine Übersetzung der Liebe Gottes zu dieser Welt. Gott zeigt sich nicht in ausgefeilter menschlicher Logik oder in der Übernahme aller unserer weltlichen Macht- und Regierungssysteme. Das Geheimnis darüber, wo man Gott entdecken kann, löst sich auf, wo man Weg Jesu in dieser Welt kennenlernt.

Erinnern wir uns an die Kindergeschichten weiter oben.

Viele Diskussionen, auf die Jesus sich einlässt, beginnen mit einer Frage, die man sich mit einem klaren Blick auf die Dinge selbst beantworten kann. Weder muss man sich sein Geburtsdatum als Vierjähriger genauer merken, wenn man den richtigen Pullover trägt, noch muss Jesus genauer erklären, wie denn die Wohnverhältnisse sind, wenn man sich mit ihm auf den Weg macht. Die Antwort Jesu lautet einfach; „Komm und sieh!“ (Joh. 1,46) Der Täufer bekommt von Jesus auf seine Frage, wer er (=Jesus) den sei, keine Antwort. Johannes der Täufer soll eins und eins zusammenzählen und selbst sagen, wie man die Situation, dass Blinde sehen, Lahme gehen und Armen die gute Nachricht gepredigt wird, nur deuten kann. Die alten jüdischen Schriften haben immer gesagt, dass dies passiert, wenn Gott den Messias und den Erlöser des Volkes senden wird.

Die Ewigkeit verbindet sich immer noch mit dem Leben in dieser Zeit.

Da hilft uns die Fantasie, um in diesem Glauben Bilder und Symbole dafür zu finden, was wir mit unseren Augen nicht sehen können. Nicht nur Kinder beschäftigt die Frage, wie denn über den Tod hinaus ein Leben weiterleben kann. Jesus redet vom Weizenkorn, das sterben muss, um neue Frucht zu bringen. Immer wieder übersetzt er die Frage nach dem, was kommen wird in Situationen, die schon heute jeder kennt. Die Zebedäus Brüder fragen ihn danach, wie sie in der Ewigkeit einmal besondere Privilegien haben können, und Jesus betont, dass der Mensch einen besonderen Platz einnimmt, der anderen dient.

Wo man damals und heute Menschen auf einen Himmel vertröstet, den man irgendwann mal kennenlernt, wird bei Jesus der Himmel zu einer Frage der Gegenwart. Das Himmelreich ist dort, wo einer alles verkauft, um den Acker zu besitzen, wo ein Lebensschatz vergraben liegt. Das Himmelreich ist da, wo ein kleines Senfkorn wachsen kann, bis sich in seinen Zweigen Vögel neue Nester bauen können.

 

Die göttliche Weisheit und Logik erschließt sich uns tatsächlich erst dann, wenn ich weiß, wer konkret mir Gott besser erklären kann. Wir brauchen Zeit und viele Gespräche, Bibelstunden und Erklärungen in der Sonntagschule und im Kindergottesdienst, um zu verstehen, welche Bedeutung Jesus für unseren Glauben hat. Jesus sagt Abba – Väterchen – beim Gebet, weil es diese enge Beziehung zwischen ihm und Gott gibt. Er kämpft im Gebet mit Gott darum, ob seine Passion bis hin zum Sterben sein muss, und akzeptiert am Ende, was kommen wird. Er verspricht auch dann bei seinen Freunden zu bleiben, wenn scheinbar alles vorbei ist: „Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,20)

Wenn wir von der Weisheit Gottes sprechen, reden wir von den Alternativen, die anders aussehen, als das Leben, das wir kennen. Wir reden von einem funktionieren Beziehungsnetzwerk, das von der Liebe getragen wird. Und immer wieder reden wir von Jesus und mit ihm, wenn sich uns das Geheimnis des Glaubens nicht recht aufschließen will.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Zitate aus: BasisBibel. Altes und Neues Testament. ©Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 2021

 

 

 

                                    Das eine Wort Gottes                                          

                       Predigtimpulse zu Johannes 1, 1-14

                                     zum Christfest 2021

 

Liebe Lesende,

 

Weihnachten lebt von den Ritualen, von den gewohnten Dingen, die wir über viele Jahre hinweg uns angewöhnt haben und die vielleicht schon die Eltern vorgelebt hatten.

Und Weihnachten wird zu einer kritischen Zeit, wenn uns die gewohnten Rituale und Ordnungen wegbrechen:

Ich verbrachte mit sechzehn Jahren Weihnachten nicht zu Hause.

Damals lebte ich für ein Jahr in der Familie eines Onkels und arbeitete dort auch. In dieser Familie hielt man viel von der Weihnachtszeit, aber man ging nicht zur Kirche. Es war bei aller Festlichkeit ein eigenartiges Gefühl für mich. Ich weiß nicht mehr genau, wie es genau an diesem Heiligabend war, aber ich weiß, dass irgendwann meine Oma, die auch damals zu Gast war, fragte wo die Bibel im Haus sei. Man suchte das fast schon verloren geglaubte Stück und brachte es der alten Frau. Sie suchte den Text der Weihnachtsgeschichte nach Lukas und las laut für alle vor. Da war ich angekommen, als ich diese Worte hörte und es wurde ein guter Abend.

Ich möchte Sie einladen, den Worten ihren Raum zu lassen, damit sie unser Herz erreichen, und das man das eine Wort, was Gott uns schenkt, in den vielen anderen Worten wieder findet.


1Von Anfang an gab es den, der das Wort ist. Er, das Wort, gehörte zu Gott. Und er, das Wort, war Gott in allem gleich. 2Dieses Wort gehörte von Anfang an zu Gott. 3Alles wurde durch dieses Wort geschaffen. Und nichts, das geschaffen ist, ist ohne dieses Wort entstanden.4Er, das Wort, war zugleich das Leben in Person. Und das Leben war das Licht für die Menschen.5 Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht angenommen.

6Ein Mensch trat auf, den Gott gesandt hatte. Er hieß Johannes. 7Dieser Mensch war ein Zeuge für das Licht. Alle sollten durch ihn zum Glauben kommen. 8Er selbst war nicht das Licht. Aber er sollte als Zeuge für das Licht auftreten. 9Er, das Wort, war das wahre Licht. Es ist in die Welt gekommen und leuchtet für alle Menschen.

10Er, das Wort, war schon immer in der Welt. Die Welt ist ja durch ihn entstanden. Aber sie erkannte ihn nicht. 11Er kam in die Welt, die ihm gehört. Aber die Menschen dort nahmen ihn nicht auf. 12Aber denen, die ihn aufnahmen, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.– Das sind alle, die an ihn glauben. – 13Kinder Gottes wurden sie nicht durch ihre Abstammung. Sie wurden es auch nicht, weil ein Mensch es wollte oder weil sie einen Mann zum Vater haben. Kinder Gottes wurden sie allein dadurch, dass Gott ihnen das wahre Leben schenkte.

 

14Er, das Wort, wurde ein Mensch. Er lebte bei uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Es war die Herrlichkeit, die ihm der Vater gegeben hat –ihm, seinem einzigen Sohn. Er war ganz erfüllt von Gottes Gnade und Wahrheit.

 

(Basisbibel 2021)

 

Das Wort Gott löst eine kritische Zeit aus. Es bringt unsere Ordnung durcheinander. Es schafft neu, sagt das Evangelium, es wohnt näher bei uns, als wir es vielleicht ertragen können, und es passt nicht in diese Welt.

