Hier finden Sie Andachten unseres Gemeindepastors 

 

 

            ...   angedacht    ...   angedacht     .....    angedacht .....             

 

September

 

 

                                        Die Seele pflegen                                               

 

Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seine Seele krank wird. Was nützt dann dieser Gewinn?“, so fragt Jesus die Freunde, die mit ihm unterwegs sind (Matthäus 16, 26). Die Antwort versteckt er in seiner Frage gleich mit: “So ein Leben nützt niemandem etwas.”

Im Spätsommer und Herbst will uns dieser Monatsspruch für September auf die Spur setzen, selbst Bilanz zu ziehen, ob die persönliche Pflege unserer Seele in einem passablen Zustand ist oder ob wir da einen besonderen Pflegebedarf haben. Im Denken der Bibel und auch von Jesus ist die Seele kein geheimnisvolles Etwas, das sich irgendwo in unserem Körper versteckt. Vielmehr versteht sich alle Lebensäußerung eines Menschen als Ausdruck der Seele.

So sind der permanente Kopfschmerz oder der kaputte Rücken ein Ausdruck für eine organische Erkrankung oder Schwäche, aber sie sind auch Faktoren dafür, wie es uns seelisch geht. Viele Erkrankungen werden inzwischen als Folge einer bestimmten beruflichen Tätigkeit anerkannt. Wer nach kräftezehrender Tätigkeit irgendwann nicht mehr kann, bekommt neben der Krankschreibung und der möglichen Verrentung besondere Kuren und Therapien verschrieben, damit Arbeit und die körperlichen Kräfte wieder in ein gesundes Gleichgewicht kommen können. Die Frage nach der eigenen Seelenpflege ist im Sinne Jesu die Frage nach unsere grundsätzlichen Lebenssituation: Stehen die Zeiten der Erholung mit Zeiten der Arbeit und Anspannung im gesunden Verhältnis zueinander? Kreisen die Gedanken immer nur um die beruflichen Probleme oder bleibt auch genug Raum für Familie, persönliche Hobbys und Engagement z.B. in der Kirche? Steigen in uns die Freude und das Loben auf oder ersticken Alltag und viele Probleme alle Leichtigkeit?

Was gewinnen wir - egal bei welcher Aktivität -, wenn unsere Seele keine Luft zum Atmen hat? So übersetzt sich die alte Frage Jesu in unsere Gegenwart. Wenn seine Freunde sich fragen, wie man das eigene Leben auf ein solides Fundament stellen kann, hören sie von Jesus oft die Antwort: Folge mir nach! Die Pflege der Seele ist bei Jesus keine Technik, die erlernt werden muss, oder eine philosophische Herausforderung, sondern eine Beziehungsfrage. Menschen, die betend mit Jesus im Gespräch sind, die ihre ethischen Entscheidungen mit den Sätzen der Bergpredigt im Kopf treffen und die die Gemeinschaft mit denen suchen, die selbst auf diesem Weg mit Jesus unterwegs sind, tun etwas für ihre Seele. Denn die christliche Seelenpflege lädt ein, die eigene Perspektive zu verändern und mit dem Anderen neu zu sich selbst zu finden.

Ihr Günter Loos!

 

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Sommer 2019

 

                                Langsam sein beim Zürnen !                                                   

 

Der Bibelvers in dieser Immanuelpost gibt ganz praktische Verhaltenstipps:

 

„Ein jeder Mensch sei schnell im Hören, langsam im Reden und langsam beim Zürnen.“ (aus dem Jakobusbrief, 1,19) Anders gesagt: Halte dich zurück, bevor dir der Kamm schwillt oder dein Blut in Wallung kommt!

 

Brauchen wir so einen allgemeinen Ratschlag aktuell?

Denn grundsätzlich pflegt man in lippischen Landen ja so oder so eine gewisse Zurückhaltung, bevor sich jemand ins Gespräch bringt oder gar einen Streit vom Zaun bricht. Es bewährt sich eben immer wieder erstmal hinzuhören, bevor wir „unseren eigenen Senf“ zu einem Thema dazugeben und am Ende durch unsere eigene unausgereifte Meinung selbst blamiert dastehen.

