Sonntagspredigten                                

 Hier finden Sie - bis auf Weiteres in Coronazeiten - die Sonntagspredigten von Pastor Günter Loos in schriftlicher Form.


 

                            Fundamente richtig legen                                            

                     Predigtimpulse zu Matthäus 7, 24-29

             für den 9. Sonntag nach Trinitatis / 1. August 2021

 

Liebe Lesende,

 

für den Schutz der Tomatenpflanzen vor Regen planten wir im Garten einen offenen Tunnel zu bauen. Elastische Weidenstangen sollten dafür eingegraben werden und am Ende dann gebogen als ein lebendiges wachsendes Bauwerk für diesen Tunnel die Stabilität geben. Doch die Herausforderung war nicht, die Weidentriebe gegeneinander zu biegen und zu verknoten, sondern die Äste stabil im Boden zu verankern. Die lippische lehmhaltige Erde lässt sich nur mit viel Schweiß und Kraft aufbrechen. Doch am Ende stand das Gerüst verwurzelt im festen Untergrund stabil auf der Wiese.

Die Baumeister und Baumeisterinnen müssen oft ganz am Anfang entscheiden, wie nachhaltig und widerstandsfähig ihr Bauwerk werden soll. Jesus erzählt kein Geschichte von der Schönheit und der Ausstattung eines Bauwerks, sondern betont in seinem Bildwort, wie wichtig das Fundament unter einem Haus für alles ist, was später darauf gebaut wird:

 

24 »Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. 25 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heran fluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein; es ist auf felsigen Grund gebaut. 26 Jeder aber, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf sandigen Boden baut. 27 Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heran fluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört.«

28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, war die Menge von seiner Lehre tief beeindruckt, 29 denn er lehrte sie nicht wie ihre Schriftgelehrten, sondern mit Vollmacht. (Matthäus 7, 24-29, nach: Neue Genfer Übersetzung)

 

Sicher bauen

Ein Haus ist der sichere Ort, wo man Nachts beschützt schlafen kann, wo man die persönlichen Dinge unterbringt und wo man seinen Lebensmittelpunkt hat, mit anderen Feste feiert, aber auch trauern kann. Das Haus besitzt für uns eine tiefe symbolische Bedeutung, weil es für Verlässlichkeit und Sicherheit steht. Wer un-behaust lebt, muss immer wieder neu darum kämpfen, dass ihm wenigstens einige Dinge als sein Eigenes zugestanden werden und er einen sicheren Ort findet.

Wir spüren beim Anblick der Bilder von Menschen, denen im Unwetter durch Wasser oder Sturm die eigenen vier Wände zerstört wurden, wie uns das Erschrecken packt: was wäre, wenn es mir mal so ergeht? Die Kunst des Hausbaus hat sich über Jahrhunderte daran abgearbeitet, wie man ein Bauwerk nicht nur schön gestalten kann, sondern wie ein Haus auch den heftigen Wetterextremen standhält.

In die Ästhetik der Räume, die unser Zuhause sind, investieren wir viel Zeit und Geld. Welche Farbe der Wände und der Stoffe passen zu mir, wo finden Esstisch oder Fernseher sinnvoll ihren Platz? Doch Jesu Vergleich der Baufundamente offenbart, wie unwichtig alle Gestaltungsideen sind, wenn eine Wohnung oder ein Haus kein stabiles Fundament haben.

 

Die richtigen Fundamente für ein Haus zu legen, überlassen wir den Bauexperten und Ingenieuren. Die haben die Expertise und wir fühlen uns für das verantwortlich, was dann kommt, wenn Rohbau oder Wohnung einzugsfertig dastehen. Heute erlaubt man sich den Luxus der Unwissenheit über die entscheidenden Bedingungen, die ein Haus oder ein Gebäude zu einem sicheren Ort machen.

  • Die Experten hatten in der Nachbarschaft unserer Wohnung in Berlin-Oberschöneweide 1997 beschlossen, mindestens 20 Stahlbetonröhren metertief in den sandigen Untergrund des Spreetals zu arbeiten, damit die Bodenplatte eines neuen Hauses unter dem alten Flusssand einen festen Halt findet. Heute sieht man dem Haus nicht mehr an, wie lange die Experten mit dem Fundament dieses Bauwerks beschäftigt waren.

Zurzeit Jesu war jeder selbst Experte und Baumeister für den Bau seiner Hütte im ländlichen Raum. Die Bauexperten konnten sich nur die Reichen in der Stadt und der Königshof leisten. Darum war damals den Zuhörern Jesu die Frage viel näher wie uns heute, was es braucht, damit meine eigenen vier Wände sicher stehen. Löcher für die Balken der Wände in steinigen Untergrund zu graben brauchte Zeit und Kraft. Das Haus dort war geschützt vor Sturm und den Fluten des Frühjahrsregens. Einige Familien konnten vielleicht nicht so lange warten bis ihr Haus fertig war oder es fehlten die kräftigen Hände, die das Fundament ausheben konnten. Doch diese Häuser riskierten bei jedem Wetterextrem eingedrückt oder weggeschwemmt zu werden. Doch wer schlecht baute und beim Fundament sparte, dass galt auch zur Zeit Jesu, baut zweimal.

Jeder Zuhörer konnte entscheiden, was ihn überzeugt: ein Zuhause bauen, was viel Kraft, Zeit und Einsatz kostet, oder das Leben in einem Gebäude zu fristen, das zwar billiger und schneller zu bauen ist, aber wenn es drauf ankommt nicht sicher ist.

 

Welches Fundament braucht mein Lebenshaus?

In den Gesangbüchern der 70ziger und 80ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es das Lied „Komm, bau ein Haus, das uns beschützt“. Das Lied war von der Melodie und vom Rhythmus etwas schlicht geraten, aber es gab einer tiefen Sehnsucht die richtigen Worte: wir wollen in Häusern voller lebendiger Gemeinschaft mit anderen in einer gesunden natürlichen Umgebung und getragen von einem lebendigen Glauben an Gottes Güte und Liebe leben. Ganz unchristlich nahm IKEA in einem Werbeslogan diese Sehnsucht auf und fragte auf riesigen Plakatwänden: „Wohnst Du noch, oder lebst Du schon?“. Die äußeren vier Wände spiegeln etwas von unserem inneren Erleben wieder. Leben braucht neben der Versorgung mit dem existentiell Notwendigen die inneren Schätze und Bezugspunkte, um zu erfülltem Leben zu werden.

Jesus sagte viele richtige Dinge, doch es ist das eine, etwas zu hören und zu wissen, und es ist etwas anderes, die Dinge zu tun.

Zu wissen, Gott sorgt für mich, ist etwas anderes, als jeden Tag neu darauf zu vertrauen, dass Gottes Güte sich zeigen wird und ich mir keine Sorgen um diesen Tag machen muss. Das Vorbild der Lilien auf dem Felde ist für Jesus keine poetische Redewendung, sondern die Einladung zu einem Lebensstil, der auf Gottes Güte vertraut. Jesus formuliert das Vater-unser nicht, um seine Zuhörer mit einem schönen Gebet zu erfreuen, sondern um andere zum eigenständigen Beten einzuladen. Ein Leben mit Gott braucht das engagierte und regelmäßige Gespräch mit dem, den Jesus seinen Vater im Himmel nennt.

Der Evangelist Matthäus hat im Bergpredigtkapitel Sätze und Beispiele Jesu gesammelt, wie ein Leben in der Gegenwart Gottes praktisch gelebt werden kann. Und dann endet er diese Sammlung mit dem Zitat Jesu: „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, …“, der legt ein stabiles Fundament für sein Lebenshaus.

Unsere Lebenshäuser brauchen sehr unterschiedliche Entscheidungen, was ein festes Fundament für mich selbst sein kann. Wie jeder Hausbau sich an die konkreten äußeren Bedingungen anpassen muss, so müssen wir beim Planen und Nachdenken unseres Lebens realistisch einschätzen, was fest in meinem Alltag verankert sein muss, und was weniger wichtig ist.

Für das eine Lebensfundament braucht es die Stille und die Zeit vor Gott, ein anderes Leben bekommt im Miteinander und der Fürsorge für Andere seine tragende Tiefe.

Die Kapitel der Bergpredigt sind eine Fundgrube, um die eigenen Grundentscheidungen im Leben kritisch zu prüfen. Jesus bietet uns in seinen Gedanken und den Beispielen aus dem Alltagsleben Gegenbilder an, um zu sehen, ob es der eigene Wille ist, der alles richten muss, oder ob in vielen kleinen Dingen sich Gottes Wille spiegelt. Wenn Jesus die seligpreist, die Leiden erfahren und mit ganz wenigen Möglichkeiten auskommen müssen, dann verklärt er nicht die dunklen Dinge im Leben, sondern erinnert an Gottes Liebe, die uns auch in der tiefen Not nicht alleine lässt.

Vielleicht kommen wir auch heute mit dem Beispiel des soliden und des windigen Fundaments für ein Lebenshaus am weitesten, wenn wir die Bergpredigt wieder von Anfang lesen. Einiges werden Sie dabei überfliegen, weil es für sie längst geklärt ist. Andere Sätze rufen Erinnerungen wach, wie man selbst das erlebt hat. Es gibt Worte Jesu, die müssen wir überlesen, weil wir in unserer aktuellen Situation damit so nicht umgehen können. Zu anderer Zeit lesen wir sie dann vielleicht noch einmal und fügen unserem Lebensfundament einen neuen Baustein hinzu.

Dramatisch wäre es, wenn wir die Frage nach dem Fundament unseres Lebens abgehakt haben und nicht merken, dass da etwas bröckelt und heute nicht mehr funktioniert, was früher gut geklappt hat.

Das Geheimnis des soliden Fundaments für ein Leben mit mir selbst, mit anderen und in der Gegenwart der lebendigen Gottes ist, dass es von Gottes Geist immer wieder erneuert wird.

Jesus lädt mit seiner Baugeschichte von soliden Häusern bis heute dazu ein, die Dinge vom Ziel eines Lebens, das über den Tag hinaus bis in die Ewigkeit Gottes hinein reicht, sehen zu lernen.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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Gebet von Pfr. Bernd Niss, Liebenau:

Wir danken dir, unser Gott, dass du nicht stumm bist, sondern mit uns sprichst.

Wir danken dir, dass du dich nicht vor uns versteckst, sondern an unserer Seite bleibst – ganz menschlich.

Wir danken dir, dass du ein offenes Ohr für uns hast, und hörst, was uns freut und was wir beklagen, was wir erträumen und was uns Angst macht.

Wir bitten dich: Bau mit uns an unserem Lebenshaus durch dein Wort, damit wir hören, durch dein Dasein, damit wir sehen, was zu tun ist, durch deine Freundlichkeit, damit wir sagen, was uns leben lässt.

Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

                       In der Wüste neue Kraft finden                                        

           Predigtimpulse zu 1. Könige 17, 1-16 / 1. Könige 19, 1-8

               für den 7. Sonntag nach Trinitatis / 18. Juli 2021

 

Liebe Lesende,

 

ich weiß nicht, ob man bei der Auswahl der Texte für die evangelische Predigtreihe im Blick hatte, dass die mittleren Sonntage im Juli für viele die Ferienzeit markieren. Familien sind unterwegs und entdecken die Welt. Wer zu Hause bleibt, genießt die lauen Sommerabende und die Zeit mit Freunden. Unser Text heute passt jedenfalls in die Jahreszeit. Doch dazu weiter unten mehr… .

In dieser Woche und in diesem Jahr ist einiges anders. Die Urlaubsstimmung wird durchkreuzt von den Bildern des Unwetters in NRW und in Rheinland-Pfalz. Wir erleben vor der eigenen Haustür die Macht von Dauerregen und unbezähmbaren Bächen und Flüssen. Nicht irgendwo auf der Welt sind die schwülen und heißen Sommerwochen mit Extremwitterung verbunden, sondern die Bilder aus Ahrweiler, Erftstadt, Altena und Hagen gehören zu unserem Teil dieser Welt.

Gleichzeitig höre ich von vielen, die in den vergangenen Monaten in der Pflege, in den Schulen oder in der Beratung mit anderen arbeiten, dass sie sich ausgelaugt und kraftlos fühlen. Die inneren Akkus sind leer.

Wagen Sie darum in dieser Woche die Begegnung mit dem Propheten Elia, wie er uns im 1. Königsbuch vorgestellt wird. Elia machte keinen Wüstenurlaub, aber er brauchte einen Rückzugsort in einer aufwühlenden Zeit, um sich wieder ganz für andere engagieren zu können:

 

1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande.

8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. 10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will's mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.

13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach's, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia. (Lutherbibel 2017)

 

Elia braucht die Wüstenzeit für sich

Es ist spannend, die Geschichten von Elia nachzulesen. Elia kämpfte öffentlich gegen König Ahab an, der hoffte, mit seiner Religionspolitik die traditionellen Kräfte in seinem Land an sich binden zu können. Die Geschichte der Befreiung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten durch den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und sich Israel zu seinem Volk erwählt hat, war in diesen Jahren nicht sehr populär. Bei einem Wettkampf der Priester auf dem Berg Karmel entlarvt Elia die Machtlosigkeit der im Land hoffierten und angebeteten Götzen und offenbart Gottes Macht über die Naturgesetze und die klugen Reden der Angesehenen im Volk.

Elia kämpft nicht für sich, sondern setzt seine Kraft ganz für die Sache Gottes ein. Doch dann geht nichts mehr.

Seine Gegner organisieren sich neu, er muss fliehen und erlebt Kraftlosigkeit und Ausgebrannt-sein. Gleichzweimal wird von Elia erzählt, wie er in der Wüste an einem einsamen Ort neu zu Kräften kommt. In der Episode, die Sie eben gelesen haben, bringen ihm Raben Brot und Fleisch, damit er wieder auf die Beine kommt. In Kapitel 19 versorgen ihn Engel mit dem Lebensnotwendigen, bevor er sich wieder auf den Weg macht.

Elia erlebt in der Wüste Gottes Fürsorge. Diese Fürsorge Gottes begegnet einem wieder, wenn erzählt wird, wie Jesus sich in die Wüste zurückzieht. Jesus hadert und streitet in der Wüste mit dem Widersacher. Doch als er diese Kämpfe bestanden hat, kehrt er neu gestärkt wieder zu seinen Freunden und Jüngern zurück. Sein Predigen, seine Heilungen und seine Sorge um andere können nun in der Öffentlichkeit eine erstaunliche Wirkung entfalten.

Eine Spiritualitätsübung, die in den vergangenen Jahren an unterschiedlicher Stelle praktiziert wird, ist persönliche Wüstenzeit. Man nimmt sich frei, geht in ein Kloster oder an einen abgelegenen Ort und wagt es, einige Stunden oder auch Tage nur mit sich und vielleicht einzelnen Bibelworten und Gebeten allein zu sein.

Die Erfahrung, die zu diesen Zeiten gehört, spiegelt das wider, was wir von Elia lesen:

  • Am Anfang erlebt er die eigene Leere und Verzweiflung. Er zweifelt daran, dass ihm überhaupt geholfen werden kann.

  • Dann schaltet er „runter“ und wird ruhiger im Hinblick auf die Ängste und Sorgen, die er mit gebracht hat.

  • Schließlich bekommt er neue Nahrung für die Seele durch Worte, Gespräche oder Gedanken.

Gott nutzt die Wüstenzeit damals bei Elia und auch heute bei uns, um losgelöst von Kontakten und ohne den Alltagstrott Menschen neu aufzubauen und zu stärken.

 

Elia bekommt eine neue Aufgabe

Elia bricht wieder auf und wagt sich neu unter Menschen. Er kommt zu einer Witwe und allein-erziehenden Mutter, die am äußersten Existenzminimum versucht, mit ihrem Sohn zu überleben. Die beiden leben von einem kleinen Mehlvorrat, der fast verbraucht ist, und auch das Öl für den Teig zum Ausbacken des Brotes reicht nicht mehr lange. Elia kommt als Bote Gottes in diese Situation und kann helfen, die Not zu überwinden. Es wird der Mutter kein Reichtum geschenkt, aber mit Gottes Hilfe reicht es durch ein Wunder nun neu für jeden Tag.

Unser täglich Brot gib uns heute…“, so betet Jesus im Vater-unser. Viele Generationen haben vor ihren Mahlzeiten nur diesen Satz gebetet, weil man nicht sicher sein konnte, immer genug zu essen zu haben. In diesen Wochen plagt die Menschen im Süden Madagaskars eine fürchterliche Dürre und nichts wächst mehr auf ihren Feldern. Viele in den Dörfern sind schon gestorben und es gibt nur das tägliche Brot zu essen, wo Hilfsgüter von außen verteilt werden können.

Der Prophet Elia erlebt in der Wüste, wie ihn Hunger und Durst bedrohen. Gleichzeitig versorgen ihn andere, wie die Raben oder die Engel. Weil er Not durch litten hat und Hilfe annahmt, wird er für die Witwe zum überzeugenden Wohltäter. Auf Augenhöhe gibt er ihr den Ratschlag, einfach jeden Tag neu das Mehl zu mahlen. Es wird mit Gottes Hilfe reichen.

Menschen brauchen andere, die auf Augenhöhe ihre Not sehen und sie ermutigen können, auf Hilfe zu hoffen, weil sie selbst Hilfe bekommen haben.

Weil man Trauer und Einsamkeit durchlitten hat und Wege gefunden hat, Trauer zu überwinden und mit der eigenen Einsamkeit zu leben, kann man anderen zur Gesprächspartnerin und zum Partner werden.

Weil man kein geregeltes Einkommen hatte und beruflich nur schwer auf die Beine kam, macht man anderen Mut, wenn man Ausdauer an einer neuen Arbeitsstelle hat, auch wenn dort nicht alles zum Besten steht.

Weil man mit viel Geduld und Ausdauer an den eigenen Schwächen beim Lesen oder in der Mathematik gearbeitet hat und sich helfen ließ, kann man andere in diesen Disziplinen unterstützen.