 

Mit diesem Wort fängt das Neue an…

1Von Anfang an gab es den, der das Wort ist. Er, das Wort, gehörte zu Gott. Und er, das Wort, war Gott in allem gleich

Vielleicht hätte es etwas weniger auch getan. Aber der Evangelist wählt einen kosmischen Horizont, in dem sich seine Geschichte erzählt. Wir haben uns ja an Übertreibungen wie bei James Bond gewöhnt wie: „Die Welt ist nicht genug…“! Das ist alles noch eine Kategorie zu klein für das 4. Evangelium. Hier geht es um Alles – global und kosmisch.

"Wer von Jesus etwas sagen will, der darf nicht nur erzählen, was Jesus gesagt hat, der muss berichten, wo und wie er geboren wurde," sagten sich Lukas und Matthäus als sie den Bericht des Markus über Jesu kennengelernt hatten. "Wer von Jesus etwas sagen will, der darf nicht bei unseren menschlichen und familiären Dingen stehen bleiben," schien der 4. Evangelist sich gedacht zu haben, und beginnt seine Jesusgeschichte mit der Schaffung des Universums. Mehr geht nicht.

 

In welchen Horizont ordnen wir unser Weihnachtsfest ein? Wo gehört Jesus für uns hin?

Hier sind einige Vorschläge:

Ein Termin am Ende des Jahres; Urlaub und Erholung für Leib und Seele; Familientreffen.

ein historisches Datum.

das gehört zu meiner Familie und meinem Leben dazu. Jesus hat mein Leben verändert.

Wenn mit der Gottes Schöpfung Weihnachten anfängt, muss auch unser Blick auf dieses Fest weiter werden. Kein globales Thema - ob es Klimaveränderung, ökologische Systemveränderung oder die Gerechtigkeitsfrage heißt - ist ohne Konsequenzen, wenn der Horizont stimmt, in den der Evangelist mit seinem ersten Satz die ganze Geschichte von Jesus einordnet.

Die Klammer, die die kosmischen und globalen Kräfte im Gleichgewicht hält, bekommt eine menschliche Gestalt, sagt die Bibel. Nicht anonyme Kräfte halten unsere Welt zusammen, sondern die in Christus offenbarte Liebe Gottes.

 

Das Wort geht unter die Haut

10Er, das Wort, war schon immer in der Welt. Die Welt ist ja durch ihn entstanden. Aber sie erkannte ihn nicht. 11Er kam in die Welt, die ihm gehört. Aber die Menschen dort nahmen ihn nicht auf.

Die zweite Provokation dieses Textes zielt auf etwas Anderes. Dieses Wort Gottes in Christus tönt nicht einfach durch dieses Universum, sondern sucht sich besonders die verlorenen Orte aus. Es geht unter die Haut und will nicht nur nett den schönen Glanz polieren. Doch es ist keine Waffe, die vernichtet und sich mit Gewalt Zutritt verschafft. Dieses Wort Gottes ist nicht nur höfflich und klopft an, es bleibt auch draußen, wenn wir es nicht in unsere Verlorenheit hineinbitten.

Gottes Wort verwehrt sich gegen Beliebigkeit und die von uns gerne benutzten Ungenauigkeiten. Gottes Wort hat eine Absicht, wo es redet und gehört wird:

  • Es will frei machen und erlösen.

  • Es will heilen von der Knechtschaft der Krankheit. Nicht der Krebs hat das letzte Wort, sondern Gott spricht dieses Wort.

  • Es will reich machen, wo Biographien durch Missbrauch oder Abhängigkeiten verbogen und entwertet wurden .

Doch so engagiert und mutig Gottes Wort ist, es wird überhört und übersehen.

Es scheint sich nicht zu lohnen, Gottes Wort moderner zu verpacken, damit es sich besser am Markt behaupten kann. Es ist und war kein Wort, das allen behagt. Wo dieses Wort hin will und Veränderungen erreichen möchte, wirken viele Ängste und Kräfte, die diesem Wort kein leichtes Spiel gönnen.

Gottes Wort arrangiert sich nicht mit den sozialen Verwerfungen und Ungleichheiten in unserer Welt. Es bietet den Gewalttätigen, die ihre Gewalt missbrauchen, Paroli. Ob im kosmischen Spiel der Mächte oder im Engagement für ein gerechteres soziales Gefüge in unserem Miteinander hat dieses Wort, das die Dinge verändern will, einen Namen: Jesus Christus.

 

Das Wort sucht eine Beziehung mit mir

 

14Er, das Wort, wurde ein Mensch. Er lebte bei uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Es war die Herrlichkeit, die ihm der Vater gegeben hat – ihm, seinem einzigen Sohn. Er war ganz erfüllt von Gottes Gnade und Wahrheit.

In der biblischen Tradition spielte das Nachdenken über die Weisheit eine wichtige Rolle. Was in alter Zeit an Erkenntnissen zur Weisheit gefunden wurde, passt gut zu dem, wie man in der christlichen Gemeinde das Wort Gottes verstehen muss. Die Bibelschreiber entdeckten, dass die Weisheit keine Sache des Kopfes am Ende ist und sich mit reiner Logik erklären lässt, sondern der Mensch, der weise werden will, braucht Sehnsucht und Herz.

 

Der Weisheit, so liest man im Buch Jesus Sirach in wunderschöner Poesie, begegnet man wie ein junger Mann einer reifen Frau begegnet:

"Schon als ich jung und nicht weit herumgekommen war, suchte ich offen und ehrlich die Weisheit; ...meine Herz freute sich über sie von ihrer Blüte an, bis ihre Trauben reiften. Ich ging geradewegs zu ihr und forschte von Jugend auf nach ihr; ich hörte auf sie und nahm sie an. .." (Sirach 51, 18-21)

 

Wir brauchen eine innere Beziehung, nicht nur ein rationales Wissen, wenn wir Gottes Wort annehmen wollen. Am Anfang sehen und hören wir vieles, aber am Ende ist unser Herz gefragt. Darum vergehen einem - je mehr man sich diesem Wort öffnet – „Sehen und Hören“ und es entsteht eine Art "Herzensbeziehung" oder wenn man es weniger pietistisch fromm sagt, eine „Liebesbeziehung“.

Wir brauchen Begeisterung und Faszination und wir brauchen Freude am Neuentdecken und am Wiederfinden, wenn es um Christus als dem einen Wort Gottes geht. Diese Begriffe benutzen wir in der Regel dann, wenn wir sehr persönliche und intime Erfahrungen beschreiben wollen. Doch diese Emotionalität gehört eben auch zur Begegnung mit Gottes Wort.

Dem Johannesevangelium gelingt es, die Fülle an Überzeugungen einzufangen, die sich mit der Weihnachtsgeschichte verbinden.

Es ist eine globale und kosmische Geschichte, um die es hier geht.

Gleichzeitig lassen sich die Persönlichkeiten aus den Krippenspielen mit Recht in ihrer politischen und sozialkritischen Dimension in Szene setzen.

Doch die Weihnachtsgeschichte hat immer auch die sehr persönliche und berührende Ebene, auf der wir dem menschgewordenen Gott in Jesus begegnen.

 

Die ersten Sätze im Johannesevangelium sind bis heute eine Einladung, den Blick auf Weihnachten und welche Rituale wichtig sind, zu verändern. Der verengte Blick auf Weihnachten, wo es vor allem um die Familie und die häusliche Idylle geht, verträgt ein kritisches Nachfragen und Überprüfen.

Die Worte über den Frieden in den Ansprachen während der Festtage werden auch in diesem Jahr verhallen, wenn Menschen nicht bereit sind, die vielen kleinen Schritte zugehen, die es braucht, um Konflikte zu lösen, die sich über lange Zeit entwickelt haben.