Doch seit längerer Zeit verändert sich etwas im öffentlichen Umgangston. Donald Trump hat die Politik weltweit mit seinen mal schnell dahingetippten Kurznachrichten verändert, und immer öfter finden kernige Sprüche auch in der öffentlichen Diskussion mehr Beachtung als wohlüberlegte Gedanken, die nicht immer mit 140 Zeichen (= Twitternachricht) formuliert werden können. Gegen die

Kultur der oberflächlichen Meinungsäußerung, die andere provozieren will, setzt die Bibel das Lob der Bedächtigkeit und der Fürsorglichkeit im Umgang

miteinander.

Wir müssen diesen Weg der Deeskalation in der methodistischen Welt z.Z. neu buchstabieren. Die Ablehnung der Segnung von homosexuellen Partnerschaften in der Kirche durch unser höchstes kirchliches Entscheidungsgremium, der Generalkonferenz, hat die Differenzen in diesem Themenfeld unter uns deutlich ans Tageslicht gebracht. Für einige ist dies Trennende in der Diskussion

nun wichtiger geworden als die vielen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen in Glaubensfragen, die uns zusammengebracht haben. Das Miteinander in der Kirche und Gemeinde steht in Gefahr, durch diese Polarisierung, den Kampf um Richtig und Falsch, vergiftet zur werden. Wo immer wir mit anderen reden, brauchen wir die heilsame Medizin des Bibelwortes, um gesprächsfähig zu

bleiben: Zuerst höre ich, frage nach, ob ich es richtig verstanden habe, und nehme mir viel Zeit zum Zuhören.

Dann nehme ich mir noch mehr Zeit, bevor ich antworte, und am meisten Zeit braucht es, bis ich es zu einem handfesten Streit kommen lasse. Der Psalmbeter wusste schon in grauer Vorzeit, dass Zeit am Ende uns von Gott geschenkt wird, aber wir entscheiden, wie wir unsere Zeit zum Segen für uns und andere richtig verteilen.

 

Ihr Günter Loos

 

 

April/Mai

 

 

                                            Unvergleichlich …..                                                     

 

Vielleicht geht es heute nur um die Chipstüte im Regal: zwar stimmt die Marke und auch die Verpackung macht etwas her, aber leider fehlen 50g Chips in dieser Tüte im Vergleich mit der Tüte, die daneben steht und das gleiche Geld kostet. An anderen Tagen bringt uns etwas Wichtigeres dazu, die Dinge genau zu vergleichen: Nehme ich die Wohnung mit dem hübschen Wohnzimmerausblick oder lieber das etwas größere Objekt ohne Panoramafenster, aber mit mehr Platz für alle Möbel?

Von David liest man in der Bibel von einer inneren Diskussion, die dieser mit Gott führt. Es geht ihm dabei um die Frage, ob sich Gottes Güte und Gottes gute Gaben, die ihm und seinem Volk Israel von Gott anvertraut sind, mit irgendetwas vergleichen lässt, was es sonst auf dieser Welt gibt. Seine Überlegungen kommen schnell an ein Ende und er sagt: „Es ist kein Gott wie Du, und es ist kein Gott außer Dir.“ (2. Samuel 7,22) Gottes Zuwendung in den kleinen und großen Dingen im Leben ist für David mit Nichts ihm Bekannten vergleichbar. So ganz selbstverständlich pflichtet man heute der Erkenntnis des berühmten jüdischen Königs Davids nicht mehr bei. Es sind die kleinen Dinge, die uns verführen, das Vergleichsportal auch in religiösen Fragen aufzumachen:

Fühle ich mich wohl, wenn ich dort in die Kirche gehe? Kann ich damit leben, wenn die Musik zwar überhaupt nicht meinen Geschmack trifft, aber dafür im Kirchengebäude alles schön aufgeräumt ist und die Gemeinde mich freundlich begrüßt? Macht es mir Mühe, engstirnige Glaubenspositionen auszuhalten, oder sind sie für mich sogar hilfreich, weil sie genau das aussprechen, was ich auch für richtig halte?

Bevor David von der Einmaligkeit Gottes schwärmen kann, macht er sich Gedanken darüber, ob man für Gott nicht einen neuen Tempel bauen sollte oder wie man sonst Gottes Größe im Land sichtbar werden kann. Die Antwort, die er auf seine Fragen erhält, fällt sehr nüchtern aus: Gott braucht keine Paläste oder Schätze, um sich mit seiner Liebe und Zuwendung zu zeigen. Um Gott zu begegnen, war in Israels Frühzeit ein Zelt als Heiligtum groß genug, und am Anfang der christlichen Gemeindegeschichte erzählen wir vom leeren Ostergrab als dem wichtigsten Wunder für unseren Glauben.