  • Vor einigen Jahren wurde die Geschichte des ältesten Schülers damals in Kenia und wohl auch in der Welt verfilmt. Der Kriegsveteran Maruge hört im Radio, dass die Regierung in seinem Land die freie Schulausbildung für alle einführen will. So stellt er sich als alter Mann mit vielen Kindern vor die Tür der lokalen Grundschule und wird nach langem Kampf mit den Behörden als Schüler aufgenommen. Sein Leben lang litt er daran, dass er nicht lesen und verstehen konnte, was offizielle Stellen ihm per Brief mitteilten, auch nicht, als man ihm von höchster Stelle Dank und Anerkennung für seinen Einsatz für sein Land im Krieg ausdrückte. Nun lernt er Lesen und Schreiben und versteht, wie wichtig sein Dienst für andere ist, allein schon als Hilfslehrer und liebevoller Großvater in der lokalen Grundschule.

Die Eliageschichte von Menschen, die Leiden und Verletzungen erleben, die sich zurückziehen müssen, um neu zu sich und auch zu Gott zu finden, und die dann Wunder vollbringen können, wo es keine Lösungen zu geben scheint, wird Gott sei Dank auch heute noch weiter erzählt.

 

Sich Auszeiten nehmen, damit man wieder engagiert einsteigen kann

Was Elia erlebt, bleibt beispielhaft bis heute.

Sich einzugestehen, dass man aus fordernden und belastenden Situationen kommt, die die Kraft der inneren Akkus verbraucht haben, ist eine Herausforderung. Doch wer sich dann die Freiheit nimmt, auszusteigen, sich zurückzuziehen und innerlich neu aufzutanken, lässt sich auf einen Weg ein, der neu zu Gott und zu uns selbst führt.

Dieser Weg hat aber nicht in der Wüste sein Ziel erreicht, sondern dort, wo wir die neu gewonnene Energie einsetzen, um Brot zum Leben anderen weiter zu geben.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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                            Neu in die Schule gehen…                                         

                     Predigtimpulse zu Matthäus 28, 16-20

                 für den 6. Sonntag nach Trinitatis / 11. Juli 2021

 

Liebe Lesende,

 

ich traf meinen Klassenlehrer Harald Lehmann nach vielen Jahren wieder.

Im Sauerland tagten die Delegierten der Missionswerke aus den verschiedenen Evangelischen Kirchen und Verbänden und neben mir saß der Vorsitzende der Gossener Mission. Er ergriff die Initiative, sprach mich an und fragte, ob ich ihn noch kenne. Als er seinen Namen nannte, waren sie wieder da, die Erinnerungen an die Realschulzeit in Wanne-Eickel.

Harald Lehmann arbeitete engagiert und kreativ als Lehrer mit seinen Klassen. Er brachte in den Biologieunterricht eines Tages eines seiner Hühner mit, das gerade geschlachtet war, und sezierte mit uns im Unterricht das Tier. In Religion provozierte er uns mit der Frage, warum man eine mehr oder weniger begabte Popband anhimmelte, aber Jesus irgendwie für uncool hielt. Doch zu „dem“ Lehrer meiner Schulzeit wurde er dadurch, dass er ein offenes Ohr für meine Fragen hatte, nicht nur von Religion redete, sondern als überzeugter Christ in der Kirche aktiv war, und auch neben dem Unterricht etwas mit uns Schülern und Schülerinnen organisierte.

Am Ende seines Evangeliums bringt Matthäus Jesus noch mal als den ins Bewusstsein, der als Vorbild und Lehrer mit seinen Freunden in dieser Welt unterwegs ist.

 

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Lutherbibel 2017)

 

Jünger und Jüngerinnen lernen unterwegs

In der rabbinischen Tradition wurden Schüler1 im Alltag des Lebens unterrichtet. Es gab keinen festen Lehrplan, der durchgearbeitet wurde und am Ende mit Prüfungen abgeschlossen wurde, sondern der Unterricht ergab sich aus den Fragen von dem, der lernte, und den Antworten von dem, der lehrte.

Die Fragen ergaben sich aus Dingen, die unterwegs passierten, und die Evangelien haben diese Praxis des Unterrichts durch einen Rabbi in vielen Jesusgeschichten nacherzählt:

  • Ein reicher Mann wird von Jesus ermuntert, seinen Reichtum um des Reiches Gottes Willen aufzugeben. Er will das nicht und in Reaktion auf diese Szene fragen die Jünger Jesu, wie denn überhaupt ein reicher Mensch in das Reich Gottes kommen kann.

  • Eine Frau salbt mit kostbarem Nardeöl Jesu die Füße und die Jünger fragen nach, ob dies nicht eine Verschwendung von Geld und Ressourcen ist.

  • Zwei Brüder fragen Jesus, ob sie nicht, wie vermutlich bei den Mahlzeiten der Freunde und Freundinnen um Jesu üblich, auch später mal im Himmel ganz nahe bei Jesus sitzen können.

Für die Schule des Glaubens lud Jesus nicht in ein abgeschlossenes Zimmer ein und legte eine regelmäßige Uhrzeit für den Unterricht fest. Gelernt wurde unterwegs auf den Wanderungen und bei den Predigten, wo die Freunde Jesu natürlich genauso zuhörten wie alle anderen, die zusammengekommen waren.

Die Antworten Jesu auf die Fragen der Jünger und Jüngerinnen waren einfach und für alle verständlich. Das Himmelreich wurde nicht mit einem langen Vortrag erklärt, sondern immer wieder mit Geschichten aus dem Leben auf den Feldern oder im Dorf beschrieben. Viele dieser Vergleiche und Gleichnisse Jesu ließen etwas offen, was man selbst für sich weiterüberlegen und entscheiden musste. Aus der Situation heraus antwortete Jesus auf die Fragen und zeigte immer wieder, wie tief Gottes Wirklichkeit schon jetzt das Leben durchdrungen hat.

Dieser Unterricht Jesu lebte von der persönlichen Zuwendung zu dem Menschen, die ihn ansprachen. Als der reiche Mann ihn anspricht und mit ihm redet, kommentiert das Markusevangelium: „…Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb…“. (Markus 10,21) Jesus ließ sich emotional von den Menschen und ihren Situationen berühren, mit denen er zusammen war.

Bei Jesus in die Schule zu gehen, hieß für die Jünger und Jüngerinnen, alle Lebensbereiche genauer anzuschauen. In dieser Schule ist man eingeladen, wach zu sein für überraschende neue Ein- und Ausblicke bei scheinbar ganz einfachen Fragen.

 

Die Mission der Kirche lädt in die Lebensschule Jesu ein

Jesus überfordert seine Freunde beim Abschied nicht mit einer unlösbaren Aufgabe. So, wie sie ihn kennengelernt haben, schickt er sie nun auf ihre eigenen Wege. Sie dürfen sich darauf verlassen, dass ihr Lehrer sie auch in Zukunft nicht alleine lassen wird: „Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Wie sie es bei Johannes am Jordan kennengelernt haben, so sollen auch in Zukunft Menschen über die Taufe zeigen, was sie glauben und zum wem sie gehören. Dieses Zeichen des neuen Glaubens sollen die Jünger und Jüngerinnen Jesu in dieser Welt praktizieren und dazu einladen.

Doch alles beginnt mit der Einladung in die Lebensschule Jesu. Wie Jesus es vorgemacht hat, so soll man mitten im Alltag auf die Fragen der Anderen hören und mit Menschen nach Antworten suchen. Die Erklärungen des Glaubens brauchen immer noch eine einfache und einleuchtende Sprache. Schließlich kann bis heute ein Gespräch in dieser jesuanischen Tradition nur gelingen, wenn man persönlich ernstgenommen und angenommen wird.

Wir leiden oft daran, dass die Situationen, in denen man andere in die Schule des Glaubens einlädt, so selten spontan da sind.

Darum hilft es uns, die Inhalte der christlichen Lehre in Büchern nachlesen zu können und in Vorträgen und Predigten sich erklären zu lassen, wie man Dinge heute verstehen und sagen kann.

Die Form der Begegnung mit anderen versuchen wir in immer wieder andere Formate zu gießen. Mal nutzen wir die Musik, um mit Menschen über die Fragen von Erde und Himmel ins Gespräch zu kommen. Aber auch ein Fest mit gutem Essen und einer schönen einladenden Atmosphäre kann dieser Rahmen sein, wo die Fragen und Antworten um Gott und die Welt ihren Platz finden.

Mit unserem eigenen Engagement können wir vorbereitet sein und den Platz schaffen, damit andere ihre Fragen stellen können.

Gottes Geist schenkt dann das Wunder, dass andere die Impulse und den Raum nutzen, um die Einladung zum Glauben an Gottes gnädige Güte und erlösende Liebe für alle Kreatur anzunehmen.

 

Der Alltag der Glaubensschule

Bei dem Treffen der Missionsdelegierten, von dem ich am Anfang erzählte, hörte ich von Pfarrerin Cornelia von Uckro, wie der Alltag in der Mission ihrer ev. Kirchengemeinde in Wandlitz bei Berlin in den Jahren nach der Wende aussah.

Wandlitz wurde berühmt als das Dorf vor den Toren Berlin, wo die Staatsführung der DDR sich ein eigenes abgeschiedenes Refugium geschaffen hatte. Auf keiner Landkarte war bis vor dreißig Jahren dieser Ort zu finden. Doch Wandlitz war auch ein altes brandenburgisches Dorf, wo die Kirche immer in der Dorfmitte stand. Viele Jahrzehnte lang verlief eine klare Trennlinie zwischen Partei und Kirche in Wandlitz. Die beiden Welten gehörten dort einfach nicht zusammen.

Dann wendete sich 1989 das Land und nach der ersten Euphorie kam schnell Unruhe und Angst ins Dorf: werde ich enteignet, was passiert nun mit dem, was ich mir aufgebaut habe im neuen Land.

In diesen Nachwende-Jahren fing man eine Dorfpartnerschaft mit einer französischen Kommune an, die die Situation in Wandlitz veränderte. Die französischen Gäste brachten eine Boole-Bahn mit nach Deutschland und nahmen die Idee der Jugendfeuerwehr-Ausbildung mit nach Hause. Es wurden Chöre gegründet und immer wieder gab es bei den Besuchen etwas, was man sich abguckte und was man mitbrachte. Man lernte voneinander.

Bei einem Besuch wurde die deutsche Delegation eingeladen, bei einer Trauerfeier in der Kirche für einen der Aktiven der Partnerschaftstreffen in Frankreich mit dabei zu sein. Der Bürgermeister aus Wandlitz, der die alte Trennung von Kirche und Partei noch überzeugt lebte, blieb draußen vor der Kirche im Regen stehen und ging nicht mit in die Kirche. Das war ja nicht seine Sache.

Aber sein französisches Gegenüber, der Bürgermeister der Kommune ging nicht nur in die Kirche, er leitete auch den Kirchenchor und war mit tiefer Überzeugung in seiner Kirchen-gemeinde engagiert.

Dieses Ereignis brachte in Wandlitz etwas in Bewegung. Man traf sich nun auch mal in der Kirche und langsam begann das Gespräch über Kirche und Glaubensfragen. Am Ende ihrer Zeit als Pfarrerin in Wandlitz, so sagte es Frau von Uckro, gab es die Trennung zwischen Politik / Kirche nicht mehr. Man sah und sieht nun auch immer wieder mal den Bürgermeister in der Kirche und der Kirchenchor wurde mit neuen Sängern und Sängerinnen gesegnet.

Dort nutzte Gott eine weltliche Städtepartnerschaft, um seine Sache neu ins Gespräch zu bringen, Orte des Lernens in Glaubensfragen aufzutun und Menschenherzen zu verändern.

Lassen wir uns überraschen, wo bei uns die Schule für Fragen zwischen Zeit und Ewigkeit ihren Ort hat.

 

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Frauen waren bis in die jüngste Vergangenheit in vielen jüdischen Kreisen von der Ausbildung als Rabbiner ausgeschlossen. Die mit Barbara Steisand 1983 verfilmte Geschichte der Yentl zeigt, in welche Konflikte dies wohl zu allen Zeiten Frauen in den jüdischen Gemeinden brachte. Auch Jesus zählte zu seinem engeren Kreis der „12“ Jünger keine Frauen, doch mit Maria aus Magdala, mit Johanna, der Frau des Beamten am Königshof, und Susanna, die Jesu Leichnam salbte – siehe Lukas Kap. 8 und 24 –, gab es Frauen, die eine wichtige Rolle im Kreis um Jesus spielten.

 

 

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                        Unterwegs mit dem ganz Anderen                              

                      Predigtimpulse zu 1.Korinther 1,18-25

                  für den 5. Sonntag nach Trinitatis / 04. Juli 2021

 

Liebe Lesende,

seit einigen Tagen entdecke ich neu das Hören. Schon vor längerem hat mir ein Hörakustiker bestätigt, das ich nur noch begrenzt viele Frequenzen gut wahrnehmen kann. Nun ist es Zeit für die Anpassung von Hörgeräten. Viele, die sich auf dieses technische Abenteuer in den eigenen Hörgängen eingelassen haben, werden eine ähnliche Erfahrung gemacht haben, wie ich sie nun mache: es ist vieles fast schmerzhaft laut, was man nun wieder gehören kann. Ich entdecke Töne und Stimmen, die es vorher nicht gab.

Paulus redet in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth von den anderen Sinnesorganen, mit denen durch den heiligen Geist ein ganz anderer und genauerer Blick auf Christus möglich wird. Ohne diese Verstärkung der geistlichen Wahrnehmung bleiben die Augen am Vordergründigen hängen, aber Gottes Geist schenkt einen tieferen Blick auf das, was unser Leben trägt:

 

 

18 Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie der Inbegriff von Gottes Kraft. 19 Nicht umsonst heißt es in der Schrift: »Die Klugen werde ich an ihrer Klugheit scheitern lassen; die Weisheit derer, die als weise gelten, werde ich zunichtemachen.«

 

20 Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt? 21 Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat er beschlossen, eine scheinbar unsinnige Botschaft verkünden zu lassen, um die zu retten, die daran glauben. 22 Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente.

23 Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn. 24 Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft; Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten. (Neue Genfer Übersetzung)

 

1. Die Weisheit der Narren

Paulus ermuntert dazu, nicht nur genauer hinzusehen, sondern auch die gewohnten Blickwinkel und Sichtweisen durch neue Ansichten zu ersetzen, die erst mal töricht und unsinnig erscheinen. Christen sind eingeladen, ihren auferstandenen Herrn dort zu entdecken, wo nüchterne und erfahrene Mitmenschen nicht mehr hinsehen.

Vor einigen Jahren wagte der italienische Komiker Roberto Benigni einen Film über verfolgte Juden zur Zeit des 2. Weltkrieges in Italien zu drehen1.

Ein jüdischer Mann verliebt sich in eine Italienerin, deren Familie eng mit den Faschisten verbandelt ist. Sie bekommen einen kleinen Sohn und am Geburtstag des Sohnes holt die Geheimpolizei Vater und Sohn ab und bringt sie in ein Konzentrationslager.

Der Vater schafft es, den kleinen Jungen vor der Brutalität und Menschenverachtung dort im Lager zu schützen. Er versteckt den Jungen und erklärt ihm, dass hier ein Spiel unter Erwachsenen gespielt wird. Wenn er sich gut versteckt und nicht gefunden wird, dann bekommt er viele Punkte und der Hauptpreis ist ein richtiger Panzer, das Lieblingsspielzeug des Jungen. Es gibt zum Beispiel Punkte, wenn man keine Marmelade isst. Es gibt Punkte für die, die vor dem gemeinen und laut brüllenden Aufseher keine Angst haben. „Hast Du etwa Angst vor denen?“, fragt der Vater und bringt das Kind dazu, ohne Furcht seinen Weg in dieser menschenverachtenden Situation zu finden, ohne in der Seele zerbrochen zu werden.

Der Vater opfert sich schließlich bei der Flucht für sein Kind, doch das Kind ist – und das ist die nachdenkliche Pointe dieses schönen, fröhlichen und sehr traurigen Films – stark in seiner Seele geblieben, weil der Unsinn seines Vaters sich wie ein schützender Mantel um sein sensibles Gemüt gelegt hat.

Der Unsinn entlarvt in diesem Film die Quelle des Fanatismus. Der Unsinn zeigt die Menschenverachtung, die Geistlosigkeit der Starken und immer wieder die Dummheit hinter der Gewalt. Der Unfug stellt das Brüchige und Falsche in unserer Welt bloß. Darum, damit nicht auf unmenschlichen Ideologien oder Interessen unsere Welt gebaut wird, brauchen wir immer wieder die Narren, die zeigen, wie es auch sein könnte.

 

2. Der Unsinn des KreuzGlaubens

 

Paulus musste den Spott über die Christen und ihren Glauben an den gekreuzigten Christus mit vielen anderen in den Gemeinden regelmäßig ertragen. Im vom Vesuv eingeäscherten Pompeji fanden die Archäologen ein Graffiti. Eine Figur ist an ein Kreuz genagelt und trägt einen Eselskopf. Darunter hat jemand den Satz geschrieben: „Alexamenos betet seinen Gott an.“ Die spinnen die Christen, die wollen uns mit ihrem Christus zum Narren halten, wird sich der antike Sprayer bei seiner Wandmalerei gedacht haben.

Es gibt einsichtige Gründe, sich dem christlichen Glauben anzuschließen, aber es gibt genauso viele Dinge, die passten in antiker Zeit nicht ins Bild:

  • Kann Gott nicht mehr, als wie ein Verbrecher und Terrorist umgebracht zu werden?

  • Was bringt es einem persönlich, an so ein „Verlierer“ am Kreuz zu glauben?

Einen machtlosen Gott anzubeten, erschien damals lächerlich zu sein. Menschen wünschten sich einen starken und mächtigen Gott. Glaube soll Erfolg bringen und unser Glück richten.

Der Weg Jesu öffnet einen anderen Blick auf Gottes Zuwendung zur Welt und aller Kreatur.

Gott ist uns in dem Leiden Christi so nahe, dass er abwesend zu sein scheint. Dietrich Bonhoeffer schrieb im Gefängnis: „Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt, und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.“2

Das Kreuz kann die fatalen Trends der Zeit so durchkreuzen, dass Menschen in ihrer tiefen Not wieder eine Lebenshoffnung finden.