Aber das Fleisch ist Wort geworden

Und trotz konträrer

Behauptungen

Zuständiger

Ämter

Hat auch das Wort

Kein Quartier gefunden

In unseren engen Breiten.1

Schaffen wir dem Wort Gottes Raum.

Zuerst braucht dieses Wort Raum in unserem Herzen.

Doch dann braucht dieses Wort seinen Raum, draußen vor den Türen unserer Kirchen, mitten in dieser Welt.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Peter Henisch, "Mir selbst auf der Spur, Baden b. Wien 1977

 

 

                              Maria – eine einfache Frau                                     

         Predigtimpulse zu Lukas 1, 46-55 für den 4. Advent /

                                   19. Dezember 2021

 

Liebe Lesende,

 

kein Krippenspiel kommt ohne Maria aus, aber ob die „Marias“ in den Weihnachtsanspielen die Rolle, die sie haben, immer brauchen, ist eine Nachfrage wert. Die Marias gehören zu den Hauptpersonen der Geschichte, aber um sie dreht es sich höchstens an der Stelle, wenn man die Schwangere irgendwo warm und sicher hin betten soll. Die Hauptrolle spielt das Kind. Wie bei vielen, die ihr erstes Kind bekommen haben, ist das Kind das Wichtigste.

Ohne Maria gibt es keine Geburtsgeschichte Jesu. Doch immer wieder wird diese Geschichte so erzählt, dass die junge Mutter in ihrer Persönlichkeit farblos und ohne Konturen bleibt. Den Evangelisten Lukas muss das gestört haben. So schreibt er das persönliche Glaubenszeugnis dieser Frau auf:

 

39 Nicht lange danach machte sich Maria auf den Weg ins Bergland von Juda. So schnell sie konnte, ging sie in die Stadt, 40 in der Zacharias wohnte. Sie betrat sein Haus und begrüßte Elisabeth. 41 Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth mit dem Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut: »Du bist die gesegnetste aller Frauen, und gesegnet ist das Kind in deinem Leib! 43 Doch wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 45 Glücklich bist du zu preisen, weil du geglaubt hast; denn was der Herr dir sagen ließ, wird sich erfüllen.«

46 Da sagte Maria: »Von ganzem Herzen preise ich den Herrn, 47 und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter. 48 Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen, eine geringe und unbedeutende Frau. Ja, man wird mich glücklich preisen – jetzt und in allen kommenden Generationen. 49 Er, der Mächtige, hat großes an mir getan. Sein Name ist heilig,

50 und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm unterstellen.

51 Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen; er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist. 52 Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Geringen emporgehoben. 53 Den Hungrigen hat er die Hände mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat er mit leeren Händen fortgeschickt. 54 Er hat sich seines Dieners, des Volkes Israel, angenommen, weil er sich an das erinnerte, was er unseren Vorfahren zugesagt hatte: 55 dass er nie aufhören werde, Abraham und seinen Nachkommen Erbarmen zu erweisen.«

56 Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause zurück. (Lukas 1, 39-56 nach der Neuen Genfer Übersetzung)

 

Die Probleme und die großen Sorgen der jungen Frau...

Zu dieser Frau will der Heiligenschein nicht so richtig passen.

Aus der Provinz Nazareth zu kommen, war kein Grund zu feiern. Alle Welt kannte damals Jerusalem, aber Nazareth? “Was soll schon Gutes aus Nazareth kommen?“, hieß es damals. Nein, die Herkunft und die Familienverhältnisse schienen für diese Frau keine großen Träume und Hoffnungen im Angebot zu haben. Marias Leben war bescheiden, provinziell und wenig aufregend.

 

Am aufregendsten waren vielleicht noch ihre Familienverhältnisse. Männer und Frauen in den Dörfern wurden immer wieder sehr früh verlobt. Teenage-Schwangerschaften dürften die Regel und nicht die Ausnahme gewesen sein. Doch schon als Verlobte sichtbar schwanger zu sein, das löste einen Skandal aus.

Josef wusste was ihm die Stunde geschlagen hatte, als er seiner Maria so ein stilles Arrangement anbietet. „Ich verlass dich und du guckst bei deiner Verwandtschaft, ob du da nicht wieder unterkommen kannst.“ Josef kommt nicht weit mit seiner Idee, den eigenen Ruf zu retten. Ein Bote Gottes überzeugt ihn, sich zu seiner Frau zu stellen und dieses Kind, das da wächst und geboten wird, anzunehmen. Die beiden jungen Leute stecken schon am Anfang ihres gemeinsamen Weges in einer handfesten Beziehungskrise.

In der Geschichte, die der Evangelist Lukas erzählt, freut sich die Mutter über ihr Kind. Diese Frau denkt nicht an den Skandal und den üblen Tratsch im Dorf. Dieses Mädchen läuft und erzählt alles, was passiert ist, zuerst einmal ihrer altersweisen Freundin. So von Frau zu Frau.

Doch dieses Gespräch unter Frauen ist kein verstecktes Tuscheln. Da hüpft das Baby im Bauch vor Freude bei der einen und die andere hört gar nicht mehr auf zu reden, sich zu freuen und zu loben. Gott hat ihr dieses Kind geschenkt. Ihr, die doch keine Prinzessin oder außergewöhnliche Persönlichkeit ist, kommt Gott ganz nahe und lässt seine Herrlichkeit in ihrem Leben leuchten. Nicht mit den anderen, mit ihr, Maria, schreibt Gott das neue Kapitel seiner Geschichte mit dieser Welt.

 

Keine ruhiges Schicksal – aber ein erfülltes Leben...

Der Heiligenschein passt nicht zu dieser Frau.

Obwohl sich die großen Sorgen mit ihrer Freude aufzulösen scheinen, so sind ihre Probleme nicht kleiner geworden.

Was bedeutet konkret „…die Niedrigkeit seiner Magd angesehen“ (V.47)?

Wenn man diese Teenagerin ansieht, fällt auf, wie bedroht sie und ihr Kind sind.

Der anstehende Marsch durch die palästinische Hochebene nach Bethlehem ist keine empfehlenswerte Reise für eine Hochschwangere. Unterwegs werden sie Hitze und unwegsames Gelände fordern, mögliche Überfälle drohen und die gesundheitlichen Komplikationen in ihrem Zustand sind nicht berechenbar.

Es wäre für uns ein Ding der Unmöglichkeit, einige Tage vor der Entbindung an einen Ort zu reisen, ohne über die ärztliche Versorgung am Ziel irgendwie informiert zu sein oder etwas konkret planen zu können. Sechs Wochen Wochenbett - eine utopische Vorstellung für diese Maria des Evangelisten! Sie hat nur ein Provisorium als Unterkunft in Bethlehem und dann muss sie wieder mit dem Säugling und ihrem Mann wieder aufbrechen. Das Kind bringt ihr Leben durcheinander. Neben den wohlbekannten Sorgen, kommen noch ganz neue hinzu.

Das Kind, auf das sich die Mutter freut, wird sie mehr bewegen, als es ihr lieb ist.

Dieses Gotteskind verspricht seiner Mutter kein stilles und zurückgezogenes Leben. Revolution, die große Wende, Neuanfang – das steht über dem Leben dieses Kindes:

 

„Mächtige werden vom Thron gestoßen; … Gott nimmt sich Israel neu an; … Gott denkt an sein Erbarmen, dass er schon den Vätern verheißen hat.“ (V.52-56)

 

Doch für Maria ist eines wichtig in diesem großen Fragen nach der Bedeutung und dem Auftrag ihres Sohnes für sein Volk: ihr Leben findet in diesem Kind Sinn und Erfüllung. Zuerst sicher einmal ganz menschlich, wie es viele andere Mütter vor ihr und nach ihr erlebt haben.