Wo Nebensächlichkeiten zur Hauptsache in Glaubensfragen werden, da muss viel abgewogen und verglichen werden. Doch wenn Gott uns nahe kommt in einem Augenblick der Stille oder wenn man in bedrängender Not von der Angst befreit wird, dann verstummt das Vergleichen und wir sind ganz nahe bei den Worten Davids. Gott bleibt auch heute unvergleichlich,

 

Ihr Günter Loos

 

 

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Februar/ März

 

Die Hoffnung lebendig halten ...

 

Ich gehöre zu den Menschen, die wehmütig an die Arbeit des pensionierten US-Präsidenten Barak Obama zurückdenken. Er hat mit einem Wort benannt, wie die globalen Sorgenkinder unserer Zeit gebändigt werden können: Change / Umkehr oder Veränderung. Paulus schrieb in einer anderen Zeit an Christen in Rom und verschwieg dabei nicht, wie schwierig das Leben für ihn und andere Christen in dieser Zeit war: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Römer 8, 18)

Zugegeben, in der Bibel steht nicht der Begriff „Change“, sondern von Offenbarung ist die Rede. In der Konsequenz geht beides aber in die gleiche Richtung: Wer umkehrt und die Veränderung wagt, wird hoffentlich sehen, auf was er mit Recht hoffen kann. Wenn die Zeiten gut sind und Menschen Segen und Frieden erfahren, dann spielt das zitierte Bibelwort keine große Rolle. Doch wenn der Alltag immer mehr als eine Serie von Leid und Unglück erlebt wird, stirbt die Hoffnung. Denen, die Leiden durchleben und ihre Lebensrichtung verlieren, wird mit diesem Wort Mut gemacht: Schau nicht auf das Chaos, sondern schau dorthin, wo es sich wieder leben lässt, weil die Dinge sich verändert haben. Veränderung ist möglich!

Seit einigen Monaten lebt die 16jährige Greta Thunberg diese Hoffnung auf Veränderung und Erneuerung. Jeden Freitag steht sie vor dem schwedischen Parlament und hält ein Schild mit dem Slogan: „Schulstreik für das Klima“. Sie will so lange weiter dort protestieren, bis in Schweden eine Klimaschutzpolitik umgesetzt ist, die ihr und ihrer Generation eine lebenswerte Zukunft eröffnet.

Viele Kinder und Jugendliche haben weltweit sich von Greta Thunberg begeistern lassen und demonstrieren nun in ihrem Land für eine nachhaltige Klimapolitik. Diese jungen Menschen sind nicht bereit, vor Klimaveränderungen zu resignieren oder die Trägheit bei der Umsetzung eines anderen Lebensstils einfach als ganz normal zu akzeptieren.

Am Ende, so würde Paulus vielleicht heute schreiben, wird unsere Hoffnung auf eine andere Welt, in der Christus die Maßstäbe für das Leben in dieser Schöpfung und miteinander setzt, erfüllt werden, weil wir heute nur ahnen können, wie groß Gottes Möglichkeiten sind.“ Ich hoffe, wir lassen uns von den demonstrierenden jungen Menschen anstecken, dort zu hoffen, wo andere den Glauben verloren haben, …weil auch Gott in seiner Liebe für jede Kreatur und diese Schöpfung nicht aufgibt.

 

Ihr Günter Loos

 

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                                               Ein Zeichen des Himmels

 

Am Ende des Jahres kommen die vertrauten Symbol wieder an ihre Plätze zurück. Ich mag das, wenn Kerzen, Handwerksschmuck und schöne Bilder für einige Zeit unseren privaten und öffentlichen Räumen eine ganz andere Atmosphäre schenken. Doch damit unsere Schmuckstücke nicht nur Dekoration für die kühle Jahreszeit sind, müssen wir auf die Geschichten achten, die zu den Sternen, Kerzen, Nikolausstiefeln und Krippenszenen gehören.