Immer wieder macht man die Erfahrung, dass oft nur einzelne gewinnen und viele durch Schicksals-schläge, eigene Fehler oder Illusionen, denen man sich hingegeben hat, auf der Seite der Verlierer stehen. Der Gott der Bibel spricht zu aller Zeit Menschen zu: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, du bist mein!“3

Unterwegs zu sein mit Gott stellt uns an die Seite derer, die ihr Kreuz zu tragen haben und wissen, dass Christus am Ende vom Kreuz nicht besiegt wurde. Die Geschichte vom Kreuz findet ihr Ende am Ostermorgen. Christus öffnet mit seiner Auferstehung die Tore, die den Glanz des neuen Morgens auf unsere ganz individuellen Kreuzwege strahlen lässt und viele dunkle Ecken endlich wieder hell macht.

 

3. Die Praxis dieses Glaubens an den ganz Anderen

 

Erklärungsbedarf melden auch heute immer wieder Freunde und Bekannte an, wenn man sich als Christ und engagiertes Mitglied in einer christlichen Gemeinde outet.

Wie soll das auch jemand verstehen, dass Gemeinden in der Norddeutschen Jährlichen Konferenz im vergangenen Jahr 4,9 Millionen Euro zusammen gelegt haben für die kirchliche Arbeit?

Über 3 Millionen Euro sind in den Bezirken und Gemeinden gesammelt worden, damit Kirchen und Gemeindehäuser auch nach den Pandemiemonaten wieder offen stehen können für Gebete, zum Gottesdienst-feiern und als Treffpunkte für Menschen.

Es wurde Geld für Gehälter von Pastoren und Pastorinnen gesammelt, damit diese von anderer Erwerbstätigkeit freigestellt werden, um von der Liebe Gottes zu jedem Menschen reden zu können und um die Gemeinde Jesu an vielen Orten zu organisieren und zu fördern.

Darüber hinaus haben Menschen dafür gespendet, dass kirchliche Werke ihren besonderen Akzent für Menschen in dieser Welt setzen können. Wie soll das jemand verstehen, dass Menschen die Sache Jesu so wichtig und wertvoll ist?

Wie soll man das verstehen, dass Menschen in der Gemeinde sich viel Zeit nehmen für Begegnungen, Gespräche und praktische Hilfe und Dienste, weil sie glauben, dass Gottes Liebe erfahrbar gemacht werden muss?

Wie soll man das verstehen, dass jemand plötzlich in seinem Leben einen ganz anderen Schwerpunkt setzt im Hinblick darauf, wo er seine Zeit und sein Energie investiert? Wo Gottes Geist einen Menschen berührt und bewegt, da verändern sich die eigenen Maßstäbe und neue Dinge werden einem wichtig.

Dass Leute diesen anderen Weg mit Christus hin zu Gottes Zeit und Ewigkeit gehen wollen, bringt andere zum kritischen Nachfragen. Vielleicht lächeln sie zuerst über die gläubige Torheit der Christenmenschen, wie die Gesprächspartner von Paulus vor zweitausend Jahren.

Doch Gott schenke es, dass nach dem Lächeln ein Fragen kommt …

und nach dem Fragen ein Annehmen…

und nach dem Annehmen ein Glauben und Vertrauen darauf,…

dass auch mein Leben unter dem sperrigen Wort vom Kreuz Christi seine Erfüllung und seine Mitte finden kann.

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.2329

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1 Das Leben ist schön (1997). Der Vater von Roberto Benigni war zwei Jahre im KZ Bergen-Belsen inhaftiert und der Schauspieler und Regisseur verarbeitet in diesem Film Erfahrungen, die sein Vater nach dem 2.Weltkrieg aufgeschrieben hatte.

2 Aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, München 1964, S. 241ff.

3 Jesaja 43,1

 

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                                  Gott macht es gut                                                  

                    Predigtimpulse zu 1. Mose 50, 15-21

                   für den 4. Sonntag nach Trinitatis 2021

 

Liebe Lesende,

 

Wie Du mir, so ich Dir“ hat seine biblische Wurzel im Buch der Sprüche 24,29. Es ist ein Fortschritt in der Kulturgeschichte gewesen, als nicht mehr das Gesetz des Stärkeren allein galt, sondern Gleiches mit Gleichem vergolten werden musste. Die Gewalt der Stärkeren wurde ein Recht für die Schwächere begrenzt.

Wie man mich bei der Entscheidung für eine attraktive neue Aufgabe übersehen hat, so werde ich in Zukunft Andere links liegen lassen. Wie ich die etwas kleineren Geschenke bekommen habe, so werde ich mich beim nächsten Geburtstag etwas zurückhalten. Wie man mir nichts durchgehen lässt, so werde auch ich darauf achten, dass meine Kollegen und Kolleginnen ihre Pflichten einhalten und erledigen.

Wie seine Brüder ihn verkauft hatten und ihm damit ein Sklavenleben in einem anderen Land und unter fremden Menschen beschert haben, so hätte auch Josef es in der biblischen Erzählung seinen Brüdern heimzahlen können, die ihm das angetan haben. Doch die Geschichte geht anders weiter, als viele unserer Alltagsgeschichten, wo jede und jeder um das kämpft, was er oder sie verdient hat:

 

15 Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. 16 Darum ließen sie ihm sagen: „Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!“

Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte. 18 Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: „Siehe, wir sind deine Knechte.“

19 Josef aber sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 20 Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. 21 So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen.“ Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. (Lutherbibel 2017)

 

Mit dem erfahrenen Unrecht umgehen

Die Josefsgeschichte im 1. Buch Mose hat seit ihrer Entstehung zum Weitererzählen angeregt. Was Josef, der von seinem Vater besonders verwöhnt wurde und darum den Hass seiner Brüder auf sich zog, erlebte reicht für bewegende Romane der Weltliteratur und spannende Kinofilme.

Nachdem ihn seine Brüder verprügelt, bestohlen und verkauft haben, kam Josef in das Haus einer reichen Familie und musste sich gegen die sexuellen Übergriffigkeiten der Frau des Hauses verteidigen. Eine ungerechte Anklage brachte ihn ins Gefängnis. Seine Gabe, Träume zu deuten, halfen ihm im Gefängnis neue Kontakte zu knüpfen. Diese Kontakte öffneten ihm die Türen zum Königshof und dort bewährte er sich als kluger und weitsichtiger Verwalter der staatlichen Getreidevorräte. So traf er, während in anderen Regionen Hungersnöte die Menschen plagten, als Getreideverwalter viele Jahre später seine Brüder wieder, die nun in ihrer Not Hilfe brauchten.

Unsere Bibelverse erzählen von den dramatischen Augenblicken, als die Brüder, die Josef das Unrecht angetan haben, erkennen, dass dieser Josef nun ihr Leben und ihre Zukunft in den Händen hält. Von seinem Wort hängt es ab, ob sie und ihre Familie überleben werden oder ob sie für ihr Tun in den Knast wandern.

Im Kino würde an dieser Stelle ein Schnitt kommen.

Wie würden wir als Zuschauer diese dramatischen Geschichte nun enden lassen?

Was wäre für uns gerecht und was widerspricht unserem Gerechtigkeitsgefühl?

Kinder werden immer noch für das Überleben von Familien in vielen Ländern in die Sklaverei verkauft und müssen als Haussklavinnen oder in Steinbrüchen und Hinterhoffabriken um ihr Überleben kämpfen. Übergriffigkeiten und Missbrauch sind Alltag in vielen Arbeitsverhältnissen und die Kirchen haben lange gebraucht, bis man angefangen hat hinzusehen, was da auch in ihren eigenen Häusern und Einrichtungen viel zu lange toleriert und verschwiegen wurde. An zu vielen Orten wird die

Josefsgeschichte immer wieder neu erzählt.

Die Bilder von Josef und seinen Leidensgenossen heute überfordern uns, weil wir merken, dass allein Mitgefühl nicht reicht. Doch auch die Werkzeuge, die die Ungerechtigkeit und den Missbrauch wirkungsvoll beenden könnten, funktionieren nur punktuell. Mit vielen Einschränkungen hat die aktuelle Regierung ein Gesetz beschlossen, damit Händler und Firmen bei uns zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn ihre Produkte durch Kinderarbeit und Ausbeutung hergestellt worden sind.

Es ist verständlich, wenn die, die gelitten haben, für ihr Leiden entschädigt werden. Aber es bleibt die Frage, wie dieser Kreislauf von Unrecht, Missbrauch und neuem Unrecht zerbrochen werden kann.

 

Josef sucht den Neuanfang

Josef zerbricht den Kreislauf von Gewalt und Unrecht mit zwei Bekenntnissen:

  • Ich stehe nicht an der Stelle Gottes – „Stehe ich denn an Gottes statt?“(V.19)

  • Ich habe den gnädigen Gott kennengelernt – „Gott gedachte es gut zu machen“ (V.20)

Aus der Gewaltgeschichte mit all ihren Abgründen wird ein Glaubenszeugnis:

  • Gott bleibt bei den Verletzten.

  • Gott will denen ein neues Leben schenken, die der Bösartigkeit ins Auge sehen mussten.

Das Leben Josefs, das wir in einigen Facetten kennenlernen, weckt die Diskussion, wie man selbst sich Gott vorstellt. Bei Josef lautet die Antwort: Gott schafft das Gute und lässt sich dabei nicht von dem Müllhaufen an Schuld, Egoismen und Gewalt ablenken. Das Unrecht und die Gewalt werden dabei nicht versteckt oder verschwiegen, aber sie haben nicht das letzte Wort.

Damit dieser andere Weg im Umgang mit dem Unrecht funktioniert, muss man den Gott kennenlernen, der Position bezieht. Gott wiedersteht dem Bösen. An Stelle unseres Zorns über das große Unrecht, tritt Gottes Liebe auch für die Menschen ein, die zu Täter und Täterinnen geworden sind. Die Rache kommt an ihr Ende. Das Böse hat seine Spuren im Leben hinterlassen, aber es wird mit Gottes Hilfe am Ende nicht ein ganzes Leben vernichten.

In der Story von Josef wird Gott nur sehr sparsam ins Spiel gebracht. Die menschlichen Entscheidungen, die daraus folgenden Verwicklungen, das Glück einer neuen Chance und die Klugheit, wie diese Chance genutzt wird - das braucht Platz in der Erzählung.

Auch wir können einiges erzählen, was uns in den vergangenen Tagen und Wochen umgetrieben und beschäftigt hat, aber von Gott reden wir dabei vermutlich nur in ganz wenigen Sätzen. Gottes Wege in dieser Welt verstecken sich in menschlichen Wegstrecken und wo wir das Alltägliche übersehen, übersehen wir vielleicht auch Gottes Liebe in Aktion mitten unter uns. In den vertrauten Dingen, die uns passiert sind und die einfach dazu gehören, kann man die Spur des ganz Anderen in dieser Welt entdecken, der es gut mit uns und seiner Schöpfung meint.

 

Geschichten verändern sich, wo sie Gott zu einer Geschichte seiner Liebe macht

 

Ich besuchte regelmäßig eine Frau, die mir immer wieder die Geschichte vom Brotlaib und ihrem Mann erzählte. Der Mann war als Soldat im Krieg und sie musste sich in den gefährlichen letzten Kriegswochen um die Wohnung und die Versorgung der Kinder kümmern. Dann brach alles mit dem Kriegsende zusammen und die junge Mutter musste noch mal mehr um das Überleben der kleinen Familie kämpfen. Eines Tages klingelte es an der Tür und ihr Mann stand davor. Die Kinder versteckten sich hinter der Mutter. Es gab ein kurzes Willkommen der Eheleute und dann gab sie ihrem Mann den einzigen Brotlaib, der im Haus war. Der Mann aß alleine den ganzen Brotlaib auf, so hungrig war er.

Doch diese Geschichte wurde von der Frau immer wieder etwas anders erzählt. Mal spürte man, wie wütend sie auf ihren Mann war, dass er nun nicht teilte und davor viele Monate lang sie mit allen Sorgen allein gelassen hatte. Mal hörte man den Stolz über ihren Mann, dass er es geschafft hatte und wieder zu Hause war. Und irgendwann erzählte sie diese Geschichte nicht mehr. Man hatte den Eindruck, dass sie nun ihren Frieden gefunden hatte über diese Kriegs- und Nachkriegserfahrungen in ihrem Leben.

Die Geschichten von Gewalt, Verletzungen und Verlusten verändern sich, wenn wir sie oft erzählen. Wir verändern uns, weil wir Frieden finden über den Schmerzen, die unsere Seelen zu verarbeiten haben. Doch wir verändern uns auch, wo wir uns auf Gottes ganz andere Geschichte von unserem Leben einlassen.

Es werden damit keine Erzählungen über eine heile und perfekte Welt entstehen.

Es sind keine Biographien, die zielstrebig wie bei einem guten Film auf das Happy-End zulaufen.

Es sind leider auch keine Heiligengeschichten, in denen sich in jedem Satz eine kleine Predigt versteckt.

Doch es sind Geschichten, wie Gott ein Leben heilen kann, weil er es gut mit uns meint.

Wie sich in einem Prisma die Sonnenstrahlen in ein buntes Farbspektrum auffächern, so fächert sich ein Leben, in der Realität des liebenden Gottes angesehen, in viele neue Farben auf. Dann bleibt am Ende nicht die Wut und der Verbitterung über das erfahrene Unrecht alleine übrig. Es zeigen sich auch die Stellen – dafür wirbt die Josefsgeschichte! - , wo Versöhnung mit mir selbst und Anderen möglich wird.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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                             Über die Freude im Himmel                                      

                      Predigtimpulse  Lukas 15, 1-10

                  zum 3. Sonntag nach Trinitatis  20. Juni 2021

 

Liebe Lesende,

Es geht ums Verlieren und Wiederfinden im Bibelwort für diesen Sonntag. Ein Hirte verliert ein Schaf, eine Frau verliert einen ihrer Groschen – wir alle hatten im Frühjahr 2020 unsere Sicherheit verloren. Von einem Augenblick auf den anderen stand unser Leben still.


Was nun? Was tun?

Der Hirte macht sich auf die Suche nach seinem Schaf. Die Frau stellt ihr Haus auf den Kopf.

Und wir? Manche lebten und feierten zuerst so weiter, als gäbe es dieses Corona-Virus und die von ihm ausgelöste Krankheit Covid-19 nicht. Andere freuten sich über die freie Zeit im Lockdown: Sie machten Hausputz, sortierten vieles, verschönerten ihre Wohnung. Sehr viele mussten plötzlich ihre Tage füllen, ohne von A nach B zu hetzen und ohne feste Termine im Chor oder im Verein. Es galt, eine neue Tagesstruktur zu finden für Homeoffice und Homeschooling und dabei möglichst ohne Streit und Gewalt zusammenzuleben.

Wir hatten viel verloren. Aber anders als der Hirte und die Frau im Gleichnis, die sofort wussten: Eines von 100 Schafen und einer von zehn Groschen fehlt, spürten wir erst allmählich, was wir alles entbehrten. Vielen war zuvor nicht bewusst, wie sehr sich ihr Leben im öffentlichen Raum abspielt: Auf dem Weg zur Arbeit, bei kulturellen Veranstaltungen, im Verein oder in der Gemeinde. Erst als wir alleine daheim waren, merkten wir, wie wichtig Treffen mit Kolleg*innen, Freunden und Verwandten für uns sind und wie viele persönliche Begegnungen wir beim Einkaufen, beim Arztbesuch oder auf dem Markt haben.1

Jesus erzählt in Alltagsgeschichten, wie entscheidend es ist, dass wir nicht beim Gefühl des Verlustes stehen bleiben, sondern uns mitfreuen, wenn das Verlorene wiedergefunden wird:

 

1 Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; sie wollten ihn alle hören. 2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie. 3 Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis:

4 »Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern 6 und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹

7 Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«

8 »Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? 9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹

10 Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.« (Neue Genfer Übersetzung)

 

Die Deutungen der Geschichten durch Jesus provozieren bis heute. Die Gegner Jesu damals gehörten zu den Insidern, die regelmäßig im Tempel beteten und heute mit uns im Gottesdienst sitzen würden. Sie waren in religiösen Fragen gut geschult, aber sie hatten vergessen, wie weit Gottes Herz ist, wenn es um Menschen und ihre Wege geht.

Jesus redet offen davon, dass bei Gott am Ende ein anderes Urteil stehen wird, als wir es mit unseren Maßstäben fällen würden. Jesus provoziert damit, dass er nicht an die göttliche Buchhalterei im Umgang mit einem verfehlten Leben glaubt. Jesus behauptet, dass es für Gott nicht um den Grundsatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ geht, sondern Gott bietet Menschen einen Schuldenerlass an. Gewöhnlich werden geistliche und moralische Fehltritte immer wieder sehr kleinlich zusammen-gerechnet. Gott setzt ein Schuldkonto auf null. Gott antwortet mit seiner Liebe und einem Fest im Himmel auf Erfahrungen, die uns Irdische eher zum Zähneknirschen bringen.

Gott, sagt Jesus, liebt die, die ganz neu in ihrem Leben mit Gottvertrauen und Hilfe einen Weg gefunden haben, der sie in der Zeit bis in die Ewigkeit führen wird.

Die Geschichten vom guten Hirten und der verlorenen Münze und vielleicht auch von unseren verlorenen Dingen im Lockdown sind bis zum Ende erzählt, Geschichten über Gemeinschaft, über das Suchen und von der Freude.

 

1. …Gemeinschaft!

Bevor wir uns festgrummeln an Gottes eigenartiger Gerechtigkeit, wenn es um Menschen und ihre selbstverschuldeten Probleme und Situationen geht, lohnt es sich, die Beispiele Jesu noch mal vom Ende her zu lesen. Am Ende wird gefeiert, weil der oder die, die da böse in den Sumpf geraten sind, nicht nur überleben, sondern neu ihren Platz bei denen finden, die es nur gemeinsam schaffen können.

Hier feiert der Himmel eine andere Sicht auf den Wert von Beziehungen, in denen wir leben. Wo jemand aussteigt, Abschied nimmt oder „verloren geht“, entsteht eine Lücke. Ein Platz bleibt erst mal leer. Der Hirte denkt nicht: „Ich habe ja noch genug Schafe!“, sondern er fragt welches Schaf ihm in seiner Herde fehlt. Die Gruppe ist unvollständig. Es fehlt jemand in der Mannschaft.