Aber auch auf einer anderen Ebene kommt da Sinn in ihr Leben: wer Gott kennenlernt, entdeckt Lebensfülle und Lebenserfüllung. Gott tut etwas Großes in Marias Leben.

 

Einen Sohn verloren – das Leben entdeckt ....

Der Heiligenschein passt nicht zu Maria, weil diese Geburt keine Familiengeschichte mit einem „guten“ Ende werden wird. Maria wird ihren Sohn verlieren.

Was da am Anfang noch so begeistert klingt „... Gott erbarmt sich (in diesem Kind) von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ (V.50) spricht der Evangelist Matthäus später deutlicher aus: Dieses Kind wird das Volk Gottes und alle, die glauben, von den Sünden erlösen. „Wie ein Sündenbock trug er unsere Schuld und Sünden...“, so wird später mit den Worten der alten jüdischen Propheten der Tod Jesu gedeutet werden.

 

Dass Gottes Erbarmen für sein Volk und die Welt sich in diesem Menschen neu offenbart, ist für viele eine solche Provokation, dass der Tod und die Gewalt die einzige legitime Antwort auf Jesu Weg und Worte zu sein scheinen. Kein gutes Ende für das, was so freudig und hoffnungsvoll begann.

Doch Maria behält im Letzten Recht mit ihrer Freude.

Gott und Christus kapitulieren nicht vor dem Tod, so wie die Brotherren, die Manager des Egoismus und die übersättigten Besitzenden bei Jesus nicht das letzte Wort behalten werden.

Gott schenkt in diesem Kind eine Lebenshoffnung, die dem Tod trotzen kann.

Gott schenkt nicht nur der jungen Mutter einen neuen Blick für die Größe seiner Liebe zu aller Kreatur und Schöpfung. Gott stellt sich gegen die, die Leben vernichten. Gott will das Leben und die Erlösung von den Fesseln des Todes.

Die Geschichte dieses Kindes hat keine leicht verdauliche Pointe, doch am Ende bleibt nicht das Leiden Jesu in Erinnerung, sondern die Botschaft des leeren Grabes und des für uns alle auferstandenen Menschensohns.

 

Der Heiligenschein dieser Mutter, angekratzt von Ehekatastrophen, einem bedrohlichen Lebensumfeld und Verfolgung ihres Sohnes, bleibt eindrücklich und faszinierend.

Das große Loben und Danken über Gottes Herrlichkeit in der Advents- und Weihnachtszeit gehört der Maria in ihrem schlichten und sehr komplizierten Leben. Wer diese Frau übersieht, sie nur als Teil des Krippenensembles wahrnimmt, der übersieht, wo das echte Loben und Danken vor Gottes Herrlichkeit seine Quelle hat und wie man ihm eine Stimme gibt.

Die Geschichte von Maria bleibt, solange Menschen von den Geschichten um den Stall von Bethlehem hören, auch die Geschichte davon, dass wir vielleicht erst mit einem angekratzten Heiligenschein zur Freude über Gottes Liebe und Erbarmen finden.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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                                  Am Ende wird gelobt                                            

                     Predigtimpulse zu 1. Korinther 4, 1-5

                    für den 3. Advent / 12. Dezember 2021

 

Liebe Lesende,

 

die ersten Jahresrückblicke sind schon auf verschiedenen Sendern angekündigt und die Bildersammlungen des Jahres 2021 liegen in den Magazinregalen aus.

Adventsfeiern gehören zu den nächsten Tagen. Sie finden wieder gemeinsam statt oder werden virtuell in die ZOOM-Konferenz verlegt. Diese Feiern sind nicht nur gemütliche Treffen in den Abteilungen und Firmen, sondern immer auch ein Nachfragen und sich daran erinnern, wie dieses Jahr gelaufen ist. Doch werden die warmen versöhnenden Worte immer wieder einmal mit Gift vermischt, wenn bei der Feier das Lob des Betriebschef über die gemeinsamen Erfolge verbunden ist mit den Kündigungen, die kurz vor Weihnachten noch ausgesprochen wurden.

Der Text der Predigt erinnert uns daran, dass Lob dazugehört, wenn Gott kommen wird. Gott wird uns dann nicht verurteilen, sondern setzt uns ins Recht. Gott sieht, was wir hoffen, was wir wollen, was wir tun und lobt uns.

Das Lob Gottes kann uns gelassener werden lassen, wo wir Beurteilungen durch andere zu wichtig nehmen. Paulus formuliert dies in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth so:

 

1 Dafür soll man uns halten: für Diener von Christus und Verwalter von Gottes Geheimnissen. 2 Nun verlangt man ja von Verwaltern, dass sie zuverlässig sind. 3 Aber mir ist es völlig gleichgültig, ob ihr oder ein menschliches Gericht mich beurteilt. Ja, ich beurteile mich nicht einmal selbst. 4 Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst. Aber deswegen gelte ich noch nicht als gerecht. Nur der Herr kann über mich urteilen. 5 Urteilt also nicht schon jetzt. Wartet, bis der Herr kommt! Er wird alles ans Licht bringen, was im Dunkeln verborgen liegt, und die geheimsten Absichten enthüllen. Dann wird jeder von Gott gelobt werden, wie er es verdient.

(1.Korinther 4, 1-5 nach der Basisbibel 2021)

 

1. Noch gilt nicht „Ende Gelände“

Willkommen im Gemeindealltag in Korinth!

Dort verliert sich die griechische Fraktion der Gemeinde gerade wieder in ihren philosophischen Haarspaltereien. Die römischen Geschwister betonen gut hörbar für jeden, dass sie von ihrer Herkunft her ja schon eine etwas andere Stellung haben als die, die erst später richtige Römer geworden sind. Eine Schwester, die von ihrer Herrschaft wieder ordentlich drangsaliert und gedemütigt wurde, ist einfach nur froh, wenn sie im Gottesdienst über alle ihre Sorgen nicht nachdenken muss, sondern zur Ruhe kommen kann und von Herzen Christus loben darf. Menschen aus den verschiedensten Gebieten der römischen Welt trafen sich in der Stadt und brachten ihre unterschiedlichen religiösen Prägungen und Ideen auch mit in die Gemeinde und in den christlichen Gottesdienst.

Zwischen den Zeilen der Briefe des Paulus lesen wir von den deutlich sichtbaren sozialen Unterschieden in der Gemeinde. Einige kamen gut gesättigt zum Abendmahl und für andere war dies die wichtigste Mahlzeit am Tag, weil sie so wenig hatten.

Einige sehr strenge Geschwister in der Gemeinde hätten gerne die ganze jüdische Gesetzes- und Brauchtumskultur auch in der christlichen Gemeinde eingeführt und andere, die sehr freizügig ihren neuen Glauben lebten und vertraten, freuten sich über die Freiheit, die ihnen in der christlichen Gemeinde begegnete.

Es gab Streit über die richtigen Autoritäten in der Gemeinde und schon damals musste geklärt werden, welcher der Gemeindehirten denn welche Aufgabe hat.