Der Evangelist Matthäus erzählt die Weihnachtsgeschichte etwas weniger idyllisch als Lukas und verschweigt nicht die Familienkonflikte von Maria und Josef, die zu ihrer Weihnachtsgeschichte gehört haben. Der Vater Josef ist ärgerlich, als ihm seine junge Frau ihre Schwangerschaft gesteht, und er plant ernsthaft die Trennung von ihr. Doch Matthäus schreibt in seine Geschichte die himmlischen Interventionen, die eintreten, wenn alles zu scheitern droht, mit hinein. Ein Engel überzeugt Josef, Gottes Wirken in dieser unglaublichen Geschichte zu sehen. Gelehrte Forscher, die jeden sichtbaren Planeten und die andere astronomische Phänomene ihrer Zeit untersuchten, nahmen eine besondere Sternkonstellation als ein übernatürliches Zeichen und machten sich auf die Reise vermutlich aus dem heutigen Irak in die israelische Gebirgs- und Hügellandschaft, um nach einem Königskind zu suchen. Ihre großen Zukunftspläne, die verbunden waren mit der Hoffnung auf eine bessere politische Ordnung und Frieden für alle durch den neuen König, drohten zu scheitern, bis sie ihr himmlisches Zeichen wiederfanden. Da sie den Stern sahen, waren sie überglücklich.“ (Matthäus 2,10) Ein Zeichen des Himmels, so deuteten sie diese Himmelserscheinung, leitet sie zum neugeborenen Königskind und zeigt den Menschen dortam ärmlichen Geburtsort, welches weltverändernde Ereignis sie miterlebt haben.

Die vielen trockenen Monate in der Region haben in uns eine Ahnung wach werden lassen, was die Klimaveränderung für uns heißen könnte. Die politisch neu angeheizten Konflikte um die Macht einzelner Nationen in Russland, den USA und in China lösen Ratlosigkeit und Ängste aus. An vielen Stellen holpern die wohlvertrauten Prozesse in unserer Welt, und die Sehnsucht nach einer besseren Ordnung verbindet uns mit den Sterndeutern aus dem Morgenland. Die Weihnachtssymbole begleiten uns wieder in den kommenden Wochen, aber finden wir auch die Botschaft, die zu diesen Zeichen gehört? In Situationen hinein, wo wir und andere uns in Streit und Konflikten unversöhnlich gegenüberstehen, erinnern uns Sterne und Kerzen daran, dass mit Jesus das alles überstrahlende Licht Gottes unsere Welt mit Frieden durchdringen will.

 

Ihr Günter Loos

 

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                          Sehnsucht haben

 

Gott, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen“ (Psalm38,10)

Ja, bei Gott darf man die ganz persönlichen Dinge offen machen. Unsere Sehnsüchte und Träume verstecken viele Ideen, die oft nicht mal mein bester Freund / meine beste Freundin oder mein/e Ehepartner/ in kennt. Für mich war Udo Jürgens einer der großen Künstler unserer Zeit, der die Sehnsüchte von vielen in wunderbare eingängliche Melodien und Texte gegossen hat. Erinnern Sie sich an „Ich war noch niemals in New York..“ und spüren Sie, wie da ein wenig die eigene Sehnsucht wachgerufen wird?

Ein Liedermacher vor über 2000 Jahren hat im Psalm 38 offengelegt, wie genau Gott weiß, was diesen Dichter im tiefen Inneren umtreibt. „Alle Sehnsüchte meiner Seele,“ so schreibt er in unsere Bildwelt übersetzt, „liegen wie ein offenes Buch vor Dir, Gott.“ Dabei kämpft dieser Mensch mit dramatischen Schicksalsschlägen, Krankheiten und steckt tief in Konflikten mit anderen. Wer in solch ein raues Fahrwasser im Leben gerät, verliert leicht alle Hoffnung. Das Sehnsuchtslied in der Bibel ist auch ein bis heute nur schwer zu ertragendes Klagelied. „Es fehlt nicht mehr viel, und ich stürze“, so endet diese Litanei.