Wer nicht an den verlorengegangenen Beziehungen leidet, versteht nicht, warum im Himmel ein Fest gefeiert wird, wenn ein Mensch wieder da ist.

 

3. …Suchen!

Das Handy war weg. Alle Daten, alle Telefonnummern, die kleinen Hilfen unterwegs – …einfach nicht mehr da. Ich erlebte einige Stunden mit etwas erhöhten Blutdruck und dann lag das gute Stück an einer Stelle, wo ich es sonst noch nie hingelegt hatte.

Gott schaut nicht einfach zu, wenn jemand sein Leben verliert und nichts mehr funktioniert.

Gott liebt nicht die Schuld, die Fehler oder den selbstsüchtigen Egoismus, aber Gott liebt den Menschen unter einem großen TROTZDEM: Trotz einiger persönlicher „Systemmängel“ gibt uns Gott nicht auf, wenn wir „nicht funktionieren“! Gott bleibt mit seiner Güte und seinem Segen auch dann da, wenn wir in Streit geraten, an Verletzungen leiden oder uns Träume und Ideen mehr umtreiben, als die nüchterne Wahrheit vor unseren Augen.

Zum Suchprozess Gottes gehört noch eine andere Perspektive:

Im Himmel wird ein Fest gefeiert, wenn Jugendliche und Kids aus frommem Elternhaus ihren Weg zu Gott gehen lernen und hören und verstehen, dass auch sie von Gottes Zuwendung nicht ausgeschlossen sind.

Kennen Sie noch die Pophymne der Band U2 „Still haven´t found, what I´m looking for.“2? Als das Lied entstand, gehörten zwei Musiker zur Band, die in einem frommen Elternhaus großgeworden sind und von ihrem kirchlichen Umfeld geprägt waren. Trotzdem bekannten sie in diesem Lied, dass in ihrem Leben noch etwas fehlt und sie auf der Suche sind. Das Lied stichelt an einer für uns empfindlichen Stelle: Ich glaube und lebe mit Jesus, und doch will ich noch woanders mit meinem Leben hin. Unsere Kinder haben alles in der Gemeinde erlebt und mitgemacht, und suchen ihren eigenen Weg.

Dass die, die schon alles zu haben scheinen, in ihrem Suchen von Gott nicht vergessen sind, auch davon redet das Gleichnis vom guten Hirten und von der verlorenen Münze.


4. …Freude!

Der Evangelist Lukas, der diese Gleichnisse vom Suchen und Finden aufgeschrieben hat, unterstreicht die Freude in allen seinen Geschichten. Die Freude ist nichts für einige wenige Situationen, sondern Lukas zeigt in seinem Buch von Jesus und der jungen Kirche: wenn das Wunder des Glaubens geschieht, dann herrscht Freude. Er erzählt von der jungen Maria, die ein Lied der Freude anstimmt, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Bei ihm bringt die Freude am Ostermorgen die Freunde Jesu in Bewegung, nachdem sie ihre Überraschung überwunden haben. Schließlich gehört für ihn zur Mission der Kirche, die er in der Apostelgeschichte ausführlich beschreibt, dass Leute Freude erleben, wenn der Glaube an Christus ihr Leben verändert.

Der berühmte Evangelist Billy Graham predigte im Rahmen einer Evangelisation in der New Yorker Bronx, das für viele Jahrzehnte kein guter Stadtteil war. Nach dem Abend möchte Billy Graham noch ein wenig Luft schnappen und spazieren gehen. Die Gemeindeglieder raten ihm ab davon.

Ich fürchte mich nicht“, sagt Graham. „Gott ist mit mir.“

Als er so durch die dunklen Straßen schlendert, kommen ihm fünf Jugendliche entgegen: „He Alter, gib uns deine Brieftasche“, maulen sie ihn an.

Billy Graham greift in seine Brusttasche und gibt ihnen die Geldbörse. Einer der Jugendlichen entdeckt den Ausweis und sagt. „Du bist Billy Graham? DER Billy Graham?“

Ja“, erwidert er, „ich bin Billy Graham!“

Also du bist der Evangelist Billy Graham?“, fragt der Junge noch einmal.

Ja ich bin´s, der Evangelist Billy Graham.“

Darauf sagt der Jugendliche: „Okay Jungs, gebt ihm die Brieftasche wieder, wir Baptisten müssen zusammenhalten.“

 

Lukas macht uns und den Menschen seiner Zeit Mut:

Lasst euch die Freude nicht wegnehmen. Es ist kein Versehen, wenn ein Sünder zum Freund Jesu und zum Christen wird. Es ist ein Grund zur Freude.

Es ist Gottes Gnade, die unter uns ihre Spuren hinterlässt, wenn ein Mensch einen neuen Weg anfängt zu gehen. Es ist ein Grund zur Freude.

Es ist ein Grund zur Freude, dass uns Gottes helfende Macht sucht .

Amen.

 

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Pastor Günter Loos

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1 Diese Gedanken teilt Pfr. Sabine Ost in: Gottesdienstpraxis, 3. Reihe, Bd.3, Gütersloh 2021

2 Dt.: „Ich habe immer noch nicht gefunden, wo nach ich suche.“

 

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         Welchen Ton und welche Sprache braucht der Glaube?            

                       Predigtimpulse zu 1. Korinther14, 1-12

                       für den 2. Sonntag nach Trinitatis 2021

 

Liebe Lesende,

 

Trommeln in der Kirche gehören für viele Gemeinden einfach dazu. Als wir uns bei unserem Workcamp-Besuch 2019 als lippische Delegation in Cambine / Mosambik aber auf einen afrikanischen Gottesdienst mit viel Rhythmus und Trommelmusik freuten, wurden wir enttäuscht: die Musik der Gemeinde kannte keine Instrumente und alle Lieder wurden a-capella und mehrstimmig nur vom Gemeindechor intoniert und begleitet.

Musik taucht in allen erdenklichen Varianten in christlichen Gottesdiensten auf und sie ist ein Symbol dafür, welche unterschiedlichen Begabungen in einer Gemeinde existieren und ihren Platz finden können. Es gehört vermutlich darum zu einer christlichen Gemeinschaft dazu, dass man sich immer wieder mal herzlich oder verbissen über die richtige Form, wie gelobt und gepriesen wird streitet. Was der einen zu einer tiefen geistlichen Erfahrung wird, kann ein anderer, weil ihm das Schlagzeug in den Ohren schmerzt, nur als Anfechtung oder Geduldsübung erleben. Christliche Gemeinde ist ganz bei sich, wenn sie für viele unterschiedliche Charaktere und Interessen Raum schafft und dabei immer Christus in ihrer Mitte entdeckt. Wo diese Mitte verloren geht, wird die Fremdheit und die Vielfalt in einer Gemeinde zur Belastung und es könnte an der Zeit sein, die paulinischen Ermahnungen für die Gemeinde in Korinth neu zu lesen:

 

1 Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird.

Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens. 2 Wenn jemand in einer von Gott eingegebenen Sprache redet, richten sich seine Worte nicht an Menschen, sondern an Gott. Keiner versteht ihn; was er – durch Gottes Geist gewirkt – ausspricht, bleibt ein Geheimnis.

3 Wenn jemand hingegen eine prophetische Botschaft verkündet, richten sich seine Worte an die Menschen; was er sagt, bringt ihnen Hilfe, Ermutigung und Trost. 4 Wer in einer von Gott eingegebenen Sprache redet, bringt damit sich selbst im Glauben weiter; wer prophetisch redet, dient der ganzen Gemeinde. 5 Ich wünschte, ihr alle könntet in Sprachen reden, die von Gott eingegeben sind; aber noch lieber wäre es mir, ihr alle hättet die Gabe, prophetisch zu reden. Denn wer prophetisch redet, ist von größerem Nutzen für die Gemeinde als der, der in einer von Gott eingegebenen Sprache redet, es sei denn, dieser gibt das Gesagte anschließend mit verständlichen Worten wieder; dann ist auch sein Beitrag eine Hilfe für die Gemeinde.

6 Stellt euch vor, Geschwister, ich würde bei meinem nächsten Besuch nur in Sprachen zu euch reden, die von Gott eingegeben sind! Was hättet ihr davon? Nützen wird euch mein Kommen erst dann etwas, wenn ich mit verständlichen Worten zu euch spreche – zum Beispiel, indem ich eine Offenbarung, eine Erkenntnis, eine prophetische Botschaft oder eine Lehre weitergebe.

7 Denkt zum Vergleich an ein Musikinstrument, eine Flöte etwa oder eine Harfe. Wenn die Töne, die damit hervorgebracht werden, sich nicht deutlich voneinander unterscheiden, wie soll man dann erkennen, was auf der Flöte oder der Harfe gespielt wird? 8 Oder – um ein anderes Beispiel zu nennen – : Wenn vor einer Schlacht die Trompete nicht ein klares Signal gibt, wer wird sich dann zum Kampf bereitmachen? 9 Genauso ist es nun auch, wenn ihr in einer von Gott eingegebenen Sprache redet, statt verständliche Worte zu gebrauchen. Wie soll man da wissen, was ihr sagt? Eure Worte verhallen im Wind. 10 Es gibt in der Welt eine Vielzahl verschiedener Sprachen, und jede ist dazu da, dass Menschen sich verständigen können. 11 Wenn ich allerdings die Sprache, in der jemand mit mir redet, nicht verstehe, bleibe ich für ihn ein Fremder, und er bleibt es für mich.

12 Was folgt daraus im Hinblick auf euch? Ich weiß, wie eifrig ihr euch um die Gaben bemüht, die uns durch Gottes Geist gegeben werden. Aber dabei muss es euer Ziel sein, vor allem die Gaben zu bekommen, die eine Hilfe für die ganze Gemeinde sind. (1. Korinther 14, 1-12, nach: Neue Genfer Übersetzung)

 

Gottes Geist zeigt sich in der Sprache

Das Reden des Geistes offenbarte sich an Pfingsten in einer Sprache, die jeder und jede verstehen konnte. Wie aber der Geist Gottes im Gemeindealltag die richtige Sprache bekommt, ließ sich einige Jahre nach dem Pfingstwunder in Korinth nicht mehr so einfach beschreiben.

Paulus betonte in seiner Analyse der Sprachen im Gottesdienst das Phänomen, das wir aus der Pfingstgeschichte kennen: wo der Geist zu der Gemeinde redet, verstehen ihn alle. Gottes Geist braucht keine besonderen spirituellen Formen. Die Verständlichkeit steht in der Sprachqualität der geistlichen Rede an erster Stelle. Oder wie Paulus argumentierte: „Nützen wird euch mein Kommen erst dann etwas, wenn ich mit verständlichen Worten zu euch spreche (V.6).“

In den christlichen Gemeinden erlebt man bis heute das Sprachphänomen der Zungenrede. Verschiedene Psychologen haben es untersucht und festgestellt, dass beim „Zungenreden“ Teile im Gehirn, die beim Menschen die bewussten Handlungen steuern reduziert arbeiten, und andere Teile im Gehirn aktiver werden. Dabei werden die Worte nicht mehr in gewohnter Weise artikuliert, sondern verschiedene Wortteile schieben sich über- und ineinander. Während der Zungenrede ist ein Mensch sehr in sich gekehrt und kann zum Teil nicht mehr angesprochen werden.

Das Auftreten dieses Phänomens in der Kirche hat immer wieder heftige Diskussionen provoziert. Menschen, die die Zungenrede im Gottesdienst praktizieren wollten, wurden aus Gemeinden ausgeschlossen und es entstanden Bewegungen in der Christenheit, die dieses Phänomen als ein zentrales Merkmal ihrer Gottesdienste betonten. Die einen sahen in der Zungenrede eine besondere Form der geistlichen Fülle und Erkenntnis. Andere lehnten diese Form des Betens und Lobens ab, weil es einen Keil in die Gemeinden trieb zwischen denen, die dieses Phänomen kannten und es als einen Beleg für ihre eigene tiefere geistliche Erkenntnis nahmen, und denen, die dieses Reden in Zungen nicht erlebten und andere Wege in ihrer spirituellen und geistlichen Praxis suchten.

In Korinth stand Paulus zwischen den verschiedenen Gruppen in der Gemeinde. Auch dort musste es eine Klärung geben, zwischen Christen, die ihre Zungenrede als eine besondere Geistlichkeit vor sich her trugen, und denen, die sich in der Gemeinde um eine nüchterne Frömmigkeit bemühten. Paulus bot beiden Gruppen in der Gemeinde eine Deutung an, die den geistlichen Begabungen einen Platz in der Gemeindearbeit gaben, aber kein Urteil über die Wertigkeit der jeweiligen Gaben aussprachen. Die von Gott eingegebene Sprache, die Zungensprache, braucht ihren Platz in der Zweisamkeit des Gebets und der persönlichen Zeit mit Gott. Sie ist kein Element im öffentlichen Gottesdienst, um Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern sie funktioniert nur, wenn ein Mensch sich fallen lässt und ganz für sich bei Gott ist.

 

Davon unterschied Paulus eine prophetische Ansprache, die eine Situation in der Gemeinde deutet oder ein Wort über die Zukunft wagt. Das, so sah es Paulus, hilft der Gemeinde, sich zu orientieren, ihre Aufgaben zu sortieren und andere in die Gemeinde mit hineinzunehmen. Seine Empfehlung war es, sich um die geistlichen Gaben zu kümmern, die eine Hilfe für alle in der Gemeinde sind (V.12).

Bis heute ist die Sprache ein empfindliches Gebilde in der Gemeinde.

Sie offenbart unsere tieferen Gefühle und gibt dem, was uns Gott an Erkenntnissen geschenkt hat, Worte. Nicht allein die eine Sprachform der Zungenrede braucht eine geistliche Begabung, sondern in vielen Begegnungen durch Worte und durch Gesten brauchen wir den geistlichen Impuls, damit aus der eigenen persönlichen Meinung eine Glaubenserfahrung für andere werden kann. Beten Sie mit darum, dass geistliche Rede immer neu in der Gemeindearbeit genug Platz hat.

 

Das Ungewöhnliche muss mit dem Vertrauten versöhnt werden

Der reformierte Theologe Walter J. Hollenweger stieß in seinen Forschungen über die Pfingstkirchen und die charismatischen Bewegungen in der Christenheit auf eine methodistische Pfingstkirche in Chile. In Santiago de Chile gab es Anfang des 20. Jahrhunderts eine gutbürgerliche Missionskirche der nordamerikanischen Methodisten. Eines Sonntags erlebte diese Gemeinde tanzende Geschwister in ihrem Gottesdienst. Es kam zu Diskussionen. Die einen hielten das für ungeheuerlich in einem christlichen Gottesdienst und andere hatten in dem Tanzen für sich etwas entdeckt, was sie tief in ihrem Glauben anrührte. Es kam zu Trennungen und zur Gründung einer methodistischen Pfingstkirche in Chile. Bis heute ist es dort üblich, dass im Gottesdienst getanzt wird und dies auch als Teil der Predigt und der Auslegung im Gottesdienst anerkannt ist.

Der Theologe erzählt, dass eine Delegation dieser chilenischen Kirche zu einer Konferenz nach Deutschland eingeladen wurde. Es gab einen großen Festgottesdienst und Delegationsteilnehmer berichteten dann später in ihrer Gemeinde zu Hause, welch ein wunderbares Zeugnis der Geistmanifestation man in Deutschland erlebt hatte: „Da gab es hunderte von Bläsern mit ihren Instrumenten. Und alle spielten zusammen, harmonisch und schön zum Lobe Gottes – was für ein Wunder!“

Die Gäste aus Chile haben den Kulturschock im deutschen Bläsergottesdienst gut verkraftet, weil sie sich nicht an den äußeren Formen festgebissen haben und auf ihre inneren Stimmen hörten. Da wurde in Deutschland alles so gemacht, wie es in Chile nie funktionieren würde, aber sie konnten in den für sie fremden Bläserklängen das Loben Gottes und die Freude an Gottes Güte heraushören, das sie sehr gut aus ihrer eigenen Gemeinde kannten.

Die ungewöhnlichen Dinge werden uns in der Gemeindearbeit auch in Zukunft nicht erspart bleiben. Mal überrascht uns ein ungewöhnliches Instrument im Gottesdienst, aber auch ungewöhnliche Sprache und Auftreten wird immer wieder Diskussionen auslösen. Die Diskussion, die Paulus in Korinth führte, ist auch die Diskussion darüber, wie neue Dinge, die fremd und ungewöhnlich wirken, sich mit dem versöhnen lassen, was wir gut kennen. Einige Dinge werden dabei „unversöhnlich“ für die Gemeinde bleiben und sind am Ende keine Hilfe für alle. Aber bewegend ist es zu erleben, wenn etwas Fremdes und Ungewöhnliches langsam seinen festen Platz im Gottesdienst und in der Gemeinde bekommt und neue Formen des Gebets oder der Gottesbegegnung schenkt.

 

Die wichtigste Gabe von Gott: die Liebe

Den ersten Satz in unserem Textabschnitt übersieht man leicht: Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird.(V.1)

Denn weder damals in Korinth noch heute in unserer Arbeit gebührt der geistlichen Gabe der Zungenrede der zentrale Platz im „Ranking“ der Geistesgaben. Die wichtigere Frage, die wir in unserer Gemeinschaft immer wieder beantworten müssen, ist die, wie die vom Geist geschenkte Liebe den Platz bekommt, den sie unter uns braucht. Im Kapitel vor unserem Abschnitt begründet Paulus, warum für ihn die Liebe die entschiedenste Manifestation des Geistes ist:

Strebt aber nach den größeren Gaben! Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze. ...

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (nach 1. Korinther 13)

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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                     Das Abenteuer unserer Glaubensreise                           

                        Predigtimpulse aus dem Buch Jona

                  für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 06.Juni 2021

 

Liebe Lesende,

 

wir werden wieder mutiger nach den vielen Monaten des eingeschränkten Lebens mit Lockdownauflagen und in Sorge um uns und andere. Das ist gut und weckt bei vielen neue Lebensgeister. Beim Kaffee oder Eis in der warmen Sommersonne kommt die Lust aufs Reisen wieder auf.