Paulus schreibt in den ganz normalen Alltag der Gemeinde hinein. Doch er weigert sich, in seinem Brief alles abzukanzeln, was ihm nicht gefällt. Er schreibt seine Antwort auf das, was er gehört hat. sehr abwägend. Sein Thema nennt er dabei schon ganz am Anfang seines Briefes: nicht unsere eigene Macht und Weisheit setzen sich am Ende durch, sondern Christus soll seine Gemeinde prägen. Das Wort vom Kreuz (1.Kor. 1,23) sortiert die Meinungen und Überzeugungen nach wichtig oder überbewertet und unwichtig.

Denn Paulus sieht in diesen Streitereien nicht den Untergang der Gemeinde kommen, sondern die Chance zum neuen Glauben und Hoffen. Für Paulus ist in Korinth nicht „Ende Gelände“, sondern: „da geht noch was“, weil Christus mit uns unterwegs ist. Der Weg mit Christus hat eine Zukunft.

 

2. Die Geheimnisse Gottes verwalten

Paulus wirbt dafür, das neu wertzuschätzen, was vermutlich jeder und jede längst kennt, aber nicht immer so konsequent praktiziert:

Menschen sind in der Gemeinde Jesu zum Dienst eingeladen und um sich als Verwalterinnen und als Verwalter für Gottes Sache in dieser Welt zu engagieren. Die Ökonomen im Hause waren in der korinthischen Welt nicht die Sklaven, die nur auf Befehl ihre Arbeit taten, sondern die Organisatoren, die am Ende dafür sorgten, dass alles funktionierte.1

Wissen Sie, welche Bedeutung die Stewards, die Gemeindebeamten, in unserer methodistischen Tradition gehabt haben? Seit den Zeiten der Wesley-Brüder wurde die Mission unserer Kirche von den Verwaltern und den Verwalterinnen in den Gemeinden und Gemeinschaften getragen. Sie schauten, dass die Gemeinde ihre Aufgaben tat und tun konnte, sie organisierten die diakonischen Arbeiten und kümmerten sich um die Geschwister die an Leib und Seele Hilfe und Unterstützung brauchten.

Jede und jeder konnte Gemeindebeamte werden und viele haben bis heute für eine bestimmte Zeit ihre privaten Interessen zurückgestellt, damit die Sache Gottes in dieser Welt wächst und lebendig bleibt.

Paulus nennt einige Dinge, die wir für unseren Dienst an einander und miteinander beachten müssen:

  • Verwaltende zeichnen sich durch ihre Treue zur Sache aus. Nicht Erfolg, Ausbildung, Leistung und Einsatz, sondern ausdauernde Treue sind das Merkmal der christlichen Gemeindemitarbeitenden.

  • Dazu kommt, was die Aufgabe in allen Diensten und Tätigkeiten ist: Das Geheimnis des Glaubens bewahren und weitergeben.

Wer mit Kindern zusammen ist, weiß, wie konkret diese Arbeit immer wieder wird. Kinder stellen oft ganz überraschend tief ernste Fragen und machen uns damit oft erstmal sprachlos. „Wie macht Gott das, wenn er mit seinen Händen die ganze Welt festhält und dann hält er auch noch mich fest? Was sind das denn für Hände?“, fragte mich mein sechsjähriger Sohn. Als er mir diese Frage stellte, hatte ich erst mal keine gute Erklärung, wie man sich Gottes Hände vorstellen soll. Aber in den kommenden Jahren haben wir weiter die Dinge von Gott und den Glauben „untersucht“ und irgendwann war ihm dieses Geheimnis des Glaubens zugänglich.

Es ist gut investierte Zeit und Energie, denen, mit denen wir zusammen leben, das Geheimnis der Gnade Gottes aufzuschließen. Mal brauchen die Jüngsten einen Fahrdienst, damit sie an der Kindergruppe in der Kirche teilnehmen können. Aber auch eine durchdiskutierte Nacht mit den kritischen Teenies könnte etwas vom Geheimnis Gottes aufschließen. Viele schreiben Post zum Geburtstag oder zu den Festtagen und überlegen gründlich, was sie mit einem Satz oder einem Bild sagen möchten. Mit unseren eigenen Worten geben wir so auch das Wort Gottes weiter.

Darum sind Menschen in der Gemeinde eingeladen und berufen, das Geheimnis des Glaubens gut in dieser Zeit zu verwalten:

  • sie sollen es nicht verstecken;

  • sie sollen die Glaubensdinge nicht klein reden

  • und sie sollen diesen Glauben in seiner Tiefe bezeugen und bewahren.

 

3. Am Ende wird gelobt

Paulus kennt das gegenseitige Beurteilen und sich Zurechtweisen in christlichen Gemeinden gut. Er betont, dass nicht nur die Urteile von außen ihn beschäftigen, sondern dass er auch selbst mit sich sehr kritisch umgeht. Doch die Beurteilungen hält er am Ende für wenig hilfreich und für ungeistlich. Denn erst wenn Christus kommt, wird sichtbar, welcher Dienst fruchtbar war und wo die Fehler passiert sind, die den Glauben bei anderen zerstörten. Nicht wir sprechen das Urteil über den Einsatz und den Dienst im Glauben, sondern am Ende Gott selbst.

Die Adventszeit bringt schon etwas von dem zum Leuchten, was einmal sein wird.

Die Aufgabe der Symbole und des Schmucks im Advent ist es nicht, unsere dunklen Wintertage beeindruckend auszuleuchten. Die Symbole sollen auf die Geheimnisse hinweisen, die mit dem Kommen Gottes in diese Welt sich auftun.

In den Adventstagen öffnen wir einander Türen und Häuser und laden ein, gemeinsam Zeit zu teilen. Da ist Zeit zu entdecken, was wer von den Geheimnissen des Glaubens für sich neu verstanden hat.

In den Familien und den Treffen mit Freunden kochen wir in den kommenden Tagen viel für einander oder backen die Weihnachtsspezialitäten. Die Freude dieser Festzeit ist nicht nur eine Idee für den Kopf, sondern sie soll Leib und Seele erreichen.

In der Adventszeit lädt uns Paulus mit seinem Brief ein, nicht in das altbekannte Urteilen und Abgrenzen zu verfallen, sondern anderen neu Glaubensgewissheit zuzusprechen und sie sich zusprechen zulassen.

Denn der, der am Ende auch uns loben wird, hat sich schon auf den Weg gemacht.

Gott selbst kommt zu uns. Gelobt sei unser Herr.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

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1 ThomasWaldeck hat die beiden griechischen Worte, die hier im Original des Briefs stehen, so erklärt: Paulus legt am Anfang des ersten Korintherbriefes ein Selbstbekenntnis ab. Bewusst gebraucht Paulus hier das griechische Wort hyperetes (4,1), welches nicht nur ein Synonym für diakonoi ist: Alle sind Handlanger in Bezug auf Christus, da gibt es kein höher oder besser, kein niedriger oder schlechter. Als Apostel ist er ein »Gesandter«, ein Beauftragter, einer, der ausschließlich im Auftrag eines anderen handelt. Als zweiten Begriff nennt Paulus sich selbst und alle Christinnen und Christen Haushalter Gottes, oikonomos (4,1). Und den Haushaltern Gottes sind die Geheimnisse Gottes (mysterion theou) anvertraut. (siehe Gottesdienstpraxis, Reihe A / 4 – Bd.2, Gütersloh 2021) John Wesley vermutet, dass bei den hier beschriebenen Handlangern in Korinth vor allem an die Ruderer auf den Schiffen im Hafen gedacht wurde. Ohne diese Arbeitenden im Bauch der Schiffe hätte man in schwieriger Strömung und bei ungünstigen Winden nur schwer die Zielhäfen erreicht (siehe John Wesley, Notes on the New Testament zu 1. Korinther 4,1)