Vielleicht brauchen wir tatsächlich die Grenzerfahrungen, um von unseren tiefen Lebenssehnsüchten offen reden zu können. Was wir ersehnen, zerbricht das, was uns heute die Luft zum Atmen abschnürt. Für einige ist dies der Streit mit jemandem, mit dem man mal eng zusammen war und wo im Miteinander Hass und Gewalt immer mehr Raum einnehmen. Anderen schnürt es die Lebensluft ab, dass nichts mehr normal funktioniert. Der eigene Lebensunterhalt ist nicht gesichert, Schulden und Sorgen nehmen jeden Entscheidungsspielraum und eine Krankheit raubt vielleicht noch die letzten Energien.

Doch wir tragen weiter die Sehnsucht in uns und können ihr Namen geben: Frieden mit anderen, Sicherheit im Lebensalltag, Hilfe und Heilung in Krankheit. Danach sehnen wir uns.

Eine Liederdichterin unserer Zeit hat die Quelle der Sehnsucht ihres Lebens bei Gott entdeckt: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“ (Anne Quigly 1992) Das Bibelwort stößt trotz des dunklen Hintergrunds, in dem es aufgeschrieben wurde, eine Tür in die Zukunft auf: wenn wir unsere tiefe Sehnsucht spüren können, wächst darin auch die Kraft, mit Gottes Hilfe die Dinge zu tun, die uns am Ende wieder frei und erfrischt atmen lassen. Sehnen Sie sich mit danach.

Ihr Günter Loos

 

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Gott ist die Liebe ….“.

singen die Seniorinnen und Senioren - und plötzlich sieht man Bewegung in den Gesichtern. Die Menschen sind ganz bei der Sache. Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht: Das Lied von der Liebe Gottes ist bei Andachten mit Menschen, die an Demenz leiden, oft ein Türöffner in eine innere Welt, in die Worte allein nicht mehr vordringen können.

Das Bekenntnis, das Gott mit dem Wort Liebe beschreibt, hat seinen Ursprung im 1. Johannesbrief: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh. 4,16)

Dieses alte Wort ist heute noch genau so modern wie unter den ersten Christen-gemeinden.

Der Gott, den Jesus liebevoll Abba (Väterchen) genannt hat, steht nicht für Strafe, Angst und Rache, mit denen viele andere Religionen ihr Gottesbild ausmalen. Der Gott der Bibel reagiert auf die menschliche Lust an Zerstörung und Chaos mit „himmlischer“ Gnade, die von der Liebe durchdrungen ist. So öffnet Gott die Möglichkeit eines Neuanfangs für unsere Beziehung zu ihm und untereinander.

Liebe wird heute oft mit vielen Erwartungen und Träumen überfrachtet und auch erdrückt. Aber noch nie haben sich alle Probleme dadurch lösen lassen, dass man die Liebe fürs Leben findet oder sich noch mal richtig liebevoll im Miteinander anstrengt, damit alles wieder gut wird. Doch die modernen Romeo-und-Julia Geschichten, wo der Sturm der Liebe so richtig tobt, machen Mut, die Möglichkeiten dieser Mischung aus Gefühlen, Überlegungen und Entscheidungen mit dem Namen Liebe nicht klein zu rechnen. Weil wir unsere Beziehungen verantwortlicher und oft auch kreativer leben können, wenn die Liebe das Gemeinsame trägt, so sieht diese Welt anders aus, wenn Gott mit seiner Liebe in ihr sichtbar wird.

Bei den Besuchen in den Seniorenresidenzen treffen Sie Mitarbeitende, die den Bewohnerinnen und Bewohnern bei allen Tätigkeiten am Tag zur Hand gehen. Von morgens beim Aufstehen bis abends zur Schlafenszeit ist jemand da, führt den Löffel oder hilft bei der Körperhygiene.

Von denen, die diese Arbeit tun, habe ich immer wieder gehört, dass dieser Beruf als eine Berufung gelebt werden muss. Die Fachkräfte buchstabieren jeden Tag in ihrer Arbeit neu durch, wie viel Kraft und Geduld die Liebe uns abverlangt. Doch damit verbindet sich eine andere Erfahrung: Gottes Liebe wird spürbar, wo wir – ohne selbst viel zurückgeben zu können – annehmen, dass Gott im Anderen und in seinem Wort für mich da ist.

Ihr Günter Loos!

 

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Engel zu Besuch zu haben, ist schön!