Glaube und eigene Erfahrungen mit Gott und Christus gehören mit in die Pläne und Gedanken über die Zukunft hinein. Glaubende Menschen reden nicht von einem statischen Zustand, wenn sie von ihrem Glauben reden, sondern von Erfahrungen, die sie mit dem Gott der Bibel machen, von Erkenntnissen, die ihnen im Suchen und Fragen aufgeschlossen werden, und von Begegnungen mit Christus in Alltagssituationen im Zusammensein mit anderen. Was wird in den kommenden Wochen und Monaten zu unserer persönlichen Lebensreise und unserer Reise als glaubende Menschen in dieser Welt dazugehören?

Die Bibel erzählt die Glaubensreise von Jona, dem diese Reise viel abverlangte. Er zweifelte nicht daran, dass Gott die Dinge in dieser Welt in seiner Hand hält und mit ihm unterwegs ist. Sein Hadern mit Gott begann, als ihm die Aufgabe, die ihm übertragen wurde, eine Zumutung zu sein schien. Jona war stolz auf sein verantwortungsvolles und frommes Leben. Er wusste um die, die es mit Gott und dem Nächsten etwas weniger genau nahmen. Doch mit denen hatte er wenig zu tun und wollte es auch so belassen. Doch dann gerät er in ein Abenteuer hinein, in dem er mit dieser Sicht der Dinge buchstäblich Schiffbruch erleidet.

Diese Erzählung beginnt mit diesen Worten:

1 Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amitais: 2 Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. 3 Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN.

4 Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. 5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. 6 Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. 7 Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf's Jona. 8 Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? 9 Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.

10 Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. 11 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer. 12 Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist. 13 Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. 14 Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt.

15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. 16 Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde. (nach Luther 2017)

 

Die Geschichte einer Reise, die ganz woanders endet, als geplant

Der Erzähler der Abenteuergeschichte um Jona nimmt uns mit auf eine Reise, die immer wieder neue Wendungen und Überraschungen kennt. Am Anfang steht die Weigerung Jonas, sich auf Gottes Aufgabe einzulassen. Schon beim zweiten Satz dieser Story haben die Zuhörer in Israel vermutlich laut auflachen müssen. Die Stadt Tarsis lag im südlichen Spanien, wo unsereins heute Urlaub macht. Ninive gehörte zum Zweistromland, das heute in weiten Bereichen den Staat Irak umfasst. Jona vertat sich nicht bei der Auswahl seiner Reiseroute, sondern wählte ein Ziel, das ganz sicher in der entgegengesetzten Richtung dessen lag, wo er hinreisen sollte.

Doch Gott, so liest man es in dieser Geschichte, hat schon so seine Ideen, wie er Menschen nicht einfach tun lässt, was sie für richtig halten. Ein Sturm bringt das Schiff in Seenot und Jona muss vor der Schiffsbesatzung Farbe bekennen und seine Flucht vor Gott offenbaren. Er kommt nicht sehr weit mit seinem eigenen Traumziels Tarsis, aber er löst mit seiner Reise Erstaunliches aus: die abergläubischen Seeleute sind so beeindruckt von Gottes Macht, dass sie diesen Gott Jonas anbeten und um Hilfe bitten: „Gott, lass uns nicht verderben!“ (V.14).

Spätestens an dieser Stelle merkt man, dass es in unserer Geschichte nicht um einen exakten Bericht der Fakten geht, sondern die Dinge hinter der Geschichte machen diese Erzählung so spannend. Was gewinnen wir als Menschen, wenn wir nach Gottes Wegen für uns fragen und was bringen wir in Bewegung, auch wenn wir selbst etwas ganz anders geplant haben? Jona sagt nur wenig von dem Gott, an den er glaubt, und schon diese wenigen Sätze verändern für die Seeleute den Blick auf ihre eigene Situation. Sie verstehen, dass ihre Arbeit, ihre Seemannskunst und ihr Kraft nichts bewirken werden, wenn sie nicht dem Gott Jonas, dem Schöpfer des Himmels und der Erde die Veränderung zutrauen. Diese gottfernen Persönlichkeiten „…fürchten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.“ (V.16)

Der nächste Teil der Geschichte ist vielen aus der Sonntagschule und dem Religionsunterricht bekannt: Jona geht über Bord und wird von einem großen Fisch verschluckt. Doch Jona erstickt nicht im Fischbauch und wird nicht verdaut. Er fängt an zu Singen und zu loben, und der ganze Fisch war voll Gesang1. Die Geschichte erzählt aber auch davon, wie Jona vom großen Fisch im Mittelmeer gerettet wird. Ich fand zu diesem Teil der Geschichte bei Pfarrer Olaf Trenn und Pfarrerin Bettina Schietering-Evers (beide Berlin) den Gedanken: „Jona gehört zu den weit mehr als 78.000 Menschen, die seit 2015 von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen aus Seenot gerettet wurden. Besatzungen wie die der Sea-Watch, Aquarius oder Lifeline gehören für uns zu den modernen großen Fischen: Sie retten Menschen und bringen sie ans sichere Ufer.“2

 

Der Fisch bringt ihn an Land. Er reist nach Ninive und predigt dort lustlos als Bote Gottes von der bevorstehenden Katastrophe. Die Leute nehmen ihn trotzdem sehr ernst. Sie ändern ihr Leben, wagen es wie schon die Seeleute mit diesem Gott, von dem Jona erzählt, und am Ende wird die Stadt von der Katastrophe verschont.

Schließlich erzählt diese Glaubensreise von einer letzten großen Bedrohung, die aber nur Jona selbst erlebt. Weil er es nicht ertragen kann, für die ganz anderen Wege Gottes mit den Gottfernen auf dem Schiff und den Verlorenen in Ninive die Spur gelegt zu haben, versinkt er in Schwermut und will sich umbringen. Nicht die Freude über die geretteten Sünder erfüllt Jona, sondern der Ärger darüber, dass Gottes Liebe größer ist, wie der Wunsch nach Strafe und Vergeltung.

Jesus erzählt einmal die Geschichte von den beiden Brüdern. Der Sohn, der beim Vater geblieben ist, hat kein Verständnis dafür, dass dem jüngeren, der alles falsch gemacht hat in seinem Leben, nun der rote Teppich ausgerollt wird und ein Fest bei seiner Rückkehr gefeiert wird.

Bei Jona wirbt Gott mit einem schattenspendenden Strauch dafür, dass Jona die Vergessenen nicht mehr verurteilt. Im Lukasevangelium steht in den Gleichnissen Jesu über das Verlorene, das wiedergefunden wird, der Satz: „Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder / einzige Sünderin, der /die umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“ (Lukas 15,7, nach: Neue Genfer Übersetzung)

Jona begann seine Reise und wollte sich seine Vorstellung von einer Welt, in der Gott auf der Seite der Frommen steht und die anderen vergisst, bewahren.

Je länger er mit diesem Gott der Bibel unterwegs ist, entdeckt Jona, wie Gott…

bei Menschen Glauben wecken kann, wo er nur Seeleute sah, die ihren Job machten,

oder eine Stadt in ihren Werten und der Sorge für einander umkrempelt

oder am Ende ihn in seinem frommen Hochmut nicht verurteilt, sondern um einen neuen Blick auf seine Mitmenschen wirbt.

 

Diese Reise hat ihn verändert.

Meine eigene Reise darf mit einer besseren Motivation starten, als es die des Jona war

Die Bibel hat alle Register gezogen, um die Geschichte des Jona auszumalen, mit viel Seemannsgarn zu verweben und am Ende bei einer einfachen Frage zu enden: Warum traust Du, Jona, Gott nicht viel mehr Sorge und Liebe für alles was wächst und gedeiht zu, für jeden Menschen, der auf dieser Erde unterwegs ist, wie Du selbst es für andere empfindest?

Die Geschichte von Jona wirbt dafür, sich nicht gegen andere auf eine Lebensreise des Glaubens zu machen. Gott sehnt sich nach der Erlösung für alle Kreatur und legt uns nicht auf unsere Fehler und Irrwege fest. Die Bewertung eines Menschen hat nicht auch gleich die strafende Reaktion Gottes zur Folge. Darum lebt der Glaube an den Gott der Bibel aus dem Grundvertrauen, dass Gottes Liebe für Menschen und ihr Leben Veränderungen möglich macht. Jona startete seine Reise mit einer klaren Aufteilung der Menschen in die Gruppen „die“ und „wir“. Dieses Schubladensystem, in das auch wir oft Menschen einteilen, lehnt Gott ab. Mit anderen und für andere startet die tiefere Entdeckung des Glaubens, der ein Leben tragen kann.

Wenn wir uns wieder neu auf die Reise machen, dann lohnt es sich die Geschichte von Jona im Hinterkopf zu behalten. Finden Sie heraus, auf welche Route der Vater im Himmel, der Schöpfer des Himmels und der Erde Sie und Ihr Leben setzen will. Dieser Gott segne auch Ihre Reise des Glaubens mitten in dieser Welt.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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1 Klaus-Peter Hertzsch veröffentlichte 1967 in der DDR und1969 unter diesem Titel die Ballade über das Jonabuch und auch nach über 40 Jahren bringt dieser gereimte Text die Zuhörenden zum Schmuzeln und zum Nachdenken. Klaus-Peter Hertzsch ist uns besser bekannt durch den Liedtext von „Vertraut den neuen Wegen“. In der Studentenarbeit, in seinem Engagement für die Friedensbewegung und als langjähriges Mitglied der Thüringer Synode und der Synode des Bundes de Ev. Kirche in der DDR prägte Klaus-Peter Hertzsch die Evangelische Kirche in der DDR mit.

2 in: Gottesdienstpraxis, 3 Reihe, Band 3, S.70, Gütersloh 2021

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                    Geboren in Gottes Lebensspur hinein                               

                             Predigtimpulse zu Johannes 3, 1-8

                                für den Sonntag Trinitatis 2021

 

Liebe Lesende,

in der Kölner St. Martinskirche begegnen Sie der Figur des Nikodemus. Ich kenne ihn durch sein Nachtgespräch mit Jesus aus dem Johannesevangelium, aber ich war überrascht zu entdecken, das noch an zwei weiteren Stellen von Nikodemus erzählt wird. Nikodemus verteidigt die Rechte Jesu, als andere ihm den schnellen Prozess machen wollen.1 Mit Josef von Arimatäa und einer gehörigen Menge an Kräutern und Salböl geht er zum Leichnam Jesu und salbt Jesus in der Grabhöhle.2 Nikodemus war in der frühen Christenheit bekannt. Einige Ausleger deuten die Salbung des Leichnams so, dass dieser gelehrte und nachdenkliche Pharisäer am Ende für sich verstanden hat, dass er in Jesus dem ganz anderen, dem von Gott Erwählten begegnet ist.

Vielleicht öffnet das einen wichtigen Blick auf die Episode, die Sie gleich nachlesen können: nicht immer versteht man sofort, worum es Jesus geht. Nikodemus könnte ein Mensch gewesen sein, der einige Begegnungen mit Jesus brauchte, bis er vom Beobachter zum Zeugen für Jesu Sache wurde.

 

Die Geschichte eines Nachtgesprächs (Johannes 3,1-8)

Einer von den Pharisäern war Nikodemus, ein Mitglied des jüdischen Rates. Eines Nachts kam er zu Jesus und sagte zu ihm: »Rabbi, wir wissen, dass Gott dich gesandt und dich als Lehrer bestätigt hat. Nur mit Gottes Hilfe kann jemand solche Wunder vollbringen, wie du sie tust.«

Jesus antwortete: »Amen, ich versichere dir: Nur wer von oben her geboren wird, kann Gottes neue Welt zu sehen bekommen.«

»Wie kann ein Mensch geboren werden, der schon ein Greis ist?«, fragte Nikodemus. »Er kann doch nicht noch einmal in den Mutterschoß zurückkehren und ein zweites Mal auf die Welt kommen!«

Jesus sagte: »Amen, ich versichere dir: Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen. Was Menschen zur Welt bringen, ist und bleibt von menschlicher Art. Von geistlicher Art kann nur sein, was vom Geist Gottes geboren wird. Wundere dich also nicht, dass ich zu dir sagte: 'Ihr müsst alle von oben her geboren werden.' Der Wind weht, wo es ihm gefällt. Du hörst ihn nur rauschen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So geheimnisvoll ist es auch, wenn ein Mensch vom Geist geboren wird.«

 

Die Frage nach der Geburt ist die Frage danach, was einen Menschen prägt

Die Frage klingt banal, aber erinnern Sie sich kurz daran, was Sie von ihrer eigenen Geburt wissen:

  • Wo war das?

  • Welche Umstände und welche Zeit gehören zu ihrem Geburtsdatum?

  • Was haben Sie von ihren Eltern oder Anderen über ihre Geburt erfahren?

Mich hat diese Frage eingeholt, als unsere Jährliche Konferenz vor einigen Jahren in der Stadt des Linoleums und der Atlas-Bagger, in Delmenhorst, tagte. Die Kirche für den Eröffnungsgottesdienst stand hinter einem kirchlichen Klinikum, einer katholischen Einrichtung. Da kam die Erinnerung, dass meine Mutter immer wieder erzählt hat, wie sie mich in der Kreisstadt Delmenhorst in einem kirchlichen Krankenhaus zur Welt gebracht hat. Es war 1964 auch in der norddeutschen Provinz die Zeit des Beatles-Fiebers und die Krankenschwestern kämmten ihren neugeborenen Schützlingen die Haare nach dem Vorbild der vier Liverpooler Idole. Kurz: mir wurde in diesem Gottesdienst überraschend bewusst, dass ich ganz in der Nähe des Orts war, wo mein Leben auf dieser Erde angefangen hat.

Mit unseren Geburtsorten und den Orten, wo wir groß geworden sind, verbinden sich Festlegungen, die man in der Regel nicht wieder verliert. Wo man geboren wurde und groß geworden ist, trifft man alte Bekannte wieder. Eine Mitschülerin erzählte bei einem Klassentreffen mit einem kuriosen schwäbischen Akzent davon, dass sie nun als Richterin in Stuttgart arbeitet und lebt. Je länger wir zusammen waren, entdecke ich aber vieles bei ihr wieder, was sie schon früher zu ihr dazu gehört hatte.

Der Ort, wo man geboren wurde, legt aber nicht fest, was einem im Leben passieren wir. Wenn, dann kann man vielleicht sagen, es wird mit der Geburt der Anfangspunkt für eine Spur gelegt, auf der ich mich entwickle und Erfahrungen sammle.

Wenn es um den Heiligen Geist geht, ist diese Lebensspur wichtig.

Wenn Jesus im Gespräch mit Nikodemus über den Heiligen Geist die Geburt ins Spiel bringt, dann betont er, dass auch in unserer Spiritualität der Anfang festlegt, von wem her ich mich entwickeln kann und auf wen ich mein Leben beziehe.

Geistliche Erfahrungen lösen weitreichende Veränderungen und Entscheidungen aus.

Die Begegnung mit Gott im Heiligen Geist löst Entwicklungen aus, die an die Larve erinnert, die zu einem Schmetterling wird. Menschen überwinden mit Gottes helfendem Geist ihre Abhängigkeiten und verändern ihre Wesensart.

  • Ich habe vor vielen Jahren von einem alten geachteten Mitbruder und Christen in der Gemeinde folgendes Zeugnis gehört: „Wissen Sie, Bruder Loos, wenn ich nicht Christ geworden wäre, dann hätte ich vermutlich irgendwann mal jemand umgebracht. Ich war früher krankhaft jähzornig und dann konnte mich nichts mehr stoppen.“ So sprach ein älterer, stiller und sehr geduldiger Bruder mich an, und ich war sprachlos!

Gottes Geist schenkt Erfahrungen wie eine Neugeburt und es ist kein Wunder, dass es schon damals dem spitzfindigen Nikodemus schwer fiel, eine solche tiefgreifende Veränderung als möglich und sogar selbstverständlich in das eigene Bild von Gott einzufügen.

 

Leben aus den himmlischen Wurzeln

Im griechischen Text gibt es eine Formulierung an dieser Stelle, nach der man übersetzen kann:

geboren wie neu“ oder „geboren von oben“. Die Qualität einer Geburt und auch die Quelle der Geburt deutet die griechischen Präposition an. Veränderungen, die wir wie eine neue Geburt erleben, die uns auf eine andere Lebensspur bringen, haben ihre Wurzeln im Himmel – dort wo unser himmlischer Vater als Schöpfer und Erhalter des Lebens thront.

Ich denke, dass diese himmlischen Wurzeln, die wir als Menschen „...im Geist Gottes“ haben, in den meisten Situationen im Alltag genauso wenig eine „spürbare“ Rolle spielen, wie die biologisch, sozialen und kulturellen Wurzeln, die uns durch unsere leibliche Geburt mitgegeben wurden.

Doch es gibt eben immer wieder Situationen, da erinnern wir uns an unsere inneren Wurzeln und Bindungen, mit denen wir leben.

  • Bei der Partnersuche war und ist es ein Thema, was sie oder ihn geprägt hat und wo der oder die andere herkommt - „...wie die Familie so ist!“. Passt das zusammen, was zwei Menschen mitbringen?

  • Wenn man sich auf eine neue Lebenssituationen einstellen muss, fragt man oft auch danach, was man mal wollte und wo man herkommt, um eine Orientierung für sich zu bekommen.

  • Wenn wir von den Werdegängen anderer hören, dann läuft schnell auch der Film vom eigenen Leben mit, was ich damals gemacht habe, wie alt ich war oder dass ich vielleicht noch gar nicht geboren war. Wir finden für unsere eigenen Werte und Urteile in der Erinnerung daran, wie es uns selbst ergangen ist und was wir erreicht haben.

Gottes Anfang des Lebens setzt einen himmlischen Punkt dort, wo wir in Beziehungsfragen nach unserem Ursprung fragen, wo wir Krisen und Umbrüche durchstehen und wo wir Werte und Orientierung suchen. Unsere himmlischen Wurzeln öffnen eine andere Blickrichtung auf das, was uns Angst und Sorgen macht. Dieser andere Anfangspunkt des Lebens außerhalb unserer eigenen Biographie bricht mit dem, wo wir sonst unser Leben hinlaufen sehen.