 

 

 

                          Wenn es Zeit ist, Gott anzuflehen                                  

             Predigtimpulse zu Jesaja 63, 15-17 für den 2. Advent

                                   05. Dezember 2021

 

Liebe Lesende,

 

Wir haben überlebt!“, so kommentierte Teca Greathouse, die Koordinatorin des methodistischen Netzwerks „Schatten und frisches Wasser“ in Brasilien ihren Jahresbericht von 2021. Sie meinte damit das physische Überleben von Menschen, die in den unterschiedlichsten Projekten mitarbeiten. Jeder kennt in Brasilien vor Ort Freunde und viele auch Familienangehörige, die die Erkrankung mit dem Coronavirus im Nordosten und der Amazonasregion nicht überlebt haben. Doch weder die Arbeit des Krankenhausschiffs auf dem Amazonas, für das wir in 2019 mit den Kindern als Gemeinde gesammelt haben, noch andere Projekte für Kinder im Nordosten mussten den Tod von engagierten Mitarbeitenden verkraften. Kein Projekt war zum Aufgeben gezwungen.

Es wurde in den vergangenen Monaten in Brasilien viel gebetet und Menschen flehten Gott an, dort zu helfen, wo alle andere Hilfe nicht organisiert und zur Verfügung gestellt werden konnte. Diese Situationen, wo nur noch Gott helfen kann, erleben Menschen plötzlich und unerwartet im Privaten und auch größere Gemeinschaft kommen an Punkte, wo man nur noch beten kann, weil alle anderen Möglichkeiten nicht mehr funktionieren.

 

Der 2. Advent mit dem Wochenvers „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lukas 12,28) und dem Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf! …“ (GB der EmK, Nr.141) gibt diesen Grenzerfahrungen einen Platz. Uns wird an diesem Sonntag ein Rahmen angeboten, wie Hoffnungsworte das Netz der inneren Verzweiflung in solchen Zeiten zerreißen können.

Zur Zeit des späten Jesaja erlebten die Rückkehrer aus Babylon die Trostlosigkeit der heruntergekommenen und kaputten Stadt Jerusalem. Der Alltag funktionierte nicht und die großen Hoffnungen, die man auf den Neuanfang in der alten Heimat gesetzt hatte, zerrieben sich im Überlebenskampf in der Stadt. Der Prophet betet für viele andere zu Gott und fleht um den offenen Himmel, die Zuwendung Gottes zu seinen Leuten, damit das Leben wieder eine Chance bekommt:

 

15 Schau doch vom Himmel herab, wo du in Heiligkeit und Pracht wohnst! Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? Dein großes Mitgefühl und deine Barmherzigkeit – wir merken nichts davon. 16 Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater, »unser Befreier« – das ist von jeher dein Name. 17 Warum lässt du uns in die Irre gehen, sodass wir deinen Weg verlassen, Herr? Warum machst du unser Herz so hart, dass wir keine Ehrfurcht mehr vor dir haben? Wende dich uns wieder zu! (Jesaja 63, 15-17 nach: Basisbibel 2021)

 

Beten, weil wir nicht mehr weiter wissen…

Der badische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Reinhold Schneider, schrieb 1936 über die Notwenigkeit zu beten. Nur mit Beten lässt sich noch etwas ändern – die politische Realität ließ sich nicht mehr durch Wahlen oder Demonstrationen verändern und der Terror des Nationalsozialismus forderte seine ersten Opfer:

 

Allein den Betern kann es noch gelingen,

das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten

und diese Welt den richtenden Gewalten

durch ein geheiligt Leben abzuringen.

 

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:

Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

was sie erneuern, über Nacht veralten,

und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

 

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,

und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

indes im Dom die Beter sich verhüllen,

bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt

und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,

die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.1

 

Betende Menschen schauen nicht wie das Kaninchen der Schlange ins Auge, sondern blicken dorthin, wo das Böse keine Macht mehr hat. Dieser Blick nach oben befreit aus der Angststarre. Man wird nicht von dem gefangen genommen, was einem alle Kraft nimmt, sondern sucht den, der auch in der Not alles Leben in seiner Hand hält.

Die Erfahrung des Beters und der Beterin reibt sich an der Untätigkeit Gottes. Gott scheint stumm und taub zu sein. Alle Verheißung, auch die der besonderen Fürsorge für Gottes auserwähltes Volk, scheinen nicht mehr zu zählen. Der mit seinem Wort und seinem Geist dem Leben Orientierung gibt, lässt seine Leute nun in die Irre laufen. Die Basisbibel hat hier die Übersetzung gewählt: „Wir merken nichts…“. Da scheint nichts mehr zu sein und die innere Gewissheit der fürsorgenden Liebe Gottes beginnt zu bröckeln. Die, die diese Erfahrung mit ihrem Gott machen, schauen in den Abgrund, weil scheinbar nichts mehr da ist, was uns halten und helfen kann.

Doch sie beten weiter. Klagen weiter. Fragen weiter. Bitten weiter.

Beim Beten sitzen wir immer wieder zwischen zwei Stühlen: die Not, die wir allein nicht mehr wenden können, bringt uns dazu, neu den lebendigen Gott zu suchen; Gott lässt sich gleichzeitig nicht zwingen, sondern nur bitten.

Beten in der Tradition der biblischen Klagepsalmen ist ein Warten und Hoffen auf den, der während unsere Worte sich formen, nicht da zu sein scheint. Wenn die, die damals mit Jesaja beteten, nur die Erfahrung gemacht hätten, Gebete dringen nicht mehr durch zu Gott, dann hätten sie ihr Klagen nicht für künftige Betende aufgeschrieben. Doch die Klagen finden am Ende ein offenes Ohr bei Gott und darum dürfen wir immer noch unser Leiden vor ihm beklagen.

 

Beten und achtsam sein…

Ich las ein Zitat von Martin Luther, der in seiner markanten Sprache die Radikalität beschreibt, die, ohne dass uns dies immer bewusst ist, zum Beten dazu gehört:

Mit dem Gebet ist es wie bei einem guten, fleißigen Barbier: Der muss seine Gedanken, seinen Sinn und seine Augen ganz genau auf das Schermesser und auf die Haare richten und darf nicht vergessen, wo er im Strich oder im Schnitt ist. Wenn er aber zugleich viel plaudern und anderswohin denken oder gucken will, so würde er einem leicht Mund und Nase, und die Kehle dazu abschneiden. Wie viel mehr verlangt das Gebet das Herz einzig, ganz und allein, wenn anders es ein gutes Gebet sein soll! 2

 

Ein halbes Gebet funktioniert nicht und wer sucht mit Gott schon das Gespräch, wenn er nicht an ein Gegenüber beim Beten glauben kann?

Doch die Nachfrage, wie man sich auf das Gespräch mit Gott einlässt, ist immer noch berechtigt. Viele Tischgebete beten wir nur als ein vertrautes Ritual und weniger aus der ernstgemeinten Bitte heraus, dass die Mahlzeit uns zu einem Segen wird. Oft wäre nur ein kurzes „Danke“ vollkommen ausreichend.

Achtsamkeit ist in den vergangenen Monaten in einigen Kreisen zu einem gern benutzten Wort geworden. Doch darauf zu achten, wie es mir geht und was mir andere geben wollen, ist vielleicht auch zu lange nicht ernst genommen worden. Wer betet, muss darauf achten, wie Gott zu ihm redet.