Für die Sommerwochen begleitet Sie und mich ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief:

Vergesst nicht gastfrei zu sein, denn dadurch haben viele schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Heb. 13,2)

Gestern habe ich meine Cousine Ute und ihre alte Freundin Sherry zum Zug gebracht. Die beiden haben einen lange gehegten Traum in die Tat umgesetzt und reisten

als Kanadierinnen für drei Wochen kreuz und quer durch Europa. In den wenigen Stunden, die sie bei uns zu Gast waren, habe ich mich gefreut, Neuigkeiten von den Familienangehörigen in Kanada zu erfahren, und mit Sherry lernte ich jemand kennen, die auf ihrer Reise für sich erstaunliche Entdeckungen gemacht hatte. Vieles, was sie bis dahin gelesen und gehört hat, war vor Ort doch ganz anders, als sie erwartet hat. Immer wieder fragte sie: „Warum ist das so und warum macht ihr das so?“ Die Engel, die wir als Gäste empfangen, haben einen überraschend anderen Blick auf unseren Alltag und öffnen uns neue Perspektiven.

In der Bibel wird spannend erzählt, wie der Nomade Abraham drei Boten als Gäste in seinem Zelt empfängt, und diese sind Boten Gottes, die seine ganze Lebensplanung

verändern. Ihm und seiner Frau wird trotz ihres hohen Alters die Geburt eines Kindes angekündigt. Gott nutzt Engel, wie die Boten Gottes in der griechischen

Welt genannt werden, um zu zeigen, wie nahe er uns im Alltag sein will und wie anders sich mit Gottes Hilfe ein Leben entwickeln kann. Egal, ob Sie mit Ihren Gästen entdecken, wie viele Gemeinsamkeiten durch den Glauben und die inneren

Überzeugungen Sie verbinden, oder ob die Gespräche bei den Ausflügen oder den Mahlzeiten Ihnen selbst wichtige neue Erkenntnisse schenken, es bleibt spannend, wen

Gott uns als Bote des Lebens ins Haus schickt.

Ihr Günter Loos!

 

 

 

Voll Zuversicht

Zuversicht steckt an. Es regnete und der Blick durchs Fenster ließ nichts Gutes erwarten. Aber die Ansage an alle war: heute Nachmittag wird das Wetter aufklaren und wir können draußen einen Spaziergang machen.

Alle kamen aus der Kaffeepause mit festem Schuhzeug und warmer Jacke zurück und freuten sich auf den Spaziergang. Es hatte dann zwar immer noch geregnet, aber durch die Offenheit und das fürsorgliche Miteinander in der Gruppe fiel dies am Ende niemandem mehr auf.

Zuversicht hilft bei der Erklärung, was christlicher Glaube ist: „Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.“ (Hebräerbrief 11,1)

Die Widersprüche, die im Alltag des Glaubens aufbrechen, werden nicht geleugnet, sondern durch die Zuversicht auf etwas viel Umfassenderes ins richtige Licht gerückt. Die öffentliche Diskussion nach vielen Monaten der Neuorganisation der Regierung in unserem Land hätte mehr Zuversicht gebrauchen können. Keine verantwortliche Politik kommt ohne die Hoffnung aus, dass Probleme gelöst werden können und dass es heute genug Möglichkeiten gibt, um die Dinge zu verändern. Ohne Zuversicht und Glaube wird verwaltet, betreut, und Menschen verschwinden hinter Aktenzeichen und Bearbeitungsnummern.

Wagen wir im privaten und übersichtlichen Rahmen, der Zuversicht Platz einzuräumen, und vielleicht zieht das dann größere Kreise. In den Wochen der (Nach-)Osterfreude darf man mit gutem Grund Gott für den weiten Horizont danken, in den er unser Leben stellt. Nicht die oft immer gleichen Versuche, mit eigener Kraft das Glück zu fassen, sind das Thema der zuversichtlich Glaubenden, sondern es geht um ein neugieriges Suchen und Ausprobieren, wie Gottes Gegenwart diesen Tag und diese Woche verändert. Die Transformation des kaputten und heillosen in erlöstes neues Leben gelingt immer noch, weil hoffnungsvolle Zuversicht die Liebe Gottes als dynamische Kraft mitten unter uns ernst nimmt.