Das ist etwas, was sich nicht einfach auf ein Verständnisproblem reduzieren lässt. Damals stellte Nikodemus seine Fragen und heute fragen andere, die aller Geistlichkeit skeptisch gegenüber stehen, nach. Doch erst, wenn wir entschieden haben, wo für uns das eigene Leben seinen Ursprung hat, geben Antworten einen Sinn und es verändert sich der Blick auf die Dinge.

Jesus argumentiert, dass man nicht den Geist Gottes erklären oder fassen kann, aber dass man sehr wohl sehen kann, wo und wie dieser Geist wirkt. Wind spürt man, die Rotoren der Windkraftwerke nutzen seine Kraft und wenn ein Sturm übers Land zieht, hofft jeder und jede, dass einem nicht das Dach des Hauses um die Ohren fliegt. Wieso es jetzt weht, interessiert nur wenige, aber was diese Kraft bewirkt, löst etwas in uns aus.

Was wir wissen müssen ist, wie uns die Kraft des gegenwärtigen Gottes so in Bewegung halten kann, dass wir auf unserer himmlischen Spur bleiben.

 

Auf dieser Spur bleiben...

  • ...und sich nicht wundern, wenn da ein anderes Tempo normal wird. Wer vom Himmel noch nichts weiß, ist möglicherweise mit Recht etwas schneller und dynamischer und immer wieder mit was anderem beschäftigt. Wer weiß, wo er oder sie herkommt, braucht vielleicht nicht mehr alles auszuprobieren.

  • ...und dem Platz lassen, der uns bewegt und trägt. Gebetszeiten sind Zeiten, wo wir Gottes Gegenwart suchen und seinen Geist erleben – in der Stille, in wichtigen Gedanken oder Bildern und in Worten.

  • ...und das nächste Ziel erreichen wollen. Gottes Geist ist kein Gefühl, was mal kommt und dann wieder geht, sondern dieser Geist ist der Motor für die Gemeinde und die Kirche Jesu Christi. Wir lassen uns als Gemeinschaft der Heiligen in dieser Welt nicht einfach treiben, sondern wollen Gottes Liebe für Menschen weitergeben und leben. Unsere Treffen und Gottesdienste sind keine Rituale, sondern Zeiten der Orientierung und der Vorbereitung, damit wir ans Ziel kommen – persönlich und als Gemeinde Christi in dieser Zeit.

Es ist gut zu wissen, wo wir herkommen auf unserem Weg – mit irdischer und himmlischer Adresse des Geburtsorts und es ist vielleicht noch wichtiger, herauszufinden, was Gott mit uns vorhat, wenn er uns so konkret auf seine neue Lebensspur setzt.

 

Amen.

 

 

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1 Siehe Johannes 7,50-52

2 Siehe Johannes 19,39

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           Gottes Geist schenkt die gemeinsame Sprache                        

                       Predigtimpulse zu 1. Mose 11,1-9

                                   für Pfingsten 2021

 

Liebe Lesende,

unser Bibelimpuls funktionieren heute, anders als gewohnt. Am Anfang steht ein Text und wir suchen nach Gedanken oder einem Zuspruch, die uns diese alten Worte für unsere Situation aufschließen. An diesem Pfingstfest beginnt unsere Reise mit dem biblischen Wort damit, dass wir zuerst hören, wie die Dinge nicht mehr sein sollen.

Nach der Zerstörung ihres Tempels in Jerusalem wurden die Juden nach Babylon zwangsdeportiert. Dort sahen und hörten sie wohl unzählige Male die Geschichten von dem mächtigen Tempelturm, der mitten in der Stadt Babylon stand. Im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris haben Archäologen verschiedene Turmaltaranlagen freigelegt. Über eine hohe Treppe kommt man in den Innenraum oder auf die Terrasse, wo die Priester ihrem Gott die Opfer darbrachten. Die gewöhnlichen Besucher der Opferanlagen sahen nur ein mächtiges, in den Himmel ragendes Gebäude vor sich und konnten sich in ihrer Phantasie ausmalen, was die Götter den auserwählten Priestern dort oben an Geheimnissen weitergaben.

In der Bibel, aber auch in außerbiblischen Quellen, die älter als die Bibelüberlieferungen sind1, kommen die kritischen Stimmen zu Wort, die sich von der Macht und der Größe dieser Tempelanlage nicht beeindrucken ließen. Sie erzählen von dem Hochmut und der menschlichen Überheblichkeit, die sich in diesem Steintürmen ein Denkmal gesetzt haben:

 

1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

(1. Mose 11, 1-9 nach: Lutherbibel 2017)

 

1. Das Denken formt unsere Sprache…

Im lippischen Kreistag wurde von einigen Wochen die Diskussion über geschlechtsneutrale Sprache neu zum Politikum. Vordergründig geht es darum, ob ein öffentliches Dokument oder ein Brief nicht unleserlich wird, wenn man durch Zeichen wie Sterne oder Schrägstriche oder die jeweilige ausgeschriebenen Anreden für Frauen und Männer immer beide Geschlechter sprachlich nennt. Die traditionellen Formulierungen redeten in der Regel nur von den Männern und die Frauen sind, so wird bis heute auf Nachfrage erklärt, dabei mitgedacht.

In einer Gesellschaft, wo im Bildungssystem, im Wirtschaftsleben und bei der Verteilung der familiären Aufgaben keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht werden, könnte so eine Erklärung funktionieren. Doch unzählige Untersuchungen aus der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass bis zur wirklichen Gleichberechtigung der Geschlechter in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch ein gutes Stück Weg gegangen werden muss. Die Amtssprache kann diese Realitäten einer Vorzugsbehandlung von Männern sichtbar machen oder dokumentieren, welche anderen Rechtsgrundlagen das öffentliche Miteinander bestimmen. Die bundesdeutschen Gesetze lassen keine Ungleichbehandlung eines Menschen auf Grund seines Geschlechts mehr zu.

Sprache zeigte zu allen Zeiten, was Jemand denkt und was ihm wichtig ist.

Die jüdischen Migranten in Babylon haben die Sprache, die der Bau so eines Tempelturms spricht, sehr genau untersucht. Sie übersetzten das, was sie dort sahen so: die, die hier gebaut haben, wollten dem Himmel so nahe wie möglich kommen, weil sie sich ein wenig wie die Herren über die Erde und den Himmel sahen. Sie brauchten keine Götter mehr, sie waren selbst die, die von oben herab alles regieren konnten.

Mit der alten Geschichte vom Turmbau in Babylon bekommt menschliche Überheblichkeit in Kombination mit einer gehörigen Portion Größenwahn einen Spiegel vorgehalten. Wer meint, mit seinen Allmachtgedanken an der Tür zum Himmel rütteln zu können, wird Gott keinen Schritt näher kommen. Doch er oder sie setzt die Verständigung mit anderen aufs Spiel. Wer in seinen Gedanken schon auf dem Thron neben den Göttern sitzt, macht sich in der Regel keine Gedanken mehr über die Menschen an seiner Seite oder in seiner Nachbarschaft. Wer andere nicht mehr sieht und nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten will, verliert die gemeinsame Sprache, die wir brauchen, wenn miteinander gearbeitet werden soll.

Die Geschichte vom Turmbau sagt nicht nur, dass unser Denken und unser Glauben unsere Sprache formen. Die vielen Sprachen zeigen, wie sehr Menschen ihre gemeinsamen Wurzeln verloren haben, wenn sie nicht mehr miteinander reden und sich verständigen können. Das große Projekt der gemeinsamen Stadt bleibt eine Baustelle und wird nicht vollendet. Wenn Einzelne sich zu Göttern machen, löst sich eine gemeinsame Sprache auf. Ohne diese Sprache können Menschen nicht mehr zusammen arbeiten und eine Gemeinschaft zerbricht in Nationalitäten, Parteien oder Clans.

Gott spielt das Spiel der Menschen, die ihre Grenzen überschreiten und nach den Sternen greifen, nicht mit. Die Reaktion Gottes ist nicht die Vernichtung derer, die mit ihren Türmen im Himmel wohnen wollen, sondern er überlässt uns Menschen unserem Glauben an die eigene Größe. Gott nimmt den Menschen die gemeinsame Sprache, damit sichtbar wird, dass Größenwahn und Hybris am Ende keine Gemeinschaft stiften können.

 

2. An Pfingsten feiern wir die Überwindung der Missverständnisse

Die Turmbaugeschichte malt aus, was unserem Zusammenleben ohne Gott droht. Wir finden keine gemeinsame Sprache mehr, große Projekte scheitern an den notwendigen Absprachen und viele unterschiedliche Einzelinteressen produzieren immer neue Missverständnisse.

Die Welt, in der Menschen den gemeinsamen Glauben an den Schöpfer verloren haben, lebt mit Abgrenzungen, die verteidigt werden müssen. Sie lebt mit Werten und Idealen, die mit niemandem außerhalb der eigenen Wahrnehmung abgesprochen werden müssen. In dieser Welt gibt es vielleicht noch die gleichen Worte in den unterschiedlichen Milieus, aber sie werden ganz unterschiedlich bewertet:

  • Solidarität ist für die einen ein hohes Gut und der Schlüssel zum besseren Leben, für anderen klingt das Wort nach Sozialismus und danach, dass ihnen hart erarbeitete Freiheiten weggenommen werden sollen.

  • Armut ist für die einen ein selbstverschuldetes Schicksal und für andere die Konsequenz eines ungerechten Systems.

  • Liebe ist für die einen eine tiefe persönliche emotionale Erfahrung und für andere die Motivation, warum sie anderen helfen und sich für andere engagieren.

Wo die gemeinsamen Erzählungen und der Glaube fehlen, sprechen wir immer wieder aneinander vorbei und miss-verstehen einander.

In diese Welt hinein vergießt Gott seinen heiligen Geist.

In Babylon verlieren Menschen die Nähe zu Gott in ihrer Überheblichkeit und damit ihre gemeinsame Sprache. Am Pfingstmorgen in Jerusalem spüren Menschen neu Gottes Liebe und Gnade, während der Heilige Geist sie berührt, und finden wieder eine gemeinsame Sprache.

Diese gemeinsame Sprache funktioniert nicht über einheitliche Grammatik und die gleichen Worte, sondern sie ist wohl immer zuerst eine Sprache der Herzen.

  • Wenn Großeltern und Enkel sich treffen, dann gibt es gewisse Sprachprobleme wenn von den neusten Marvel-Superhelden die Rede ist oder von den Dingen, die sich nun mal einfach gehören. Aber dann gibt es auch noch eine andere Sprachebene, und die funktioniert, weil man seine Oma einfach mag und „…der Enkel ja schon ein süßer Fratz ist“.

  • Wenn wir in einer weltweiten Kirche über Sexualität diskutieren, dann werden wir nur schwer einander mit Argumenten, die aus unserer eigenen Welterfahrung kommen, überzeugen können. Aber als Mitglieder einer gemeinsame Kirche haben wir in diesen Frage eine Chance, wenn wir dem heiligen Geist die Chance einräumen, einander mit der Sprache des Herzens zu begegnen.

Diese Sprache, die Missverständnisse überwindet und Menschen zusammenbringt, lebt durch Gottes Geist, der uns durchdringt. Wenn wir erfüllt mit diesem heiligen Geist unterwegs sind, dann übersetzen wir oft Dinge aus der Sprache, die der eine versteht, in die Sprache, die eine andere versteht. Geistliche Menschen sind Übersetzer und Übersetzerinnen der Liebe Gottes in einer Welt, in der Menschen an ihren Sprachproblemen und Missverständnissen immer wieder verzweifeln.

Weil diese Welt mit ihren vielen Abgrenzungen und nicht geklärten Konflikten Heilung und Versöhnung braucht, beten wir neu an diesem Pfingstfest: „Komm Heiliger Geist mit Deiner Kraft in diese Welt“.

 

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 ° 32756 Detmold ° Tel.: 05231.23297

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1 In Texten aus der frühsumerischen Kultur, die ca. im 3 Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung entstanden ist, fand man die Erzählung von „Enmerkar und der Herr von Aratta“, die davon erzählt, wie es bei einem großen Bauvorhaben zu einer Sprachverwirrung gekommen ist.

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                         Quelle des lebendigen Wassers                                    

                      Predigtimpulse zu Johannes 7, 37-30

                      für den Sonntag Exaudi / 16.Mai 2021

 

Liebe Lesende,

 

heute hat der Wetterbericht Regen angesagt.

Das stört uns vielleicht bei der Gartenarbeit oder dem Ausflug ins Grüne. Regen ist gefühlt für die meisten von uns einfach da und es gibt noch keinen Grund, sich über zu wenig Regen Sorgen zu machen.

Doch unser Bach in der Nähe hat seit einigen Tagen wieder bedenklich wenig Wasser.

Dass der Wasserfluss ganz versiegt, gehört zu den Tagen im Hochsommer. Doch jetzt haben wir erst Mai. Ich erinnere mich an die klaren Worte unserer Experten in der Gemeinde im letzten Sommer, die sehr genau die Wälder in unserer Region kennen und um die Situation auf den Feldern wissen. Es war zu lange zu trocken, haben sie immer wieder gesagt.

Kurz nach dem Himmelfahrtsfest erzählen die Bibelverse für den Sonntag Exaudi von dem lebendigen Wasser, das die Trockenheit beendet und für die, die von ihm trinken, eine erfrischende Quelle für neue Kraft und Stärke ist. Dieses alte biblische Bild weckt Hoffnung. Es passt aber auch gut in die Zeit, in der die Gemeinde Jesu an Himmelfahrt davon gehört hat, dass Jesus nun im Himmel ist und man sich fragt, wer einem in diese Welt mit all ihren Problemen nun helfen soll.

Jesus wird mit seinen Jüngern in der Festwoche zum Sukkot, dem Laubhüttenfest, in Jerusalem gewesen sein. Der Sukkot wird im Herbst gefeiert und man bittet bei diesem Erntefest nach den oft trockenen und heißen Sommern in Israel um den Herbstregen, damit die Aussaat für den neuen Fruchtzyklus in die Erde gebracht werden kann und in den Wintermonaten dann in der Erde keimt und wächst. In dieser Umgebung des fröhlichen Volksfestes redet Jesus vom lebendigen Wasser:

 

37 Am letzten Festtag, dem Höhepunkt des ganzen Festes, trat Jesus vor die Menge und rief: »Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken, 38 jeder, der mir vertraut! Denn in den Heiligen Schriften heißt es: ›Aus seinem Innern wird lebendiges Wasser strömen.‹«

39 Jesus meinte damit den Geist Gottes, den die erhalten sollten, die ihn im Glauben annehmen. Damals war der Geist noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war. (Johannes 7, 37-39, in: Gute Nachricht Bibel)

 

1. Die Quelle des lebendigen Wasser: Gottes Lebenskraft

Die Menschen der Bibel leben in einer Welt, in der Wüsten und Steppen sie umgeben und Wasser nicht nur Lebensmittel ist, sondern ein Symbol für das Leben selbst.

Die Flüchtlinge, die mit Mose in der Wüste unterwegs sind, erleben das Wunder, wie aus dem Stein mit Gottes Kraft eine Quelle anfängt zu sprudeln.1

Die Propheten verbinden ihre sozialkritischen Botschaften von einer gerechten Gesellschaft mit der Einladung, aus den Quellen zu trinken, die genug Wasser für jeden haben. Diese Quellen sprudeln nur, wo Gottes Gerechtigkeit und Liebe das Leben durchdrungen haben.2 Hesekiel zeichnet das Bild einer Quelle, die aus den Steinen des Jerusalemer Tempels entspringt und als heilende Kraft sich über das ganze Land ergießt.3 Jesaja verbindet mit dem Bild des Wassers die Begegnung mit dem Geist Gottes: „Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.“4

Wasser war nicht einfach da, aber es gab immer wieder genug, um den Durst zu stillen und die Saat auf den Feldern wachsen zu lassen. Gottes Kraft zeigte sich darin, wie lebendiges Wasser die Trockenheit in blühende Steppe verwandelte und ein Mensch neu aufblüht, wo sein Durst gestillt wird.

 

2. Die Quelle des lebendigen Wassers bin ich, sagt Jesus5

Die Geschichte, die zu diesem Bekenntnis Jesu gehört, ist ein Gespräch mit einer Frau am Brunnen, an dem man hartnäckig an einander vorbei redet.

Die Frau mit ihren Schöpfbehältern redet von dem Wasser, weswegen sie sich aus dem Dorf auf den Weg zum etwas abgelegenen Brunnen gemacht hat. Jesus spielt auf die Worte der alten Propheten an und redet im Bild vom Wasser über die Lebensfülle, die uns Gott im lebendigen Glauben schenken will. Jesus macht es der Frau nicht leicht, diese ganz andere Botschaft zu verstehen, während sie mit dem beschäftigt ist, was sie vermutlich jeden Tag dort am Brunnen tut. Am Ende versteht die Frau, wovon Jesus redet, lässt sich auf ihn ein und vertraut dem, was er sagt, und kommt als anderer Mensch in ihr Zuhause zurück.

Davon reden Christen auch an anderer Stelle, dass die Begegnung mit Jesus nicht nur frische und neue Kraft in ein Leben bringen kann, sondern dieses lebendige Wasser des Glaubens an Christus alles verändert.

Im Nordosten Brasiliens habe ich 2014 den Brunnen neben der methodistischen Kirche in Varjada kennengelernt, der alles im Dorf verändert hat.

Dieser Landstrich litt schon immer an den langen Dürrezeiten und einer kurzen heftigen Regenperiode. Mal reichten die Wasserspeicher für das ganze Jahr, aber immer wieder mussten die Bewohner dort ihre Sachen packen und in die reichen, vom Tropenregen verwöhnten Städte am Meer ziehen.

Das Entwicklungsprogramm einer nordamerikanischen methodistischen Konferenz ermöglichte es der kleinen Gemeinde in Varjada, neben der Kirche einen eigenen Brunnen zu bohren, der das ganze Jahr über genug Wasser gab. Über der Zapfstelle gab es ein Schild mit dem Satz: „ Wasser – Quelle des Lebens // Jesus – Wasser des Lebens“6.