Jesaja muss das Schweigen Gottes aushalten, bevor ihm Hilfe geschenkt wird und der Himmel sich ihm neu öffnet. Gott antwortet uns in überraschenden Erfahrungen und zeigt uns durch Wunder seine Nähe. Gott kommt in einem Kind zu uns und die Engel füllen mit ihrem Lob die Himmel.

 

Weil wir auf Gottes Trost und Hilfe hoffen, dürfen wir heute klagen.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Reinhold Schneider 1936 geschrieben und im Untergrund weitergegeben

2 Martin Luther, Eine einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund, in: Martin Luther, Calwer Luther-Ausgabe 3, Gütersloh 1965, 92 f.

 

 

 

                                 Es kommt die andere Zeit                                    

                           Predigtimpulse zu Jeremia 23, 5+6

                         für den 1. Advent, 28. November 2021

 

Der Bibeltext aus Jeremia 23, 5+6:

5Seht, es kommt eine Zeit, in der ich für David einen Nachfolger einsetzen werde, einen gerechten Spross. …

Er wird als König herrschen und gut regieren. Recht und Gerechtigkeit werden ihn auszeichnen, und er wird sie im Land durchsetzen.

6Zu dieser Zeit wird Juda gerettet werden, und Israel wird in Sicherheit leben. Das wird der Name sein, den man ihm geben wird:»Der Herr ist unsere Gerechtigkeit!«…

(Basisbibel 2021)

 

Liebe Lesende,

das Bibelwort öffnet uns den Blick auf den ganz anderen Advent, das Kommen Gottes, den wir Menschen erwarten. Ich hoffe auf schöne Festtage, gute und aufbauende Worte und Gedanken und die Gemeinschaft mit geschätzten und geliebten Menschen in den Advents- und Weihnachtswochen.

Die Menschen, die vom Propheten Jeremia die Welt unter der Herrschaft eines gerechten Königs ausgemalt bekommen, litten täglich unter den Kriegsfolgen und der Unterdrückung durch die babylonische Großmacht. Einige Jahre vorher war ihre Stadt Jerusalem besiegt und zerstört worden. Die Zukunft ließ wenig Gutes erwarten.

Hier ist der Advent des gemeinsamen Feierns und dort erwartet man den Advent, in dem durch Gottes Hilfe und Rettung die lebensbedrohliche Sorge um das eigene Zuhause besiegt wird. Es kommt die Zeit, sagt Jeremia, da werdet ihr wieder mit Menschen an vielen anderen Orten ohne Angst leben können und Gottes Güte feiern.

Die Worte, die Jeremia zu sagen hatte, reichen über die Abwendung der direkten Not hinaus.

Der kommende König dreht das ganze Spiel der Menschen, die nur Verlust und Hoffnungslosigkeit erleben. Als eine Generation später unter dem persischen König Kyros die Umgesiedelten aus Babylon wieder nach Jerusalem zurückkehrten, dachte man: Nun ist dieser Hoffnungsbringer an der Macht. Aber es kam neues Leid in die Häuser und Städte der Menschen.

Christen lasen sehr genau nach, was Jeremia über den, der die Gerechtigkeit bringen wird, geschrieben hatte. Sie standen mit vielen anderen in der Versuchung, diese Zeit der Herrschaft des gerechten Königs in das Reich der Fantasie zu verschieben. Hier wird es nicht besser werden und die Dinge lassen sich nicht ändern. Wir glauben bis heute als Christen oft nicht, dass die Zeit kommt, in der Gottes Güte und Gnade uns wieder besuchen wird. Doch haben wir richtig gelesen, was der Prophet geschrieben hat, wenn wir die Zeit des guten Lebens für alle in das Reich der Träume verbannen?

Das Bibelwort hat die Welt mit ihren konkreten Sorgen und Ängsten im Blick.

Immer wieder haben Christen für sich beschrieben, worauf sie hoffen. Denn die andere Zeit könnte früher kommen, als wir sie erwarten. Die Zeit, die kommt, schiebt die Resignation zur Seite und öffnet unsere Gedanken und unsere Kreativität für die Frage: wie will ich Teil dieser anderen Zeit werden? Was ist meine Aufgabe, um vorbereitet zu sein, wenn diese Zeit da ist?

In den Materialien, die in diesem Jahr die Brot-für-die-Welt Aktion vorbereiten, fand ich folgende Gedanken:

 

Dietrich Bonhoeffer glaubte, dass Gott auf verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Und die große Theologin Dorothee Sölle sagte einmal: Gott hat keine Hände, nur unsere Hände.

Ob Gott nun wirklich gar keine Hände hat, wer weiß das schon. Aber eines wissen wir sicher:

Gott möchte, dass wir unsere Hände tatkräftig einsetzen, uns Menschen einander zum Wohl

und Gott zum Lob.

Das können wir auch in unseren Gemeinden und unserer Kirche: Fahrgemeinschaften zur Kirche

bilden, beim Essen und Trinken die Schöpfung im Blick haben, fair einkaufen, unsere Räume

für nachhaltige Initiativen öffnen, z. B. ein Reparatur-Cafe oder eine Lebensmittel-Teilstation.

Und vor allem: Auf andere Menschen hören und achtgeben. Hier bei uns und sonst überall

auf der Welt. Gemeinsam überlegen, wie wir unsere Welt gestalten, dass wir alle gut darauf

leben können. … Gemeinsam bewohnen wir diese Erde. …“1

 

Die Not, der wir heute ins Auge sehen, sind die vielen kleinen Veränderungen auf diesem Planeten, die das Leben von Menschen zum Teil schon sehr massiv beeinträchtigen. Wir können nicht gut leben und feiern, wenn der Preis dafür die Zerstörung eines lebenserhaltenden Klimas für viele andere und auch für uns selbst ist.

Wenn die Meeresspiegel steigen und der fehlende Regen keinen Ackerbau mehr zulässt oder die Wassermassen die fruchtbare Erde wegschwemmen, dann ist es Zeit, das diese Welt und wir, die wir als Menschen diese Schöpfung von Gott anvertraut bekommen haben, hören, wer da zu uns kommt: Christus, der Recht und Gerechtigkeit für alle, auch in Zeiten des Klimawandels, zu seiner Sache gemacht hat.

Amen.

 

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1 Siehe:Materialheft “Gottesdienste und Gemeindearbeit”, S.12, zur 63. Aktion von Brot-für-die-Welt

 

 

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                                          Eines Tages…                                              

                         Predigtimpulse zu Jesaja 65, 17-25  

               für den Ewigkeitssonntag / 21. November 2021

 

  1. Der Bibeltext

17 Ja, siehe, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn. 18 Vielmehr jubelt und jauchzt ohne Ende über das, was ich erschaffe! Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zum Jauchzen und sein Volk zum Jubel.

19 Ich werde über Jerusalem jubeln und frohlocken über mein Volk. Nicht mehr hört man dort lautes Weinen und Klagegeschrei.

20 Es wird dort keinen Säugling mehr geben, der nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der seine Tage nicht erfüllt; wer als Hundertjähriger stirbt, gilt als junger Mann, und wer die hundert Jahre verfehlt,/ gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie werden Weinberge pflanzen und selbst deren Früchte genießen. 22 Sie werden nicht bauen, damit ein anderer wohnt, nicht pflanzen, damit ein anderer isst, sondern wie die Tage eines Baumes sind die Tage meines Volkes und das Werk ihrer Hände werden meine Auserwählten selber verbrauchen.

23 Sie mühen sich nicht vergebens und gebären nicht für den schnellen Tod. Denn sie sind die Nachkommen der vom HERRN Gesegneten und ihre Sprösslinge sind mit ihnen.