 

Ihr Günter Loos

 

 

 

                                      .. zur Passionszeit                                        

 

                                              Voll und ganz

  

So habe ich dieses Bibelwort noch nie gehört, aber es ist eine gute Übersetzung:

 Jesus Christus spricht: Es ist getan. Voll und ganz. Bis zum Ende.“ (Johannes-Evangelium 19,30)

Jesus sagt im Urtext der Bibel bei seinem Sterben ein Wort, das sich auch übersetzen lässt mit „am Ziel“ oder „es ist vollbracht“. Sein Leben endet in der Hinrichtung als politischer Aufwiegler am Kreuzauf dem Golgatha-Hügel. Die Zuschauer dieser Hinrichtung riefen lauthals ihren Spott und ihr inneres Bewegt-sein in die Menge und die Frauen mit der Mutter Jesu weinten ihren Schmerz heraus. „Es ist vollbracht“, singen die Frauen in der Johannespassion von Joh. Seb. Bach. Jesus lebt konsequent bis zum Ende das, was er predigt. Sein Thema war, wie Menschen neu der Kraft Gottes als dem liebenden Schöpfer ihres Leben vertrauen lernen und wie sie aus den Abhängigkeiten von lebenszerstörenden Mächten befreit werden. Nur wer eine neue Beziehung mit Gott findet, wird die Bindung an ausbeutende Ideen und versklavende Hoffnungen auflösen können. Jesus stirbt, weil Menschen mit ihren Ideologien keinen Raum für Gottes gnädige und versöhnende Macht gelassen haben. Gott will nicht mit Gewalt oder Rache diese Welt verändern. Wer über dieses schreckliche Bild des verblutenden Christus nachdenkt, merkt, wie die Liebe Gottes zu jedem Geschöpf eben nicht mit dem Vertrauen von Menschen in diese Liebe beantwortet wird.

Es ist getan“ heißt bis heute: der falsche Glaube, mit Gewalt und Terror auf Gottes Seite stehen zu können, ist entlarvt. Gott ist bei Christus, der Opfer dieser Gewalt wird. Das Mittel, mit Schmerzen andere zwingen und strafen zu wollen, ist in Jesu Tod und dem Tod aller derer, die zum Opfer von Gewalt werden, an seine Grenze gekommen. Mehr als den Tod zu erleben geht nicht. Doch die Liebe Gottes stirbt nicht an Karfreitag.

Ich wünsche uns, dass wir in der Passionszeit hinter diese radikale Überzeugung nicht zurückgehen,

 Ihr Günter Loos!

 


                                      Zum Neuen Jahr                                                  

                          

                         Lebendiges Wasser“  

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6)

Mit diesem Wort werden wir mitten in der kirchlichen Weihnachtszeit am Anfang des Jahres 2018 begrüßt.

Ich freue mich über dieses biblische Mottowort für das neue Jahr, denn es hat in der methodistischen Geschichte einen besonderen Platz bekommen. Als John Wesley am 9. April 1739 in der verrufenen Bergleutekolonie in Kingswood bei Bristol seine erste Predigt auf der Straße hielt, redete er über dieses Bibelwort. Wer Not litt und wen der ganz normale Alltag viel Kraft kostete, der hörte damals in Kingswood und hört heute in Lippe diese Zusage Gottes als eine Chance für sein eigenes Leben.

Wasser ermöglicht überall auf diesem Planeten das Leben. 2014 konnte ich im Hinterland von Recife/Brasilien sehen, was den Unterschied zwischen genügend Wasser und Wassermangel ausmacht. Durch die kurze und oft auch unregelmäßige Regenzeit muss dort Wasser in Zisternen gesammelt werden, um in der Trockenzeit nicht dursten zu müssen. Unsere Kirche vor Ort hat mit Habitat, einer weltweit tätigen Hilfsorganisation, und der Kinder-helfen-Kindern Sammlung den Bau von Zisternen organisiert und das Leben im Dorf verändert. Nun ziehen wieder Menschen in diese Region, weil sie auch mit wenig Besitz in der trockenen Landschaft überleben können. An dem Brunnen vor der Kirche in Varjada, wo jeder Dorfbewohner umsonst sich Wasser zapfen kann, hängt eine Tafel mit dem Bibelwort: „Jesus, das Wasser des Lebens!“ Denn darum geht es: Wenn der innere Lebensdurst gestillt wird, verändert sich ein Mensch. Ich wünsch Ihnen und mir viel lebendiges Wasser in der Adventszeit und im neuen Jahr für unseren eigenen Lebensdurst.