Dieser Satz ist zum Programm in Varjada geworden. Weil es nun genug Wasser gab, konnte man die Dorfausstattung verbessern. Neben dem Brunnen wurde ein öffentliches Telefon angeschlossen, damit die Frauen mit ihren Männern, die als Wanderarbeiter in der trockenen Jahreszeit weit weg lebten, in Verbindung bleiben konnten. Weil die Leute im Dorf blieben, wurde eine Schule aufgebaut und Kinder bekommen eine Chance für eine solide Ausbildung. Weil im Dorf seit einigen Jahren so viel in Bewegung gekommen ist, hat die Regierung eine Krankenstation mit einer eigenen Ärztin vor Ort eingerichtet.

 

In Varjada versteht man, dass es bei der Frage nach dem lebendigen Wasser um einen Christusglauben geht, der die Seele stärkt und erneuert, und dann anfängt das persönliche Leben zu verändern. Am Ende bekommt vielleicht sogar ein ganzes Dorf eine neue Blütezeit geschenkt.

 

3. Die Quelle des lebendigen Wassers sprudelt in Gottes heiligem Schöpfergeist

Jesus erinnert damals beim Laubhüttenfest in Jerusalem daran, dass durch Gottes Geist die Quellen des lebendigen Wassers nicht versiegen werden und sich immer neu füllen.

Das ist eine herausfordernde Ansage, wenn man eine Woche lang in den Nachrichten aus dem Jerusalem unserer Tage Bilder gesehen hat, wie ganz andere Geister sich in Israel Bahn brechen. Nach der Politik der Entrechtung vieler Menschen in den arabischen Stadtteilen findet der Terror der Radikalen im Gazastreifen ein erschreckendes Echo in Israel selbst.

Nicht das Leben, sondern Gewalt und Tod regieren die Nachrichten. Es ist wichtig dafür zu beten, dass der Geist des Lebens, der Versöhnung und des Ausgleichs sich in dieser Situation Gehör verschaffen kann.

Jesu hoffnungsvoller Zuspruch, dass Gottes Geist neu zu uns kommt und wie lebendiges Wasser die Dinge verändern wird, gehört jedem von uns, der die Wüstentage kennt und innerlich nach frischem Wasser lechzt. Wenn nichts mehr zu funktionieren scheint, wenn eine Sorge sich mit dem nächsten Unglück mischt und wir nicht mehr weiter wissen, dann dürfen wir uns als Hoffnung zusprechen lassen: „Ich will Dir nun neu den Geist des Lebens wie eine frische Quelle schenken!“

Ich denke hier an konkrete Menschen, von deren Wüstensituation ich in den letzten Tagen gehört habe. Wir können für diese Freunde und Geschwister oft nur wenig tun, weil die Quellen, die dort im Lebensalltag ausgetrocknet sind, nicht den Tropfen auf dem heißen Stein brauchen, sondern einen neuen Anschluss an das Wassersystem, was den Durst stillt.

Dann kann jemand erleben, dass er oder sie in fremder Umgebung aufgenommen wird und ein herzliches neues Zuhause findet. Krankheit, die uns zusetzt, wird gebrochen von dem Glauben, dass Gott uns auch in unserer Schwäche und Not nicht allein lässt. In dieser Zeit, wo viele Gewerbe und Berufe durch die Coronasituation nicht ausgeübt werden können, könnten sich neue Arbeiten ergeben, die nun gut und gründlich getan werden müssen, bis es wieder anders sein wird.

 

Was wir tun können, ist dafür zu beten, dass – um im Bild der Hesekielprophetie zu sprechen – Gottes Geist des Lebens sich wie ein Wasserstrom überall hin ausbreitet und das gedemütigte, gebrochene und angegriffene Leben um uns herum und in uns heilt.

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 / 32756 Detmold / Tel.: 05231.23297

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1 2. Mose 17,6

2 Jesaja 55,1

3 Hesekiel 47, 1-12

4 Jesaja 44,3

5 Siehe Johannes 4, 13+14

6 »Aqua-fonte de Vida, Jesus – Aqua da Vida«. Auf der Homepage der EmK-Weltmission findet man noch weitere Informationen zu diesem Projekt und was sich dort inzwischen weiter entwickelt hat:

https://www.emkweltmission.de/vorherige-aktionen/kinder-helfen-kindern-2014/kinder-helfen-kindern-2014-2015.html?L=434.html

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                       Das Gebet durchdringt die Wolken                            

                  Predigtimpulse zu Jesus Sirach 35,16-22

                        zum Sonntag der Weltmission

                           am Sonntag Rogate 2021

 

Das Bibelwort: Jesus Sirach 35,16-22:

 

16 Gott ist nicht voreingenommen für die Reichen, und wenn einem Armen Unrecht geschehen ist, hört er auf sein Gebet. 17 Niemals überhört er den Hilferuf der Waisen oder die Klage einer Witwe.

18 Er sieht die Tränen, die über ihre Wangen laufen, 19 und hört ihren Schrei, ihre Anklage gegen den, der die Tränen verursacht hat. 20 Wer dem Herrn so dient, wie es vor ihm recht ist, wird angenommen und seine Bitten erreichen den Himmel.

21 Das Gebet der Armen, die nur noch von Gott etwas erwarten, durchdringt die Wolken. Es gibt sich erst zufrieden, wenn es sein Ziel erreicht hat. Es gibt keine Ruhe, bis Gott, der Höchste, eingreift 22 und den Seinen Recht verschafft. Der Herr lässt nicht auf sich warten. Er hat nicht lange Geduld mit den Verbrechern; für ihre Grausamkeit wird er ihnen die Knochen zerschmettern. (Gute Nachricht Bibel)

 

Liebe Lesende,

in unseren Gemeinden in Detmold und in Lage gibt es eine lang gepflegte und immer wieder erneuerte Beziehung zur Arbeit der Weltmission. Die Weltmission ist zuerst eine Behörde in der größeren Kirchenstruktur, die um Spenden für viele ganz unterschiedliche Projekte in vielen Teilen der Welt bittet und diese dann verwaltet.

Diese Behörde arbeitet eng mit Brot-für-die-Welt und anderen Missionswerken in den evangelischen Kirchen zusammen. Mit anderen wird überlegt, wie man z.B. in Malawi gemeinsam vor Ort die Begleitung und Schulungsseminare für Freiwillige aus Deutschland als Ev.-methodistische Kirche und als Mission der Ev. Freikirchlichen Gemeinden organisieren kann.

Damit Hilfe ankommt und die Mission Gottes in dieser Welt dynamisch bleibt, brauchen wir viele gute Absprachen und engagierte Spender. Doch Mission hat immer auch mit Menschen zu tun, die der Kirche eine Zeit ihres Lebens für den Dienst an Anderen, oft auch in ungewohnter Umgebung, zur Verfügung stellen.

Am Sonntag Rogate sind Sie eingeladen, das Gebet und die Frage nach der globalen Mission Gottes in Christus zusammen zu bedenken. Es gibt einen gerade erst erstellten Film aus dem Büro der Weltmission in Wuppertal, wo Sie am Beispiel der Arbeit der Methodistischen Kirche in Kenia in Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern etwas über das Krankenhaus in Maua erfahren.1 Vieles kann man gut sichtbar machen, wenn man die diakonische und soziale Arbeit in der Mission mit konkreten Bildern und Menschen verbindet. Aber der Predigttext für den Sonntag Rogate lenkt unsere Gedanken dahin, wo Gott selbst mit seinem Engagement am Anfang steht, bevor wir eine Arbeit anfangen oder uns an die Seite von Menschen in ihrer Not stellen.

 

Ich möchte in dieser Woche Pfarrer Gwamaka M. Uyole und Pfarrerin Joyceline Njama aus Tansania zu Wort kommen lassen, die eng mit dem Leipziger Missionswerk zusammen arbeiten.

In einem 1. Teil hilft uns Gwamaka M. Uyole, das Bibelwort aus dem Buch Jesus Sirach bewusster zu hören. Joyceline Njama, die als Krankenhausseelsorgerin tätig ist, schreibt in einem 2. Teil etwas dazu, wie sie für sich dieses Wort heute hört und verstehen möchte. Beide arbeiten in der Norddiozöse der Ev.-lutherischen Kirche in Tansania.2

 

1. Einige Informationen zum Buch Jesus Sirach

und wo dieses Buch Bezüge zu den Evangelien hat…

Das Buch Jesus Sirach ist ein Teil der apokryphen Schriften im Alten Testament.

Einige Exeget*innen sehen es im Zusammenhang mit dem Buch des Predigers Salomo. Der Autor des Buches betrachtet das menschliche Leben auf der Erde, und wie der Mensch auf göttliche Führung durch göttliche Weisheit angewiesen ist. Aus Sicht des Autors ist die Welt voller Schmerzen, die durch Unterdrückung/Ungerechtigkeit, Verfolgung und andauernde Misserfolge verursacht werden.

 

Im Predigttext erinnert uns der Prediger an zwei wichtige Dinge:

Erstens (Verse 16-21) ist Gott in allen Situationen, denen der Mensch gegenübersteht, immer gegenwärtig. Gott ist wie ein gerechter Richter. Gott hört die Schreie seines Volkes, er sieht das Leiden seines Volkes. In all dem ist Gott der Anwalt und Heiler seines Volkes, obwohl der Mensch zur Verzweiflung neigt und manchmal denkt, dass Gott keine Gebete hört.

Zweitens (Vers 22): Der Prediger erinnert uns daran, dass, wenn wir Gott vertrauensvoll bitten, Er unsere Gebete und unser Flehen hören und als gerechter Richter handeln wird. Beim Gebet geht es jedoch nicht nur darum, Gott unser Leid zu klagen, sondern es ist Teil unseres ganzen Lebens als gottgläubige Menschen.

Diese Botschaft des Jesus Sirach ist der Botschaft Jesu im Gleichnis vom Richter und der Witwe im Lukasevangelium (Lukas 18, 1-8) sehr ähnlich, wo er seine Jünger*innen/Nachfolger*innen ermutigt, im Gebet durchzuhalten und dass am Ende Gott selbst in Christus eingreifen wird.

Schwestern und Brüder in Christus, diese Botschaft gilt auch für uns Menschen und Christ*innen heute. Die Welt ist derzeit in einem furchtbaren Zustand. Wir hören von Kriegen und Katastrophen in der Welt. Die größte Bedrohung ist derzeit nicht ein Atomkrieg, sondern die Corona-Pandemie (CO-VID-19). Wenn wir am Sonntag Rogate die Worte des Jesus Sirach lesen, lasst uns gemeinsam Gott darum bitten, einzugreifen und seine Schöpfung zu heilen. Lasst uns, ungeachtet unserer geografischen, politischen und technologischen Unterschiede, von ganzem Herzen im Glauben beten (Vers 21)!

 

 

2. Eine Geschichte aus Tansania und eine Botschaft für die ganze Kirche

Lassen Sie mich Ihnen die Geschichte von zwei jungen Menschen erzählen, die sich kennengelernt und ineinander verliebt hatten. Beide kamen aus ganz einfachen Familien. Aus ihrer Freundschaft wurde mehr und bald wollten sie heiraten. Sie besaßen nicht viel und es war ihnen klar, ihre Ehe wächst aus einer Liebe, die von Herzen kommt. Sie hat nichts zu tun mit Geld und Besitz. Sie waren fleißig in ihrer Arbeit. Langsam bauten sie sich ein Geschäft auf. Ihr kleiner Handel brachte ihnen Wohlstand genug, um sich selbst zu ernähren und auch anderen zu helfen. Plötzlich aber starb der Ehemann bei einem Unfall. Er hinterließ zwei Kinder. Ehefrau, Verwandte und Freunde arrangierten die Beerdigung in dem Dorf, in dem der Verstorbene geboren war.

In der Familie war es Brauch, dass man sich am dritten Tag nach der Beerdigung zusammensetzt. Das wichtigste Ziel dieses Treffens war es, die Familie ihres verstorbenen Bruders näher kennen zu lernen. Also stellte sich die Ehefrau mit ihren beiden Kindern vor. Doch die Familienmitglieder begannen untereinander zu tuscheln. Endlich teilte das Familienoberhaupt der Frau mit: „Wir können dich aus zwei Gründen in unserer Familie nicht akzeptieren: Erstens kommst du nicht aus unserer Volksgruppe. Und Zweitens seid ihr, als ihr geheiratet habt, nicht in unser Dorf zurückgekommen, um mit uns zu leben.“

Sie vertrieben die verwitwete Mutter und ihre Kinder. Außerdem eröffneten sie ihr, dass all ihr Eigentum an die Verwandten ihres Mannes übergeht. Sie nahmen ihr die Schlüssel für ihr Haus und ihr Auto ab. Damit konnte sie nicht mehr in das Haus zurückkehren, in dem sie mit ihrem Mann und ihren Kindern gelebt hatte. Das ganze Eigentum war ihr genommen. Damit war sie obdachlos. Die Ausbildung der Kinder war beendet, weil die Witwe das Geld dafür nicht mehr aufbringen konnte. Für sie war das die zweite Tragödie gleich nach dem Tod ihres Mannes und Vaters ihrer Kinder. Mutter und Kinder weinten bitterlich.

 

Sie hatte aber eine gute Freundin, bei der sie Trost fand.

Bei ihr konnte sie wohnen, als sie mit ihren Kindern in die Stadt zurückkehrte, wo auch die Freundin lebte. Ihre Freundin riet ihr, doch in die Kirche zu gehen, um dem Pastor zu erzählen, wie sie missbraucht und um ihre Rechte betrogen worden waren. Der Pastor empfing die Witwe und hörte ihr aufmerksam zu. Sofort rief er ein Gemeindemitglied an – einen Anwalt. Er erzählte ihm die Geschichte der verwitweten Mutter mit ihren Kindern, die ihres Eigentums beraubt und vertrieben worden waren.

 

Der Anwalt bat den Pastor, mit der Witwe und den Kindern in sein Büro zu kommen. Die Mutter hatte Angst, denn in unserer Gesellschaft sind die Kosten in der Regel sehr hoch, wenn man sich bei einem unabhängigen Anwalt Rat holt.

Aber Gott hörte die Klage der Witwe und ihrer Kinder. Sein Ohr war dieser Anwalt. Er sagte dem Pastor, dass er dieser Mutter helfen wollte. Und alle Kosten, die daraus entstünden, würde er als sein persönliches Opfer, seine Spende, übernehmen.

An diesem Tag begann die Mutter wieder Freude zu fühlen. Der Anwalt betreute diese Angelegenheit, bis das Gericht ein faires Urteil fällte. Das gesamte Vermögen des Verstorbenen und seiner Familie musste an die verwitwete Mutter und ihre Kinder zurückgegeben werden. Die Kinder durften weiter lernen und die Mutter setzte das Geschäft fort, das sie vorher gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann geführt hatte.

 

Beim Nachdenken über die Zeilen aus Jesus Sirach können wir Folgendes lernen:

  • Gott ist ein Gott für alle Menschen, reiche und arme. Er hört und antwortet Jedem*r, der*die sich in einer schweren Lebenssituation befindet, wenn er oder sie Gott darum bittet und mit Fleiß arbeitet. Schnell kann Gott die Lebensumstände verändern und aus arm wird reich. Er veränderte die Situation zweier junger Menschen, die aus armen Familien stammten. Gott segnete ihre Arbeit, das Werk ihrer Hände. So entkamen sie den armen Verhältnissen und wurden eine wohlhabende Familie. Auch Hiob verlor alle seine Besitztümer, er vertraute weiter in Gott. Er betete sogar für seine Freunde, die ihn ermutigten, und auch für die, die ihm das Herz brachen, als er mit seinem schweren Schicksal konfrontiert war. Gott belohnte ihn für seine Demut und gab ihm doppelt so viel zurück, wie er gehabt hatte (Hiob 42,10).

  • Das zweite, was wir aus den Versen 14 und 15 lernen können, ist, dass man sich auf Gottes Wort verlassen kann. Zum Beispiel, wenn es heißt: „Er ist ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen“ (Psalm 68,5).

Als die Witwe vor Gott klagte, sandte er einen Richter und einen Anwalt, um ihr zu helfen. Eine Jede, der oder die schwierige Zeiten durchlebt, in der sie oder er um ihre und seine Rechte betrogen wurde, sei es als Witwe, als Waise oder als armer Mensch, soll auch in der Gesellschaft, in der wir heute leben, nicht verzweifeln. Es gibt den Gott der Waisen, der Witwen und der Armen.

 

Und diejenigen, die andere unterdrücken, indem sie ihnen ihre Rechte nehmen, sollen wissen, dass es den Gott unseres Herrn Jesus Christus gibt, der:

  • das Leiden der Armen, der Witwen und der Waisen sieht.

  • die Schreie der Armen, der Witwen und der Waisen hört.

  • herabkommt, um sie zu verteidigen und ihnen ihre Freude zurückgibt.

Welche Rolle spielt die Kirche dabei?

  • Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden sollte ihre Gelegenheit wahrnehmen und ihre Stimme erheben. Sie soll die Gläubigen und die Gesellschaft aufklären, darüber, dass gleiche Rechte für alle gelten.

  • Die Kirche soll sich verbünden mit denen, die das Recht derer verteidigen, die keine Stimme haben. Sie soll sie ermutigen, die Unterdrückten zu unterstützen. Sie sollen sie anleiten, wirksame Mittel zu finden, die ihnen helfen, gehört zu werden und ihre Rechte wahrzunehmen.

  • Als Kirche, als Gemeinschaft der Glaubenden an Jesus Christus lasst uns Gott bitten, dass auch wir das Antlitz Christi in den Gesichtern der Armen, der Witwen und der Waisen sehen und den Dienst der Diakonie an denen leisten, die ihn benötigen.

  • Die Kirche soll besondere Gelegenheiten anbieten, damit Menschen durch das Wort Gottes gestärkt werden, damit sie sich ganz auf Gott verlassen und jederzeit zu ihm beten. Das beinhaltet auch das Angebot von speziellen Beratungsgesprächen für diejenigen, die auf ihrem Lebensweg schwierige Situationen erfahren müssen.