24 So wird es sein: Ehe sie rufen, antworte ich, während sie noch reden, höre ich. 25 Wolf und Lamm weiden zusammen und der Löwe frisst Stroh wie das Rind, doch der Schlange Nahrung ist der Staub. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der HERR.

 

Liebe Lesende,

 

an diesem Sonntag, an dem wir der geliebten Menschen gedenken, die nun nicht mehr bei uns sind, zeichnet uns der Bibeltext das Bild von einer anderen Welt. Wir lesen von einer Welt, die es so noch nicht gibt, aber – mit Jesus gesprochen - die nahe herbei gekommen ist. Diese Welt schaut immer schon mal um die Ecke und sie ist uns oft näher ist, als wir es glauben können.

Die Bibel redet poetisch, mit bewegenden Bildern und provozierend vom Himmel auf Erden. Und in unsere Gedanken an das, was vergangen ist und nicht mehr so sein wird, taucht eine Frage auf:

  • Was bin ich bereit zu glauben und zu tun für diesen Himmel auf Erden, der uns in der Prophetie bei Jesaja ausgemalt wird?

  • Was ist die Hoffnung, auf die mein Leben zuläuft?

Wir haben die Wahl:

  • Man kann sie die Zukunft so vorstellen, dass das Schlimme, das Gewalttätige, die Trauer und die Schmerzen am Ende einfach hier in der bösen, kaputten Welt bleiben. Doch ich werde irgendwohin schweben, wo alles besser ist.

  • Man kann sich aber auch der Provokation stellen, die Jesaja und Jesus und die biblische Überlieferung uns zumuten: Gott schafft die neue Erde, den Himmel auf Erden und hat nun schon seine Spuren gelegt.

1. Vom Himmelreich…

Ich höre Jesus reden, wenn ich diese eindrückliche Prophetie des Jesaja lese.

Bei Jesus klingt das dann so,…

  • dass das Himmelreich wie ein Sämann ist, der Samen ausstreut: einiges fällt auf felsigen Grund, einiges wird von den Vögeln gepickt, einiges verdorrt, aber was auf guten Boden fällt bringt hundertfach Frucht;

  • oder: …dass das Himmelreich wie ein Senfkorn wächst. Ein Senfkorn hat einen sehr kleinen schwarzen Samen. Doch wenn dieser Samen austreibt und zu einem Busch sich auswächst, dann können die Vögel des Himmels in seinen Ästen ihre Nester bauen.

  • oder: …dass das Himmelreich mit einem Menschen vergleichbar ist, der sein Geld verliert. Dieser Mensch sucht einmal, zweimal, dreimal alles ab nach seinem Geld.E rst wenn er oder sie es gefunden haben, hört man auf, zu suchen. Alles andere interessiert nicht mehr, solange man nicht gefunden hat, was man sucht.

Über kein anderes Thema hat Jesus so oft gesprochen, wie über das Himmelreich. Er erzählte Gleichnisse, benutzte einfache Bilder und zeigte, wie einfach das doch ganz Unglaubliche bei Gott Wirklichkeit wird.

 

2. Von der neuen Schöpfung…

Die Bilder aus dem Jesajabuch bringen aber auch noch eine ganz andere Überzeugung des christlichen Lebens ins Spiel: im Glauben verwandelt uns Gottes Geist zu seiner neuen Schöpfung. Unsere persönliche Sprachmelodie bleibt uns erhalten und viele kleine Marotten in unserem Alltag gewöhnen wir uns nicht ab, wenn wir vom Glauben an Christus erfüllt werden. Es schaut uns dann auch weiter die gleiche Nase an, die wir schon kennen, wenn wir in den Spiegel schauen.Und doch wächst da etwas Neues in jedem von uns durch Gottes schöpferische Kraft.

In der Tradition unserer methodistischen Bewegung wurde immer wieder eindrücklich vor der Gemeinde davon berichtet, wie Not besiegt und Geschwistern etwas Neues durch Gottes Geist und Macht geschenkt wurde.

Alkoholkranke Menschen erlebten mit Unterstützung ihrer Geschwister, wie sie sich ihrer Krankheit stellen konnten und zu einem Leben ohne Abhängigkeit von der eigenen Sucht fanden. In der Gemeinschaft der Gemeinde erlebte man Respekt und Wertschätzung für das eigene Leben und fand zu einem neuen Selbstwertgefühl. Man schulte die von Gott geschenkten Begabungen und legte dann als Sonntagschullehrer oder Sonntagschullehrerin den Grundstock für den Glauben in das Leben vieler junger Menschen hinein.

 

Doch die persönlichen Erfahrungen mit Gott setzten Impulse, die auch weit über das Private hinaus etwas in Bewegung brachten.

  • Aus der Arbeit mit suchtkranken Menschen wuchs in Deutschland die Arbeit des Blauen Kreuzes und viele Methodisten in den Gemeinden der Evangelischen Gemeinschaft und der Methodistenkirche bauten die lokalen Gruppen für Suchtkrankenhilfe mit auf.

  • In den Sonntagschulen wurden Kindern und Jugendlichen nicht nur die Bibelgeschichten lebendig erzählt, sondern es wurde die Neugierde und Lust am Lernen geweckt. Bis heute ist die pädagogische Arbeit in der Gemeinde, aber auch in kirchlichen Kindergärten, Schulen und Hochschulen ein zentraler Arbeitszweig in der weltweiten Kirche.

Gottes neue Schöpfung bekommt Gestalt an ganz verschiedenen Stellen in dieser alten Welt und wir entdecken auch unter uns Spuren des neuen Himmels und der anderen Erde, die Gott schafft.

 

3. Wieso trauern wir heute noch, wenn doch alles gut werden wird?...

Wir können hoffen, wir können sensibel und wach sein, wo Gottes andere Welt sich nun in kleinen und größeren Dingen zeigt, aber wir können die Ewigkeit, den Himmel auf Erden in dieser alten Welt nicht erzwingen, nicht erarbeiten und nicht mit irgend einem Trick uns erschleichen.

Gott schafft und wir hoffen auf seine Offenbarung in unserer Welt.

Gott zeigt seine Macht, aber Gott setzt seinen eigenen Fahrplan um, wo und wie und wann diese andere Welt greifbar ist und vollendet sein wird.

Heute erinnern wir uns der Verstorbenen und schaffen Raum für unsere Trauer, damit Platz entsteht für die Hoffnung auf das Neue. Die Bilder in der alten Prophetie vom Wolf, der neben dem Schaf am Grashalm kaut und von einer Welt, die friedlich, gerecht und himmlisch ist, trösten uns, weil sich der Blick auf eine bessere Zukunft auftut.

Heute trauern wir. Doch weil wir die Ewigkeit nicht im Griff haben, wird Gott die Zeit schenken, wo wir loslassen können und neu ins Leben gehen.

Heute belasten uns schlimme Nachrichten aus den Newstickern und erschreckende Analysen über den Zustand dieses Planeten. Jesaja malt uns das Bild von der Welt, die keinen Hunger mehr kennt und in der die Menschen ihre Grenzen im Umgang mit diesem Planeten achten.

Heute belastet uns vieles, was nicht gut ist. Doch wir vertrauen darauf, dass Gottes neue Schöpfung, die nun schon in Fragmenten und in Bruchstücken sichtbar ist, dann noch ganz Anderes möglich machen wird.

 

Amen.

 

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Jahreslosung 2022 - Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. | . Johannes 6, 37