Ihr Günter Loos!


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Das Bibelwort für den November nimmt uns mit auf eine Zeitreise, ca. in das Jahr 540 vor unserer Zeitrechnung. Menschen lebten als geduldete Ausländer nach ihrer Zwangsumsiedlung aus Jerusalem im heutigen Irak, wo Babylon seine ganze Pracht und Herrlichkeit zur Schau stellt. Das zentrale Bauwerk in der Hauptstadt war ein riesiger Tempelbau, der wie ein Pyramidenturm sich in den Himmel schraubte. Die Götter der Babylonier waren mächtig, großartig und unberechenbar. Nur wenige auserwählte Priester besaßen das Privileg, Kontakt mit den Göttern aufnehmen zu dürfen. Die Religion und die absolute Regierung der Könige in diesem Land erwarteten vor allem anderen Unterordnung und Tribut von den normalen Bürgern im Land.

Der Prophet Hesekiel erzählte von einem anderen Gott und fand bewegende Bilder vom Leben in diesem Gottesglauben. Dieser Gott, von dem wir bei Hesekiel in der Bibel lesen, spricht: „… Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Hesekiel 37,27)

Da gibt es keinen hohen Turm, von dem Gott über entrückte Priester Anweisungen an das Volk weitergibt, oder einen König, der gottgleich über andere richtet. Hesekiel sieht Gott als den, der Mitbürger ist und angesprochen werden kann von jedem, der Gottes Nähe sucht. Gott hört zu und kennt seine Leute.

Für viele war das versteckte Thema in diesem Wahlkampfjahr, ob die da oben“ noch wissen, wie es einfachen Leuten im Alltag ergeht. Die Bibel setzt einen klaren Punkt in dieser Diskussion: nur wo Mächtige und Einflussreiche sich dazu bekennen, selbst Mitbürger ohne besondere Privilegien in einem Volk zu sein, wird ein gerechtes Miteinander in einer Gesellschaft wachsen können. Denn Gott selbst wohnt schon lange bei seinen Leuten und wird uns in Christus Bruder, Mitbürger und Mitmensch.

Ihr Günter Loos




... für OKTOBER


Einige Gefühle kann man nur schwer beschreiben. Versuchen Sie mal Freude zu erklären! Eine Erzählung erleichtert die Erklärung.

Darum erzählt wohl auch Jesus einige Beispielgeschichten als Antwort auf die Frage, wie sehr sich Gott über Menschen und ihre Neuanfänge freut. Diese Freude, erzählt Jesus, ist wie die Freude eines Hirten, der nach langem Suchen sein Schaf lebendig und unverletzt wiederfindet. Aber es ist auch die Freude einer fast mittellosen Frau, die einen größeren Geldschein verlegt und ihn dann nach langem Suchen irgendwo vielleicht zwischen zwei Büchern wiederentdeckt.

Schließlich erzählt Jesus von der Freude eines Vaters, der lange darauf gewartet hat, dass sein Sohn zurückkommt, und nun ist der Sohn wieder da. Alle drei Geschichten stehen unter dem Motto: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“. (Lukas 15,10)

Überraschend häufig freuen sich Andere nicht mit, wenn jemand eine Lebensänderung erlebt. Man bricht mit seinen alten Verhaltensweisen und Freunde oder engste Bekannte nehmen das nicht richtig ernst. Sie warten

z.B. erst mal ab, ob die neuen Ideen die nächsten Tage überstehen. Was man sich da vorgenommen hat, muss ja nicht gleich funktionieren, sagen sie. Andere lassen ihren Freund oder ihre Freundin einfach nicht aus der alten Rolle aussteigen. Neuanfänge sind in sich schon große persönliche Projekte, aber die fehlende Unterstützung von außen überfordert viele mit ihrer „Umkehr“.

Gott ist auf unserer Seite, wenn wir etwas im Zentrum unseres Lebens anders machen wollen. Im Himmel herrscht Freude, weil Gott selbst mit unseren Sackgassen und den Entscheidungen, die uns in diese Sackgassen bringen, leidet. Freuen wir uns doch einfach mit, wenn sich sogar der Himmel freut!

                                                                                         Ihr Günter Loos

Jahreslosung 2019 - Suche FRIEDEN und jage ihm nach. | . Psalm 34, 15