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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2 Übersetzung: Daniel Keiling (Teil1) und Gerhard Richter (Teil 2), aus: Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig, Rogateheft, 2021, S. 42-45

 

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             Das Lied der Engel wird wieder intoniert!                             

                   Predigtimpulse zu Lukas 19, 37-40

                 für den Sonntag Kantate / 02. Mai 2021

 

Liebe Lesende,

 

an Kantate geht es um Singen, Musik und Freude, doch genau das können wir bei uns in den Gottesdiensten auch in diesem Jahr nicht praktisch erleben. Wir brauchen noch eine Zeit im Kampf mit dem Coronavirus, bis öffentliches Singen und Musik wieder in die Kirchen zurückkehren können. Einige haben sich entschieden, das Singen stellvertretend durch vorsingende Solisten oder kleine Chöre in den Gottesdiensten am Leben zu erhalten. Aber das Singen gehört allen in der Gemeinde, wie das Beten und Reden mit unserem himmlischen Vater oder die Teilnahme am Abendmahl am Tisch Jesu oder der Zuspruch der Nähe Gottes in jedem Segenswort, das wir uns weitergeben.

Die Gedanken zum Bibelwort für diesen Sonntag warten auf die Zeit, in der wir nicht nur im Herzen das Loblied über Gottes Güte anstimmen, sondern wenn es im Gottesdienst wieder für alle laut und deutlich hörbar wird. Denn darum geht es in den Versen beim Einzug Jesu in Jerusalem: es ist nicht zu überhören, dass die Freunde und die Leute Jesu sich freuen und mit Jesus für sie eine neue Zeit angebrochen ist.

 

Das Bibelwort aus Lukas 19,37-40:

37 Als er das Wegstück erreichte, das vom Ölberg zur Stadt hinunterführt, brach die ganze Schar der Jünger in Freudenrufe aus; mit lauter Stimme priesen sie Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.

38 »›Gesegnet sei er, der König, der im Namen des Herrn kommt!‹« riefen sie. »Frieden bei dem, der im Himmel ist, Ehre dem, der droben in der Höhe wohnt!«

39 Einige Pharisäer aus der Menge erhoben Einspruch. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!«

40 Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!« (Neue Genfer Übersetzung)

 

1. Jesus reitet in die Stadt und kommt zu den Menschen

Wir kennen die Geschichte, von der hier eine kleine Episode erzählt wird: Jesus kommt kurz vor dem Passafest nach Jerusalem. Er reitet auf einem Esel, die Menschen jubeln ihm zu und mit ihren eigenen Kleidern bedecken sie den Boden des Weges, den er durch die Stadt nimmt. Danach, so schreibt der Evangelist Lukas, fängt Jesu an zu weinen, als er die Stadt und die Menschen sieht. Nun nehmen die Dinge ihren Lauf, die zum Kreuzweg Jesu dazugehören. Für seine Jünger endet der Weg nicht auf der Schädelstätte in Golgatha, sondern am Ostermorgen mit dem leeren Grab, indem die Verheißung des Sieges über den Tod erfüllt wird.

Jesus reitet in die Stadt ein und mitten unter denen, die dort wohnen, leiden die Leute Jesu in den kommenden Tagen mit, wenn ihr Herr angeklagt, verurteilt und getötet wird. Dieser Schmerz ist öffentlich sichtbar und auch die Freude der Freunde Jesu am Ostermorgen bleibt nicht eingesperrt und versteckt.

Glaube an Jesus ist damals keine Privatsache gewesen und es tut Petrus später unendlich leid, als er Jesus verleugnet und meint, seinen Glauben verstecken zu können. Jesus trägt die Menschlichkeit Gottes in seiner Liebe und in seiner Verletzlichkeit mitten hinein in die Stadt, da wo es gesehen wird und andere darüber reden. Auch unser Glaube lebt nicht allein als eine private Überzeugung oder eine persönliche Praxis, sondern auch als ein öffentliches Bekenntnis zu diesem Gott der Bibel in Jesus Christus. Das machte damals die junge Gemeinde angreifbar und bringt auch uns heute in konfrontative Diskussionen hinein.

 

2. Das Lied der Engel erklingt wieder

Hatten Sie beim ersten Lesen der Bibelverse auch das Gefühl, das schon einmal woanders gelesen zu haben? Der Lobpreis der Jünger hat eine berühmte Parallele in der Weihnachtsgeschichte. Dort jubeln die Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“1 Es sind nicht die gleichen Worte, aber am Anfang der Jesusgeschichte kommt Gott als Mensch in diese Welt und löst himmlischen Jubel aus.

Dieser Jubel der Engel bekommt in der Freude der Jünger, als Jesus in die Stadt Jerusalem einzieht, ein Echo. Der Biograph Lukas unterstreicht einen Wendepunkt in dem, wie die Jünger Jesus kannten:

  • In der Geburt Jesu in Bethlehem wird sichtbar, wie Gott Mensch wurde, um Menschen in ihrer Not zu erlösen.

  • Beim Einzug Jesu in Jerusalem wird sichtbar, wie diese Erlösung alle menschlichen Kategorien der Vorstellung sprengen wird.

Der Tod ist keine Grenze mehr. Die Botschaft vom neuen Leben am Ostermorgen überwindet alles, was die Kraft des Todes dieser Hoffnung entgegen setzten will.

Der Konflikt, den Jesus immer wieder im Gespräch mit den Frommen seiner Zeit provoziert, bricht auch nun auf. Die Pharisäer ärgern sich, dass der Jubel der Freunde Jesu so laut ist: „Geht es nicht etwas leiser? Muss alle Welt mitbekommen, was hier passiert?“

Jesus antwortet kurz angebunden: Wenn die Freude nicht so Worte und Töne finden darf, dann wird Gott sich noch ganz andere Instrumente suchen, um diese Freude hörbar zu machen. Sogar Steine könnten dann anfangen zu singen.2

In dieser Diskussion geht es um eine grundlegende Frage: kann alles beim Alten bleiben, wenn Gott neu seine gnädige Güte für Menschen und die Schöpfung offenbart? Wenn dem so ist, dann dürfte die Freude der Jünger ruhig etwas disziplinierter und leiser sein. Da müsste man den Pharisäern in ihrer Kritik zustimmen.

Doch Jesus widerspricht dieser Idee. Für ihn werden die Dinge nicht kleiner und bescheidener, wo Gottes Liebe sichtbar wird, sondern es verändert sich etwas und die fröhlich herausgesungene Freude ist genau die richtige Antwort auf dieses Wunder, was da passiert.

Diese Freude, auch wenn sie bis heute in lobenden lauten Liedern ihr Ventil findet, hat ihre Quelle in Gott.

Lukas wird in seinem Bericht nicht müde, immer wieder zu betonen, dass oft zuerst die, die niemand auf dem Schirm hatte, von dieser Freude tief und überraschend berührt werden. Maria lobt Gottes Gnade, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Zachäus mit seinen zwielichtigen Geschäften an der Zollstation krempelt alles von rechts auf links, als ihn diese Freude in der Begegnung mit Jesus packt. An Pfingsten wird durch die Ausgießung des Geistes aus dem verängstigten Haufen der Jünger eine Gruppe mutiger Zeugen für die Sache Jesu.

Denn dieses Lob will nicht andere in ihrer Großartigkeit besingen, sondern es ist eine Antwort auf die Erfahrung, wie befreiend das ist, wenn Gott einem Menschen in Christus nahe kommt und Gottes Geist ein Leben berührt.

 

3. Das Lob auf Gottes Güte sucht sich immer noch neue Töne

Mir kommt Jan Hutfilter in den Sinn.

In den Monaten mitten in der Coronapandemie hat er vor einem Jahr seinen Kampf gegen den Krebs verloren und ist verstorben. Wir sind zusammen in der Jugendgruppe in Wilhelmshaven aufgewachsen. Die Ausbildung und die Familiengründungen führten uns in sehr unterschiedliche Teile der Republik und in den vergangenen Jahren hatten wir uns aus den Augen verloren. Doch es gab trotz der äußeren Entfernung immer eine lebendige innere Verbindung zwischen uns.

Jan wurde die Musik nicht in die Wiege gelegt, aber er hatte als Jugendlicher Feuer gefangen für das Chorsingen und das Musizieren. Er übte für sich allein unermüdlich am Klavier neue Lieder und fand heraus, wie die Melodien der verschiedenen Stimmen nach den Noten der Partituren klingen müssten. Aus der inneren Freude an der Musik wurde professionelles Können. Er studierte Musikwissenschaft und war dann viele Jahre als Pädagoge und Musiklehrer tätig.

Ihm war die Gabe gegeben, andere mit seiner Freude an einem Lied anzustecken.

Im Jugendkreis übten wir solange an dem Popsong „California Dreaming“, der vor über 50 Jahren weltweit zum Hit wurde, bis alle vier Stimmen des Songs von uns harmonisch intoniert werden konnten. Diese Ausdauer hatte Jan auch mit uns, wenn es um die christlichen Songs ging. Viele Andachten hatten ihren ganz besonderen Augenblick, wenn die Männerstimmen in die ersten Takte von „Sing Halleluja to the Lord“ einstimmten. Gleich danach folgten die Frauenstimmen und setzten ihren musikalischen Kontrapunkt dazu, bis am Ende beide Melodielinien sich verbinden und im Halleluja enden.3

In bin froh, mit Jan Hutfilter einen Lobsänger der Gnade Gottes kennengelernt zu haben. Denn der Glaube braucht es, dass wir uns von Anderen in ihrer Freude anstecken lassen, dass auch an sehr überraschenden Orten das Lob Gottes ertönt und wir mit unserem Loblied andere zum Mitsingen und Danken anstimmen können.

Heute ist ein guter Tag, um wieder mal nachzuschauen, ob ich noch sicher bin in der Melodie meines Lieblingsliedes zum Lobe Gottes oder wo sich in meiner Musiksammlung die Aufnahme versteckt, die mich immer wieder besonders berührt hat.

Ehre sei Gott in der Höhe.“

Amen.

 

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

Büro Detmold: Mühlenstraße 16 / 32756 Detmold / Tel.: 05231.23297

od.: 0176 – 239 236 20 / e-mail: guenter.loos@emk.de / home-office: 05232.9805270

 

1 Siehe Lukas 2,14

2 John Wesley schreibt in seinen Anmerkungen zu diesem Vers: “God would raise up some still more unlikely instruments to declare his praise. For the power of God will not return empty.”

3 In der Church of Christ in Chicago hat ein virtueller Chor dieses Lied vor gut einem Jahr neu aufgenommen und öffentlich gemacht. Lassen Sie sich selbst von dieser Melodie und den Worten anrühren: https://www.youtube.com/watch?v=IBp1PYhHWC8

 

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                                 Unbekannte Größe?                                                

               Predigtimpulse zu Apostelgeschichte 17, 22-34

                          für den Sonntag Jubilate 2021

 

Liebe Lesende,

es wird nicht nur Frühling, sondern die warmen Tage schicken uns ihre ersten Boten. Ich sah in dieser Woche die wieder Mücken in der Luft tanzen. Ein Schwarm an Insekten war scheinbar nur mit sich selbst beschäftigt und setzte eine sich bewegende Wolke mitten in das Sonnenlicht des Gartens hinein.

Am Sonntag Jubilate dürfen wir hinschauen, was da um uns her diese Welt belebt. Und wenn Sie die aufgeblühte Tulpe oder die wunderbare Kirschblüte länger bewundert haben, dann kommt vermutlich auch bei Ihnen ein Augenblick, wo Sie sich fragen: wer steckt hinter diesen alltäglichen Wundern? Was ist das für ein Gott, der mit so überschwänglicher Kreativität diese Welt geschaffen hat? Paulus, so erzählt es die Apostelgeschichte, soll an dem Platz, der in seiner Zeit der Mittelpunkt für Kultur und Philosophie gewesen ist, diese Gedanken ausgesprochen haben. Folgen wir ihm nach Athen im 1.Jahrhundert n.Chr.:

 

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach:

Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29 Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören.

33 So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. 34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen. (aus Apostelgeschichte 17, 22-34 nach Luther 2017)

 

Ich muss Ihnen gestehen, dass diese Geschichte des Paulus in Athen bei mir keine guten Erinnerungen weckt. Ich sollte im Abitur an diesem Text rhetorische Stilmittel üben und entdecken. Denn im griechischen Originaltext gibt es da einiges zu erforschen.

Aber es macht einen entscheidenden Unterschied aus, ob Sie einen Text lesen, weil Sie nach Impulsen und geistlicher Erbauung suchen, oder ob Sie beim Lesen danach suchen, wie der Schreiber mit Sprache gespielt hat und sein Anliegen mit überraschenden Wortspielen an den Mann und an die Frau bringen wollte. Nach dieser Klausur in der Schule war der Text für mich lange Zeit einfach verbraucht und ich werde auch heute mit Ihnen diesen Text nicht mehr als ein berühmtes Beispiel für die Redekunst des Altertums lesen.

Denn Paulus redet von Gott und fragt seine Zuhörer*innen damals und uns als Bibellesende heute an, ob unsere Vorstellung von Gott mit dem zusammenpasst, was die Bibel von Gott zu erzählen hat, oder ob wir ein für uns fremdes Wesen als Gott anbeten.

 

1. Wenn die unbekannte Größe ins Spiel kommt…

In den Coronamonaten sind wir zu Infektionsexperten und -expertinnen geworden. Wir verstehen besser, was es heißt, wenn sich eine Entwicklung nicht einfach kontinuierlich und gradlinig sich fortsetzt, sondern exponentiell – d.h.: in jeweils gleichen Zeitschritten verdoppelt sich das Wachstum. Wenn die Erkrankung von immer mehr Menschen nicht konsequent eingeschränkt wird, dann explodieren nach wenigen Wochen die Zahlen von zu behandelnden Patienten in den Kliniken. Doch bei aller Forschung in diesen Wochen bleibt immer noch der unbekannte Faktor X:

  • Hilft die Vorsorge mit ihren Abstandsregeln und Hygieneauflagen auch gegen eine nächste Variante des Coronavirus?

  • Könnte die Pandemie durch schnelle Impfungen und viele Testungen überall nicht viel schneller besiegt sein, als es die Experten heute noch vermuten?

Wir sind nach kurzer Zeit mit unseren Analysen und Erklärungen über dieses neu entdeckte Virus sehr weit gekommen, aber es bleibt genug zurück, was in dieser Situation unberechenbar und nicht planbar ist. Da wünschen sich viele vielleicht auch heute so einen „Altar für den unbekannten Gott“, an dem man sich mit all dem, was man gerade wieder mal nicht so genau weiß, seelisch Luft verschaffen kann.

In Brasilien lernte ich eine religiöse Strömung kennen, die viele Jahre nun schon „Erfolgsgeschichte“ schreibt. Die Prediger versprechen all denen, die nach ihren Vorgaben glauben - und vor allem Geld spenden –, Gottes Segen. Dieser Segen hilft bei den Eheproblemen, schenkt ein gutes Einkommen und löst alle Probleme, an denen das eigene Leben zu zerbrechen droht. Denn man gehört zu den besonders von Gott erwählten Menschen, wenn man sich für diese Kirche engagiert. „Das bringt mir was“, sagen viele, die hier in den Gottesdienstes sitzen und raus wollen aus ihrem jetzigen Leben.

Der Gott, der hier angebetet wird, hat nur auf den ersten Blick einen bekannten biblischen Namen. Der ehrlichere Name dieses so fromm daherkommenden und angebeteten Gottes lautet oft einfach ICH.

  • Ich bin wichtig und muss vorankommen.

  • Ich muss gesund werden und brauche Heilung.

  • Ich brauche Unterstützung und will etwas aus mir machen.

  • Ich...

Paulus zeigte in Athen, wie man dieser religiösen Manipulation, die Gott zum Mittel der eigenen Erfolgsgeschichte machen will, beikommen kann: den Dingen und den unbekannten Größen muss der richtige Name gegeben werden.

Paulus kennt keinen unbekannten Gott, sondern nur den Gott, der alles geschaffen hat und aus dem heraus wir leben können (siehe V.28: Denn in ihm leben, weben und sind wir).

Der Gott Israels, Jakobs und Abrahams ist der, den Jesu seinen Vater im Himmel nennt.

 

2. Der Unbekannte ist der lebendige Schöpfer des Himmels und der Erde

Zur vergangenen Woche gehörte ein spannendes Lehrstück politischer Entscheidungsfindung. Die größte Partei im Land, die CDU, hat sich entschieden, die Wahl ihres Kandidaten fürs Kanzelamt einem leitenden Gremium zu überlassen. Doch auf großer Bühne wurde gleichzeitig diskutiert, dass viele Parteimitglieder diese Entscheidung nicht verstehen. Es blieb vielen ein Rätsel, warum die Entscheidung so gefällt wurde, wie sie am Ende war. Doch eine politische Partei braucht die innere Zustimmung von vielen ihrer Anhänger*innen, um gut für ihre Sache werben zu können.

Das Unbekannte, was man nicht versteht, weckt keine Begeisterung oder die Kraft, sich für Andere oder die gemeinsame Sache einzusetzen. Paulus gibt dem unbekannten Gott nicht nur einen Namen, sondern zeigt den Weg, für den dieser Gott steht. Gott, der sich in seiner Macht im leeren Grab am Ostermorgen gezeigt hat und sich immer neu in seiner Liebe für alle von ihm geschaffene Kreatur offenbart, lässt uns auf unserem Weg nicht allein ziehen.

Gott legt sich fest und wir sind Ziel seiner Festlegung.

Wir sollen am Ende unserer Glaubensreise nicht sagen:

Es war sehr interessant, aber wo ich war und wo ich hingekommen bin, das weiß ich nicht.“

Wir sollen bekennen können:

Ich weiß, wer mich erlöst hat, wer mich heute und morgen trägt und wer mich am Ende dieses Tage mit offenen Armen erwartet und eine Wohnung für mich in seinem Haus bereit hält.“

Wir reden von dem Gott, des alten und des neuen Bundes, der auch heute in seinem auferstandenen Sohn mitten unter uns ist.

Darum: Jubilate Deo - Gelobt sei Gott!

Amen.

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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Jahreslosung 2021 - Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. | . Lukas 6, 36